Rennsteig…

Unverhofft und im allerletzten Augenblick habe ich es doch noch geschafft und bin ein wenig auf dem Rennsteig unterwegs gewesen. Am 30.12.11 ergab sich die Gelegenheit, welche unverzüglich und rücksichtslos genutzt wurde. Es traf sich dabei, das ich dabei den ersten und vorerst einzigen Schneetag in diesem Teil Thüringens, in diesem Winter erwischte. Bereits 48 Stunden später habe ich mir auf genau diesen Wegen das Eiswasser um die Ohren gespritzt. Aber wie schon gesagt, am 30. war die Welt dort oben in Ordnung, was bedeutet: Ruhig und menschenleer.

Bei Schlegel
Bei Schlegel

Und besonders letzteres ist es ja, was mir in Zürich komplett abgeht. Mich wundert immer wieder, wie so eine verhältnismässig kleine Stadt (180.000 Einwohner in Z, ca. 1,8 Mio in der Agglomeration) an jeglichen Kalendertagen, so viele Leute in die umliegenden Gegenden entsenden kann. Man findet nicht eine Ecke, an welcher man dort tatsächlich ungestört seiner Freizeitbeschäftigung nachgehen kann. Aber ich will nicht vom ungeliebten Zürich sprechen, sondern vom geliebten Frankenwald, welcher sich am südöstlichsten Ende des Rennsteiges etwas ins (politisch und sprachliche) Thüringen hinein erstreckt.


Erste Verwehungen

An diesem 30.12.11 hatte es tatsächlich geschneit. Und wirkten die paar, im letzten Büchsenlicht des 29.12. herum torkelnden Flocken, angesichts der herrschenden Temperaturen, noch einigermassen lächerlich, ergab sich am Morgen des besagten 30.12. ein etwas anderes Bild. Eine, in einer Höhe von 475m beinahe geschlossene Schneedecke, welche mit zunehmender Höhe immer ernstzunehmender wurde. Kurz vor Schlegel (635m) dann die ersten Verwehungen und missmutige Dorfbewohner beim Schneeräumen. Die Erinnerungen an den letzten Winter waren wohl noch zu frisch, um ein wenig Freude beim Schneeschippen aufkommen zu lassen.


Grumbach

Dann endlich der Rennsteig. Ich kam mir vor, wie bei einer Erstbegehung. Zwischen Schlegel und Rodacherbrunn war ich der Erste. Jungfräulich geschlossen lag eine ca. 10-15 cm starke Schneedecke auf allen Wegen. Auch danach, bis Steinbach am Wald ein ähnliches Bild. Ab und an mal ein paar verlorenen Spuren im Schnee, doch meist war meine Spur die einzige.
Es rollte erstaunlich gut. Das einzige Hindernis war der, aufgrund der rel. hohen Temperaturen recht feuchte und somit vortrefflich haftende Schnee, welcher sich bevorzugt auf allen Teilen des Antriebes absetzte. Aber auch das war kein wirkliches Problem, denn alle notwendigen Funktionen blieben erstaunlicherweise über Stunden erhalten.


Einsame Spur

Unter normalen Umständen ernüchternd wäre die Reisegeschwindigkeit von durchschnittlich < 14 km/h gewesen, aber an diesem Tag und unter diesen Bedingungen war das absolut zweitrangig. Nur die Reichweite wurde dadurch leider stark beschränkt. Im Zusammenhang mit dem in dieser Jahreszeit recht engen Tageslichtfenster, galt es bereits in Steinbach am Wald die Rückfahrt anzutreten, hatte ich es doch versäumt, eine für Nachtfahrten taugliche Beleuchtung ans Rädchen zu fummeln.


Der alte „Staatsbruch“ Lehesten

Es ging dann aber trotzdem nicht auf direktem Weg zurück, sondern schön gemütlich über den Schieferbruch Lehesten, den auf dem Wetzstein nachempfundenen Altvaterturm hinab nach Wurzbach und von dort – die Sonne drohte bereits ernsthaft unterzugehen – über gesalzene Strassen zügig zurück in Richtung Lemnitzhammer.


Altvaterturm


Schaltwerksröllchen on Ice

Damit bin ich auch schon am Ende. Bleibt nur noch, allem Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012 zu wünschen und vielleicht sieht man sich ja mal irgendwo im Wald und auf der Heide. Bis dahin…

6 Kommentare

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  • Wunderbar! Danke lieber Jockel. Ganz erstaunlich, Dein Schaltröllchen. Ich will Nachahmer jedoch warnen: Was auf dem Rennsteig funktionieren mag, macht im Grunewald noch lange nicht glücklich.

  • Gefällt! Herrlicher Bericht, motiviert mal wieder das steife Bein über den Sattel zu schwingen und ein, zwei Pedalumdrehungen zu wagen. Na – vielleicht nicht gleich heute, aber sicher ein andermal. Danke, lieber Freund! Beste Grüße… D. Kemper

  • Mmmmmh, idyllisch, fürwahr! Nur das Salz kannste da lassen. ;) Leitröllchen sieht echt scharf aus!
    War gestern in Brandenburg unterwegs und weiß erst nach Deinen Zeilen die (gestern erlebte und halt eben gewohnte) Leere besser zu schätzen. :)

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