Wo die Welt zu Ende ist……

…beginnt Schwedt. Diese kleine Stadt am Ende der Welt war der Startpunkt für unsere Tour. Die eigentlich geplante Startzeit wurde nach einer nächtlichen Telefonkonferenz mit Rifli kurzfristig vorverlegt, so dass mein Wecker mich um kurz vor 6:00 Uhr aus dem Träumen riss. Gegen 7:30 starteten wir vom Hauptbahnhof nach Schwedt. Kaum angekommen, war die Fahrt nach 100 Metern für Rifli dann zunächst auch schon zu Ende – Neuer Rekord! Eine Schraube im Reifen machte ihm den Garaus.


Nachdem der Schlauch gewechselt wurde, ging es zügig weiter in Richtung polnischer Grenze. Wir überquerten die Oder und hielten uns rechts. Zunächst ging es auf Schotterwegen entlang der Oder.

Irgendwann schlugen wir uns dann links in den Wald und dort erwarteten uns auch schon die ersten Anstiege. Trotz der frühen Zeit waren die Temperaturen schon so hoch, dass der Schweiß nur so lief. Die Wege bestanden zum Teil aus groben Schottersteinen, die bei den Abfahrten schon ein alpines Feeling aufkommen ließen. Ohne auch nur eine Menschenseele zu treffen konnten wir die tolle Landschaft genießen und wie anscheinend in jeden polnischen Dorf üblich, begrüsste uns Meister Adebar.

Da wir keine vernünftige Karte dabei hatten, mussten wir zwar manchmal improvisieren, aber da wir sowieso kein festes Ziel hatten, war es dann auch egal.

Mittlerweile brannte die Sonne so stark, dass man das Gefühl hatte, man befindet sich in der Sahara. So versuchten wir, uns von einem schattigen Waldstück ins nächste zu retten. Das klappte eigentlich auch ganz gut bis der Defektteufel zu schlug. Mitten in der prallen Mittagssonne entschied sich Riflis seit Jahrzehnten gehegter und gepflegter Schaltzug zu reißen.

Kaum war das Problem gelöst und wir wollten weiterrollen, entschied sich mein Vorderreifen zum plötzlichen Luftverlust.

Kurz bevor uns ein Sonnenstich ereilte ging es dann aber doch weiter. Irgendwann hatten wir einen Ort auf unserer Karte wiedergefunden und konnten die Rückfahrt planen. Wir entschieden uns für die Überquerung der deutsch/polnischen Grenze per Wasserfahrzeug.

Für die Rückfahrt nach Berlin schien uns Bad Freienwalde angebracht und es erfolgte eine Asphaltorgie mit einem Schnitt jenseits der 35 km/h. Als Abschluss sollte es noch einen Abstecher zum Schloss Cafe geben. Kaum dort angekommen mussten wir feststellen, dass das Cafe anscheinend geschlossen wurde und meinem Hinterrad nach einem Durchschlag die Luft entfleuchte. Jetzt war der dritte und letzte uns zur Verfügung stehe Schlauch dran.

Ohne Kaffe und Kuchen kamen wir dann am Bahnhof an. Dort stellten wir dann fest, dass der nächste Zug erst in einer Stunde fahren sollte. Wir suchten uns dann ein anderes Cafe und ließen es uns bei Kaltgetränken und leckerem Essen gut gehen. Als wir wieder starten wollten, wartete der nächste Platten an meinem Hinterrad auf mich. Da keine Zeit zum flicken blieb hieß es schieben und zwei Minuten bevor der Zug losfuhr, kam ich endlich auch am Bahnhof an. Im Zug machte ich mich ans Flicken, wobei ich so vertief war, dass ich gar nicht bemerkte, dass ich die ganze Zeit mit dem Fuß auf das Ventil meines Camelback trat. Nachdem das Zugabteil dann mit ca. 2 Liter Wasser geflutet wurde, war den Tag für mich gelaufen. Naja, so richtig gelaufen war er eigentlich erst da, als ich kurz vor der Ankunft in Berlin feststellte, dass der Reifen wieder platt war…

8 Antworten auf “Wo die Welt zu Ende ist……”


  • Ampel, das war nach langer Abstinenz mal wieder eine lange und feine Tour. Und wenn der Rifli mal Richtung Polen will, was vergisst er dann immer? Seinen Personalausweis! Aber dank der weggefallenen Grenzkontrollen hatte keiner versucht uns mit Kalaschnikows aufzuhalten und so konnte wir die polnische Oderseite bei sengender Hitze geniesen.

