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Schwuppenalarm in Koeln oder drei Koelsch spaeter

Ostermontag, 1732, A1. CT24 piepst Incoming SMS: Herzlich willkommen im Ziel der FOCUS-RuK Challenge 2006… Gesamt Platz 60 AK Platz 26.
Der Frosch ist laengst auf dem Heimweg.
Doch der Reihe nach.

In der Vorosterwoche hatte sich die ESK-Elite ja komplett vom Start bei RuK abgemeldet und so blieb mir wieder mal das Los als lonesome Cowboy noch ein bischen Ehre einzufahren.
Trotz der sich breitmachenden Unlust, das Osterfest so zu versauen, wurden die strategischen Vorbereitungen in Angriff genommen. Hotel gebucht, Einsatzfahrzeug neu bereift (Hinterrad mit neuer Felge noch keinen km gerollt – das geht schief – tut es bereits am Samstag. Auch mein Onlinehaendler enttaeuscht meine Erwartungen nicht. Auftragsbestaetigung verbummelt, ohne AB keine Zahlung, ohne Zahlung keine Lieferung. So krame ich nochmal nen gut gelagerten GP3000 raus.), Alkoholkonsum am Osterfeuer stark eingeschraenkt, dafuer Carboloading…
Am Sonntagmorgen geht es auf die Reise. Stroemender Regen begleitet mich. Mein Navi-System will sich nicht einloggen, so dass ich um die geplante Aktion “Abholung der Startunterlagen” zu bangen beginne. Gerade noch rechtzeitig meldet sich dann doch noch irgendein hilfsbereiter Satellit und geleitet mich zur Bay-Arena. Dort bekomme ich meine Startnummer 671 (und die Zuweisung natuerlich in den zweiten Startblock).
Das Hotel (Skada/Koeln-Kalk) findet sich auch in recht guenstiger Lage in der Naehe der Koelnmesse. Nachdem ich das Zimmer bezogen und auch das Wetter ein Einsehen hatte, konnte ich am Nachmittag noch eine kleine Runde von Koeln nach Leverkusen rollen, um den Anmarschweg fuer das Rennen zu erkunden. Sieht auf der Karte ganz leicht aus. Aber der geuebte Scout macht seinem Namen mal wieder alle Ehre und kommt gern vom rechten Weg ab… Dafuer weiss ich jetzt, wo Leverkusen seinen Vornamen her hat.
Aber so finde ich mich auch in illusterer Gesellschaft wieder. Kommt mir doch bekannt vor: Ist doch der ?, der ??, der sich da einrollt. Und hinterher auch noch ein paar Damen im CSC-Trikot.
Zurueck im Hotel stelle ich fest, dass ich wohl nicht der einzige bin, der sich hier eingebucht hat. Die Mechaniker vom jungen Profi-Team notebooksbilliger.de schrauben gerade ihre bildschoenen Ridleys zusammen. Zum Abendbrot gibt es Doener – einheimische Kueche halt in der tuerkischsten Stadt Ds. wink
Der Wecker klingelt den Ostermontag um 0650 ein. Aufstehen, duschen und Freuhstueck fassen. Ganz in Ruhe – ganz ohne Draengelei am Kaffeeautomaten. Das Wetter macht dafuer nicht gerade ein Feiertagsgesicht. Zwar faellt noch kein Regen, aber puenktlich zum Startschuss werden die Schleusen geoeffnet. Ich rolle zur Startaufstellung nach Leverkusen, diesmal ohne Probleme. Ganze Herrscharen von Radsportlern haben den gleichen Weg. Und die 15km – leider die einzigen trockenen an diesem Tag – sind zum Einrollen wirklich ganz gut.
