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Der kleine Peter und die heilige Odilia

4. Etappe

Am nächsten Morgen begrüßt uns Regen, nichts desto trotz ist der Plan für heute knallhart. Zunächst soll es auf dem TMV bis Le Hohwald gehen, ab da wird variiert. Die Städte Châtenois und Aubure sollen ausgelassen, dafür Villé und Lièpvre angesteuert werden. Es gilt noch zwei Nebenkämme zu bewältigen, um auf den Hauptkamm zu kommen.

Als erstes Ziel wird nach gut 10 Kilometern Le Hohwald erreicht. Der Wintersportort versprüht trotz Regen einen gewissen Charme, leider fehlt die Zeit an diesem Morgen länger dort zu verweilen.

Le Hohwald

Im Ortskern ist die Talsohle erreicht und es geht aufwärts zum ersten Kamm. Auf dem Chemin de Ânes, dem Eselsweg geht es fast 400hm nach oben zum Col de Bellvue. Dieser zeichnet sich nicht unbedingt durch eine schöne Aussicht aus, eher erinnert dieser Platz an ein Massaker eines gefrusteten Waldarbeiters. Unzähliges Geäst und Totholz liegt weit verstreut umher.

Fichtemopped am Werk


Col de Bellevue

Mit einem Blick nach Villé verabschiede ich mich von der “Schönen Aussicht” in Richtung des Städtchens. Zunächst führt der Holzrückerweg steil bergab, ehe im unteren Teil Weinberge erreicht werden. Heilfroh diese Rampe nicht hoch zu müssen, freue ich mich über die Abfahrt. Mitten in den Weinbergen erwischt es mich dann urplötzlich. Ich gerate in eine Spurrille, versuche auf den Grasstreifen in der Mitte zu kommen, mein Hinterrad rutscht seitlich weg und stellt den Bock quer zum Hang. Glücklicherweise falle ich weich ins nasse Gras und komme ohne Blessuren davon.


Der nächste Kamm wartet


Ortsmitte von Villé


Rathaus

Von Villé geht es nach Breitenau auf der Straße, dann führt der GR532 durch das Kapellental (Vallée de la Chapelle) auf über 800m ü. NN. GR steht für Grande Radonneure, eine sehr treffende Umschreibung für landschaftlich in der Regel tolle Wege quer durch ganz Frankreich. Teilweise sind sie aber reine Wanderwege und mit dem Rad nicht zu empfehlen. In welchem Fall was zutrifft, läßt sich auf der Karte nur schwer vorhersagen. Es heißt ausprobieren!

Manchmal sind Forstarbeiter eine echte Plage, erst hauen sie die Bäume um, werfen die Schilder in den Wald und dann lassen sie den ganzen Kram wochenlang liegen. Ein solcher Fall liegt oben am Kamm vor:

Schilderwald


Ehemaliger Aufenthaltsort der Schilder…

Nach komplizierter Suche wurde der “richtige” Weg gefunden, zumindest die Orientierung am Chalmont wiedergefunden. Der Chalmont ist ein Felsvorsprung, welcher auf knapp 700m ü. NN hoch über dem Tal der Lièpvrette thront. Mit wackligen Beinen traute ich mich auf den Felsen, leicht zweifelnd ob ein fahrbarer Weg die Wand runter führt.

Chalmont


Blick auf Lièpvre

In engen Spitzkehren führt der GR532 steil runter nach Lièpvre, man verliert auf vielleicht 2,5 Kilometern über 400hm. Für technisch versierte Fahrer ein Traum, für weniger talentierte heißt es desöfteren umsetzen. Aber auch einige Rollerpassagen sind dabei und die machen einfach nur Spaß.

Singletrail

In Lièpvre empfiehlt es sich eine Mittagspause einzulegen, ehe die wirklichen Strapazen der Hochvogesen beginnen. Der GR532 steigt gnadenlos, die Höhenlinien orthogonal schneidend, mit bis zu 25% nach oben. Am Rotzel trifft der GR532 wieder auf den TMV, die Kammhöhe ist jedoch noch nicht erklommen. Auf knapp 1000m ü. NN ist der Anstieg endlich vorbei, nach einer kurzen Abfahrt geht dann sogar noch höher. Nach Adelspach am Hirzberg befindet man sich erstmals über 1100m ü. NN. Im steten Auf und Ab kommt man nach wenigen Kilometern zum Le Grand Brézquard. Mittlerweile auf einem der Hauptwege durch Frankreich, dem GR5 wird nach schneller Abfahrt der Col des Bagenelles erreicht.

