ESK kämpft entschlossen in Parchim

aka eule: ESK goes Country

Donnerstag früh um 620, der Wecker klingelt, ich schlafe…

Wie bei den Vattenfalls verschlafe ich den Start und die Reise vom Main gen Norden beginnt für Mischiflix und meine Wenigkeit leicht verspätet. Heute steht der erste Teil der Anreise bevor, wir fahren zu meiner Schwester nach Lüneburg. Entspannt rollen wir nach Norden und erreichen gegen 1400 die alte Salzstadt. Den Rest des Nachmittags legen wir eine Regenerationseinheit im Biergarten ein. Abends noch Nudeln und Leichtathletik-EM und dann ins Bett.

Freitag, 11.August 2006:

Nach dem Frühstück hieß es so langsam einstimmen auf Mecklenburg, erste Anspannung aufbauen. Wir nahmen von Lüneburg den schönsten Weg, entlang des Elbuferweges fuhren wir zunächst nach Dannenberg. An den Wellen mit bis zu 13% können wir die Strapazen von Zwock, welcher zwei Wochen zuvor diesen Asphalt mit dem Zweirad absolvierte, nachempfinden. Nach einem Kontrollgang auf einen Aussichtsturm mit Blick übers Wendland, überquerten wir die Elbe. Entlang kilometerlanger Alleen erreichten wir gegen Mittag über Ludwiglust den Austragungsort des Mecklenburger Fahrradtörns: PARCHIM.

Wir sorgten für eine letzte Henkersmahlzeit vor dem Einzelzeitfahren, besorgten unsere Startunterlagen und warteten an der Sporthalle auf Suse und Acke. Zu unserer Freude hatten die beiden auch gleich Chubika mit im Gepäck. Gemeinsam ging es dann zu unserer Pension im Ortsteil Slate. Wir machten uns so langsam fertig und rollten dann zu viert entgegen der Strecke zum Startort des EZF nach Lübz.

Mischiflix und ich rollten uns gemeinsam noch ein wenig ein, nachdem wir die Kollegen von Turbine Neubrandenburg begrüßt und auch unseren Kader Icke im fremden Kleid entdeckten.

Vor dem Start (Samstags)

Pünktlich ging dann der Schwan von Pankow um 1830 auf die Strecke, jetzt auf einen Schlag war auch die Nervosität bei mir angekommen. Ich lenkte mich mit dem Minidisc-Player und Musik ab. 1835 legte ich dann los, genau in dem Augeblick als Rifli auftauchte. Er feuerte mich an und meine Pläne, langsam zu beginnen waren dahin. Sofort legte ich wie die Feuerwehr los und die Tachonadel zeigte vorne die 4. Ähnlich wie bei Acke änderte sich dies jedoch an der ersten Welle und dem holprigen Untergrund. Die Oberschenkel brannten und die 4 wollte und wollte nicht mehr auftauchen.

Ab dem nächsten Dörfchen drehte ich den Tacho nach unten und konzentrierte mich voll aufs Fahren. Der Asphalt wurde besser und ich fuhr nahe an der Leistungsgrenze. Etwa bei der Hälfte der Strecke nahm ich dann etwas raus, um am nächsten Tag noch Körner zu besitzen. Mein Ziel war es nicht überholt zu werden, dies wurde jedoch etwa 300m vor dem Ziel von einer schnellen Turbine zunichte gemacht. Thomas Geyer gelang die viertbeste Zeit an diesem Abend und ich konnte die Enttäuschung schnell verkraften. Mein anderes Ziel unter einer halben Stunde die 18 Kilometer zu schaffen, gelang mir aber mit 27min53sec deutlich. Wir warteten mit unserem Team die anderen ab und sorgten für etwas Stimmung am Ziel.

Nach den obligatorischen Nudeln an der Sporthalle und den üblichen Fachsimpeleien fuhren wir zurück zur Pension und verbrachten den Abend bei weiteren Kohlehydraten und jeder Menge Anekdoten.

Profil EZF

Samstag, 12.August 2006:

Die lange Etappe dieser drei Tage rund um Parchim steht an. Um 1100 ist Start und rechtzeitig rollten wir das kleine Stück gemeinsam zum Startort. Die Ergebnisse des Einzelzeitfahrens brachten letzte Klärung wer von uns fünfen die 4 Starter des ESK sein sollten. Ich war draußen!