Vorbildlich schiebe ich mich in meinen zweiten Startblock. Und ob der fruehen Stunde auch in eine halbwegs gute Ausgangsposition am Anfang des Feldes. Bekannte Gesichter rundrum – Fehlanzeige. 2 Minuten vor dem Start ueberlege ich noch, ob ich mich meiner Weste entledigen sollte. Entscheidungsfreudig zoegere ich bis es zu spaet ist. Welche weise Eingebung! Puenktlich 1025 geht der erste Block auf die Reise. Block 2 folgt mit 2min Rueckstand, die dann von der Gesamtzeit abgezogen werden sollen. Im Vorfeld hatte ich lange spekuliert, ob das gut ist oder eher nicht. Schliesslich kann man zwei Minuten Rueckstand gut aufholen. Leicht gesagt, wenn ca. 700 Mann vor einem stehen/fahren. Ausserdem stehen im ersten Block auch die Teams die GEHEN. Was man hier hinten nicht gerade behaupten kann.
X+2: Startschuss und Los gehts! Ja, das Rennen laeuft und auch der Regen! Erste Kurve noch schoen vorsichtig doch dann geht ganz schnell ein wildes Gebolze los und die Nadel schnell ganz fix ueber die 40 (der Puls vermutlich auch). Raus aus Koeln – rein in die Berge. Sorry, muss natuerlich heissen ins Bergische Land, weil ja Berge im eigentlichen Sinne sind das nicht, eher Rampen und Huegel. Aber wie ich im Verlauf des Rennens noch feststellen darf, von ziemlich fiesem Charakter. Kaum 1000m lang, aber tw. 150Hm. Knackig nennt man das wohl. Das liegt dem Frosch nicht. Da findet er kaum nen Rhythmus. Ich kaempfe an der Spitze, mache Fuehrungsarbeit, kreisele mit anderen die halbwegs gleichgesinnt scheinen, um den Block 1 zu erreichen. Das gelingt (natuerlich) auch. Nur das Block 1 mittlerweile in viele Gruppen zerfallen ist. Die Rennsituation wird unuebersichtlich. Beim Ueberholen muss man hoellisch aufpassen, um nicht die Orientierung/Gruppe zu verlieren. Das Fuehrungsmotorrad (von Block 2) leistet halbwegs gute Dienste. Irgendwann kommt mal eine Meldung: Kleinere Spitzengruppe mit 2:50min Vorsprung. Also wachsend. Die sind sich einig, die GEHEN!
Irgendwann bei Kilometer 40 haben wir die Spitze des Hauptfeldes uebernommen und kurbeln weiter in der Hoffnung, den Spitztenreitern naeher zu kommen. Abstand: 3 Minuten. Es laeuft nicht nicht mehr so gut. Irgendwo bei km 60 scheint sich die Gewissheit breit zu machen, dass man so nicht weiterkommt. Zudem mischen sich auch zunehmend Sportler mit Teamgeist ein, die ihren vorn fahrenden Kollegen helfen…
Ende der Fahnenstange? Wir haben alles mit nach vorn gezogen, was halbwegs folgen konnte. Aber genau deshalb geht es jetzt scheinbar nicht mehr so recht weiter. Das Kreiseln funktioniert nicht. Die uebliche Situation (kennt man ja schon): Keiner scheint mehr Lust zu haben, wirkliche Fuehrungsarbeit zu machen. Alles haengt hinten drin und rollt mit, wenn man aus der Spitze rausgeht, wird man soweit durchgereicht, dass an vernunftiges Kreiseln nicht mehr zu denken ist. Alles was sich bis hierher hat mitschleppen lassen, blockiert jetzt ein weiteres Vorankommen mit der Angst das Hinterrad preiszugeben. Die Spitze ist weg und bleibt es wohl auch.
btw: Den kalten Regen spuert man nicht mehr, wohl aber die klammen Finger. Ich poole irgendwann einen Harvest-Riegel raus und breche mir fast die Zaehne. Das Ding schein gefroren. Zum Glueck ist mir nicht auch so kalt.
Jetzt geht es die Rampen hoch.
