Die offiziellen Berichte zur HEW Cyclassic 2005

von PDa

Wie stellt man sich das vor: ein Jedermannrennen, auf dem Rennrad und dazu noch mit 20000 anderen übermotivierten und dem Ereignis entsprechend angespannten Radlern von nebenan? Die spannenden Berichte aus dem letzten Jahr hatten mich neugierig gemacht, es dieses mal auch bei den Cyclassics in Hamburg zu versuchen. Über den Namen „Cyclassics“ wundere ich mich jedesmal, schließlich gibt es die Veranstaltung erst seit 10 Jahren, da ist ja mein Rennrad selbst älter.

Als Hahn im Korb der weiblichen Fans kam ich schon Freitag Abend in HH an, und die gute Stimmung beim Begrüßungssekt in der frisch und äußerst geschmackvoll eingerichten Bleibe von Sylvie, machte die zwischenzeitlich immer feuchter werdenden Hände vergessen. Samstag mittag dann war großes Treffen mit den restlichen Team angesagt. Selbst Eule verkündete ,daß er mitfährt: zwar nur 55km aber dafür auf Stollen! Danach war allgemeines Rumprollen auf dem Fahrradartikel Basar angesagt. Aus Nervosität wurde dann doch noch das ein oder andere Zuckerkonzentrat und Ersatzhosen mitgenommen.
Abends wurde noch ein Italiener in Eppendorf heimgesucht, und dann ging es zeitig in die Falle.

Sonntag morgen: ich schalte den Wecker kurz vorm klingeln aus. Ich habe gut geschlafen und von draußen scheint der blaue Himmel zu Fenster rein. Jipp! Damit war auch die Bekleidungsfrage gelöst. Sabine und Iris machen sich mit den Bahn auf, während ich gemütlich die 20min zum Start kurble. Am 55er Startbereich ist schon aufgeregtes Treiben, obwohl hier doch erst später gestartet wird. Am 155er Block C angekommen sehe ich sofort OnkelW. Nauti trifft auch kurz später ein. So suchen wir uns etwa in der Mitte ein Plätzchen, was ich aber nicht nur einmal kurz verlassen muß.
Ab kurz nach acht wird es ganz still im Startblock, scheinbar scheint es vorne los zu gehen. Man hört Hubschrauber. Für uns zieht es sich noch eine elende Viertelstunde hin. Vorne hörte man unverständliches Megafongebrabel, dann kommt eine Welle klickender Pedal auf einen zu. Ich rolle los. Ganz gemächlich wird das Tempo höher und höher. Es bildet sich eine lange Kette auf dem Weg durch den Hafen. Ich glaube es kaum, aber ich habe immer so zwischen 43 und 47 auf der Uhr. Mal sehen wie es hier weitergeht. OnkelW sehe ich immer ein ganzes Stück vor mir, ich versuche permanent an ihn ran zu fahren, aber durch die Kurven erwischt er im Feld immer eine schnellere Linie, als ich doch noch etwa vorsichtig fahrender. Das kann doch nicht sein, ich werde doch die paar Meter da vor fahren können. Also hopp. Doch während ich so im Wind links mich vorarbeite, reißt vorne auf einmal hinter Onkel auch noch ein Loch. Ich fahre jetzt schon fast Anschlag, Mann, ich muß da hin. Mit der Zunge in Kette schaffe ich es auch, mehr Luft für ein kurzes „bin da“ is nicht.

