ESK kämpft entschlossen in Parchim

cubika

Tag 1 – EZF (18km)
Fast zeitgleich mit Meister Acke treffe ich an unserem Quartier ein. Ausladen und schnell die Startunterlagen in Parchim abholen, wo wir auch auf unsere weiteren Mitstreiter treffen.
Der Start des Zeitfahrens liegt in Luebz und so ist auch ein standesgemaesses WarmUp gesichert. Dabei duerfen wir schonmal die Strecke in Augenschein nehmen – wohl doch nich so ganz eben. Die Fahrer der Amateurrundfahrt sind schon kraeftig am Kurbeln und mir schwant fast, dass das wieder ein ein heftiger Kampf werden wird.
Leider hatte ich mein Projekt Zeitfahrrad nit mehr rechtzeitig fertigstellen koennen. So ging ich also mit dem normalen Einsatzfahrzeug an den Start.
Beim Einrollen in die Statbox wollte ich mir noch schnell das grosse Blatt aufsortieren, jedoch reichte der Weg nicht mehr fuer Kurbelumdrehung. Als der Helfer nach meinem Sattel griff, um mich festzuhalten, kam ich fast zu Fall. Notausklicken und ne halbe Telemark-Landung (wg. B-Wertung). Der Zeiger ueberquert waehrenddessen die X-5 Marke. 4-3-2-1-los. Feuer!!!* Die Nadel ueberquert die 40er Marke, der Puls die 180er. Der Blick sucht den Vordermann und ich versuche den Abstand einzuschaetzen. Immer noch ca. 60 Sekunden. Der Wind scheint nicht mein Freund zu sein und auch ansonsten habe ich das Gefuehl , dass die Ebene wohl doch leicht ansteigt. Die Nadel klebt unter 40 fest und irgendwie hat der Veordermann jetzt 65 Sekunden Vorsprung. Ich gestatte mir einen kurzen Griff zur Flasche und baller weiter wie bloede. Das Hirn versucht zu rechnen: Wie weit bin ich jetzt? 14 Minuten sind erst gefahren, wieviel km noch? Den Vordemann habe ich nicht mehr im Blickfeld, aber das reicht auch keine Minute weit. Die Ohren wollen permanent den Hintermann heranrollen hoeren, aber es kommt niemand vorbeigefahren.
Die Beine brennen, aber sie drehen gut. Nur der Schnitt liegt wohl doch unter 40. (???)
Das Schild „4km“ fliegt vorbei. Eine Gruppe entgegenkommender Radsportler feuert mich an: „Feuer, gib alles!“ Den letzten leichten Anstieg hinauf und hinunter wo endlich das Ziel ins Blickfeld rutscht. Ich rausche durch, links erkenne ich den wartenden Kader und rolle aus.
Ich bin gut gefahren, Kraft und Luft haben gereicht, doch ein Blick auf die Zeit und ein erster Vergleich der Geschindigkit belehrt mich eines Besseren. Ueber 2 Minuten Rueckstand auf Acke, v(avg) ca. 2km/h niedriger und bei v(max) gar ueber 5km/h. Das war dann offensichtlich doch nicht so mein Ding. Bei den beim Riderman in Bad Duerrheim hatte ich doch eigentlich immer recht ordentlich abgeschnitten… (???)
Nach dem Blick in die Ergebnislisten und einer Portion Nudeln rolle ich mit Eule und ner leichten Depri Richtung -HQ. Naja, Rollen ist gut gesagt. Nach der Anstrengung habe ich das Gefuehl, dass ich nicht mal mehr mir Eule mithalten kann. An der Pension steige ich vom Rad und will das gute Stueck in die Remise schieben, aber da klemmt doch was. Die Bremse haengt total einseitig an der Felge. Das Vorderrad laesst sich nur mit einiger Kraft bewegen, geschweige denn frei drehen. Habe ich mir bei dem Wackler am Start die Bremse so verzogen? Der Erklaerungsversuch macht mich jetzt aber auch nicht gluecklich.**
Thomas und Acke machen Nudel zum Abendessen. Die gute Stimmung im Team hebt auch mein Wohlbefinden.

