Westalpen: von Bern ans Mittelmeer

Guten Morgen, Sonnenschein. Es war der vierte Tag der Tour und es wartete die Königsetappe mit Col d’Iseran, Col du Telegraphe und Col du Galibier. Zum Frühstück nur ein Schokocroissant vom Vortag. Zusammenpacken und los, hinauf zum Col d’Iseran. Von den 1500hm Gesamtanstieg hatte ich 600 schon am vorigen Abend bewältigt. Die restlichen 900 gingen flott und wurden anständig weggefrühstückt. Frische Temperaturen. Gut gelaunt erreichte in die Passhöhe auf 2770m, einer der höchsten Straßenpässe der Alpen. Obligatorisches Foto. Irre schöne Abfahrt. Doch die Abfahrthaltung auf den Rad war auch anstregend. Verkrampft erreichte ich den Ort Bonneval sur Arc. Zweites Frühstück mit Kaffee und Croissant.


Col d’Iseran


Bonneval sur Arc

Wieder stand mir auf der langen Fahrt talabwärts der Wind im Gesicht. Darki hatte mich im Vorhinein davor gewarnt. So können auch 30km flussabwärts richtig anstregend sein. In Modane vergebliche Essenssuche. Keine Zeit. Supermarkt. Sandwich und Riegel. Essen für den Abend eingesackt. Nach viel Autoverkehr, Autobahn rechts, Bahnstrecke links, freute ich mich, endlich den Abzweig zum Col du Telegraphe erreicht zu haben. Endlich in Ruhe berganstrampeln. Wälder, Serpentinen, Sonne. Die 1000hm hoch zum Pass kurbelten sich ganz gut weg. Oben angekommen zum Mittagessen um 15Uhr überbackende Schinken-Käse-Toasts und ein Bier. Kurze Zwischenabfahrt und dann hinein in den letzten Anstieg des Tages. Von hier ab kann ich mich an nicht mehr sehr viel errinnern. Bin wohl im Sparmodus gefahren. Anfangs noch praller Sonnenschein wie den ganzen Tag. Der Blick unter dem Schirm der Radmütze hervor meist nur starr auf den Asphalt 1-2 Meter vor dem Vorderrad gerichtet. Grandiose Landschaft. Auf den letzten vier Kilometern mussten nochmal alle Kräfte mobilisiert werden. Oben auf dem Col du Galibier ganz alleine, keine Auto- oder Motoradfahrer, keine Touristen. Es war schon Abend, also ab ins Tal. An der ersten Straßenkreuzung in Lautaret nur ein 4-Sterne-Hotel, also weiter bergab. Am nächsten Ort ein Hinweis auf eine Gite d’Etape, eine Unterkunft für Wanderer, oft zu finden in Frankreich und oftmals eine Mischung aus Wanderhütte und Jugendherberge. Ich einziger Gast. Ein Glas Wein aber kein Essen. Zum Glück hatte ich eingekauft. Baguette, Ziegenkäse, Salami, Oliven. Duschen. Schlafen.


Col du Telegraphe


Col du Galibier


Panorama am Abend mit bemalter Straße

Tag 4: Val d’Iseran – Le Lauzet: ~140km / 3200hm

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13 Antworten auf “Westalpen: von Bern ans Mittelmeer”


  • Robsen, du bist schon ein grandioser Spinner! Haste fein gemacht Großer.

  • Rob, du coole Sau! Gern wäre ich an deiner Seite gewesen, hätte Ausblicke, Abfahrten, Gewitter, Sonnenbrand und Wein mit dir geteilt! Ein tolle Tour und ein toller Bericht! Wirklich Rob, vielen Dank für die Eindrücke, die Motivation und die Inspiration! Ja, da ist er wieder – der Herr Stelzenacker, der einsame Held staubiger Landstraßen!

    Hut ab, ergebens, dein Herr Kemper

  • Toll Rob! Heldenhaft, cool, wunderbar :)
    Vielen Dank für die grandiosen Fotos und den schönen Bericht.

  • Jojojo, echt großen Respekt vor der Leistung und Deiner zähen Beharrlichkeit unbedingt draußen schlafen zu wollen. Bett und Dusche am Abend sind das absolute Muss für mich bei einer solchen Tour. Und bei der nächtlichen Aktion in Verona wäre ich wahrscheinlich schon nach 10 Minuten ins Hilton für 250,-€… ;-)))

  • Rob, ich bin einfach nur sprachlos! Nach 2 Tagen im Sattel und ein paar Höhenmetern ohne Gepäck ist mein Körper schon ziemlich am Ende. Grandioser Bericht, jetzt muß ich mir erstmal in Ruhe die Bilder ansehen.

  • Rob, danke für diesen grandiosen Bericht und Respekt für dieses Unterfangen!

    Ampel

  • Rob, haste fein gemacht. Falls du mal einen nicht murrenden Partner für solch ein Abenteuer brauchst und die Familie mir frei gibt bin ich zu allen Schandtaten. bereit. Bei dem Bericht verblassen natürlich unsere mini Schotterpassagen der letzten 2 Tage in Harz und Kyffhäusergebirge.

  • Wow! Ich gehöre ja auch zu denen, die abends ein Kopfkissen unter dem Haupt wünschen und fließend Warmwasser. Das erhöht meinen Respekt vor Deiner Erlebnistour. Nur nachmachen möchte ich es nicht, solange der Kreditkarte noch etwas abzupressen ist… ;-) Besten Dank für die schönen Impressionen.

  • Geiler Ritt Rob! Und Mümmeltüte war die richtige Entscheidung für die Nacht, oder?
    Wenn die Partner noch einigermaßen auf hartem Boden nächtigen können findet sich der Rest dann auch.

  • Sprachlos!
    Ich wünschte, ich würde mich auch mal so was trauen.
    Großen Respekt, Rob!

  • Stefan (Team Erbeskopfmarathon)

    Hey Rob, absoluten Respekt. Würde mir selbst die Zeit, die Kondition und den Mut für ein solches Unterfangen wünschen. Auf die Annehmlichkeiten der modernen Welt (wie z.B. Matratzen, Kissen, Seife :-) …) könnte ich für ein solches Erlebnis locker verzichten. Bin selbst ab und zu der Typ für solche „Alleine-Touren“, bei denen man alle Eindrücke ungestört in sich aufsaugen kann. Manchmal (nicht immer) sind Ruhe und überwältigende Gefühle wichtiger als immer alles zu „teilen“. Deswegen ist Deine Leistung nicht weniger „wert“. Dein Bericht ist alles andere als langweilig. Ich hoffe, Du fühlst Dich großartig !!

  • Habe mir erlaubt, einige dieser für Sterbliche unerreichbaren Pässe abzuspeichern, damit ich sie, immer wenn ich mich für einen guten Radfahrer halte, als Hintergrundbild aufleuchten lassen kann. 5 Sterne!

  • Toller Bericht, tolle Fahrt, und viel Respekt für die Alleinfahrt

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