Rapha Prestige Bohemia

Rapha

Nicht nur der , auch andere Weltmarken definieren Ihren Standpunkt immer wieder aufs Neue. Rapha schickt sich ja schon seit einiger Zeit immer wieder an, moderne Schnitzeljagden durch wunderschöne Ecken dieser Welt zu veranstalten. Rapha Follower Toni scheute daher auch keine Kosten und Mühen und meldete 4 Wagemutig für den erlesenen Ritt durch die böhmischen Gebirgslandschaften an.

Start und Ziel waren mit Schmilka bekannt, die Strecke kam einen Tag vorher per GPS- Track und Selfservice war ohnehin Konzept der Veranstaltung. In der Teamaufstellung des Eisenschweinkaders gab es bis zuletzt noch Rotationen. Letztendlich führte Toni dann die Kader Pda, Frö und Mitstreiter in die sächsischen Schweiz.

Während Pda schon am Freitag früh den Warmup-Welcome-Sonstwas-ride noch mit einer Stippvisite beim Cunnersdorfer Bäcker und einer Lage Eierschecke beglückte, kämpften sich die anderen zunächst durch den aufkommenden Ferienverkehr. Doch pünktlich gegen 18.00 waren die Zimmer bezogen, die Stahlrösser montiert und ein erstes Frisches genommen. Während nun Team um Team im wunderschön gelegenen Biergarten des Gasthaus zur Mühle eintraf war von den Organisatoren noch keiner zugegen oder blieb bewusst im Verborgenen um die Sache zu beobachten. Egal, wir hatten unseren Spaß. Allein der Takt am Hahn blieb in Erwartung der 3300hm des nächsten Tages und der doch eher gehobenen Bierkultur eher verhalten. Das Publikum war recht International mit leichtem Schwerpunkt auf Berlin, Englisch zu sprechen war von Vorteil und die Bart- und Tattoodichte verdammt hoch.

Rapha Prestige Bohemia

Nach einem hervorragenden Frühstück schoben wir die Räder und den Kasten ‚Bier aus der Heimat‘ zum Start. Dort staunten wir nicht schlecht, als die Adjutanten des Verunglückten Raphamannes Dirk (Gute Besserung!) eine richtige Startprozedur mit Startlinie, Zeiterfassung und sekundengenauem Go! der einzelnen Teams zelebrierten. Hier war noch einmal für Kaffee und einen kleiner Snack gesorgt. Doch bald hieß es auch für uns auf ins Abenteuer, denn keiner wußte so genau, was genau man bei Rapha unter versteht und wie viel man davon auf 190km verteilen kann. Nur eines war klar, am Wende- und Höhepunkt der Tour , dem Jeschken, würde uns jemand in Empfang nehmen, aufbauen und wieder zurück zum Start schicken.

Im Anstieg zu den Reinwiesen fuhren wir auf die ersten Gruppen auf. Schnell wurden aus vier acht, aus acht 12 Fahrer. Die ersten hatten sich schon nach 5km verfahren. Ich hatte mir den Track auf den doch recht neuen Garmin geladen und ganz sicher die Routenneuberechnungen ausgestellt. Wir fahren nun wirklich jeden Quatsch den sich der der Organisator ausgedacht hat. Doch zunächst sollte es nur steil den Berg hinauf aber immer noch auf befestigten Straßen voran gehen. Obwohl ich die Ecke eigentlich ganz gut kenne, sind wir Kombinationen gefahren die ich mit dem Rennrad nie gefahren wäre, die aber echt reizvoll und nahezu autofrei sind.

Ein banger Blick ging allerdings schon seit dem frühen morgen gen Himmel. Dunkle Wolken zogen immer wieder auf um sich kurz darauf in Nichts aufzulösen. Mit jeder Stunde stiegen nun auch die Temperaturen auf schwülwarme 30°C. Stetes Auf und Ab ließ uns ordentlich ins schwitzen kommen.

Im Tal der Kamnitz sind wir dann auf einer Gruppe tschechischer Radsportler gefahren, die zwar nicht sehr kommunikativ waren, uns jedoch einige Kilometer mitnahmen. Allzu schön hätte es nun so unterstützt weitergehen können, doch Rapha war mit seiner Tourenplanung anderer Meinung. Unvermittelt zog der Track in den Forst. Am Waldrand irrten bereits einige ungläubig herum, wollten sie doch nicht in den scharfkantigen Schotter stechen. Unsere beiden Geländepiloten stachen nun in die erste wilde Abfahrt hinein. Toni und ich eher verhalten. Rechts und links standen die ersten Gruppen mit defekten Reifen und wechselten Schläuche. Bald darauf erwischte es auch Frö und wir gesellten uns zu den Wartegemeinschaften.

