InVeloVeritas 2014

Juni 2014. Der Watzl Horst aus Wien hat zum zweiten Mal zur InVeloVeritas geladen und weil uns das im letzten Jahr so gut gefallen hat, fahren wir auch wieder hin. Sieben Kader machen sich auf Weg, sieben Kader scheint eine magische Kombination, gibt es doch die 7 Zwerge, die 7 Weltwunder, 7 Tugenden, 7 Todsünden und auch die 7 Sakramente.


Twobeers am Abend davor und nach dem Zieleinlauf

Treff ist der Buschenschank Stuttner in Bisamberg bei Wien, ein Teil der Kader reist per Auto direkt an, andere reisen wie im Vorjahr mit der Bahn und fahren den restlichen Weg mit dem Rad. Am Donaukanal entlang und über die Donauinsel ist das in einer Stunde geschafft.

Im Hotel werden wir recht unfreundlich begrüßt, vom Wiener Charme ist nichts zu spüren. Wir möchten die Räder doch bitte in den Keller stellen und auf keinen Fall mit ins Zimmer nehmen. Allerdings ist der Keller nach 22:00 abgeschlossen und so nehmen wir die Räder dann doch mit ins Zimmer.

Beim Stuttner, unserer abendlichen Einkehr für die nächsten Tage, gibts leckeres Essen, kühlen Wein und einen Garten, in dem es sich aushalten lässt. Leider findet der öffentliche Aufruf nur spärlichen Anklang, schade. Meine Ernährung habe ich in nach Himmelfahrt umgestellt, mein Alkoholkonsum beschränkt sich auf das lebensnotwendige. Als um 22:00 Opi eintrifft, sind wir schon ganz schön geschafft, doch froh, daß alle gut angekommen sind. Noch etwas Fußball-WM und gute Nacht.


Toni

Den Samstag vertrödeln wir mit einem Ausflug nach Wien, Opi hat Trinkflaschen, Pumpe und schwarze Hose vergessen, Janibals Rad ist eine große Baustelle. Wir fahren also den gestrigen Weg zurück und beehren zwei örtliche Fahrradhändler. Opi macht relativ schnell Nägel mit Köpfen, Janibal hat da größere Probleme. Sein zerstörtes Santé-Schaltwerk ersetzt er durch ein NOS-NIB Ultegra 9-fach Schaltwerk für 80,-€, unser Einwand, daß es sicher auf dem nachmittäglichen Flohmarkt günstiger sein würde, ignoriert er. Dazu erwirbt er noch Pedale für 8€ aus Kunststoff, dazu winzige Pedalhaken aus dem gleichen Material. Das Schaltwerk wird vor Ort montiert, danach gibts Gulasch am Donaustrand.

Nach einer Überfahrt mit der Fähre, der Fährmann lässt nicht mit sich handeln, beharrt auf 3,40€ pro Passagier, gibt aber keine Tickets aus und ist so auf einen Schlag 20€ reicher, gehts wieder nach Korneuburg. Hakenpedale werden montiert und es geht zum Rathaus, wo die Abnahme der Räder erfolgt. Und wo schon mal alle mit den Rädern da sind, gibts auch eine kleine Einführungsrunde mit Organisator Watzl Horst und dem Glocknerkönig Mitteregger Rudolf, bei den meisten leider nicht wegen seiner Erfolge sondern wegen seines Contenanceverlustes bekannt (http://www.youtube.com/watch?v=c6Z2-ijAd9o). Bekannte Gesichter aus dem Vorjahr, Begrüßen und Frotzeln, gute Stimmung.

Rudi Mitteregger
Rudi Mitteregger

Als am Abend auch noch Mitstreiter als letzter zu uns stieß, konnte die letzte Vorbereitung beginnen und kurze Zeit später klingelte auch schon der Wecker. Jeder frühstückt so viel er eben gegen 5:00 kann, um 6:00 ist Start. Ein klarer Morgen, noch ist es kalt, richtiges Wetter für Wolltrikots. Um 50 Starter wollen auf die Langstrecke gehen, neutralisiert gehts aus Korneuburg.
„Links und dann gleich rechts aufi!“ wird uns noch zugerufen und der Pulk wird auf die Landstraße entlassen. Im morgendlichen Zwielicht und der Aufregung werden von den meisten die ersten Richtungspfeile übersehen, statt rechts aufi nehmen sie gerade runterwärts. Und so sind schon nach 2km Toni und Twobeers erstmals an der Spitze des Starterfeldes, Opi kommt schnell dazu, bei den anderen dauert es länger. Die Kühle des Morgens lässt die Beine schneller kreisen, die Kreidepfeile auf dem Asphalt sind bei der Geschwindigkeit schwer und erst spät auszumachen. Der Einstieg in eine schmale gepflasterte Kellergasse kommt überraschend, schalten im Anstieg kaum möglich. Die ersten Schuhe rutschen aus Pedalen, erste Stürze, es trifft auch Boom, der von einem Vorausfahrenden zu Fall gebracht wird.


