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Eule ist gefahren wie ein Moped…

Endlich nach Wochen der Dunkelheit, der melancholischen Stimmung, der Völlerei mit ungesunden Speisen, endlich wieder Radfahren so wie im Sommer!

Endlich nach Wochen der Dunkelheit, der melancholischen Stimmung, der Völlerei mit ungesunden Speisen, endlich wieder Radfahren so wie im Sommer!
Naja, Sommer war es nicht gerade als ich gestern gegen 630 Samstag mein Auto belud, um die Fahrt nach Kitzingen/Würzburg aufzunehmen. In Külsheim beim Nikolausrennen fiel mir ein Flyer ins Auge, welcher eine Marathonveranstaltung am 7. Januar ankündigte. Nach mehr oder weniger langem Überlegen war klar, da fährste mit. Also gesagt und getan und so saß ich nun im Auto und wußte nicht so recht, fährste da überhaupt hin? Nur drei Tage zuvor hatte ich mich auf einer Trainingsausfährt heftig geschmissen und die Wunden waren schmerzhaft spürbar. Die Temperaturen waren fast besser als erwartet, waren vor einer Woche noch -3-0° angekündigt, so zeigte das Thermometer angenehme +3°C. Nach ca. 90min erreichte ich den Startort und ging erstmal zur Anmeldung um zu schauen, ob außer mir überhaupt noch jemand da ist.

Überrascht sah ich zahlreiche Leute, viele fuhren sich bereits warm und schätzungsweise 150 waren dann am Start versammelt. Dazwischen hieß es erstmal Auto parken, Bike startklar machen und warme Kleidung anziehen. Ich hoffte das richtige Setup gewählt zu haben, es sollte sich aber als gute Wahl zeigen. Gegen 820 erreichte ich dann den Startbereich und schnackte noch ein paar Takte mit Widu. Wir erkoren sofort einen übereifrigen Crosser zum Depp des Tages, mit dem Rad durch alle Leute durch, ohne Worte…

Nach endlosem Gelaber von Veranstalter, Sponsoren, Landrat und der örtlichen Weinkönigin ging es dann mit über 10min Verspätung um 842 los. Hatte ich tatsächlich nicht umgemeldet auf die 45km Strecke, wollte ich wirklich 90km fahren? Bei meinen Trainingsausfahrten schaffe ich im Augenblick wegen der niedrigen Temperaturen nie mehr als 60km. Also einfach mal schauen wie es läuft und es lief gut. Hatte ich den Start doch etwas verschlafen, ich startete im letzten Drittel, konnte ich bereits an den ersten Höhenmeter das mittlere Drittel überholen.

Ich hatte einen guten Fahrer gefunden, wir beide ließen es laufen und sammelten einen nach dem anderen ein, als wir in irgend ein kleines Nest kamen. Es ging auf der Hauptstraße ziemlich bergab und wir hatten ca. 40km/h auf der Uhr, als es in einer Senke scharf links ging. Wir fuhren gerade auf einen anderen auf, der Typ kommt leicht ins rutschen, mein Kollege legt sich voll ab und ich wartete erstmal bis er sich wieder aufrappelte. Zum Glück passierte nichts, aber in dieser Situation verpassten wir leider einen Abzweig und knallten einfach die Vorfahrtsstraße weiter. Hinter uns hörten wir es krachen und die nächsten lagen auf dem schmierglatten Asphalt. Irgendwann stand dann eine fast 50 Mann starke Gruppe an einer Bundesstraße und suchte nach dem Weg.

Ich entschied mich einem “angeblichen” Ortskenner zu folgen und so machten wir mit ca. 10Mann ein kleines Mannschaftszeitfahren. Nach 4km meinte der Typ dann ganz trocken “Sorry, mein Fehler, falsche Richtung”, er hatte ein Telekom-Trikot an, ich könnte mich jetzt noch Ohrfeigen… Also wieder zurück, ich ging in den Wind und führte den Trupp zurück auf die Strecke. Die ersten Streckenposten bekamen noch kurz ein paar nette Worte an den Kopf geknallt und mein Frust war groß, als wir das Schlußfahrzeug vor uns sahen. Aber es war eindeutig unser Fehler, wir hatten nach den Stürzen in dem Nest einfach nicht aufgepaßt.

Nun war eigentlich alles egal und ich dachte ans aussteigen, aber ein Eisenschwein steigt nicht aus! Ich hörte immer wieder den Satz in meinem Kopf: “Eule, Du fährst heut wie ein Moped” Eigentlich war mir klar, das ich eindeutig überdrehte, aber egal, das Adrenalin setzte fiel an Energie frei. Durch endloses Auf-und Ab durch Weinberge erreichte ich endlich die erste Verpflegung, dort standen ziemlich viele des hinteren und mittleren Drittels rum und labten sich an Speis und Trank. Meine Trinkflasche war immer noch leer, ja ich hab im Winter wenig Durst und wollte sie an der ersten VP auffüllen, aber der Ansturm war zu groß. Ich ließ meine Nummer am Kontrollposten abhaken und fuhr einfach weiter.

