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S. auf den Spuren der ganz Großen

Meine diesjährige Fahrrad Reise führte mich ins Burgund nach Frankreich, im Gepäck das Rennrad. Ich besuchte dort meinen Freund Jorma ( ein Finne in Frankreich ), der dort jetzt seine Zelte aufbaut. Sein bescheidenes Häuschen liegt in einem wunderschönen Tal, umgeben von satten Wiesen auf denen es von Charolais Rindern nur so wimmelt und ringsherum nur Hügel und Berge. Dieses Tal liegt direkt im Morvan Nationalpark.

Das Wetter meinte es sehr gut mit mir und so verbrachte ich viele einsame Stunden mit meinem Cinelli in den Wäldern und machte mich auf zum Bergtraining.

Alle Berge im Umkreis wurden von mir befahren. Der höchste betrug 910 m und der niedrigste 650 m ( aber der hatte Steigungen von 18 % ).

Ich trainierte fleißig, suchte mir schöne raus, fuhr die Berge hoch, runter, drehte manchmal unten um und das ganze nochmal von der anderen Seite und fuhr mehrere Berge hintereinander, denn ich hatte ein Ziel vor Augen.

Ich habe mir vorgenommen den Mont Ventoux zu besiegen. Ich studierte vorher viele und überlegte, ob ich es wirklich schaffe, als ungeübte Bergfahrerin und mit meiner Übersetzung von 39 / 25 so einen Berg zu befahren. So wählte ich den Anstieg über Malaucene, mittlerer Schwierigkeitsgrad..

Der Tag rückte näher, an dem ich meinen Ausflug in die Provence starten wollten. Jorma hatte frei und begleitete mich.Wir packten das Zelt ein und zum Glück auch viele Decken, denn auf dem Campingplatz waren wir nicht in der Lage die Heringe für das Zelt in den Boden zu bekommen, er bestand nur aus Steinen und so bauten wir uns ein Freiluft Zeltlager.

Auf der Fahrt dorthin beschloß ich kurzerhand, das ich doch den Weg der Profis wählen wollte, d. h. unser Zielort war Bedoin.
Wenn ich mich schon quäle, dann wenigstens richtig, keine halben Sachen und überhaupt: den Weg zu fahren, den alle GROßEN gefahren sind, auf dem sich Schicksale abspielten bis hin zum Tod.Ja, das war mein Weg.

Der Morgen verlief ohne große Aufregung. Ich machte mein Cinelli startklar, wir packten das Zelt ein und fanden in dem Ort zum Glück ein Cafe, indem wir ein kleines Frühstück einnehmen konnten. Dann fuhr ich zum Ortsausgang, winkte Jorma noch einmal zu und begab mich auf den Weg, ohne zu wissen, was wirklich auf mich zukommt. ( Jorma fuhr mit dem Auto hoch und sollte mich mit warmen Sachen erwarten ).

Schon auf den ersten Metern taten mir die Beine weh, sie waren schwer und ich hatte das Gefühl, jeden Moment einen Krampf zu bekommen. Ich versuchte mir einzureden, das es nur Einbildung war und versuchte alles zu ignorieren. Schon nach ca 2 km mußte ich so weit runter schalten, das mir nur noch 1 Ritzel übrig blieb, welches ich dann nach 3 km auch schon nutzen mußte. Ein ganz schlechter Anfang für den Kopf, denn ich hatte noch 18 km vor mir, mit durchgehend mehr als 9 % Steigung und bis zu 10,7 %. Aber ich wollte es ja so, also versuchte ich an etwas anderes zu denken und schaute mir nebenbei den Wald an, während ich meinen Rhythmus fand.

So kurbelte ich mich diesen endlos langen Weg nach oben. Die Steigung wurde stärker und mir taten so sehr die Beine weh. Ich überlegte stark, ob ich das durchhalte, aber ich ermahnte mich immer wieder, bloß nicht ans aufhören zu denken. Aufgeben gibt es nicht. Ich wollte unbedingt wisssen, was das für ein Gefühl ist, wenn man oben steht und diesen Berg bezwungen hat, meine ersten richtigen Berg.

Nachdem ich den Wald verlassen habe und in den Bereich der Wüste kam, dachte ich, das es bald geschafft war. Doch die letzten 5 km waren nochmal unsagbar schwer. Ich konnte den Gipfelturm sehen, aber er kam einfach nicht näher. Der Wind brauste von allen Seiten und die Steigungen nahmen nicht ab ( glaubte ich zumindestens ). Ich hoffte nach jeder Kurve, das es endlich sanfter würde.

Einen kleinen Anreiz gab es noch. Ein Fahrer, der mich zu Anfang überholte, war nun in mein Blickfeld geraten und er kämpfte. Leider schaffte ich es doch nicht ihn einzuholen.

Und dann kam die letze Kehre und nun bekam ich eine Gänsehaut, Ich hatte es geschafft.

Die letzten Tritte waren nochmal hart, denn der Wind kam von vorne und die letzte kleine Rampe waren nochmal ca 14 % ( aber nur 5 m, aber ich kam sie nur im Stehen hoch). Und dann stand ich oben. GESCHAFFT. ich habe den Mont Ventoux besiegt und ich war so stolz, stolz wie Bolle.

Der Blick über das Land war sehr beeindruckend, doch leider auch ein wenig trüb. Aber zu wissen, das ich das alles ganz allein mit meinem Rad hochgefahren bin, macht schon sehr glücklich.

Wir verweilten nicht sehr lange oben. Es war so kalt und windig. Jorma machte schnell ein paar Fotos, ich zog mir sehr warme Sachen an und begab mich auf den Rückweg.

Die Abfahrt war nicht so entspannt, denn der Wind fegte mich immer von der Spur und ich mußte sehr viel bremsen und langsam fahren.

Ich legte noch einen Stop an der Gedenkstätte von Tom Simpson ein und fand dort die skurrilsten Sachen.


Für den Rückweg wählte ich die Strecke über Sault. War vielleicht nicht die beste Entscheidung, denn der Strassenbelag war nicht so schön, sodaß ich das Rad doch nicht laufen lassen konnte. Aber wenn die Lavendelfelder blühen, ist es bestimmt die Abfahrt mit dem schönsten Blick.

Im Ort angekommen, gab es dann erstmal ein richtiges Mittagessen und dann fuhren wir auch gleich wieder richtig Burgund.
Im Auto strahlte ich immer wieder vor mich hin und winkte dem großen Steinkoloß noch mal zum Aschied zu.

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Was für ein Abenteuer.

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