Die letzte Wanderung meines Lebens und andere nette Dinge

Hola Leute, hier ein paar neue alte und neue neue Neuigkeiten…

Inka-Trail

Da vor gut 500 Jahren die Inka unter ihrer auch nicht gerade friedlichen Herrschaft hier in den Anden regen Handel betrieben, haben sie unzaehlige Pfade zwischen dem Hochland und den tiefen Ebenen im Osten gebaut. Die gewitzten Inkas haben natuerlich nicht nur einfach nen Trampelpfad in den Berg gelaufen, sondern aus Steinen richtige, befstigte Wege konstruiert.
Einen eben solchen Weg gibt es hier in der Naehe von Tarija auch und ss ist nun schon drei Wochen her, aber den bin ich zusammen mit Josef, einem Bayern mit fertigem VWL-Studium (mit Schwerpunkt Entwciklungslaender) in der Tasche, mal abgewandert. Ganz so einfach war as aber auch nicht.Viel wussten wir nicht ueber den Weg und wie man zu seinem Startpunkt kommt auch nicht wirklich.

Wir sind dann erstmal am Sonnabendmorgen um 7ºº mit dem Bus von Tarija nach Iscayachi gefahren. Der Bus brauchte doppelt so lange wie sonst, weil er am Ortsausgang erstmal zwei seiner Reifen flicken musste – und das dauert etwas laenger als beim Fahrrad. Iscayachi besteht aus ein paar Hauesern, einer Strassenkreuzung der Routa 1 von Bolivien (zw. Potosi im Norden, Villazon im Sueden und Tarija im Osten), ollen „Restaurants“ und einer dreieickigen Plaza – aber hauptsaechlich aus besagter Strassenkreuzung. Wir wussten, dass wir nach Pasajes wollten, also stellten wir uns an die Plaza wo die Strasse Richtung Villazon abging und warteten, warteten, w a r t e t e n. Was man halt so macht, wenn man irgendwo hin will und der naechste Bus erst in 12h in diese Richtung faehrt. Es fuhren etwa alle fuenf Minuten Busse durch, von Potosi her kommend nach Tarija, aber keiner dorthin, wo wir hin wollten. Leider hatte die Kreuzung etwas mystisches an sich, denn jedes Mal, wenn wir uns auch nur 20m von ihr entfernten, kam ein Jeep vorbeigerast und liess uns nurnoch seinen Saub inhalieren. Das passierte in den drei Stunden , die wir dirt verbrachten genau fuenf Mal und beim fuenften mussten wir uns aus Verzweiflung halb totlachen.

Da es keine andere Moeglichkeit gab und wir langsam in Zeitbedraengnis kamen, nahmen wir uns das einzigste Taxi des Ortes. Nachdem die Frau per Schlauch Benzin in den Tank gesaugt hatte konnte es losgehen und der Mann fuhr uns ueber die saubige Piste die 40km nach Pasajes. Der kleine abgelege Ort besitzt eine nette Adobeziegel-Kirche, doch fuer die hatten wir nicht viel uebrig, denn wir wollten heute noch wenigstens ueber den Pass kommen. Nach drei Stuendchen leichten berganlaufens erreichten wir den auf 3860m gelegenen Pass bei einsetztender Daemmerung. Die Nacht war ueberraschend warm, dafuer hielten mich aber die Kopfschmerzen (Hoehe!) vom Schlafen ab. Das Zelt (Danke Zwocki!) hielt dem staerker werdenen Wind gut stand.

Die ersten Sonnenstrahlen fielen auf unser Zelt, wir krochen aus den Schlafsaecken, packten alles ein und zogen sogleich von dannen. Heute hiess es knackige 2000 Hoehenmeter an Stueck bergab zu laufen. Leichter gedacht als getan. Der 500 Jahre alte Weg bestand aus Steinen und Platten die im Laufe der Zeit nun doch etwas ihrer Lage beraubt waren und entsprechend schwierig war das Laufen darauf. Nach den ersten 1000hm ereichten wir ein weites Tal, welches wir durchquerten und im Anschluss ein wenig bergauf wanderten – eine willkommende Abwechslung. Auf dem letzten Teilstueck mussten wir weitere 1200hm hinunter in den Ort Pinos Sud. Auf dem letzten Metern konnte ich kaum noch laufen, da das staendige bergabgehen die Oberschenkelmuskulatur unglaublich beansprucht. Ich haette alles dafuer gegeben ein wenig bergauf gehen zu duerfen – oder easy chillig mit dem Rad runter zu fahren.

In dem weitlaeufigen Ort suchten wir die Schule auf und trafen dort ein paar Leute. Ich war total am Ende nach dieser Tortour, und die Nachricht, dass der naechste Bus morgen frueh um 5ºº faehrt war nicht gerade erfreulich, hoffte ich doch noch am Sonntagabend wieder in Tarija sein zu koennen. Neben der Schule gab es auch ein Haus mit Telefon, so haetten wir Bekannte in Tarija anrufen koennen, damit sie uns abholen wuerden. Aber man benoetigte fuer das Telefon ein Pre-Paid-Karte und die konnte uns keiner verkaufen. Es war bereits 16ºº, und eine Frau erzaehlte uns, dass gegen 19ºº im 15km entfernten San Andres noch ein Bus in die Stadt fahren wuerde. Das wuerde bedeuten, wir muessten sofort los und stramm durchlaufen. Nach kurzem Zoegern und einem „Ich will am liebsten hier und sofort und auf der Stelle sterben“ meinerseits entschieden wir uns dafuer, loszulaufen. Josef war guter Dinge – ich nicht.

