Land unter

Eine abendliche Fahrt durch den Berliner Regenwald

Es gibt Tage da geht einfach garnichts, gestern war so ein Tag. Schon morgens auf dem Weg zur Arbeit hat der Himmel seine Schleusen geöffnet und ich kam ohne einen trockenen Faden am Leib im Büro an. Also saß ich den ganzen Tag in klamen Klamotten im Büro und hoffte auf eine Besserung des Wetters. Um 18:00 war dann endlich Feierabend und ich schwang mich auf das Rad. Zwölf Kilometer vom Wedding in den Grunewald, eigentlich eine nicht wirklich nennenswerte Geschichte, wäre da nicht der permanente Regen gewesen. Also kam ich um 18:40 am Treffpunkt an und war komplett nass. Das Warten ließ mich schnell frösteln und für die Moral war es auhc nicht unbedingt förderlich. Als um kurz vor 19:00 noch niemand zu sehen war hegte ich die leise Hoffnung, die Aktion sei abgeblasen aber weit gefehlt, PDa erschien gerade eben noch pünktlich und kurz darauf rollte auch schon Rifli ein. Sollte der Initiator der heutigen ausfahrt etwa kneifen? Rifli klärte uns auf, das der Acke schon früher bei Menis aufgeschlagen sei und die beiden wohl dort herumlingern würden. Also machten wir uns auf den Weg die beiden aus der heimeligen geborgenheit von Menis Wohnhöhle zu locken und mit uns durch die nasse Hölle des Grunewaldes zu reiten.

Die obligatorischen Begrüßungsrituale wurden durchgeführt und dann ging es los. Mir war mittlerweile ziemlich kalt und der Regen ließ nicht nach. Auch Menis Aussage, er sei nicht in Form weil er schon seit Wochen nicht mehr auf dem Rad gesessen hat beruhigte mich nicht sonderlich. Das erste Stück des Weges ging noch ganz gut, nur das infernalische Kreischen der Scheibenbremsen ging durch Mark und Bein. Die diversen Pfützendurchfahrten sorgten schnell für eine Zentimeter dicke Schmutzschicht und der aufgewirbelte Dreck drang bis in die letzte Lücke. Auf den Geraden Passagen gelang es mir ganz leidlich der hetzenden Meute zu folgen. An den vielen Abfahrten wurde mir dann immer wieder meine schon bei trockenheit nicht sehr berauschende Fahrtechnik bewußt und die Abstände nach vorn vergrößerten sich rasch. Den Todestoß versetzten mir dann die obligatorischen Uphill-Rennen und ich fragte mich zu milionensten mal wie man „OHNE“ Schaltung schneller den Berg rauf kommt als mit und wenn ich mir dann noch Menis Übersetzung ansehe kommen mir Endgültig Zweifel.

Der Regen hatte bis jetzt auch nicht für eine Sekunde aufgehört und mehr schlecht als recht quälte ich mich hinterher. Mehrmals hatte ich das Loch so groß werden lassen müßen, das der Rest der Gruppe nicht mehr zu sehen war. Hier muß ich mal wieder den Vorteil einens „echten“ N.RIDE hervorheben, ist es doch durch die reichlich vorhandenen Lampen meist ein leichtes den Weg der Vorrausfahrenden zu sehen. Meine Technik begann langsam den Dienst zu quittieren, die Gangwechsel setzten den Einsatz äußerster Gewalt vorraus und hin und wieder entwickelte die Schaltung ein Eigenleben. Die Bremsen machten sich durch laute Schleifgeräusche negativ bemerkbar und die Verzögerungseinrichtung am Hinterrad glänzte durch zwei verkantete Bremskolben, was mir erst auf dem Rückweg auffiel. So waren wir ca. 45 Minuten unterwegs als ich den Enschluß fasste das es mir reichte. Die anderen wollten noch in Richtung Wannsee und so trennten wir uns irgenwo im Zentrum des Berliner Regenwaldes und ich trat den Heimweg an.

An der BAB-Brücke am SchlammundDreckklebtamRad-Platz machte ich einen kurzen Stopp um mir ein trockenes Trikot überzuwerfen. Bei dieser Gelegenheit inspizierte ich kurz die Bremsanlage und mußte zu meinem Erschrecken feststellen, das die Beläge hinten komplett sowie vorn bis auf einen Milimeter runter waren. Dieser Tatsache Tribut zollend rollte ich etwas vorsichtiger als sonst gen Heimat, zumal auch das Rücklich mit der erhöhten Feuchtigkeit nicht zurechtgekommen war. Gegen 21:00 erreichte ich vollkommen durchgefroren die heimischen vier Wände. Der weg von der Wohnnungstür ins Bad ging nicht Spurlos am Fußboden vorbei und das Badezimmer bedarf jetzt ersteinmal einer komplettreinigung. Schnell noch eine heiße Dusche, die die Lebensgeister wieder erweckt und einen riesen Portion Pasta schon war die Welt wieder in Ordnung. Am Ende hatte ich gestern 70 Kilometer im Regen zurückgelegt, mir wahrscheinlich eine Grippe eingefangen, den gesamten Antriebs und Verzögerungsapperat meines Rades ruiniert.

Es hat mal wieder Spaß gemacht, auch wenn ich leistungsmäßig noch Welten von den anderen entfernt bin.

@ Acke, Menis, PDa und Rifli: Ich hoffe ich habe Euch nicht zu sehr ausgebremst und Danke das ihr mich nicht habt auf der Strecke liegengelassen.

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1 Antworten auf “Land unter”


  • Feinstes ESK-Wetter, solch schöne Touren und dazu erst der literarische Hochgenuß!!!

    Ihr seid herzlich zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, in diesem Jahr ist das Gast“land“ der ESK. Das (ge)literarische Quartett ward Ihr ja sozusagen gestern schon.

    DANKE und beste Grüße an die großen Kinder im Matsch!!!
    dd

    Ich hätte ja zu gerne ein Bild von Rifli mit Menis aufem Rad, ich habe Bauchschmerzen vom lachen…

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