Tag 2 – 1. Etappe (100km)
Gut geschlafen und ordentlich gefruehstueckt, so rollen wir gemeinsam zum Start der heutigen Koenigs-Etappe.
Bitte Plaetze einnehmen und schon geht es los. Etwas gebremst wg. Neutraliation rollen wir zum eigentlichen Startpunkt. Und hier geht es dann puenktlich los. Und wie es los geht. Schupp haengt die Nadel auf knapp 50 und in breiter Front fegt das Peloton ueber die Strassen. Schnell gehen die ueblichen Spielchen mit den rechts und links parkenden Autos, dem Kurvenschneiden, Ueberholen und Buergesteiggefahre los.*** Bei den beteiligten Teams ahne ich, wie die Taktik aussehen wird. Kommt mir recht bekannt vor. Und mein Eindruck taeuscht mich nicht. bei km 15 gehen zwei Fahrer aus den bekannten Teams vorne weg. Hinten wird das Tempo kontrolliert. Der Abstand vergroessert sich zusehnends. Diesmal finde ich jedoch links die Luecke, tret an und irgendwie befinde ich mich ploetzlich auf der Verfolgungsjagd. Der Abstand wird kleiner. Ich erreich zwar die Aussreisser nicht, vorher schluckt mich das Feld, doch der Vorsprung ist so sehr geschmolzen, das der Fluchtversuch aufgegeben wird. Meine defensive Fahrweise kostet mich immer wieder Plaetze, ich habe aber Blickkontakt zu Rifli, Acke und Mischi. Daniel S. vom Team BikeKult hat mich jetzt wohl im Feld erkannt und kann sich einen Komentar nicht verkneifen. Hat ihn mein Beitrag zu den Neuseenclassics wirklich so sehr geaergert?
Die naechste Ausreissergruppe geht. Und wieder springe ich hinterher. Diesmal jedoch nicht alleine. Ein weiterer Fahrer hat sich mir angeschlossen. Das Feld bleibt zurueck, wir erreichen die Spitzengruppe und nach kurzem Blickwechsel sthet die Taktik fest. Wir versuchen es. Kreiseln, kreiseln nochmals kreiseln. Es funktioniert, wir kommen weg. Das Begleitfahrzeug meldet einen vorsprung von ueber 25 Sekunden. Das ist zwar nicht viel und es reicht auch nicht, aber wir schoepfen Mut. Allerdings geht zwei Leuten jetzt spuerbar der Saft aus. Das Kreiseln wird unrund, ich versuche das Tempo hochzuhalten, ziehe immer wieder auf 43km/h an, doch der Vorsprung schmilzt. Das Tempo im Feld hat ebenfalls merklich angezogen, da Ferrox-BikeCult keinen Fahrer in der Spitzengruppe dabei hatte. Wir waren lange allein unterwegs, doch irgendwann schluckt uns das Feld doch wieder.
Wir sind dem Ziel nun doch schon recht nah. Ein Ausreissversuch zu diesem Zeitpunkt verspricht kaum noch Erfolg. So versuchen wir jetzt halt halbwegs unbeschadet im Fedl das Ziel zu erreichen.
Guter Vorsatz. Scharfes Tempo und noch 5km bis Buffalo. Urploetzlich erhebt sich zwei Radlaengen vor mir ein Hinterrad gen Himmel. Der Pilot behaelt seine Richtung bei. Mein Vordermann breitet sich und sein Ross stuerzend und schliddernd direkt vor mir aus. Notbremsung, Powerslide, Ausweichmanoever, Strassengraben, purzelnde Koerper und Raeder. Ich komme fast zu Stillstand, kriege einen Fuss aus dem Pedal, druecke mich wieder Richtung befestigte Fahrbahn. Das Feld ist vorbei. Gang sortieren, weil immer noch so fett. Und dann steht doch tatsaechlich jemand samt Rad quer, mitten auf der Strasse. Bums, ich ditsche in das Hinterrad und rolle ab. War zum Glueck aller sehr langsam. Ross und Reiter bleiben halbwegs heil. Schnell wieder aufstehen. Der Sankra aus dem Begleittross steht schon hinter uns. Nein, alles OK. Aufstehen, abgesprungene Kette auflegen. Und im Tross der Begleitfahrzeuge dem Feld hinterherhetzen. Ich mache mir keine Illusionen: Die sind im Zielsprint und alleine kaum zu holen. Das Hinterrad eiert und schleift: Bremse auf. Noch 3km, hier hatte es offensichtlich wieder gekracht. Ein Fahrer liegt noch am Boden und ich schlaengele mich durch Fahrer, Radtruemmer und herumstehende Fahrzeuge. 2km bis zum Ziel und nochmal ein aehnliches Sturzbild. Durch die Stuerze sind jetzt doch noch einige Fahrer mehr auf der Strasse. Letzte Rechtskurve und Ziel.
Acke, Rifli und Mischi sind ohne Blessuren durchgekommen und stehen im Gespraech mit den Berliner und Dresdner Teams. Daniel S. hat den Spurt gewonnen. Ich versuche ein wenig Deeskalation, gratuliere und reiche ihm die Hand.
Dann allgemeine Auswertung und erster Versuch die Geschehnisse zu verarbeiten. Unser Team an Psycholog(inn)en leisstet ganze Arbeit. 😉
Ausrollen ins HQ, Reparaturarbeiten, Abendessen im Fischerkrug und ein lustiger Fernsehabend beschliessen den Tag.