typische Kellergasse (Bild Helmut)


JanBoomRaas

Die erste Labe wird erreicht, als noch keiner mit uns rechnet, das kennen wir, wir machen uns nichts draus, ein zweites kleines Frühstück (noch) ohne Wein. Den fehlenden Wein an den Laben hatten wir im letzten Jahr bemängelt, diesmal wird ausgeschenkt. Janibal hat schon hier so viele Problem mit seinem Rad, daß er die Tour hier abbricht. Die verblieben sechs freuen sich der Sonne und der herrlichen Gegend. Da auch andere mal vorne fahren wollen, lassen wir sie gewähren, ein Fehler. Wieder ein erst spät gesehener Richtungspfeil nach rechts, der linke Flügelmann im ersten Glied der Formation macht eine Vollbremsung und zieht nach rechts, Opi kommt zum Sturz. Mist, sein Bein schmerzt, das Rad hält. Von diesem Zeitpunkt an versuche ich vorne zu fahren, das scheint mir sicherer. Und letzte Woche bei der Alleinfahrt zur Ostsee gings ja auch.

Die zweite Labe gibts auf dem Buschberg, eine Stichstraße führt hinauf, noch werden wir nicht erwartet, doch Kuchen steht schon bereit. Herrlich, wenn man nach der Pause in der Abfahrt die angestrengten Gesichter der nachfolgenden Ankömmlinge sieht.


Mitstreiter

Schloss Mailberg, dritte Labe nach 78km, mittlerweile ist unsere Gruppe auf 8 Fahrer abgeschmolzen (6 Kader plus Gerhard und Wolfgang), jetzt aber ein Glas Wein! Schloßherrin Verena bringt einen guten Grünen Veltliner, leckere Suppe dazu, wir setzen uns und genießen. Das tun wir so laut und überschwenglich, daß die Kirchentür geschlossen werden muß, damit die Gläubigen beim Gottesdienst nicht abgelenkt werden. Der Stempel trifft auch bald ein, wir verabreden uns mit der Schloßherrin zur Mittagszeit, werden wir doch nach weitern 70km wieder hier sein. Sie verspricht, eine Flasche für uns zurückzuhalten. Boom hat Zeit, seinen beim Sturz abgebrochenen Pedalhaken wieder zu befestigen, die dankenswerter Weise mitgeführte Bohrmaschine des Mechanicus Maximus und Kabelbinder machen es möglich.


Auf die Schlossherrin!

Weiter gehts Richtung Nordwest, dem Wind entgegen, über die Grenze nach Tschechien. Der Himmel ist grau, dunkle Wolken drohen, Toni ist der einzige mit Windjacke. Die Temperatur nähert sich wieder der Kälte des Morgens, nur noch knapp zweistellig. Dafür gehts einige Kilometer stetig bergauf, die Reihen lichten sich, die Gruppe fällt auseinander. Einzeln müssen wir an 2 Reitern vorbei, eines der Pferde kann keine Radfahrer leiden, es stellt sich quer und keilt aus. Gott sei Dank trifft es keinen. An der Windmühle Retz finden wir wieder zusammen, bei einem wirklich köstlichen Buffet. Ein Krug mit Wein, einer mit Traubensaft dazu, Regen tröpfelt auf das Blätterdach der Laube. Lieber weiter, bevor es schlimmer wird. Vom Buschenschank zur Mühle und unseren Rädern sind es 5 Meter und 2 bis 3 Höhenmeter auf nassem Asphalt mit Ledersohlen, die noch Klötzer drunter haben. Es ist der schwierigste Aufstieg des Tages, die Abfahrt nach Retz und die Stadt sind ein Traum.


Opi

Opi, dem die gefahrenen Höhenmeter deutlich zusetzen, kann ich beruhigen. „Stell Dir vor, wir würden zur Ostsee fahren, dann wären wir jetzt in Woldegk!“ versuche ich ihn aufzuheitern, er bricht fast zusammen. Den höchsten Punkt der Tour haben wir erreicht, es kommt fast nichts mehr, naja, noch 100km und1200Hm vielleicht…Aber 100km gehen immer und es fängt auch nicht an zu regnen und der Wind wird gnädiger.

