Ein Tag im Sommer 2004

Weil es einfach genial war, Ihr alle davon wissen sollt und weil sich zu viele Leute hier im Forum streiten

Mittwoch Morgen, es ist der 28. Juli 2004, 8:15 Uhr, ich schaue aus dem Fenster und sehe nur blauen Himmel, keine Wolke, das Thermometer zeigt in Frankfurt-Bockenheim bereits 17°. Etwas überrascht ob des guten Wetters, beschließe ich sofort aufs Rad zu steigen und den ganzen lieben, langen Tag auf selbigen zu Verbringen.

Meine Vorbereitungen dauern wieder ewig, trödel, trödel und so komme ich erst um 9:15 Uhr los. Die ersten Meter führen mich durch dicht besiedeltes Gebiet in Richtung Niddapark. Rasch erreiche ich diesen, vorbei am Sportgelände der Universität und unter der Bahnlinie FFM-FB durch. Mein Blick schweift nach links, traurig sehe ich die verweiste Fläche unter der Autobahnbrücke, schade das Jo mit seinem Projekt dort bisher keinen Erfolg hatte. Nur ein paar Meter weiter schaue ich nach rechts und kann sehen welch schöne Skateanlage die Stadt dort errichtet hat. (Naja, im Herzen bin ich ja immernoch Skater und habe 1989 damals in Fdorf ne Skaterbahn bei der Stadt erwirken können mit Medienhilfe und Demonstrationen) Da könnte man schon neidisch werden als Biker…

Flux erreiche ich die Nidda, an deren Uferrand ich mich in angenehmen Aufwärmtempo bis Bonames entlang hangele. Dort knicke ich nach links ab und in Bonames wartet die erste „Bergwertung“ der 4. Kategorie. Auf dem großen Blatt trete ich die paar Meter nach oben und rolle entspannt wieder gen Nieder-Eschbach runter. Über Ober-Eschbach geht es dann aufwärts über die Felder in Richtung Seulberg/Friedrichsdorf, das Terrain wird hügelig aber eine frische leichte Brise macht die Luft in der Morgensonne herrlich. In Fdorf am Toom (Schleichwerbung) treffe ich mich mit einem Freund und gemeinsam starten wir in den Wald.

Zwischen Fdorf und Köppern liegt der Spießwald, ein kleiner, nicht langer, aber doch feiner Trail versüßt die zwei Kilometer in den zweitgrößten Stadtteil der Hugenottenstadt. Dort muß wieder dicht besiedeltes Gebiet durchquert werden, ehe es über den Köhlerberg, Kapersburgsiedlung endlich in die weiten des Taunuswaldes geht.

Nach der Überquerung der (Schnell-)Straße, welche durch das Köpperner Tal führt, geht es die nächsten Kilometer bergan. Uphill pur, vereinzelte Rampen, dann wieder Serpentinen, Schotter, Waldweg, irgendwann ist bei ca. 450hm der erste Höhepunkt erreicht. Wir genießen den Ausblick auf das Köpperner Tal, den Steinbruch des Taunusquarzitwerkes, die herrlichen Wälder, Altkönig und Feldbergplateau scheinen zum Greifen nahe.

Aber unser Ziel ist noch lange nicht erreicht und so machen wir uns auf den Weg. Jetzt führt uns der Weg zum Munitionsdepot der Bundeswehr und wir müssen einen Umweg um die mit Natodoppelzaun gesicherte Anlage machen. Da ich den Weg linker Hand langweilig finde, probieren wir mal zur Abwechselung die rechte Seite. Würg, kotz, ein schier endloser Wiesenuphill entlang des Zauns ist also die Alternative. Naja, ich fand ihn nicht halb so schlimm wie mein Kollege, denn der quält sich fortan mit höllischen Knieschmerzen.

Auch dieser Mistweg hat irgendwann ein Ende und nach wenigen Metern ist das Römerkastell Kapersburg erreicht. Wie immer unter der Woche sind die Kollegen der Archäologie am graben, in der Hoffnung auf mehr oder minder spektakuläre Funde. Das soll uns heute aber nicht weiter beschäftigen und wir düsen weiter zum Kuhkopf. Den kleinen Anstieg vom Schotterweg in den Wald habe ich auch diesmal nicht geschafft (mangelnde Technik meinerseits), aber irgendwann ist die Mistkröte auch noch fällig grrrr… Zumal zu meiner Entschuldigung am heutigen Tage noch die Auswirkungen des letzten Unwetters, bzw. einer mit Brachialgewalt durchgeführten Rodungsaktion das Befahren erschwerten. Irgendwie sah es da vor drei Wochen noch besser aus…

