Eine Radwanderung

EISENSCHWEINKADER | Eine Radwanderung  Eine Radwanderung Wir wussten, wir hatten uns ein hohes Ziel gesteckt. Oder ein weites. Über 100 Kilometer an nur einem Tag! Moargus, Pda und ich – das waren wir. Die Strecke unserer Radwanderung sollte uns vom Startpunkt Eberswalde, durch das Freienwalder Massiv und die Märkische Schweiz bis nach Erkner führen. So wollten wir demSachsen zum ersten Mal die schönsten und bergigsten Ecken nördlich von Berlin vorführen. Und es wurde ein wahrer Wohlfühltag für die Wandererseele.

Der Zug spuckte uns in Eberswalde dreiviertel Zehn raus. Wir nahmen unsere Räder an die Seite und stiefelten forschen Schrittes los. Möglichst schnell wollten wir die Stadtgrenze hinter uns bringen, schließlich war es ja unser Anliegen, durch die Natur zu radwandern und nicht auf dem monotonen städtischen Asphalt. Auch hatten wir ja noch viel vor uns an diesem Tag.
Herrlich strahlte die Sonne durch die laublosen Bäume und ob der strammen Schrittgeschwindigkeit mussten wir uns alsbald der ein oder anderen Lage Oberbekleidung entledigen. Es ging auch schon ein paar mal anständig bergauf. Der schmale Wanderpfad an einem kleinen Bächlein hinauf nach Hohenfinow war mir gänzlich unbekannt, umso schöner diese erste Begehung. Ab Hohenfinow sollte es mit dem ständigen bergauf und bergab aber erst so richtig losgehen.

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Die Landschaft wirkte fast wie im Mittelgebirge, oft stiegen wir kräftezehrend bergan, bergab konnte man fast schon rennen. Zum Glück haben unsere Räder Bremsen, so konnten wir beim Bergabschieben die Geschwindigkeit des Rades besser regulieren, aufdass es uns nicht davonrollte. Wir folgten dem blau markierten Wanderweg über nahezu jede Kuppe bis nach Falkenberg, dem Einstieg in das Freienwalder Massiv. Noch länger wurden die Anstiege. Die Toppenberge wurde passiert und ein kleine Rast für das zweite Frühstück eingelegt. Mein Nutellabrötchen und Pda’s Käsestulle mussten dabei mit Moargus Wegzehrung konkurrieren: Fischbrötchen und mit 3 Zentimer dickem Harzer Käse belegte Schrippe. Kein Wunder, dass der Junge so schnell ist, trotzdem wär das nichts für mich.

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Weiter ging unsere Radwanderung bis vor zur Kapelle überhalb von Bad Freienwalde und den Sieben-Hügel-Weg entlang zum Baasee. Die lokale Forstwirtschaft veranstaltete an einer Stelle ein mittelgroßes Massaker, sodass wir umständlich klettern mussten, die Räder auf der Schulter. Die Zeit schritt voran, doch wir nicht so recht. War unsere Streckenplanung doch etwas zu optimistisch?

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Immer, wenn wir eine kurze Rast abhielten, konnten wir uns auf dem Sattel oder dem Oberrohr des Fahrrades abstützen oder hinsetzen. Ist schon recht praktisch, so ein Fahrrad beim Wandern dabei zu haben. Der Helm scheint vielleicht etwas übertrieben, man sagte uns aber, dass das zu einer kompletten Radwanderausrüstung dazu gehöre. Es schützt wohl gegen überhängende Äste und spontan umfallende Fichten.

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Vom Baasee aus radwanderter wir hinauf zum Teller und dann auf einem schier endlosen Pflasterweg in südlicher Richtung aus dem Freienwalder Massiv hinaus. Nun folgte ein sehr zerriges Stück auf unserer Wanderroute, die Verbindung hin zur Märkischen Schweiz führte mal kurz auf der Straße, zumeist aber über lange Feldwege. Keine große Freude für den Wandersmann.
Wir passierten einige Ortschaften. Die Infrastruktur für Wanderer ist in dieser Gegend allerdings sehr schlecht. Während Moargus bei Einheimischen um Trinkwasser bettelte, kontrastierte sich Pda vor einem blaugrauen Garagentor.

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Die Beschwerlichkeiten des Wanderns wachsen mit zunehmender Eintönigkeit der Landschaft. Wie wir feststellen mussten. Auch das Schieben des Rades beim Radwandern ist keine so leichte Sache. Man sollte jedenfalls öfter mal die Seite wechseln, ansonsten bekommt man irgendwann Nacken- und Schulterschmerzen von der ständigen Schiefstellung.
Wir erreichten irgendwann Ihlow und klärten denSachsen über die Emminenz dieses unscheinbaren Örtchens in der ESK’schen Herrschaftstopographie der Mark Brandenburg auf. Aufgrund seiner Lage wurden wohl in keinem anderen Ort soviele Gäste von ESK-Touren begraben oder heimgeschickt (wobei man auch von Letzteren meist nie wieder etwas gehört hat).

Wir erreichten die Märkische Schweiz und gedachten Drachkehle, Krugberg und Poetensteig voll mitzunehmen, trotz des Zeitdruckes. Die Marschgeschwindigkeit war hoch. Moargus sollte das alles mal gesehen haben.