Diese Tatsache beraubte mich einigen Druckes, sowohl mit positiven wie negativen Begleiterscheinungen. Zum einen konnte ich frei fahren, ohne schlechtes Gewissen aus irgendwelchen Gruppen rauszufliegen, zum anderen fehlte ein Quentchen Druck immer alles mitzufahren. Trotzdem war ich hochmotiviert und wollte mein „schlechtes“ Abschneiden im EZF korrigieren.

Vor dem Start

Solange es geht wollte ich die Hauptgruppe halten. Es ging für meine Verhältnisse sofort brutal zur Sache, ähnlich wie in Hamburg aus Block A eben volle Pulle los. Nur waren hier keine 500 im Block, sondern höchstens 150 Sportskameraden… Relativ zügig gelang ich in das hintere Drittel des Feldes, als es nach ca. 15km plötzlich mitten im Feld einen heftigen Massensturz gab. Bis dato konnte ich das Tempo mitgehen und mit zunehmender Dauer lief es besser, jetzt war alles anders. Der Anschluß war verloren und mit etwa zehn ziemlich guten Leuten hieß es Verfolgung!

Um nicht wie andere angebrüllt zu werden, zwang ich mich immer wieder kurz in die Führungsarbeit. Ich war am Anschlag, nicht nur kurz sondern eigentlich die ganzen nächsten 35Kilometer. Zweimal klemmten wir uns hinter irgendwelche Begleitfahrzeuge, nach heftigen Schreiereien eines Fahrers „mußten“ diese dann abziehen. Welch Idiot dachte ich mir nur, wir waren hier nicht die Ausreißer, sondern die nach Unfall abgeplatzten…

Naja, bei KM51 passierte es dann, ich nahm gerade ein Powergel zu mir und trank einen Schluck, als ein kleines Loch und eine Welle ihr übriges taten. Ich war raus aus der Gruppe, nichtmal traurig, ging mir der Schreihals und ein sich anbahnendes Zucken in der rechten Wade doch mächtig aufs Gemüt. Ich mußte mein eigenes Tempo finden und rollte entspannt durch die wirklich schöne Landschaft Mecklenburgs. Nach weiteren 13km stand ein einsamer Radler der Störtebiker aus Hamburg am Streckenrand und versuchte verzweifelt seinen kaputten Schlauch zu reparieren. Er bekam natürlich sofort meinen. Zunächst wollte ich auf ihn warten, dann tauchte von hinten Icke auf. Der Störtebiker (Gruß an Clemens) meinte er schaffe schon den Anschluß, als noch ein etwa 30-40 köpfiges Gruppetto auf uns zu rollte. Icke und ich spannten die Zügel und rollten der Gruppe voraus, bis sie zu uns aufschloß.

Wir inspizierten das Führungsverhalten und mußten zu unserer Überraschung erkennen, daß sich etwa 30 Kerle von den beiden Führenden der Frauenwertung ziehen ließen. Pfui, dachte ich mir und übernahm mit Icke die Organisation der Horde. Der ein oder andere fand sich dann noch mitzuarbeiten, aber den größten Teil der Arbeit blieb an den beiden Mädels und uns hängen. So hatte ich doch noch eine Aufgabe für diese Rundfahrt gefunden. So ähnlich dachte wohl auch Icke, nachdem er am Vortag mit Pkatten die Zeitfahrstrecke absolvierte und letzter wurde.

Etwa 4km vor dem Ziel hatte endlich auch der Störtebiker mit einem von ‚Kette rechts – Neubrandenburg‘ den Anschluß zur Gruppe gefunden und sofort arbeiteten die beiden mit. Nach und nach kamen die Lutscher nach vorne und ein paar sprinteten sich einige Sekunden vor Icke und mir ins Ziel. Während meine erste Verfolgergruppe mit 11min15sec Rückstand das Ziel erreichte, bekam ich für die Trödelei nochmal sieben Minuten dazu und kam mit 18min15sec an.

