Janibal in Fürth – eine kleine CX-mas Feier

Zahlenspiel, fragt sich jeder nur ob Platz 12 oder 14.
Fragt sich gleich jeder: wo, bei? In Hamburg und Umfeld läuft heute keine Seelentherapie CX.
Aber in Fürth. Das ist da, wo alles begann. 30 Stuckies galten als lebensgefährlich und cabuum diente als Treibstoff. Maschinen hießen noch naturnah, z.b. Adler und nicht stevens, ridley oder scott.

Uns hier ist die Schatztruhe der Nation. Lockere 20€ Startgeld. Dafür durfte ich auch von FREIstattBAYERN reden. Gemerkt habe ich keinen Unterschied zur Freiheit in Preußen. Auch gab es keine Passkontrolle im Zug nach Süden. Die Nation scheint vereint. Noch auf der Hinfahrt schreibt Jörg in Andacht an den Stevenscup in Volksdorf:

Empfangen werde ich vom ESK Aussenposten blacksurf. Szenenbekannt auch als Trailwunder McAtja. So werden wir im Veranstaltungsgebiet Stadtwald aufs herzliCXste willkommen geheißen. Eine andere Familie, aber genauso familiär wie beim Stevenscup oder KSGC. Später wird die Atmosphäre noch durch Zuschauer getrübt :-).

Verpflegung gibt es aus dem Zelt, ein Lkw beherbergt das Equipment. Ein Rennkomitee steht überdacht am Zielstrich, unterstützt von einem elektrisch verstärkten Kommentator. Hier wird der Ton über Kabel an die zentrale Stelle der Strecke übertragen, denn das ist nicht Start/Ziel. Gute Idee. Musik gibt es nicht. Deshalb ist das Nebelhorn von der Küste mit dabei. Ich drücke es der Madame vom Organisator, Helga, in die Hand. Helga kann gut blasen und so erzittert die Luft und das Volk im Umkreis. Damit ist klar, die Musik ist selbstgemacht.

Startnummer gibt es vom Transporter, so wie hier Playstations. Gleich mal an das ESK-Leibchen pinnen, langärmelig, obwohl es mild und feucht ist. Ja, muss i denn erst nach Fürth, um richtig zu crossen?
Schon in Bad Doberan ( Bericht ) zeichnete sich erster Spaß ab, doch hier ist es fast optimal. Schon nach einer Proberunde ist das CX makeup (Berlin, Paris, Robaix, Fürth) aufgelegt.

Noch sauber gehe ich mit McAtja die Strecke ab. Ortskundig bekomme ich die Lage von Todeswurzeln, Höhe der Treppenstufen und Prozente am Anstieg „Glüh&wein“ gezeigt. Auch die Abfahrt „Schlüsselbein“ ist eine Schlüsselstelle. Alles machbar, mit dem MTB. Der CX verlangt nach wenig Luftdruck. Gut für Traktion, schlecht auf den Waldautobahnabschnitten. Das Leben ist ein Kompromiss.
Die Juniorenrennen laufen, dreckige Anzüge, verschlammte Räder, Schlammsenken auf der Strecke. An der Strecke treffen wir weitere Familienmitglieder. Auch Bernd und Gemahlin Helga. Er ist (k)ein Triathlet: zufallsorientiert, detalliert, redsam. Aber zusammen mit seiner Supporterin eine starke Bereicherung. Nach etwas aufwärmen am Europakanal (Main-Donau oder Atlantik-MIttelmeer) geht es zur Startaufstellung an der eingezäunten Schwarzwild Gruppe (Eisenschweinkader).

Rechtzeitiges kommen sichert vordere Plätze. Etwas unruhiger als beim stevenscup wird sich hier nach Aufstehzeit eingereiht. Dumm nur, das ein anderer Held mich auf den wenigen Luftdruck im Vorderrad aufmerksam macht. Stimmt. Also raus aus der ersten Reihe und nachpumpen. Wenn das ein Schleicher ist, dann ist der materialbedingte erste Rennausfall vorprogrammiert. Aber immerhin würde der ESK eine Runde durch Stadtwald von Fürth stürmen. Auswärtsspiele sind härter.
Anpfiff der Hobbyklasse. Alle Altersklassen. Nichtklasse von mir.

Irgendwo bei 20 von 30. Eigentlich nur die Rookies hinter mir. Laufsteg. Kein Risiko, viel zu früh absteigen mit den anderen gemütliches aufsteigen zelebrieren, anstelle von bunnys hop. Auch an der Einfahrt zum Anstieg „glüh & Wein“ steht einer quer. Von Sattelkontakt auf Schulterkontakt wechseln. Berglauf.