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Pda-Suchbild

Am Dachsberg genossen wir Sonne und Aussicht. derSachse war ganz außer sich wegen der grandiosen Landschaft. Seine schönste Wandertour bisher, meinte er.
Wir erreichten die Pritzhagener Mühle und lagen doch ganz gut in der Zeit. Also gönnten wir unseren Beinen eine verdiente Ruhepause und genossen Kaffee und Kuchen. Unserem zügigen Laufschritt konnten wir es verdanken, dass wir bereits 65 Kilometer auf der Uhr hatten – und dazu satte 1300 Höhenmeter! Aber wir wollten noch bis nach Berlin ran. Also Auf!

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Den Wanderweg an den wild mäandrierenden Stöbber folgend, gelangten wir nach Buckow. Ein hübschen kleines Städtchen. Hier gab es auch jede Menge Wandererinfrastruktur! Wir spazierten durch den Ort, ehe wir im Wald wieder Marschschritt anlegten. Was folgte, war das lange, bittere, nicht enden wollende Ende unserer Radwanderung. Viel flach, über die Felder, wenig spektakulär. Trotzdem aber ganz schön. Am Roten Luch entlang, Anlitz, Werder, Rehfelde Dorf, Herzfelde. Der Schritt wurde schwer, doch die letzten Stückchen Kuchen, die Moargus aus seinem Rucksack zauberte, belebten wieder die Geiste. Am Kalktagebau entlang, über den Windmühlenberg und die bekannten Wege längs am Kalksee, durch Woltersdorf und weiter, immer weiter, erreichten wir nach unzähligen Kilometern Wilhemshagen. Hier trennten wir uns. Ich lief rüber nach Rahnsdorf zu den Eltern, Pda zur Bahn und Moargus hing noch einen Schlussspurt nach K-town ran.
Bis hierher waren es fast 120 Kilometer mit 1700 Höhenmetern. Eine wirklich amtliche Radwanderung. Das Radwandern ist eine wirklich schöne Art sich in der Natur fortzubewegen, fern ab von Häuserschluchten und Asphaltbändern. Schön war es!

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8 Antworten auf “Eine Radwanderung”


  • verständnisnachtrag:

    das radwandern ist ja quasi das bikebergsteigen brandenburgs!

  • Leider, leider konnte ich nicht an Eurer schönen Wanderung partizipieren. Statt dessen muss ich mich hier jeden Morgen in den schier unendlichen Strom von Möchtegernrennfahrern einordnen um ins Inselinnere zu gelangen. Aber schon morgen geht es wieder in die Heimat. Ich freu’ mich schon.

    Grüsse von der Insel der Bekloppten

  • Kette schonen, sehr edel. Das Helmtragen ist auch vorbildhaft, besteht doch in den Wäldern beträchtliche Baumschlaggefahr (wie man unschwer auf den Lichtbildern erkennt). Diese geschlitzten Modelle bieten aber keinen Schutz vor durchstechenden Ästen. Ich selbst bevorzuge deswegen die geschlossene Variante. Die schlechtere Belüftung gleiche ich durch reduzierte Schrittgeschwindigkeit aus. Bisweilen stößt das in meiner Wandergruppe leider auf Unverständnis. Kein Wunder, die meisten Flachland-Radwanderer haben noch keinen Sturm im Hochwald erlebt – da prasseln die Äste nur so auf einen nieder.

  • Oh ja,so ne Ganztagswanderung bringt auch den geübten Bergkletterer an seine Grenzen.
    Dreimal hät ich mir,beim überqueren von umgestürzten Bäumen,fast den Fuss verknackst.Trotz den knöchelhohen Wanderschuhen!!
    Alles in allem ist diese Ecke Brandenburgs zum wandern besser geeignet als Sächsische Schweiz oder Thüringen beispielsweise!!!
    Schön wars,wackere Wandersburschen!!

  • Hm. Mir erscheint diese Art des Zeitvertreibs fragwürdig. Sinnlos ins Leere greifende Oberschenkelmuskulatur, verdrehte Körperhaltung, harsche Auftrittserschütterungen und vor allem – elende langsame Fortbewegung. Ne, dafür wurden diese Wunder der Mechanik nicht erdacht, nicht gemacht! Knisternd soll sich der Sand unter schnellen Gummis bewegen, fein sollen Steimchen den Rahmenlack veredeln, wild soll der Wind an den Haaren zerren und magisch soll das runde, stille, rhytmische Kreisen der Pedale uns verzaubern! Trotzdem gefällt der Bericht sehr! Auch das Suchbild “Finde den Roten Lurch” ist gut gelungen… D.K

    PS: Oberst, DU bist der schier unendliche Strom von Möchtegernrennfahrern.

    • …naja, …rennfahrer trifft auf mich nicht wirklich zu. Aber heute Nachmittag nur noch mal eine lockere Runde und dann Sachen packen und ab nach Hause. Ehrlich, länger hätte ich er hier nicht ausgehalten.

      • das hättest du nach 2 tagen auch schon gesagt, hättest du bereits nach zwei tagen abreisen müssen.
        ich erwarte einen mallorcabericht mit geschliffenem messer zwischen den zähnen!

        @jan: da magst du mit den helmen recht haben. das ist verbesserungswürdig.
        @kemper: hol du dein zaskar mal wieder aus der garage und wir spazieren etwas durch den grunewald. wirst schon sehen wie schön das sein kann!

        rb

  • Endlich habe ich mal wieder ein paar Minütchen, um ich mich an ESK-Tourberichtsprosa laben zu dürfen. Soviele hm in platter Prärie hätte ich nicht für möglich gehalten und das alles zu Fuß – Respekt. Das nächste Mal verleihe ich mein speziell für diese Art von Rattspocht entwickeltes ‘Wanderer’ Radwanderrad.

    Ein Bewunderer

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