Am Kuhkopf angekommen genießen wir die zweite Pause des Tages und ich mache brav meine Eintragungen in das Hüttenbuch. Uhrzeit, Wetter und Lufttemperatur könnt Ihr dort nachlesen. Über den [K] – Weg trailen wir zum Steinkopf, weiter runter zum Winterstein. Kurz ne kleine Pause auch dort zum Aussicht genießen. Dabei beschließen wir, daß die Bäume um einen halben Meter, zugunsten eines verbesserten Fernblickes, gekürzt werden sollten. Oder der Turm wird endlich wieder aufgebaut…

Dann geht es auf dem markierten Wanderweg (der mit dem liegenden U) runter zum Haus Winterstein. Freunde, dieser Weg/trail ist einfach herrlich. Niemand braucht etwas zu graben oder bauen, einfach nur heizen. Zugebener Maßen ist das an einem Mittwoch Vormittag auch ohne Wanderer möglich, möchte das nicht am Wochenende machen. Aber selbst da, macht es mit Rücksicht und gebremst immernoch ne Menge Spaß. Vorbei am Haus Winterstein (komische Öffnungszeiten) geradeaus in den Wald und weiter Trails bis zum Abwinken. Irgendwann überqueren wir dann die A5 über die Behelfsbrücke und brezeln nach Ockstadt an den Rand der Zivilisation.

Asphalt und Industriegebäude begrüßen uns, jetzt heißt es sofort wieder Höhe gewinnen und wir fahren wieder hoch. Nach der Autobahnbrücke entschließt sich mein Freund sich seinen Kniebeschwerden zu beugen und tritt den Heimweg nach Fdorf an. Ich nehme den roten Punkt (oder war es ein Balken?) und kurbel konstant wieder hoch zum Steinkopf. Die letzten Meter sind bergab wesentlich lustiger, die Spülrunse birgt immer ne Menge Fun und Adrenalin im Downhill.

Über den bereits beim Hinweg befahrenen [K]- Weg geht´s zurück zum Kuhkopf. Nun geht es in den leicht verblockten Weg direkt vor der Hütte schnurstracks nach unten, dann kurz über Schotter nach rechts und scharf links zurück zur Kapersburg/Muni-lager. Dort beschließe ich den Trail/Wanderweg am Limes zur Lochmühle zu nehmen, da meine Wasservorräte dramatisch zur Neige gehen. In der Bahnhofsgaststätte verlangt man unverschämte 3,-EUR für ne Flasche und so bleibt mir nur der Waserhahn mit quelfrischem Taunuswasser für lau. Die Trinkflasche ist wieder gefüllt und ich kämpfe mich jetzt am Limes hoch zur Saalburg.

Von dort geht es über den Fröhlichemannskopf zur Gickelsburg und weiter zum Batzenbaum. Auf den Spuren des Fdorfer Marathons traile ich rasch nach Fdorf. Telefonsich vorgewarnt hält meine Mutter bereits nen riesen Teller Nudeln bei meinem Eintreffen für mich bereit. Kurz gespeist, Wasser getankt und schon war ich wieder on-the-road.

Über die Felder fuhr ich nun über Nieder-Eschbach, Harheim entlang des Eschbachs zurück zur Nidda. Ein netter Bauer ließ mich über sein frisch gemähtes Feld fahren. Echt nett von ihm (O-Ton: Fahr ruhig, kein Problem), naja ich mußte dann erstmal nen Heuballen aus meinen Ritzeln entfleddern. An der Nidda erhöhte ich dann wieder die Schlagzahl und machte Dampf bis Heddernheim. Unterwegs sah ich zwei Radler, welche sich wohl kurz zvor unfreiwillig geküßt hatten. Jedenfalls schob der eine ein Bike mit „welligem“ Vorderrad und der andere versuchte gerade sein vorderes Laufrad im Rahmen zu justieren. Biken ist also auch im Flachland gefährlich…

In Bockenheim angekommen, füllte ich schnell die Wasserreserven auf und machte mich dann zum zweiten Teil der Tagestour auf den Weg. Ich traf mich mit einem weiteren Bikekollegen an der BoWarte und wir machten uns auf den Weg nach Höchst an den Bahnhof um noch ne dritte Mitstreiterin abzuholen. Auf Grund eines Speichenbruchs und des daraus resultierenden Laufradwechsels verspätete sich mein Kollege 2 und der anvisierte Aufschlagstermin in Höchst drohte sich zu verzögern. Dagegen wehrten wir uns aber heftigst und ein Paarzeitfahren par Excellence folgte. Mit nem 36er Schnitt knallten wir bei leichtem Rückenwind die 10km nach Höchst. Gottseidank gab es keine Zusammenstöße…

Nur wenige Minuten später als geplant waren wir am Treffpunkt Bahnhof Höchst, dort wartete das nächste Problem. Unsere Mitfahrerin hatte einen enggesteckten Terminkalender und wir sollten zeitig in Kelkheim sein. Mm, mein Plan zum Abschluß des Tages noch ne lockere Runde um FFM zu drehen war dahin und ich wurde kurzer Hand überstimmt und es sollte wieder hoch in den Taunus gehen.

