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Die Leiden des (fast noch) jungen Nautilus

von Nautilus

Wie dem ein oder anderen bereits bekannt, verbringe ich momentan meinen Urlaub im schönen Braunlage. Dies an sich ist nicht weiter aufregend und bedarf eigentlich keiner größeren Erwähnung. Wie bin ich jedoch hier hingekommen? Na wie sich das für ein Eisenschwein gehört natürlich mit dem muskelbetriebenen Zweirad. Es möge mir verziehen werden, das dieses Zweirad sich zur Gattung der Schmalhufer zählen darf. Aber ich will die Geschichte von Anfang an erzählen:

Bereits bei der Planung der Anreise wurde mir durch meine Schwägerin eine kleine Steilvorlage geliefert. Sie würde bis dahin bei uns in Berlin verweilen und dann eigentlich ganz gerne von uns in Richtung Westdeutschland mitgenommen werden. Außerdem stand meiner Frau der Sinn nach einem Besuch bei einer weiteren ihrer zahlreichen Schwestern im beschaulichen Göttingen. Sofort witterte ich meine Chance. Muß ich wirklich mit nach Göttingen? Außerdem würde die Beförderung von mehreren Fahrrädern, dem Kinderanhänger, drei erwachsenen Personen, plus Kleinkind, plus Gepäck unseren Kombi einfach überfordern. Schnell war die Idee geboren, mittels Muskelkraft nach Braunlage zu reisen und so ganz großzügig meinen Platz im Vierrad an meine Schwägerin abzugeben. Eigentlich war geplant, eine Tour mit zwei Etappen daraus zu zimmern und eine Übernachtung in Magdeburg einzuplanen.

Es kam also der Freitag, mein letzter Arbeitstag. Es war wie fast immer ein langer Tag. Dementsprechend viel die Zeit für die Vorbereitung der Urlaubsreise etwas knapp aus. Schließlich war Grundvoraussetzung für mein Vorhaben, meine Familie mit gepacktem Auto auf den Weg zu schicken bevor ich mich selber in den Sattel schwingen konnte. Außerdem war der Wetterbericht für den Samstag extrem mies, für den Sonntag jedoch wesentlich besser. Nicht zu vergessen, die Übernachtungsmöglichkeit in Magdeburg war auch noch nicht organisiert. Irgendwie kam ich also auf so eine irrwitzige Idee, welche man am besten ohne großes Nachdenken in die Tat umsetzt: Das muß doch auch an einem Tag zu schaffen sein!

Mit dem Auto sind es so 350km über Braunschweig dachte ich mir. Der direkte Weg sollte also nach meiner Schätzung in jedem Fall unter 300km liegen. Das wird zwar hart, aber ist wohl zu schaffen. Bloß nicht zu lange grübeln, einfach machen war meine Devise. Als einziges Hilfsmittel zog ich eine Karte im Maßstab 1:400.000 zu Rate. Die Route war schnell festgelegt. Zunächst nach Beelitz, dann über Belzig nach Zerbst, über die Elbe, quer durch die Magdeburger Börde, über Nebenstraßen nach Halberstadt, von dort nach Wernigerode und dann noch den Aufstieg nach Braunlage. Hört sich doch eigentlich nicht so schwierig an. Also: Beschlossene Sache!

Ich schickte also Samstag Nachmittag meine Familie los und verbrachte den Rest des verregneten Tages damit mir eine Portion Nudeln nach der anderen reinzuschieben. Schließlich war Kraft tanken angesagt. Und plötzlich wars auch schon Sonntag. Um für mich absolut unakzeptable 6:00 Uhr klingelte der Wecker und ein Blick aus dem Fenster lies mich frohlocken: Blendendes Sonnenwetter. Schnell den Rucksack gepackt, endlos Brötchen geschmiert und gegen 7:00 Uhr konnte es dann auch schon losgehen. Bereits auf dem Weg durch das noch tief schlafende Berlin fühlte ich mich grandios. Ich hab die Straßen noch nie so für mich alleine gehabt. Lediglich ein paar Taxen und ein paar Ordnungshüter störten das morgendliche Konzert der Vögel, Ampeln konnten mir gestohlen bleiben und ich konnte in aller Ruhe den Vögeln, dem Summen der Laufräder und dem Rasseln der Kette lauschen. Der Windweste welche ich ob der morgendlichen Frühe übergeworfen hatte konnte ich bereits vor dem Verlassen des Stadtgebiets wieder im Rucksack verschwinden lassen und ich fühlte mich einfach gut.

4 Kommentare

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  • Boah…was für eine grandiose Leistung.
    Ich bin so beeindruckt und hab beim lesen ganz nasse Hände und Tränen in den Augen bekommen…ganz großen Respekt.
    Es ist immer wieder ein ganz besonderes Gefühl an seine Grenzen zu gehen.

    Gruß
    S.

  • Nauti Nauti, Mensch bin ich stolz auf Dich. Aber ich durfte mir diesen Bericht ja schon zum Teil leif am Telefon anhören – perfekt!

    Ich bin einfach nur beeindruckt von der Härte, die Du auf diesem Marathon-Ritt gehabt haben mußt. Und eine riesige Portion Neid bleibt auch noch bei mir hängen.

    Gut ab…

  • Ja wenn der Dorfschmied bei John Deere den gleichen sportwagen wie du fährt dann ist es ihm ein leichtes so ne kleine inspektion zwischen Frühstück und Mittag durchzuziehen.

    Nauti du bist echt strange. Ich hätt nicht im traum dran gedacht solch unternehmung durchzuziehen. Verdammt großes mammut was du da erlegt hast. lass es die schmecken

    eL “teilzeitvegetarier”

    p.s. wenn du mal mit dem Männerbike in braunlage bist und der rest vom ESK entweder keine zeit oder wieder RTF´s runterreisst .Dann sag vorher bescheid… dem Dirk auch.
    War ne geile zeit damals im harz

  • nauti, auch ich zoll dir grossen respekt fuer diese leistung. ein riesen ritt, den du da hingelegt hast. ist schon ein wirklich grosses erlebnis, so eine lange distanz an einem tag abgerissen zu haben – da weiss man was man getan hat.

    wow, gruesse, rob

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