Der Ort Pinos Sud war eine Sackgasse und deshalb lag die Chance durch Vorbeifahrende mitgenommen zu werden bei 1 : 1 Mio. Nach anderthalb Stunden hatten wir auch genau die Haelfte des Weges geschafft. Mit der letzten Kraft schleppte ich mich vorwaerts. Wir hatten nun bereits ca. 30km hinter uns (soviel bin ich noch nie am Stueck gewandert, glaube ich – und will ich auch nie wieder), als ein Jeep von vorne kommend an uns vorbeifuhr. Nach ein paar Minuten kam er wieder zurueck und es stellte sich heraus, dass die beiden etwas aelteren Herren nach Traija wollten. Das war die Erloesung!! Das Leid hatte ein Ende! Es stellte sich heraus, dass der eine als Arzt in Genua/Italien arbeitet und der andere als Geologe in Bolivien.
In Tarija angekommen schleppten Josef und ich uns ersteinmal in das naechstbeste Restaurant und dann gings fuer mich nach Hause. Da goennte ich mir noch ein Bierchen, ne heisse laaaange Dusche und huepfte dann aeusserst schwerfaellig ins Bett. Das war bestimmt das letzte Mal, dass ich mich mehr als nur noetig zu Fuss fortbewegt habe…

Was war so los die letzten Wochen?

Ich hab ein wenig gearbeitet. Josef ist abgefahren, dafuer hab ich Inga aus Mainz getroffen, die hier eine Bekannte fuer einen Monat besucht. Mit Inga und ein paar anderen Tarijeños (Ramiro und Marianne) haben wir die ein oder andere Disco unsicher gemacht. Aber vom Hocker hauen tun die Dissen hier mich nicht – ziemlich schrecklich sogar. Aber was solls, muss man mit Humor nehmen. Die Inga ist heute leider wieder abgeflogen. Und auch ich habe schon die Haelfte meiner Zeit hier in Tarija hinter mir – ging doch ganz schoen schnell.
Die letzte Woche waren wir wieder mal auf dem Land unterwegs. Mit Conny vom DED haben wir ein paar Doerfer besucht, Treffen mit Einheimischen abgehalten, hier und da geschwatzt. War wieder sehr interessant. Wir waren diesmal etwas weiter im Osten Richtung Chaco u.a. in einem 200-Seelen Ort namens Palos Blancos. Dort war es schon deutlich trockener und die Vegetation daher richtig wie im flachen Chaco und nicht so feucht wie in Entre Rios. Aber wegen der vielen Berge trotzdem noch ein ganz anderes Landschaftsbild. Und die Strasse zwischen Entre Rios und Palos Blancos ist eine der wahwitzigsten Sachen die ich kenne. Auf ueber 60km gibt es da kein einziges – und damit meine ich wirklich kein einziges Stueck Strasse das mal fuer nur zehn Meter geradeaus ginge. Kurven um Kurven schlaengeln sich um die Bergruecken. Manchmal kann man in einem Kilometer Entfernung die Strasse sehen und braucht doch locker 20 Minuten um bis dorthin zu gelangen, weil sich der Weg noch durch dutzende Taelerchen schlaengeln muss. Natuerlich braucht man da fuer die ganze Strecke auch ueber zwei Stunden – aber die Landschaft auf diesem Teilstueck ist grandios. Fotos folgen irgendwann!
Fuenf Kilometer von dem winzigen Staedtchen Entre Rios entfernt besitzen Conny und ihr Mann ein riesiges Grundstueck (20irgendwas ha) und betreiben etwas Landwirtschaft. Dort waren wir uebers Wochenende und es kamen noch ein paar andere Bekannte, sodass wir nachher 14 Leute waren die in dem 180 Jahre alten Bauernhaeuschen uebernachtet haben. Wir sind etwas in den verwunschenen Waeldern auf dem Grundstueck gewandert, haben grossartig gegrillt, gefeiert, getanzt und Wein getrunken. Sehr schoen.

Nun, am naechsten Wochenende kommt der Chris aus Argentinien mal zu Besuch, dann koennen wir noch die anderen Tanzlokale auskundschaften…

Sodenn, rob

1 Antworten auf “Die letzte Wanderung meines Lebens und andere nette Dinge”


  • Mensch Robsen,

    die Straße mit den tausend Kurven wäre doch auch etwas für Dein Hardrock, oder??? Freue mich schon riesig auf die Bilder!

    Habe Dir die letzten Wochen nicht direkt geschrieben, da Du ja meine Stories auch so mitbekommst.

    Hau rein,
    dd

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