Wir befinden uns in der Spitzengruppe des C-Gruppetos und rollen nun die ersten Fahrer aus dem B-Block ein. Hier tummeln sich auf einmal ganze Busse „Vattenfall“ Kontrollfahrer, die sich teilweise aus Startblock I oder auch T schon bis hierher vorgearbeitet hatten. Alle Achtung. Das Tempo verschleppt sich jetzt einmählich. Auch nachdem sich die Gruppe nach den Überhohlmanövern wieder zusammengerottet hat, will keiner so richtig vorne fahren. Onkel hält sich immer in den ersten fünf sechs Positionen auf, ich ein bißchen dahinter, schon in der Zweierreihe. Es könnte eigentlich etwas schneller gehen, aber es macht allgemeines Lutschen breit. Am Streckenrand stehen in den Dörfer schon viele Zuschauer. Einige hatte sich sogar ihren Frühstückstisch an die Strecke gestellt. Als wir in den Gegend von Buchholz kommen wird es hügeliger, die kleine Stiche machen mir nicht viel aus, und ich befinde jetzt meist mit drei vier Leuten in der Spitze der Gruppe, aber irgendwie klappt es mit dem kreiseln nicht, auf den Kuppen angekommen fahre ich ein Stück vorne um das Tempo mit drüber zu nehnem, gehe links um für den Nächsten platz zu machen und was passiert: der kommt mit rüber und bleibt hinter mir. Nachdem das zweimal passiert ist, reicht’s mir. Ich suche mir auch wieder ein Hinterrad. Plötzlich taucht aber links ein ELIXIA Fahrer auf, der locker scheinbar alleine von hinten das Feld aufrollt. Am folgenden Hügel hänge ich mich zusammen mit drei anderen an Ihn ran und wir können so dem Feld entkommen. Jetzt geht es richtig zur Sache: immerwieder leicht hoch und runter, viel Kurven mit Antritten und mir ist klar: lange mache ich das nicht mit. Es stoßen noch ein paar andere dazu und wir sind auf einmal so ca. 15 Mann und es läuft gut. OnkelW kommt auch wieder zurück, er war wohl noch pinkeln. Kurz quatsche ich noch mit einem eingeholten Singlespeeder, er muß aber reißen lassen. Wenn ich so bedenke war ich bis jetzt nur „auf Scheibe“ unterwegs, viel geschaltet habe ich auch nicht.
Die Straße wird langsam breiter und es macht sich ein seltsame Ruhe im Feld breit. Ich ahnte schon warum: nach ein paar Kuppen und Kurven taucht am Horizont das Monster auf: die Köhlbrandbrücke. Aus dieser Perspecktive sieht es nach einer fiesen Rampe aus. Die Straße macht erst eine Schleife unter der Brücke, so daß ich erst mal tief Luft hole. Im Anstieg orientiere ich mich vorne in der Gruppe und der Zenit ist schneller als gedacht erreicht. Oben knippse ich noch eben eine Panoramaaufnahme mit Gefühlsabdruck fürs Hirnalbum, und schon brausen wir die Abfahrt runter. In der Hafendurchfahrt wird es nochmal eng. Das Tempo wird durch die 100km Leute, die links auf die Zielgerade abbiegen, recht hoch. Nach der Streckenteilung klaffen gleich größere Lücken, die es zuzufahren gilt. Irgendwo höre ich Eule rufen:“Peeeedaaaaa“. Puh, gerade jetzt fangen meine Beine an zu krampfen. Vorne scheint jetzt die Post abzugehen. Ich kann mich gerade noch so am Ende der Schlange halten. *******, Du fängst Dich schon. Gleich bist Du wieder fit. Aber jetzt war Schluß mit Lustig. Der Äther vor mir wurde zäher und zäher, das Hinterrad vor mir immer unschärfer und kleiner. …Schei?eeee… Ich komme wieder ein paar Meter ran, doch der Vordermann ist auch schon breit. Die breite Landstraße nach Pinneberg hat unbarmherzig Wind schräg von vorne. Mit drei Abgehängten versuche ich nochmal kreiselnd ranzukommen, aber nach kurzem Strohfeuer ist nur noch einer bei mir. Am liebsten will ich jetzt umdrehen…so eine Grütze, eigentlich wollte ich an OnkelW dranbleiben. Nach so 10km zu zweit, kurz vor Wedel kommt von hinten ein größere Gruppe angerollt. Ich hänge mich gleich rein, und siehe da, hier befinden sich wieder viele Bekannte aus der C-Gruppe, der ich in Buchholz wegfahren konnte. So ein bißchen Lutschen macht doch Laune, und als die Hügel in Blankenese kommen, macht es wieder Spaß die übersichtlichen Rampen hochzudrücken und sich dabei immerwieder vorne in der Gruppe wiederzufinden.
Langsam steigt in mir ein Hochgefühl, das Rauschen der Reifen und des Windes, die ersten Häuser Hamburgs: es ist gleich geschaft. Da ist auch schon das 5km Schild. Zwei, drei Leute versuchen nochmal auszubrechen, werden aber gleich wieder gestellt. Ist auch ne blöde Idee, wegen Platz 423 noch 11sec rauszufahren, oder? Meine Sorge gilt nur noch, das ESK Trikot in eine gute Position für die Zieleinfahrt für Foto und Fernsehen zu bringen, so hänge ich mich an die zweite Stelle an der 1000m Marke. Ich freue mich dermaßen darauf den Rest der Truppe im Ziel. Doch was ist das: von links kommen auf einmal Scharen von Trekkingradfahren mit Gesundheitlenkern. Auch ja die Nachzügler der 100km. Trotzdem ist die Einfahrt in die Möckebergstraße wie die in ein brodeldes Stadion. Die Stimmung ist riesig. Das Getöse spült mich über den Zielstrich.
Was für ein Segen: am Treffpunkt sind bis jetzt alle heil angekommen und wir fallen uns in die Arme. Dafür haben sich die Strapatzen gelohnt. Kann man dazu nächstes Jahr nein sagen?

Gruß, PDa

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