Der absolute Hammer-Eisritt.

Die komplette (!) Strecke bestand nur aus Eis. Stürze: ritzelflitzer 6 mal, rikman 4 mal, jockel 2 mal.

von jockel

Heute war die letzte Chance für all jene, die noch den einen oder anderen Punkt in ihr Sammelalbum für Eisenschweinpunkte kleben wollten, einen solchen durch Mut und Tapferkeit sowie erbarmungslose Härte sich selbst gegenüber zu ergattern.

Die Tour sollte eigentlich von Oranienburg nach Groß Schönebeck in die wald- und wasserreiche Schorfheide führen. Dieses Vorhaben erschien aber aufgrund einiger natürlicher Hindernisse, an denen der allmächtige Wettergott am gestrigen Tage gewerkelt hatte, einigermaßen aussichtslos zu sein. Denoch traf sich der Unentwegten dreiköpfige Schar (Ritzelflitzer, Rikman und der Verfasser: Jockel) um 11:00 am Nordbahnhof um kurz danach die S-Bahn zu besteigen, welche in flotter Fahrt gegen 12:00 Oranienburg erreichte.

O-burg – wie der Eingeweihte für gewöhnlich sagt – wurde zügig durchfahren. Zumindest wurde das versucht. Aber bereits nach den ersten Metern wurde klar, das es eine Reise ins ewige Eis werden würde. Gestern, so beliebte es der Natur in ihrer unergründlichen Art, schneite es den halben Tag, den anderen halben Tag taute der ganze Sch… schön gleichmäßig an und, als hätte das nicht gereicht, überfror der ganze Müll in der Nacht wieder.

Super Konditionen also für das erfahrene Expeditionsteam (wir beschlossen, fortan unter Ernest Shakleton (Ritzelflitzer), Roald Amundson (rikman) sowie Robert Falcon Scott (jockel) zu firmieren). Kurz hinter Oranienburg gesellten sich zu den herrlich überfrorenen Wegen noch super Spurrillen. Hier begann das Martyrium der Truppe. Jeder beinahe Sturz wurde durch die anderen Teilnehmer mit einem beifälligen Raunen aufgenommen, jedem Gestürzten wurde mit Bekundungen wie: “Au, das tat bestimmt sehr weh…” und dergleichen Trost gespendet. Das Beste waren allerdings gut gestandenen Abgänge. Unserer Eisprinzessin Rikman gelang beispielsweise so ca. bei Kilometer 30 eine sehr schöne 180° Drehung, welche sogar gestanden werden konnte. Unter anderen Bedingungen wäre das eine glatte 6er Benotung gewesen.

Nun höre ich den aufmerksamen Leser schon sagen: “Na nu, gebt mal nicht so an, wird ja nicht überall Eis gewesen sein.” Hier muß man sicher zustimmen, da die restlichen 50% unserer Fahrstrecke aber mit wunderbar verharschten Schnee bedeckt waren, trat auch hier keine wirkliche Entspannung ein. Es war nur eben anders Mist. Denn es gab kaum ein Vorankommen.

EISENSCHWEINKADER | Der absolute Hammer Eisritt.  pb103904 Der absolute Hammer Eisritt.

Kurz und gut, Teile der Truppe wurden durch fortwährenden Bodenkontakt (ich schätze mal, der Betroffene müßte auf diese Weise ca. 50 zusätzliche Höhenmeter zusammenbekommen haben) oder zunehmende Auszehrung verbunden mit der Angst nie mehr aus der eisigen und bedrohlichen Wildnis nach Hause zu finden zunehmend demoralisiert. Dies führte, daß muß erlaubt sein zu sagen, zu einer verdeckten Meuterei (“Eh haste dit Schild nich jelesen? Nach O-burch jeht it in die andere Richtung!”), welche aber sofort im Keim erstickt wurde (“Ick fahr doch nich uff de 96, du Doofer!”). Nun wurden Zweifel nur noch leise, bzw. im Nachhinein geäußert (“Vorhin biste bestimmt im Kreis jefahren, ick hatte schon Angst das wa nie mehr aus den Wald rauskommen.”). Dies kann der aufmerksame Betrachter des angehängten Overlays allerdings leicht als, wahrscheinlich durch die fortschreitende, und durch den häufigen Genuß fast gefrorenen Wassers noch zusätzlich gesteigerte, Frostdemenz deuten.

Kurz vor Erreichen des neu festgelgten Etappenzieles erwischte es die Eisprinzessin ein weiteres und außerordentlich hartes Mal, diesmal konnte ein angesetzter doppelter Rittberger leider nicht gestanden werden und so schlug sie mit ihrem Steiß auf die steinhart gefrorene Erde ihrer Heimat.

Aber auch der Rest blieb natürlich von derlei Unbill nicht verschont, Ritzelflitzer litt unter einer, nur ihn umgebenden, stark erhöhten Gravitation, die dazu führte, daß er wahrscheinlich mindestens ein neues Knie braucht und auch mich holte die Realität ein ums andere Mal auf den Boden der Tatsachen.

Trotzdem erreichten alle Expeditoren lebend den rettenden Imbiss am Bahnhof O-Burg und waren auch noch in der Lage, aus eigener Kraft die bereitstehende S-Bahn in Richtung Heimat zu besteigen. Also kann es garnicht so schlimm gewesen sein .

Fazit:

  • Alles in Allem hat es aber, glaube ich, wieder allen Spaß gemacht.
  • Es gab ne Menge Punkte
  • ca. 55 eisige Kilometer
  • Unter den gegebenen Bedingungen wären Scheibenbremsen und Spikereifen von Vorteil.

Ich überlege mir noch ob ich mein treues Rad nicht doch lieber in “Eisbrecher Lenin” (statt “Kursk”) umbenennen soll.

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