Rapha Prestige Bohemia

Teils wurde nun auf Forstautobahn, teils auf ausgewaschenen Wanderwegen gefahren. Ein Härtetest für Mensch und Material. Über wunderschöne Sträßchen ging es nun Richtung Oybin, am Hochwald vorbei durch die Startregion des Malevil Cups der bei mich immer noch daran erinnert, hier eine Rechnung offen zu haben.

Ab Kreisdorf begann aber sehr bald der 10km lange Anstieg zum Jeschken auf denen 610hm zu meistern sind. Wir fahren wieder auf eine größere Gruppe auf und müssen uns entscheiden ob jeder nun sein Tempo fährt oder ob wir gemeinsam fahren. Ich entscheide mich für meine eigen Frequenz, mache mich beliebt und steche vorn heraus. Immer wieder traf ich nun auf kleine Grüppchen, von denen ich mir nicht sicher war ob sie Teil der gemeinsamen Tour oder frisch gestartete Rundfahrer sind. Der Anstieg ist bisweilen gnädig, nur ab der Kreuzung am Sattel, aber der ich den Verlauf noch von unserer Geländeradtour kannte gingen mir die Lichter aus. Alle kassierten Grüppchen zogen vorbei und ich sehnte den Turm nun endlich herbei. Erste Straßenmalereien deuteten auch auf die Rapha Verpflegung hin. Doch da auf dem mittleren Parkplatz platziert, hieß es zunächst noch bis zum Gipfel durchhalten. Dort gingen erst auch mal die Lichter aus. Ein Funkturmselfie später rollte Pda, kurz darauf Frö bei der Bergwertung ein. Eine fernmündliche Abstimmung mit dem Chef führte uns wieder zur Rapharast.

Rapha Prestige Bohemia

Ein leckeres Käffchen und diverse Bananen später saßen wir wieder auf dem Rad. Denn neben der grandiosen Aussicht in alle Himmelsrichtungen war auch das herannahende Gewitter von West gut zu erkennen. Rasant waren kurz darauf die Höhenmeter auf gleichem Wege wieder vernichtet. Und tatsächlich machten sich noch einige Teams jetzt erst an den Anstieg zum Jested. Wenige Minuten später begann es zu tröpfeln, Jacke an. Es begann zu regnen.

Und dann war er da, der rettende Potraviny. Andere Berliner hatten sich schon ein Plätzchen mit gekühlten Getränken gesichert. Da gesellen wir uns gern dazu. Jetzt beginnt es zu gewittern und heftigst zu schauern. Mit einem Bierchen in der Hand sehen wir nun einige Team vorbeiziehen. Das schenken wir uns und legen die Beine hoch.

Rapha Prestige Bohemia

Als es nur noch tröpfelt geht es dann weiter. Die Straßen sind nun teils überspült und die folgenden Gravelpassagen die reinste Suche nach Grip. Über Feld und Wanderwege geht es zu den Elefantensteinen durch die man dann mit dem Rennrad steigt. Wozu hat man Geländeräder erfunden, geht doch auch so.

Rapha Prestige Bohemia

Irgendwann wird auch wieder Asphalt erreicht und es geht auf eine kurze Stippvisite nach Polen. Nur der leichte Regen ist nun unser ständiger Begleiter. Allerdings hat die Erfrischung unseren Beinen gut getan und fortan kann ordentlich Tempo gemacht werden. Einige Teams sind so im Rennmodus, dass nicht mal zum Pullern angehalten wird, da heißt es Abstand halten zum Vordermann ;) In die Teils verdammt rutschigen Belagswechsel nicht als erste hineinzustechen hat dann auch seine Vorteile als es die ersten vor uns auf die Nase legt. Doch größere Blessuren bleiben aus und geht in die nächsten Schlammpassagen. Schnell ist man dann auch wieder in der Böhmischen Schweiz und biegt hinter Krasna Lipa