Nachdem ich am Morgen ja bereits die Ostflanke des Vordertaunus bereist hatte, sollte nun die Westflanke dran sein. Wir also zurück zum Main, die Kopfsteinpflasterpassage an der Batterie zur Niddamündung, ein paar Meter bis Sossenheim und dort in Richtung Schwalbach. Abwechselnd geht es nun durch die frisch gemähten Kornfelder, dann mal kurz durch ein Siedlungsgebiet. Als wir endlich die Straße zwischen Kronberg und Bad Soden erreichen, beginnt der Weg interessanter zu werden. Zuerst geht es bergan um dann rasant ins Krontal hinab zu gleiten. Ein verdammt genialer Trail durch die Kleingärten wartet dort. Meine Mitfahrer diskutieren derweil über die besten Früchte, welche direkt am Wegesrand wachsen und gedeihen, und ihre Marmeladenrezepte. Teilweise braucht man nur beim Fahren den Mund zu öffnen und schwupps landet die Frucht in Selbigem.

In Krontal angekommen ist aber erstmal Schluß mit Lustig und wir machen ein paar Höhenmeter. Es geht entlang des Tals und des Opelzoos hoch nach Königstein. Hier sind teilweise richtige Kletterkünste gefragt, denn entweder geht das Vorderrad hoch oder man verliert hinten die Traktion, manchmal auch beides.
Aber auch dieser Part ist irgendwann vorbei und rasch werden die letzten Meter zum Kreisel abgestrampelt. Hier kann man wiedereinmal die negativen Auswirkungen von schlechten ÖPNV-Konzepten bewundern. Keine direkte S-Bahn Anbindung an die Arbeitsmetropole FFM und schon fährt jeder mit der Karre zum Arbeiten. Selbst in den Ferien gibt´s hier Staus…

Nunja, auch diese Klippe wurde umschifft und nach der Fußgängerzone und angriffslustigen Hunden/Rentnern beginnt auch schon der Anstieg zur Burg Königstein. Der Kommentar meiner Mitfahrerin „Es gäbe doch auch schönere Wege“ wurde nur grinsend mit „Aber keine steileren…“ beantwortet. Nachdem wir einmal um die Burgfestung rum sind, ging es auch schon wieder bergab durchs Woogtal. Ab Gegenhang kämpften wir uns wieder rauf und dann radelten wir zur Ölmühlquelle. Dort wurden die Wasservoräte mit frischem Quellwasser aufgefüllt und weiter gings auf dem Victoriaweg (gelber Balken) gen Ruppertshain. Zuerst wieder rauf und dann wieder runter, Straße nach Schloßborn überquert und auf die letzten Meter zum Atzelberg.

Jetzt rollten wir durch Eppenhain um den letzten großen Brocken an diesem (vorallem für mich) langen Tag zu bezwingen, den Rossert. Zuerst schlängelt sich der Weg (blaues Balkenkreuz) lieblich durch den Wald um dann urplötzlich steil anzusteigen. Tief in der Reservekiste lagen noch ein paar Körner, diese wurden mobilisiert und wir waren oben. Technisch mittelschwer gings wieder runter nach Fischbach, dort wurden ein paar Straßenzüge gequert und ab über wellige Wiesen (roter Balken) nach Kelkheim. Kurz nach dem Gimbacher Hof hatten wir das Etappenziel erreicht und unsere Mitfahrerin wurde pünktlich verabschiedet.

Nach ner kleine Eispause (JA, Eisdielenposer sind wir auch ;-) legten wir uns nochmal richtig ins Zeug und machten wieder Paarzeitfahren nach FFM. In kürzester Zeit hatten wir die Metropole erreicht und um 21:00 Uhr hatte der Moloch aus Häusern und Straßenzügen uns wieder. Zu guter Letzt noch ein Blick auf den Tacho, 160km bei 1850hm, ein langer schöner Sommertag geht zu Ende.

Weitere Touren warten und Trails gibt es noch genug zu Entdecken. Ich befand mich am heutigen Tage fast ausschließlich auf offiziellen Wanderwegen und auch dort findet man feine Trails, die hoffentlich noch lange legal zu befahren sind.

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