Bigfoot war in der Stadt,…

ein Riese, einer von den Typen, welche 180´er Kurbeln drehen können, ohne sich das Kinn aufzuschlagen. Er war also aus seiner neuen fränkischen Heimat in die große Stadt gekommen, um Abenteuer zu erleben. Und Abenteuer schließen in seinen Augen eben auch ausgedehnte Runden durch die Heimat der Eisenschweine ein.



Da er mir bereits im Vorfeld signalisiert hatte, an einer der etwas längeren Versionen der Kaderfernfahrten teilnehmen zu wollen, machte ich in den einschlägigen Informationskanälen eine entsprechende Offerte. Aufgrund der bereits länger zurück liegenden „Blut, schweiß und Tränen“ – Tour im Jahre 2006 und weil ich keine große Lust hatte, mir meinen Schädel zu zerbrechen, teilte ich dem Auditorium mit, einfach noch mal auf die 150 Kilometer Runde von Chorin nach Burg Stargard gehen zu wollen. Da ich auf weiten Strecken dort schon lange nicht mehr unterwegs gewesen bin, war mir bereits klar, dass ich in einigen Abschnitten würde improvisieren müssen, was ja bekanntlich manchmal zu gewissen Mehrlängen führt, aber eben auch interessante Streckenalternativen für künftige Runden aufzeigt.

Das Echo auf meine Ankündigung war grandios. Genau Keiner meldete sich freiwillig. Kurz bevor es ernst wurde, konkretisierte ich meine Ankündigung durch Eröffnung eines eigenständigen Themas unter der Rubrik „Termin“. Der bewusst resigniert anmutende Titel „Termine die keinen interessieren…“ wirkte. Zuerst sprang Ampel auf den Zug auf, Bigfoot war ja ohnehin klar und dann fand sich auch noch J-Coop aus dem fernen Gera ein, um mal wieder die Weite der heimischen Steppenlandschaft aus erster Hand zu erfahren. Es folgte noch eine weinerlich klingende Absage eines Jungdiplomanden und diverse Bezeugungen in der Art: „Jaaa, wenn ich DAS früher gewusst hätte…“ Egal, der 05.07. brach an und die kleine Schar saß bereits 07:36 im Zug in Richtung Norden. Warum ich an diesem sonnigen Tag Steckschutzbleche montiert hatte, weiß wohl nur der Zuständige bei „Wetter.com“. Ich denke inzwischen, dass sich frustrierte Agrarier für die Region Berlin/Brandenburg, aufgrund der anhaltenden Trockenheit, das Wetter wünschen dürfen. Früher versuchte man den Regen herbei zu tanzen, heute setzt man auf die beschwörende Wirkung des Onlinewetterberichtes. Um es kurz zu machen: Es nützte nichts. Der Boden war knochentrocken, die Sonne brannte einen weiteren Tag auf die dennoch – oder gerade deshalb – wunderschöne Steppe.

Was gibt es über die eigentliche Runde zu berichten? Wenig. Die Sonne schien, es rollte bei 75% des Teilnehmerfeldes gut, die verbleibenden 25% meldeten bei Kilometer 45, bereits auf Reserve geschaltet zu haben. Dennoch wurde weiter klaglos durchgezogen. Es war eben eine echte ES-Kaderfernfahrt. Kein Klagelaut durchdrang die Stille der endlosen Wälder der Uckermark. Still und manchmal verbissen wurde gefahren und darauf gehofft, dass auch diese Prüfung irgendwann einmal vorbei sein wird. Es nützt ja auch nichts, aus diesen Wäldern kehrt man entweder auf dem Rad wieder oder mit den Füßen voran. Alles andere ist Kindergeburtstag und damit in höchstem Maße unehrenhaft. Und diesen, letztgenannten Begriff, kennt der ES-Kader nur aus dem Wörterbuch. Das ist es, was die Spreu vom ESK trennt. Stellvertretend sei an dieser Stelle noch mal J-Coop zitiert: „Spaß macht das schon lange nicht mehr, aber dafür sind wir ja auch nicht unterwegs.“ Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Irgendwann bei Kilometer 100, wurde eine der typischen Planänderungen beschlossen. Um J-Coop eine überdurchschnittlich lange Heimfahrt zu ersparen, sollte nun – wie so oft – Fürstenberg Zielort sein. Dies konnte aber nur bestätigt werden, da klar war, dass aufgrund der weiter oben bereits vermuteten und dann tatsächlich gefahrenen Mehrlängen, die 150 nicht mehr in Gefahr war. Schlussendlich waren es dann 155 Kilometer, wie üblich unter größtmöglicher Umgehung befestigter Abschnitte. Alle haben das Ziel unter Aufrechterhaltung ihrer Würde erreicht und ich glaube hoffen zu können, dass es Bigfoot auch ein kleines bisschen gefallen hat, und das, obwohl im die heimische Berge und die darin auftretenden Menschenmassen wohl etwas abgingen.

Und nun, lasse ich noch ein paar Bilder sprechen:


J-Coop


Sie ist immer noch am Platze…


Ich und mein Kumpel Ampel.