Aufsitzen und rein in die Abfahrt „Schlüsselbein“. Vorbei am idyllischen Waldsee. Treppe
1. Abspringen, doppelstufen 2.stock
2. Aufsitzen.
3. Gradfahrt drei vier Umdrehungen, schalten lohnt nicht. Wieder Treppe. Die Beine sind noch sauer vom Sprint in den 2.stock. Nur ein Stockwerk.
4. Das folgende Stockwerk ist behindertengerecht, schiefe Ebene.

Tolle Aussicht im 4. Stock. Man kann die Sterne sehen.

Erholungszeit auf dem Trail, schnell. Schwung mitnehmen. Kurven an der Rutschgrenze. Bergauf, Kette bleibt rechts, alles lächerlich nach dem Hochhaus. Druck. Eisenschweinkader rechts, Geruch von Wild, Strecke auch. Sprung in den letzten Anstieg. Wurzeln erhöhen die Schwierigkeit. Antreten zum Ziel der ersten Runde von acht.
Die Spitze ist weg, zu viel getrödelt. Dafür noch Luft auf der zweiten Runde. Die Zuschauer und Supporter haben sich beim Laufsteg und am „glüh&Wein“ versammelt. Zeitweise haben meine Ohren noch Blut und nehmen Anfeuerung auf. Wird Zeit, das die Glut zum Feuer wird, wie bei der Elite. Hier läuft später die Kette rechts. Traktion scheint kein Problem. Ich versuche nicht durch zu drehen, Suche nach dem richtigen Weg und verglühe in der Atmosphäre. Abfahrt „Schlüsselbein“ ist nie problematisch, nur mein Zeitverlust dort. Mal etwas beißen. So komme ich Runde für Runde besser zurecht und muss leider auch Vornestattbayer gelten lassen. Ist das nicht Missbrauch der Gastfreundschaft, oder gilt auf der Strecke das Kriegsrecht?

Mittlerweile braucht der Gang auch ein paar Umdrehungen, bis sich die Kette durch den Schlamm aufs Ritzel gebissen hat. Vorne ist nur noch der große Ring zu sehen. Beine und Schuhe haben Untergrund Farbe. Trotzdem: vorwärts immer, rückwärts nimmer. (E. Honeker, ESK) letzte Runde, nach dem 4. Stock (insgesamt also 32) wird es grün vor mir. Ich fahr vorbei. Bei Widerstand kein Überrundeter. Sch… Er bleibt dran. Also Vollgas um die Kurven, Unterlenker antreten, erster im Schlußtrail, hier ist Überholen schwer. Wurzeln hoch, noch mal alles geben, reicht….nicht. Er geht links vorbei. Knapp, aber nicht der Altersunterschied. Es gilt: Alter vor Schönheit und ich fühle mich Dano . Mein Enkel ist doch etwas antrittsschneller. Nur 31 Jahre Altersunterschied.

Oder schiele ich schon nach einen Altersruhesitz für mein CX?

Bernd ist kurz vor uns ins Ziel gekommen. Heimsieg. Standig ovations.

Noch einen persönlichen Siegerkuss empfangen, schmatz.

Dann die Elite mit Musik begleiten. Der Sprecher redet von Genehmigung und das die Startpistole verboten wurde. Schon erste Stöße ins Horn erfreuen die Fahrer und stimmen freudig den Chor an. Am „glüh&Wein“ entwickelt sich eine Fankurve. Die wandert bis zur Treppe in den 2.stock. Die Unterstützung entlockt den Fahrern frohes Gemüt, ist auch schön zu sehen, das ein Fahrstuhl was für alte Leute ist, gelaufen ist schneller. Auch hier sorgt die feuchte Strecke für Kriegsbemalung. CX vom feinsten, driften, schleudern, knacken, abka…..
Ein gelungener Tag, lokal wird noch etwas von Schneegarantie gepredigt, die Startnummern eigenhändig gewaschen und getrocknet. Und es werden mehr Fahrerinnen gewünscht. Leider standen die lokalen Engel am Tresen oder haben Fotos gemacht. Und das ausgesprochen gut. Dank an den Nürnberger Christkindelmarkt für die Freistellung.
Kurz bevor die Nacht den Tag aufgefressen hat, ist das Spektakel vorbei und der Eisenschweinkader wieder im Gehege, das Schwarzwild geht den üblichen Sauereien nach, Friede auf Erde before cx-mas

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2 Antworten auf “Janibal in Fürth – eine kleine CX-mas Feier”


  • Toller Bericht aus Fahrersicht!
    Klasse geschrieben, fühlte mich beim Lesen schon fast auf dem Rad… aber Crosser sind nix für mich … viel zu schmale Reifen! :-)
    Danke für die Komplimente für Rennorga und Engelbetreuung!
    Das Bild Eisenschwein küsst Wildschwein ist sensationell ..scharf!
    Liebe Frankengrüße
    Andrea alias Helga :-)

  • Bist nicht umsonst im ESK! Das ist ganz große Prosa, der Stil gefällt mir. Hab mich sehr amüsiert. Weitermachen!

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