Dafür ohne Sturz und ich weiß welche Früchte an den Bäumen der Alleen vor und nach der Kopfsteinpflasterpassage hängen. Außerdem ne gute Tat getan und zwei starken Damen zum Ausbau ihrer Führung in der Gesamtwertung geholfen.

Gemeinsam mit den anderen Kadern, ‚Kette rechts‘ und den Picardellics aus rollten wir zurück nach Parchim über die Zeitfahrstrecke des Vortages. Nach einem Eiscafe-Besuch am Marktplatz in P. hieß es dann duschen und nochmal Kohlehydrate tanken. Auf Nudeln hatte ich keinen Bock mehr und wollte wenigstens einmal landestypisch Fisch essen. Nachdem sich die anderen mit Pasta gestärkt hatten, begleiteten sie mich noch ins Alte Fährhaus und ich kam zu meinem Matjes. Es folgte noch ein kleiner Ausflug in die deutsch-deutsche Geschichte ehe ich ins Bett fiel, heute war ich echt platt.

2. Etappe MFT

Sonntag, 13.August 2006:

Nocheinmal kämpfen und fighten bis zum Umfallen, heute war ich irgendwie besser drauf. Ich wußte nun worauf es ankam und wie ich mithalten konnte. Na zumindest dachte ich das…

Neutralisierter Start...

Ich reihte mich in die Mitte des Feldes ein, nachdem mich bei der neutralisierten Fahrt durch Parchim bereits ein Kollege nach nur 100m fast abräumte. Ohne Worte, echt!!! Ein entgegenkommender Krankenwagen brachte die zweite Hälfte des Peleton fast zum stehen, während vorne bereits mit 50 Stuckis die Post abging. Es gab keine Neutralisation und vor dem ersten Anstieg war das Feld total zersemmelt und viele Hoffnungen zunichte gemacht.

Ich orientierte mich an die führende Dame, doch ihre Teambegleiter von den Picadellics aus DD machten mächtig Dampf und am ersten Berg platzte nicht nur ich, sondern auch ihre Frauenkonkurrenz weg. In der Abfahrt fand sich dann eine größere Gruppe, darunter die zweit und drittplatzierte Dame der Gesamtwertung. Ich war anscheinend in diesem Feld eher auf der motivierten Seite und übernahm wie gestern auf den letzten 35km die Arbeit.

Es war nicht uninteressant wie Platz 3 der Frauenwertung mit ihrem Begleiter hier und da etwas das Tempo anzog, sobald sie in die Führung gingen. Ich hatte Platz 2 aber bereits in mein Herz geschlossen und arbeitete unermüdlich für sie. Die Löcher wurden zugefahren und spätestens nachdem ich wie blöd die Gruppe an der Kopfsteinpflasterpassage auseinanderlegte, war die Gesamtwertung eigentlich entschieden (wohlgemerkt die der Damen 😉 ).

Das heutige Profil wies einige satte Hügel auf und am längsten Anstieg gelang unserer Gruppe der Anschluß zu einer vorraus fahrenden Gruppe. Es war wie gestern, ein paar starke Fahrer und eine Dame arbeiteten und der Rest lutschte hinten. Nur Icke fehlte, aber etwa 15km vor dem Ziel fanden wir ihn alleine auf der Strecke rollend. Los Icke, rein und mitfahren!!! Gemeinsam gings weiter, ein letzter fieser Stich wartete auf uns. Das Tempo wurde immer höher und als das 4KM-Schild inklusive Abfahrt nach Parchim auftauchte, ging die Post ab.

Icke machte vorne Tempo und ich in seinem Windschatten, dahinter die ganze Gruppe mit 25 Leuten. Bis ca.1000m vor dem Ziel konnten wir uns vorne halten, als 2 Leute links gingen. Ich war etwas eingeklemmt und mußte erst ein Hinterrad umfahren, ehe ich zum Spurt ansetzte. Letztlich als vierter der Verfolgergruppe ging ich durchs Ziel. DANKE an meine super Anfahrer Icke!!!

Wieder waren wir beide nicht gestürzt und hatten unseren Spaß. Ich bekam von der 2. der Frauenwertung ihren Preis des Vortages geschenkt. Nicht ahnend welch toller Preis heute auf sie wartete… Das bessere Geschenk hatte ich wohl bekommen, vielen Dank an Angelique von der RSG Blankenese!!! Es hat mir riesigen Spaß gemacht für Dich zu fahren!