Weitere Bildchen sind hier zu Finden: Bildchen

So, nun schlaft recht fein. Die besten Grüße aus Wien in die Heimat.

8 Kommentare

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  • Ein goldenes Sommerkleid, gesprenkelt mit Blüten in allen Farben des Regenbogens schmiegt sich sanft an ihre subtil erotischen Kurven und Schwünge. Der kühle Nordwind treibt strahlend weiße Wolken über den saphirblauen Himmel. Ein dichtes grünes Tuch liegt wärmend über ihren Schultern. Im Sonnenschein glitzern ihre Augen wie kristallklare Seen. Wir möchten Sie erobern, zeigen Kraft und Ausdauer. Sie belohnt unsere Mühen und läd uns ein. Ihr Herz, ein Schloss geprägt von Gastfreundschaft. Wir kehren ein und lassen uns bewirten.

    Doch als wir aufbrechen wollen um die einsame Schöne zu verlassen, kippt die Stimmung. Sie ist es leid alleine zu sein, will uns nicht ziehen lassen und saugt uns die Kräfte aus den Gliedern. Doch unsere Köpfe bleiben klar und so sinnieren wir, woher sie wohl die Kraft nimmt, um den Kader zu bremsen. Die Lösung war schnell gefunden – den Hass den wir Ihr nun entgegenbrachten setzte sie direkt in Energie um. Also versprechen wir ihr sie mal wieder zu besuchen. Sie lächelt und schon rollt es wieder.

    Bis bald Uckermark!

  • Jockel mein Freund,
    gefällt mir sehr gut was Du da schreibst…
    und mich überkommt eine gewisse Sehnsucht, mal wieder in guter Gesellschaft durch die Mark zu reiten.

  • Ein feiner Bericht mit klaren Ansagen vom Obersten. Staubi kann ich mich nur anschliessen. Mein Geländesportgerät verkommt derzeit auch zum Wandschmuck…

  • Klingt so, als wäre der Oberst jetzt doch etwas frustriert ob der absoluten Diversifizierung des ESK in den letzten Monaten. Schon wieder verhallte einer seiner Rufe fast ungehört.

    Diversifizierung macht sich breit im ESK und das Spektrum wird dadurch breiter, sorgt aber eben auch dafür, daß die Überschneidungsmengen geringer ausfallen.

    Aber die liebe (Ucker-)Mark wird verzeihen und für neue Generationen erkundungsfreundlicher Großstädter noch die eine oder andere Überraschung bereit halten. Das Abenteuer liegt immer noch vor der Tür, ihr müßt es nur greifen.

    stw

  • Absolute Diversifizierung? Hier wird Radgefahren und basta! Ich konnte am Wochenende die Gegend um Rönnebeck mal wieder inspizieren, dümpelte jedoch ohne die zielsichere Führung des Oberst etwas planlos durch die Botanik. Schöne Bilder und trotz der etwas frustrierten Zwischentöne auch ein toller Bericht. Schön wäre, wenn der nächste nicht wieder so lang auf sich warten ließe ;-). Liebe Grüße… menis

  • Vom schlammigen Grunde des Brunnens der verlorenen Form ruft es mit brüchiger Stimme: Bravo, Vivat!

    Ich würde ja auch mal auf einen Tour-Besuch vorbeikommen, aber ich bin im Moment froh, wenn ich meine Fahrräder im Keller überhaupt FINDE, ohne eine längere Pause auf der Treppe machen zu müssen.

  • Ich höre immer nur „frustrierte Zwischentöne“. Keineswegs, es handelte sich lediglich um eine nüchterne Zustandsanalyse. Schon klar, dass man im 26. Jahr des Bestehens unserer ruhmreichen Organisation nicht erwarten kann, alle Anstaltsbewohner an einen Tisch zu bekommen. Aber egal was kommt, bleiben wir doch Brüder und Schwestern im Geiste und das ist es doch, was schlussendlich zählt.

    Apropos an einen Tisch: Da auch ich derzeit zu den Unbeleuchteten gehöre (das alte Thema Akkuversagen) fällt meinerseits eine donnerstägliche Abendrunde aus. Dennoch möchte ich auf Eure Larven nicht verzichten und würde mich freuen, wenn sachdienliche Hinweise auf einen für alle Willigen gut erreichbaren SfdW-Veranstaltungsort geäußert werden würden.

    In diesem Sinne…

  • Werter Herr Jockel!
    Immer wieder lese ich mit großem Interesse Ihre Berichte über legendäre Überlandfahrten. Als Freund und Verfechter der im griechisch-römischen Stil ausgetragenen Überlandfahrt per Geländeratt freut es mich, weitere Brüder im Geiste, verstreut in der Weite der preussischen Steppe, zu sichten. In der Hoffnung auf weitere Fahrensberichte verbleibe ich
    Hochachtungsvoll
    Ihr Cook (Sir)
    P.S.: Da wurde ja eine äusserst stilvolle und standesgemässe Verpflegungsstation angefahren!

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