Km 80 Bergwertung Bechen – und hier verpasse ich wohl meine Chance doch noch etwas zu reissen. Es geht nochmal eine 5-koepfige Gruppe weg und kann sich soviel Vorsprung verschaffen, dass sie ausser Reichweite kommen und es auch, ob der Unentschlossenheit im Feld, bleiben. Allein schaffe ich das auch nicht, wenigstens versucht habe ich es. Nur der Frosch wurde gestellt und dann wieder die Beine hochgenommen.
Bergwertung Schloss Bensheim: Feuchtes, polteriges Kopfsteinpflaster. Bloss jetzt den Ar### auf dem Sattel lassen. Zeit jeden einzelnen Pflasterstein zu gruessen: Hi Karl, Sorry, dass ich Dir ueber die Platte rolle. Na Franz, noch immer ganz der Alte… Ich druecke weit vorn die Rampe hoch und bleibe so von Fahrfehlern und Verschaltern im Feld weitgehend verschont.
Und jetzt geht es eigentlich nur noch bergab, zurueck nach Koeln.
Das Feld rollt geschlossen und natuerlich versuchen nun auch die Leute vor zu fahren, die sich bis hierher – mit Verlaub gesagt – weitestgehend zurueckgehalten haben. Ja, da taucht doch ein ausgewaschensen Telekom-Trikot auf, ein alter Stahlrenner mit Rahmenschalthebeln – der hat auch schonmal bessere Zeiten erlebt… Gedanken: Scheisse, bin ich wirklich nicht besser? Ja, ofensichtlich geht es dem Ziel entgegen. Prima, jetzt erscheint auch noch ein grosser, blonder Zopf neben mir. Team Awatek hat seine Anette Kolf auch in Position gebracht.
Wir fliegen durch Koeln – leider keine Beschilderung, wie weit bis zum Ziel – enge Kurven und immer mal wieder ne boese Welle im Feld. Ich will mich aus dem Spurtgeplaenkel raushalten, aber doch soweit vorn fahren, dass ich dem Ungemach entgehe und wenigsten noch eine achbare Platzierung rausfahren kann. T-Mobile-Bogen – der rote Lappen – jetzt bloss keinen Bloedsinn mehr und ZIEL!
!!!Super!!! Genau. Wirklich MegaSuperGeil!
Auch wenn im nachtraeglichen Ueberfliegen mein Bericht einen einwenig negativen Touch zu haben scheint.
Ist aber absolut nicht der Fall.
Geile Strecke! Geiles Rennen! Publikum zum Glueck nicht (offensichtlich ganz so) geil (wg. Schwuppenalarm) aber entusiastisch (MegaTnx!). Wer schonmal so einen fanatischen Menschenkorridor wie zum Bensheimer Schloss hochgefahren ist…
Und meine Leistung: Sehr gut! Ich habe Defizite bei der Kraft (boese Rampe/Endgeschwindigkeit), aber das war bisher noch nicht Trainingsziel.
Nach der Zieldurchfahrt schlaegt die Kaelt zu. Der Regen verbuendet sich mit dem Schweiss und der Koerper stellt den Ofen auf Sparflamme. Also schnell Transponder abgeben, Erdinger reinsaugen, ab ins Hotel. Upps, da rollt noch was bekanntes ins Blickfeld. Das Bike kennst Du doch aus dem RR-Forum – Hallo!
15 Minuten heiss duschen bringen die Lebensgeister zurueck und machen halbwegs fit fuer den Heimweg. Und die Satelliten sind dem Navi auch halbwegs hold.
Ostermontag, 1732, A1…*

Ciao
Der Frosch
C.

* full circle

3 Kommentare

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  • Guter Frosch,

    fein gemacht. Ich wußte schon, warum ich einer Familienfeier diesen “belgischen” Bedingungen den Vorrang gab. Deine Form hatte ich ja auf Malle schon zu spüren bekommen, also kann ich mir ja ausrechnen, wie es mich in Köln zerrissen hätte.

    Bis bald mal wieder…

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