Verena empfängt uns wie versprochen mit einer kühlen Flasche Wein, der Schloßhof ist voll mit Fahrern der Mitteldistanz, die 2 Stunden nach uns gestartet sind. Sie haben 78km in den Beinen und wir 150km. Man sieht die komplette Radsportelite, mehrere Weltmeister, Gelbe und Bergtrikots, Landesmeister aus aller Herren Länder. Alle laben sich an Suppe und Wein, keiner hat es eilig. Doch es ist nicht warm, deshalb fahren wir irgendwann weiter, noch 65km, ein paar Hügel werden wohl dabei sein. Spätestens hier legen wir Feuer, wie Staubi sagen würde. Es rollt gut und in 2 Stunden sollte das Ziel erreicht sein. Zudem sehen wir ab jetzt immer wieder Fahrer vor uns am Horizont, die auf der kürzeren Runde unterwegs sind. Und Überholen macht Spaß.


Pda

Die Strecke wurde im Vergleich zum Vorjahr entschärft, viele wollen nicht mit ihren gepflegten Schätzen über Schotter und Pflaster fahren. So sind diese Passagen nur kurz und in unserem Quartett kein Problem, wir kommen ohne Schaden durch. Vor der letzten Labe sitzt Janibal, der seit einigen Stunden auf uns wartet, er hatte einen entspannten Tag in der Sonne incl. Mittagsschlaf. Wir beschränken die Pause aufs Nötigste, noch 30km. Gerhard und Mitstreiter haben an den Hügeln noch Kraft, Opi und Twobeers nur in der Ebene und die Masse für die Abfahrt. das passt also gut und um 15:00 rollen wir als erste auf den Marktplatz von Korneuburg.


Das Quartett der letzten Kilometer.

Auch dort werden wir eigentlich erst eine Stunde später erwartet, doch Umarmung, ein kurzes Interview, ein erstes Bier. Binnen weniger Minuten kommen die anderen Kader ins Ziel, mehr Bier, eine dusche im nahen Hotel und frische Klamotten, andere Schuhe und zurück zum Markt. Alle Ankömmlinge werden beklatscht, um 19:00 sind alle da, wir können wieder zum Buschenschank, um den abend ausklingen zu lassen.


Die ersten der langen Runde kommen ins Ziel (Bild Dynacophil)

Danke an die Organisatoren, die Gastwirte und Helfer, Grüße an die Mitfahrer. Nächstes Jahr sind wir sicher wieder dabei.

Bilder https://www.flickr.com/photos/104806225@N07/sets/
http://www.rennrad-news.de/forum/threads/in-velo-veritas-2014-15-06.125325/page-7

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8 Antworten auf “InVeloVeritas 2014”


  • Ach ja die Verena, das liebe Schlossgespenst! Schön wars und wenn der Wettergott immer so mitspielt, könnte es ja ein fester Bestandteil im ESK Kalender werden.

  • Kabelbinder? Gab es die damals schon? Wikipedia sagt ja. Glück gehabt.

  • Eine Mail ging mir zu:

    „Servus Twobeers,
    spät aber doch eine Nachlese zur Tour.
    Ich habe mich sehr gefreut, dich und die anderen Eisenschweine
    kennenzulernen, schade, dass Berlin so weit weg ist. Herzlichen Dank
    nochmals für das Windschattenfahrenlassen. Ich bin mit diesem Tempo
    (leider) seit über 30 Jahren nicht mehr im Pulk gefahren.
    Meine Knieprobleme ab ca 150 km habe ich mir wahrscheinlich selbst
    zuzuschreiben, da ich meine Rosinante für den Anlass noch besser striegeln
    wollte und eine nicht passende Sattelstütze mit einer Messinghülse
    eingebaut habe, die offenbar bei einem Pflasterstück ca 2 cm
    hineingerutscht ist, was ich erst am nächsten Tag bemerkt habe.
    Ihr habt mich schwer beeindruckt!

    Ich bin übrigens der:

    Herzliche Grüße an alle Eisenschweine, die in Korneuburg waren
    Helmut ​“

  • Werter twobeers, ich lese das hier natürlich sehr aufmerksam mit – gut, dass ich mich nicht habe reinlegen und verheizen lassen… ;-)

  • Lieber Kreuzbube, wer nach einem langen Tag auf dem Rad bei Gluthitze noch die Kraft zum Headbangen hat, für den wäre das nur eine weitere schöne Ausfahrt. Ich hoffe auf Dich im nächsten Jahr!

  • Wieder ein Bericht vom Feinsten! Klasse Jungs!

  • Yo Eddy!

    Saustarke Fahrt von Euch. Wie hat der Piefke Faktor gewirkt? Laden Sie Berliner wieder ein?

  • ein schöner tourbericht mit tollen fotos (vom veranstalter, nehme ich mal an). vielleicht klappt es bei uns mal im kommenden jahr, ich würde dann aber eher die renntaktik von janibal bevorzugen.

    rob

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