Tag 3 – 2. Etappe (52km)
Heute sollte es richtig schnell werden. Die fuehrenden Team wollten dem Sturzgeschehen mit Geschwindigkeit begegnen. Ich nehme es vorweg: Das hat funktioniert. Trotz des etwas huegeligeren Streckenprofiles wurde von Anfang an ein hohes Tempo angeschlagen und am ersten Anstieg mussten viele schon reissen lassen. Natuerliche Selektion. Es wurde zwar wieder angegriffen, abe mehr als 150m Vorsprung war keinem Versuch beschehrt. An dieser Stelle, Hut ab vor unserem Single-Speeder! Nicht nur, dass er die ganze Zeit im Spitzenfeld mitgefahren ist, er hat sich doch tatsaechlich im ersten Renndrittel mal an einen Ausreisser gehaengt und ist mit diesm ein Stueck weggefahren. Der Sportfreund muss daraufhin so deprimiert gewesen sein, dass er sein Ansinnen aufgegeben hat. Brenzlig wurde es waehrend des Rennens nur, weil der Fahrer des Begleitfahrzeuges vergessen hatte die Handbremse zu loesen. Fuer fast ne halbe Stunde hatten wir den Geruch von verbrennenden Trabbis in der Nase.
Was gab es sonst noch Erwaehnenswertes: Ein Pave feinster Art, der die Trinkflaschen wieder das Fliegen lehrte, die Passage einer frisch und dick gesplitteten Baustelle. Freund Daniel S., der mir in einer Kurve mit Koerperkontakt die richtige (seine) Linie beibringen musste, irgendwas, wo es nicht flach dahin ging und wo die Schwedenvoelker Berg zu sagen… (???)
Dann wieder die letzten Kilomter. Von dem ehemals grossen Feld ist eine kleine aber feine Truppe geblieben. Das geschlossen, bis auf Eule noch vertreten. Acke und ich beschliessen, den Sprint aus der Feldherrenpositin zu beobachten und nicht mehr Haut und Lack zu riskieren. Aber diesmal bleibt alles auf den Roessern.
Unsere Begleitteam empfaengt uns im Ziel.
Pasta und Siegerehrung nehmen wir noch mit, dann treten wir den geordneten Rueckzug an.