ins Kaatal. Die Straße ist besser befestigt als gedacht und in rasanter Fahrt geht es nun Richtung Kirnitzschtal. Vorne Fahren ist hier wiederum von Vorteil da man stets reagieren kann. Als sich der Weg dann nimmermehr auflöst übernehmen Pda und Fröh das Temporegiment. Einige weiter hinter fahren hier über Ihren Verhältnissen und fallen dem zu Opfer. Knochen bleiben zum Glück wieder alle heil. Aus dem Tal hinauf nach Hinterhermsdorf wartet dann der letzte Anstieg des Tages auf uns. Danach geht es durch das Kirnitschtal nur noch bergab. Hier kommen nun wieder einigen Gruppen zusammen und geben sich dem feuchten Rausch der Geschwindigkeit hin. Toni und ich halten sich zurück und spekulieren auf die flacheren Passagen. Dort werden dann die Jungspunte kassiert und ein flotter 36er Schnitt das nicht enden wollenden Tal hinabgedrückt. In den Schuhen sind uns sicher schon Schwimmhäute gewachsen, doch ein Ende ist in Sicht. Sauber wir noch einmal gekreiselt und nach knapp neuneinhalb Stunden brutto wieder an der Mühle in Schmilka angeschlagen. Froh und glücklich ohne Vorkommnisse (den Schlauch, die eine Speiche und der lockere Steuersatz verschweige ich mal) die raphaische Definition von Gravel überstanden zu haben. Wenn es der Planer nicht so vorgesehen hätte wären wir solch Wege mit dem Rennrad nicht gefahren. 28 oder 25mm sind bei Dauerregen dann auch egal. Uns hat es aber riesigen Spaß gemacht sich dieser Schnitzeljagd zu stellen und bis zum bitteren Ende durchzustehen.

Rapha Prestige Bohemia

Denn Rapha verstand es das Ende mit einem brillanten Buffet zu versüßen. Noch glücklicher war der Umstand, dass man uns vom Hotel anbot, doch schnell im Wellnessbereich unsere nassen Klamotten zu wechseln. 15min später saßen 4 ausgepowerte Recken in der Sauna und sahen bei der Zielankunft weiterer Team zu. Das Bier aus der Biobrauerei schmeckte fast besser als am Vorabend.

An dieser Stelle sei auch der Bericht des toughen Damenteams empfohlen, die wohl so jedes Missgeschick mitgenommen haben und bei km150 ausgestiegen sind. Die 150 waren sicher viel härter als die volle Distanz vieler Anderer.

>>>

Rapha Prestige Bohemia: Plattenmarathon, Ještěd, Gewitter, Böhmen

<<<

 

Bis zum nächsten mal?

7 Antworten auf “Rapha Prestige Bohemia”


  • Jungs,

    nächstes Mal auf den Gruppenbildern bitte die Trikots schließen!

    Füllt die breitschultrige Raphatante auf diesem Foto Kaffeepulver in einen Siebträger? Gab es auf dem Jeschken etwa frisch gemahlenen Kaffee? Fühlt man sich verloren im Biobiergarten zwischen den ganzen Barthipstern? Wer hat die Fußspuren in den Elefantensteinrücken hinterlassen? Warum hing in dem Potraviny keine Raphafahne? Wird der kommende Störtebeker-Cup jetzt mit Dackelschneidern ausgefahren? Warum esst Ihr die Eierschecke mit dunkler Soße und Messer und Gabel? Wer oder was ist Gravel?

    Danke für den schönen Bericht
    schosse

  • Fragen über Fragen, aber ich glaube alles war so wie es war ganz gut und richtig.

  • auch nach stundenlanger Suche war es mir nicht möglich den Link zum Artikel und hoffentlich auch Bildern des Damenteams zu finden. Wäre es ggf. möglich, diesen zeitnah nachzureichen?

    • Hallo Georg,
      habe jetzt mal drei Pfeile drüber und drunter gesetzt. Die Quelle schreibt wohl gleich die Tags in rot statt der Originaladresse. (Mouse over verrät dann die Quelle)

  • Gott sei Dank konnte ich nicht. Meine Fahrkünste im Gelände auf schmalen Reifen hätten sicher nicht gereicht.

    Vielen Dank für den schönen Bericht!

  • Wenn doch aber Schotter ausgeschrieben war, warum dann nicht einfach 33er oder 35er Reifen?

  • Es war mir eine Ehre mit Euch! Hoffe auf ähnliches Glück bei neuen Abenteuern mit und ohne Rapha. Brauche ein neues Rennrad, bei mir passen keine 33/35 er! ;-)

Hinterlasse eine Nachricht