Wie später auf unseren Zielfotos auszuwerten war, entging Parchim nur knapp einem Sprinterfolg von Rifli. Das Mischis Erfolg in der Singlespeed-Wertung nicht gewürdigt wurde, ist ein kaum zu entschuldigender Fopas der Rennleitung. Ich bedanke mich noch bei unseren treuen Fans und Betreuern, die drei Tage frühes Aufstehen in Kauf genommen haben, um uns so super zu unterstützen, DANKE!!!

Irgenwann Sonntag Abend gegen 2200 war auch ich dann wieder zu Hause am Main.

3. Etappe MFT

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10 Kommentare

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  • Ich werde auch nächstes Jahr wieder mitfahren. Da das Zeitfahren aber einen sehr großen Einfluß auf die Gesamtwertung hat, müßte man schon mit einem Spezialrad antreten

    Genau das ist es, was wir auf der Fahrt gen Süden auch festgestellt haben. Also nicht, dass wir solch ein Rad bräuchten, sondern vielmehr, dass Du jetzt wohl solch ein Rad benötigen werden wirst. (Zeitform bitte selber zusammensetzen).
    Mehr später

  • Krasse Sache! Ein beeindruckend lebendiger Bericht, bei dem mir wirklich die Haare zu Berge standen. Hm – vielleicht bin ich aber sogar etwas froh, nicht dabei gewesen zu sein. Ich glaube, mir reicht das Gerangel und die doch schnell arrogante Stimmung in diesen „Jedermann“-Feldern. 48 Schnitt – das sagt schon einiges aus und ich glaube da gibt es nur den Einstieg in das Wettrüsten, oder eben ein etwas distanzierteres Herangehen, eventuell mit der klaren Zielsetzung im Mittelfeld, oder eben etwas weiter hinten anzukommen. In Hamburg gab es schliesslich auch die meisten Stürze im vorderen Fahrerfeld… menis

  • Ein eindrucksvoller Bericht! Szenenapplaus für alle Recken, die teilgenommen haben!

    Klar, vorne gibt es die ganzen Stürze. Aber die Teamwertung hier in Hamburg kann man auch geschlossen aus dem letzten Block gewinnen… 🙂

  • Immer wenn ich deine Rennberichte lese, kann ich nicht mehr in Ruhe meinen Cafè trinken. Ich bewege mich hin und her, stehe auf, trete mit und leide mit.
    So ein Adrenalinschub am frühen Morgen, puuuh.
    Herzlichen Glückwunsch trotzdem an alle Mitfahrer. Ganz schön schnelles Rennen und zum Glück ist nichts passsiert.

    S.

  • Hallo,

    mein Bericht liegt jetzt auch als Entwurf bereit und kann an die vorliegenden Berichte angehaengt werden.

    Ciao
    Der Frosch
    C.

  • Sehr schoener und lebendiger Bericht!
    An dieser Stelle nochmal ein offizielles Dankeschoen fuer den Schlauch :)! Die Aufholjagd war ziemlich schmerzhaft, und wenn Peter Zornik von Kette Rechts mich nicht tatkraeftig unterstuetzt haette, haette ich/wir es wohl nicht geschafft – 1000 Dank an ihn!
    Viele Gruesse aus Hamburg,
    Clemens

  • Man , mir wird heiß und kalt.
    Selbst der gute Ete hat bei der Tour nur über seinen 42 er Schnitt gemault.Seid also in bester Gesellschaft.
    Sehr schön, und dass Eule nur noch für Frauen fährt war doch eh klar.
    Hat er bei der Tour d´energie ja auch gemacht.

  • endlich bin ich auch mal dazu gekommen, all das zu lesen. große klasse! das rennen in parchim scheint wirklich aus einem anderen holz geschnitzt zu sein als die cyclassics. eine etappenrennen mit solch übersichtlichem starterfeld macht sicher spass. nur werde ich mir das vergnügen aufgrund des existenz des einzelzeitfahrens mit sicherheit ersparen.

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