    Ich liebe es ohne Karte in unbekannte Gebiete vorzustoßen, man hält sich nicht lange auf in den Pausen, um über mögliche Wege zu sinnieren, in Polen besonders wichtig bei der stundenlangen Entzifferung von Namen wie Wrzschislzskow oder so ähnlich. Dass kann sich doch keiner länger als 5 Sekunden merken. In Polen heißt es einfach immer der Sonne entgegen, dann kommt auch wieder zu Hause an, solange eine Brücke oder Fähre die Überquerung trockenen Fußes möglich macht.

    Nach 100km konnte ich endlich feststellen, Hals, Nacken und Rücken sind wieder belastbar und für weitere Entdeckungen bereit. Nur die abgemagerten Beinchen müssen wieder auf Leistung gebracht werden, dass hat mir der Ampel an den vielen Steigungen und dem Ziel-Ortsschildsprint gezeigt.

    Ritzelflitzer

    PS: Ampel, verätst du noch, wo das letzte Loch herkam?

  • Auch die Neumark scheint der allgemeinen Tendenz der Versteppung nichts entgegensetzen zu können. Anders ist diese Steppentemperatur wohl kaum zu erklären. Was für ein Glück nur, daß die Oder noch genug Wasser für die Fähre hatte und nicht schon wieder irgendwas kaputt war.

    Und dann Sprint durchs Oderbruch? Rücken- oder Kantenwind?

    Schöner Bericht auf jeden Fall und beim nächsten mal bich ich hoffentlich dabei, wenn es heißt: Die Welt ist zu Ende.

    stw

  • Mensch Rifli, manche Dinge aendern sich nie. Dazu gehoert auch dein Verhaeltnis zu aufgepumpten Fahrradschlaeuchen – ihr scheint euch ja nicht sehr ‚dicke zu sein‘ … Ob ihr euch jemals wieder vertragen werdet?

    Ansonsten sehr feine Runde, neidisch habe ich die Zeilen und Bilder verschlungen!

  • Wieso? ICH hatte doch nur EINEN Platten, der Ampel hatte DREI. Ich hoffe die Schlauchdefekthexe an Ampel abgegeben zu haben und spezialisiere mich auf gerissene Schaltzüge….

  • Ok rifli, dann betrachte doch mal die Gesamtstatistik der letzten Jahre … Da muss Ampel noch ganz schoen aufholen, so zwei Platten pro Woche fuer die naechsten sieben Jahre!

  • … viel Spass damit, Ampel :p

    Kurz hatte ich auch anüberlegt, euch zu begleiten. Doch der Geiz sowie der Reiz des Ausschlafens hat mich davon abgehalten. Schade, denn die Neumark habe ich sch lange auf meiner Liste der Ziele.
    Danke für den schönen Bericht!

    riob

  • Ne ne, das waren meine ersten und letzten Platten dieses Jahr. Eigentlich handelte es sich auch nur um ein Missverständnis des Schlauches. Rifli hatte mir freundlicherweise den zweiten Ersatzschlauch überlassen. Ich vermute, dass die Gummigene des Schlauches in ihrem kleinen Universum durcheinander gekommen sind und mich mit Rifli verwechselt haben. Da konnten sie gar nicht anders und mussten undicht werden.

    @Rifli: Das Loch befand sich übrigens 5cm neben dem ersten Flicken. Ursache -> s.o

    Ampel

  • Auf dem ersten Bild ein durchaus gewohntes Bild. Eventuell liegt es daran, dass das sogenannte „Low Pressure Riding“ nur dann funktioniert, wenn Ross und Reiter perfekt aufeinander abgestimmt sind. Es gilt hierbei, wie bei Vielem, das Verhältnis zu wahren.

    Ansonsten bin ich natürlich tief betrübt, euch im Bruderstaat nicht beigestanden zu haben. Schade, aber vielleicht beim nächsten Mal.

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