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Kreditkartentour 2019

Schon bei der Rückfahrt von München vor einem Jahr war klar, das machen wir wieder! Nicht auf der gleichen Strecke, aber nach dem gleichen Konzept. Veränderungen beim Termin waren wegen der Ferien nötig, in den letzten Jahren waren wir immer im Juni unterwegs, diesmal erst nach den Sommerferien. Dann ist natürlich die Fitness des Frühjahrs durch und der Urlaub hat seine Spuren hinterlassen. Wegen des mir widerfahrenen Fahrraddiebstahls war alles noch viel schlimmer als sonst….

Da die Bahn in der Zwischenzeit ihr Angebot ausgebaut hat, können wir bei rechtzeitiger Buchung die Räder unverpackt mit in den ICE nehmen. Das eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten.

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Start sollte also diesmal Venedig sein. Nicht die Lagune an sich sondern der Flughafen. Am Donnerstag mittags sollte die Radtour beginnen, wenn denn dann die Räder wieder zusammengebaut sind.

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Und wirklich, kurz nach 12 ging die Reise los. Und wie waren wir erstaunt ob der leeren Straßen! Als Berliner und Protestant hat man den Kirchenkalender ja nicht in Gänze auf dem Schirm, in katholischen Gebieten jedenfalls war Feiertag.

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Es fuhr kein Auto, kein Mensch auf der Straße, nicht mal ein Hund bellte. Doch wir fanden nach ein paar Kilometern eine geöffnete Bar, wo wir neben einem ersten Espresso auch die Wasserflaschen gefüllt bekamen. Wir rollten danach beschwingt und mit leichtem Rückenwind immer nach Norden. Ziel waren die Dolomiten und auf dem Weg dorthin sollte eine der spektakulärsten Straßen befahren werden – der Passo di San Boldo.

Der Giro führte dieses Jahr über diesen Pass und wir fuhren auf bemalten Straßen.

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Zu der Strecke und dem Giro passen auch unsere neuen Trikots .

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Die Auffahrt ist anstrengend, es ist der erste Berg des Sommers für mich. Unterbrochen wird die Auffahrt von Ampeln, da die Spitzkehren in den Tunneln zu schmal sind. Wir haben extra Lampen dabei.

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Kaum sind wir oben, gibt es die heilige Dreifaltigkeit der Radsporternährung.

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Wir haben 70km in den Beinen und die Dolimiten liegen plötzlich direkt vor uns. Bis dahin (unser Ziel ist Agordo) folgen wir einer einsamen Straße durch das Val de Mis.

 

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Immer wieder fahren wir durch Tunnel und Galerien und finden auch irgendwann die ganzen Italiener. Sie genießen alle den Tag an einem Stausee (Lago de Mis).

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Ein wenig Erfrischung können wir auch gebrauchen und steigen ins Entmüdungsbecken.

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Pünktlich zum Abendessen erreichen wir Agordo, langsam verdichten sich die Wolken, sie werden sich nachts abregnen.

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Freitag, 16.8.

Heute soll das spektakuläre Highlite der Fahrt kommen. Ziel ist das nur gut 50km entfernte Abtei (Badia). Bei schlechtem Wetter nur über den Campolongo und fertig. Bei schönem Wetter jedoch incl. einer Sella Ronda.

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Und der Tag beginnt mit einem großen Versprechen, etwas kühl zwar, doch mehr blau geht kaum. Das Frühstück ist italienisch süß und knapp. Wie schön, als wir nach ein paar Kilometern Lago di Alleghe anhalten. Dort erfährt Toni von einem Einheimischen, dass der See vulkanischen Ursprungs ist. Vielleicht berichtet der Mann aber auch vom heutigen Feuerwerk, wer versteht das schon so genau. Jedenfalls wird abends ein Fest am See stattfinden und die Stände werden schon aufgebaut. Und wir dürfen kosten!

transalp18 transalp19Damit ist die Grundlage gelegt und wir können ans Werk gehen. Von Caprile nach Arraba führt eine Hauptstraße, etwas kürzer geht eine kleine Nebenstraße durch ein wiederum einsames Tal. Die schmale Forststraße führt flach am Bach entlang, ringsum sind die bedrückenden Bilder der Windbrüche vom letzten Herbst.