Bei dem schlechten Wetter des heutigen Tages wird auf Beweisbilder verzichtet. Da auf Anhieb keine Herberge entdeckt wird, bzw. die Gite de Etape geschlossen hat, wird weitergefahren. Mit letzter Kraft erreiche ich nach exakt 67km und über 3000 Höhenmetern den Col du Bonhomme.

Wegen Totalausfall des elektronischen Aufzeichnungsinstrumentes beim Betreten des Hotels wird an dieser Stelle auf die ungefähre Streckenbeschreibung bei Bikemap.de verwiesen.

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darkdesigner

15 Kommentare

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  • “Wegen Totalausfall des elektronischen Aufzeichnungsinstrumentes beim Betreten des Hotels wird an dieser Stelle auf die ungefähre Streckenbeschreibung bei Bikemap.de verwiesen.”

    Dabei hattest du dich doch noch mit Ersatzbatterien aut Thüringen eingedeckt…

  • Mensch Eule, was ein herrlicher Beitrag!
    Ich war vor exakt 2 Jahren mit der damals trächtigen Suse in Wihr-au-Wal und bin all die schönen Pässe der Hochvogesen mit dem Schmalen abgeradelt. Ein wirklich traumhaftes fleckchen hügeliger Erde, nur der – typisch französich – raue Asphalt nervt und frist Gummi. Nächstes Jahr besuchen wir unsere Freunde dort wieder.

  • Hach ja, schöne Erinnerungen werden wach. Ich war 3x dort (und immer ohne Fahrrad, ich Larve…). Einmal mußte ich auf dem Heimweg nach Deutschland wieder zurück nach Munster, den gekauften Käse luftdicht einschweissen lassen.

  • Liebe Eule, ich beneide dich wirklich sehr um deinen kleinen Trip! Zum einen war ich damals im Jahrhundertsommer ’03 ebenfalls in der Gegend und habe mich bis in die Pyrenäen gekämpft, zum anderen habe ich sowas auch mal wieder geplant gehabt, aber mein kleiner persönlicher Steinbruch hat leider gerade Ausgangssperre.

  • Man könnte glatt glauben, die Eule stand kein einziges Mal fluchent in der Gegend und hat über Gott und die Fahrradtechnik geschimpft.

    War es wirklich so himmlisch und erholsam? Du im Einklang mit dir, Natur und Maschine?

  • Eule, wie gerne wäre ich mit dir durch die Vogesen geritten. Aber es bleibt ja noch die Möglichkeit, die letzten beiden Etappen eines Tages zusammen zu fahren und den Rest in die andere Richtung.

    Schade, dass dein Höhenmesser für den vierten Tag nichts ausspuckten kann, denn 3000 Höhenmeter auf nicht mal 70km ist für Mittelgebirge schon Wahnsinn.

    Du hast uns aber leider Deinen Reisekumpanen gar nicht vorgestellt.

    Danke für den tollen Einblick in die Vogesen!

    rb

  • Hallo,

    klingt wirklich nach einer tollen Tour! Klasse!
    Könnt ihr mir verraten, wie hoch ca. der Trail-, Schotter- & Asphaltanteil dieser Tour ist.

    Ansonsten weiter so, macht Spass, eure Berichte zu lesen

    Grüße
    Gerald

  • Toller Bericht. Nur schade dass ihr eine der schönsten Abfahrten die ich kenne verpaßt habt: Vom Grand Ballon ins Rheintal 1100 Hm am Stück mit allem was das Bikerherz begehrt.

  • Die Verteilung des Belages ist ungefähr 10-15%Asphalt, echte Trails etwa 20-25% und der Rest sind Forstwege, welche besonders im nördlichen Tail überwiegend sandig sind. Man muß dazu sagen, dass wir auch einige Streckenabweichungen von der Originalroute hatten. Besonders der vierte Tag war eine einzige Diretissima…

    Den Grand Ballon haben wir nicht wirklich verpasst, wir haben ihn uns nur für das nächste Mal aufgehoben 😉

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