Ein schoenes Rennwochenende. Wir haben uns mit unserer kleinen Abteilung denkbar gut geschlagen und keine groesseren Verluste hinnehmen muessen.
Wir kommen wieder!

Ciao
Der Frosch
C.

*alias Ackatte!
**Braegel: Wenn die Kraft nicht reicht, Defekt simulieren.
***Kennen wir ja.

10 Kommentare

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  • Ich werde auch nächstes Jahr wieder mitfahren. Da das Zeitfahren aber einen sehr großen Einfluß auf die Gesamtwertung hat, müßte man schon mit einem Spezialrad antreten

    Genau das ist es, was wir auf der Fahrt gen Süden auch festgestellt haben. Also nicht, dass wir solch ein Rad bräuchten, sondern vielmehr, dass Du jetzt wohl solch ein Rad benötigen werden wirst. (Zeitform bitte selber zusammensetzen).
    Mehr später

  • Krasse Sache! Ein beeindruckend lebendiger Bericht, bei dem mir wirklich die Haare zu Berge standen. Hm – vielleicht bin ich aber sogar etwas froh, nicht dabei gewesen zu sein. Ich glaube, mir reicht das Gerangel und die doch schnell arrogante Stimmung in diesen „Jedermann“-Feldern. 48 Schnitt – das sagt schon einiges aus und ich glaube da gibt es nur den Einstieg in das Wettrüsten, oder eben ein etwas distanzierteres Herangehen, eventuell mit der klaren Zielsetzung im Mittelfeld, oder eben etwas weiter hinten anzukommen. In Hamburg gab es schliesslich auch die meisten Stürze im vorderen Fahrerfeld… menis

  • Ein eindrucksvoller Bericht! Szenenapplaus für alle Recken, die teilgenommen haben!

    Klar, vorne gibt es die ganzen Stürze. Aber die Teamwertung hier in Hamburg kann man auch geschlossen aus dem letzten Block gewinnen… 🙂

  • Immer wenn ich deine Rennberichte lese, kann ich nicht mehr in Ruhe meinen Cafè trinken. Ich bewege mich hin und her, stehe auf, trete mit und leide mit.
    So ein Adrenalinschub am frühen Morgen, puuuh.
    Herzlichen Glückwunsch trotzdem an alle Mitfahrer. Ganz schön schnelles Rennen und zum Glück ist nichts passsiert.

    S.

  • Hallo,

    mein Bericht liegt jetzt auch als Entwurf bereit und kann an die vorliegenden Berichte angehaengt werden.

    Ciao
    Der Frosch
    C.

  • Sehr schoener und lebendiger Bericht!
    An dieser Stelle nochmal ein offizielles Dankeschoen fuer den Schlauch :)! Die Aufholjagd war ziemlich schmerzhaft, und wenn Peter Zornik von Kette Rechts mich nicht tatkraeftig unterstuetzt haette, haette ich/wir es wohl nicht geschafft – 1000 Dank an ihn!
    Viele Gruesse aus Hamburg,
    Clemens

  • Man , mir wird heiß und kalt.
    Selbst der gute Ete hat bei der Tour nur über seinen 42 er Schnitt gemault.Seid also in bester Gesellschaft.
    Sehr schön, und dass Eule nur noch für Frauen fährt war doch eh klar.
    Hat er bei der Tour d´energie ja auch gemacht.

  • endlich bin ich auch mal dazu gekommen, all das zu lesen. große klasse! das rennen in parchim scheint wirklich aus einem anderen holz geschnitzt zu sein als die cyclassics. eine etappenrennen mit solch übersichtlichem starterfeld macht sicher spass. nur werde ich mir das vergnügen aufgrund des existenz des einzelzeitfahrens mit sicherheit ersparen.

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