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Nach einigen schönen flachen Kilometern wird klar, wir werden die Straße über uns erreichen müssen. Das geht nur über einen steilen Pfad aus grobem Schotter, den wir mir Bravour meistern.

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Nach einer kurzen Erholung bei einem Espresso in Arraba geht es nun zum Sella-Stock. Lulatsch hat einen Bekannten in Corvara, dort können wir unser Gepäck unterstellen und so die Sella Ronda leicht und locker nehmen.

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Die nächsten Stunden verbringen wir mit Hochfahren, Staunen, Fotografieren, Runterfahren.

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Als Abschluss und bevor wir wieder das Gepäck ans Rad schnallen, schnell noch einen Wein.transalp31

In Abtei findet der Wirt durch Zufall noch 3 kleine Bier in seinem Kühlschrank und wir werden plötzlich Zeugen eines Almabtriebs direkt vor unserem Fenster. Nach etwas über 3000 Höhenmetern genießen wir den abend.

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Tag 3, Samstag

Es soll über das Würzjoch und den Brenner Richtung Innsbruck gehen. Und das Würzjoch – in unseren Fall die Ostanfahrt von Piccolein – ist ein ordentliches Stück Arbeit.

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Nach dem obligatorischen Espresso geht es in die fast 30 km lange Abfahrt, die keiner von uns kennt. Und wir müssen uns von den hohen Bergen verabschieden.

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Schmal, steil und immer wieder über hölzerne Brücken geht es nach Brixen, im vielfach nur als Autobahnabfahrt wahrgenommenen Sterzing machen wir eine Mittagsrast unter den Laubengassen. Zum Brenner fahren wir abwechselnd auf Radweg und Straße, der Feiertag wirkt immer noch nach, wenig Verkehr.

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Auf der alten Römerstraße fahren wir zu weit, die Tourenplanung war ungenau. Dazu verabschiedet sich mein Umwerferzug, zum Glück ist er nicht gerissen, sondern nur aus der Klemmung. Beim Neuwirth von 1534 kommen wir unter und genießen den Abend. transalp43

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Letzer Tag, längste Etappe, steilster Anstieg. Wir müssen noch auf die andere Seite.

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In München fährt unser Zug um 18:54, den müssen wir erreichen. Die Frage nach der Frühstückszeit wird nebulös beantwortet, kurz nach 8:00 sitzen wir auf den Rädern. Diesmal nicht die strecke vom Giro sondern von der letzten Radsport-WM. Wir dürfen zum Glück bergab fahren. Doch nach einigen Kilometern wartet ab Jenbach dann wirklich ein steiles Mistding. Und zu unserem Missfallen ist die parallele Bundesstraße gesperrt, wir dürfen uns die Auffahrt also mit den Motorisierten teilen. Dafür brauchen wir oben erstmal eine Stärkung.

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Doch am Ufer des Achensees gibt es einen herrlichen Radweg.

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Die Abfahrt zum Sylvensteinspeicher ist ein Traum und es läuft gut is Bad Tölz, wo sich die erste Speiche von Tonis Hinterrad verabschiedet. Mit weit geöffneter Bremse geht die wilde Hatz weiter, die Münchner Sonntagssportler kommen aus dem Staunen nicht heraus, selten sind wir langsamer als 40. Kurz vor der Kugler-Alm gibt auch die zweite Speiche auf und wir rollen vorsichtig bis zum Hauptbahnhof bzw. zum Augustiner-Keller.

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Alles hat gut geklappt, wir sitzen heil und leicht beschwipst im Zug und kurz nach Mitternacht sind wir auch zu Hause. Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder, nur die Route steht noch nicht fest….

twobeers

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