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Lass uns über Zuckersand reden…

von Rikman

Es waren 30 °C, die Sonne schien, die Wege waren sandig. Welch bessere Gründe kann es geben, mal richtig an seine Grenzen zu gehen? Richtig, keine. Habe ich mir auch gedacht, und bin heute gegen 13.00 vom Haus meiner Eltern aus gestartet. Die Runde hatte ich mir vor langer Zeit schon mal ausgetüftelt. Der Regen der vergangenen Tage sollte die Wege auch wieder befahrbar gemacht haben. Dachte ich mir so. Dass dem ganz und gar nicht so war, durfte ich dann bereits auf den ersten paar Kilometern feststellen. Könnt ihr euch was Asozialeres vorstellen als sich mit Pferdepisswegen abwechselnder knöchelhoher Zuckersand? Ich nicht, aber das ist es ja bekanntlich, was die Schweine hart macht.

Meine Reise führte mich wieder einmal in die Rauener Berge, welche ich heute aber zur Abwechslung mal auf der Ostseite verließ, um mir noch ein paar Hügel jenseits von Petersdorf vorzunehmen. Laut Karte haben die Dinger Rampen von knapp 20%. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Den ersten an der Reihe ließ ich aber gleich aus, war doch der Weg nach oben unpassierbar. Zuckersand. Ich meine richtigen Zuckersand, wie es ihn nur in der Mark Brandenburg gibt. Also zum zweiten Hügel. Ich war schon dabei, auch diesen Anstieg auszulassen (Gründe siehe vorheriger Berg), wollte aber doch noch ein paar ES-Punkte sammeln und drückte hoch. Keuchend und schwitzend kam ich oben an, machte mich aber sofort wieder an den Abstieg. Nun ging es Richtung Süden, östlich am Scharmützelsee vorbei. In gebührendem Abstand natürlich (einige Kilometer).

Die Reise führte mich jetzt – übrigens heute nicht zum letzten Mal – durch einen ehemaligen Truppenübungsplatz der Russischen Armee. Tja, ratet mal, worauf ich fahren durfte. Genau! So ging es jetzt eine kleine Ewigkeit. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwischen 70 und 80 km auf dem Tacho (so genau weiß ich das nicht mehr; ich schaue dann nicht mehr rauf) und die Motivation war auf dem abklingenden Ast. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Nachdem ich mich durch die Behrensdorfer Heide gequält hatte (Brandenburger wissen, was es mit dem Wort “Heide” auf sich hat…), dachte ich, jetzt lägen die wirklich miesen Strecken hinter mir. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, in welchem Zustand sich der Truppenübungsplatz südlich von Storkow befand. Der wird nämlich noch intensiv von der Bundeswehr genutzt, und so sah es dort auch aus. Lecker Panzertracks bis zum “Geht-nicht-mehr”. 5,5 nicht enden wollende Kilometer der Qual. Die Sonne brannte, unter dem Helm stand die schwüle Luft und der Schweiß lief mir aus allen Poren. Der Camelbak versorgte mich mit ausreichend (“ausreichend” meint nicht “genug”) Wasser, hin und wieder pfiff ich mir einen schön geschmolzenen Schokoriegel ein. Meine Beine waren nun schon recht schwer, die Geschwindigkeit lag nicht weit über 20 km/h – wenn ich nicht gerade schieben musste. Ist mir im Sand auch zweimal passiert. Bis zu den Knöcheln stand ich im Zuckersand – selten zuvor so etwas erlebt. Dabei entdeckte ich auch zufällig, dass die Sohle von meinem linken Schuh kurz hinter dem Cleat nun endgültig gebrochen ist. Ich hatte mich schon eine zeitlang gewundert, warum ich so ein weiches Gefühl beim Antreten im Fuß hatte. Na ja, sind dann wohl bald neue Schuhe fällig.

Ach so, ich wollte ja eigentlich von meiner Reise und nicht von meinem defekten Material erzählen. Ich schaffte natürlich auch den Truppenübungsplatz, auch wenn es tierisch Kraft gekostet hat. Danach ging es auf relativ festen Wegen über Bugk, Schwerin nach Streganz. Von Streganz nach Prieros dann wieder Quälerei: Halb Zuckersand, halb Pferdepissweg. Ich musste erst mal wieder tierisch herumfluchen – das hilft immer. Tat es auch diesmal und ich erreichte Prieros, von wo es über Wald- und Feldwege (ratet mal… ja genau) wieder nach Hause ging. Dort war der Grill schon am Anheizen, ich genehmigte mir ein schönes Weißbier und dann noch eins und legte die Beine hoch. Wieder eine schöne, wenn auch harte, Tour hinter mich gebracht.

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