Bei KM 50 spürte ich dann aber doch etwas wie Durst und Hunger und so zauberte ich aus meinem Rucksack (ja, ich bin wieder mit dem 30l TransAlpine gefahren) einen Riegel und ein Getränk, welches angeblich Flügel verleiht. Wow, jetzt konnte es weitergehen. Ich hatte mittlerweile den Kollegen mit dem Sturzpech wiedergetroffen und so fuhren wir gemeinsam zur zweiten VP. Dort machte er aber etwas länger Pause, ich füllte nur meine Flasche mit heißem Tee auf und fuhr sofort weiter. Bei der Kontrolle sagte man mir etwas vom KM 51, mein Tacho zeigte bereits 61 an…

Nun folgte der Anstieg des Tages, langsam zog der Weg im Wald an und eine Rampe tat sich vor uns auf. Zwei junge CC-Schwucken zogen ein paar Meter weg, aber ich dachte ausnahmsweise mal ans Kräfte einteilen und schob das kurze Stück. War auch für meine mittlerweile eingefrorenen Zehen nicht schlecht und die beiden machten nur wenige Meter gut. Im Schlepptau der beiden fuhren wir auf zwei ganz nette Typen auf. Ich unterhielt mich kurz mit den beiden und zu dritt machten wir uns auf die Verfolgung der CCs. Kurz vor der dritten VP war ich wieder an den beiden dran und ließ sie dann am Kontrollpunkt stehen. Es folgten noch ein paar Wellen übers freie Feld, als ich einen alten Hasen in meinem Windschatten bemerkt. Ein Einheimischer mit Streckenkenntnis wie sich herausstellen sollte, naja konnte ich mich wenigstens nicht mehr verfahren.

Während ich berghoch schneller war, fuhr er immer wieder in den Abfahrten an mich ran. Nach der letzten Abfahrt meinte er, das es jetzt nur noch geradeaus bis ins Ziel geht. Ich schaute auf meinen Tacho und sah bereits 101km, am Schild stand etwas von “noch 7km”. Ich war bedient, nicht nur ich hatte einen Umweg gemacht, jetzt war auch noch die Strecke sage und schreibe 8km länger als ausgeschrieben. Wir wechselten uns mit Windschatten ab, ein Anklamperer platzte nach einmaliger Führungsarbeit ab und endlich war das Ziel erreicht. Er überließ mir die Einfahrt und nach 4:30h hatte meine 108km hinter mir. Es waren 1220hm und das war auch das letzte was mein Tacho hergab, danach war die Batterie am Ende und ich werde nicht mal ein Profil retten können, weil ich die Datenaufnahme nicht rechtzeitig beenden konnte.

Leider fragte ich auch nicht wie viele Fahrer bereits im Ziel waren und ging erstmal im Hallenbad duschen. Als ich danach mich am Ziel erkundigte nach den Zeiten, bekam ich die nächste Überraschung. “Ja, die Zeitnahme haben wir jetzt doch nicht gemacht, war ja auch kein Rennen.” Na danke, klar war es “kein” Rennen, aber wenn in der Ausschreibung etwas von individueller Zeitnahme steht, unterwegs Kontollpunkte angefahren werden und ich 25,-EUR bezahle, dann erwarte ich doch etwas mehr als eine CTF… Immerhin erfuhr ich, das der schnellste 3:25 benötigte, natürlich ohne Umweg.

Egal, es war lustig, ich bin an meine Grenzen gegangen und freue mich jetzt schon auf den Sommer und Ausfahrten bei wärmeren Temperaturen.
dd”eule”

Edit: Gibt doch ein Profil…
Profil Kitzingen

darkdesigner

7 Kommentare

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  • groooßer sport, eule! mann – du radelst da was zusammen – unglaublich. allerdings ist es schön zu hören, dass nicht nur husten und ich auf falschen wegen die veranstaltung künstlich verlängern, sondern selbst einem fuchs wie dir, kann soetwas passieren. freue mich auch auf den sommer. bis bald… menis

  • Haben wir den Knilch zum Deppen des Tages oder zum Idioten des Tages gekürt?

    Das sind Fragen, die die Welt bedeuten. Denn wie möchte man erklären, dass man kurz vor dem Start, immer wieder ein erhobenes Crossrad sah, welches weiter nach vorne durch die Menge schwebte? Bei einer Veranstaltung, bei der es um goldene Lutscher geht, ist es besonders wichtig, schon vor dem Countdown die wesentlichen Plätze gut zu machen. 😀

    Es grüßt der Widu

  • mensch eule, ganz große tat. ich haette es nicht mal dem bett geschafft!

    das mit dem verfahrer ist natürlich ärgerlich, aber es war wohl auch sonst ein gelungenes kräftemessen – klasse sache!

    rb

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