Ribbeck zu Ribbeck im Havelland

Zu den Gipfeln des Eyjafjallajökull

Was kaum einer weiß, der von den Presse-Lügenbolden stets in Island verortete Eyjafjallajökull befindet sich in Brandenburg. Genauer gesagt im Havelland und noch präziser in der Dalgow-Döberitzer Heide. Diese für die internationale Luftfahrt überaus wichtige Entdeckung wurde am Rande einer als Alibi gedachten Tour durch besagtes Havelland gemacht. „Warum Alibi“ könnte man sich fragen und: „Wieso Eyjafjallajökull?“ oder: „Havelland. Geht’s noch reibungsärmer?“. Aber der Reihe nach:

Blick vom Eyjafjallajökull zum Schäferberg
Blick vom Eyjafjallajökull zum Schäferberg

Eigentlich war ja Gestern durch den unermüdlichen Twobeers die inzwischen schon traditionelle Fahrt zur Ostseeküste anberaumt. Und tatsächlich fanden sich hierfür auch diverse Mitfahrer. Und zwar so viele, dass man die Veranstaltung in einem Atemzug mit bspw. dem Berlin-Marathon oder auch der Völkerwanderung nennen muss. Im Unterschied zur Völkerwanderung dringen jedoch nicht die Germanen ins Römische Reich ein, sondern die Berliner ins Herz der Insel Usedom. Da J-Coop sein Rennrad im heimischen Keller nicht finden konnte und ich der Meinung bin, schon viel zu viele Leute zu kennen, bot es sich an, eine gemeinsame Runde in trauter Zweisamkeit zu drehen. Das Heft des Handelns hatte J-Coop in der Hand. Gründlich vorbereitet erschien er am vereinbarten Startort Potsdam, am Lenker ein eigenartig aussehendes Geschwür. Es handelte sich – so wurde ich sofort aufgegleist – um ein 1a Navigationsgerät aus dem technischen Museum des Ortes Langerwisch, südlich von Potsdam, dessen oberster Archivar J-Coops Vater zu sein scheint. Schien die Sonne mal nicht senkrecht aufs Display, konnte man die Gestalt der Erde erahnen, auf welcher ein klitzekleiner Pfeil die gegenwärtige Position in Raum und wahrscheinlich auch Zeit angab. Toll.


Auf dem Weg

J-Coop hatte eine Runde ausbaldowert, welche uns von Potsdam zunächst in nördlicher Richtung führen sollte. Hierbei galt es die schon erwähnte Dalgow-Döberitzer Heide zu queren. Dieses ca. 40 km² große Gebiet zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass es – abgesehen von den klimatischen Bedingungen – der sibirischen Taiga äußerst ähnlich ist. Diese Ähnlichkeit bezieht sich natürlich auf den Bewuchs, herrschen doch hier wie dort niedere, anspruchsarme Gewächse vor, welche aufgrund des enormen Nährstoffmangels jedoch nur bodennahe Krüppelkulturen ausbilden. Der Rest der Landschaft wird von schütteren Flechten und Moosen mühsam in Form gehalten. Einer der Gründe für diese Art Flora besteht wohl in der über Jahrzehnte anhaltenden intensiven militärischen „Bewirtschaftung“. Nach den Militärs (Kaiserliche, Wehrmacht, Russen) war es eine Zeit lang auf sich alleine gestellt , bevor die Sielmann Stiftung auf die Idee verfiel, hier Tiere – selbstverständlich zu ihrem eigenen Vorteil – zu internieren. Das dergleichen nie und nimmer ohne ausreichende Reglementierung vonstatten gehen kann ist klar. Wir hätten uns garantiert auch an alle Bedingungen gehalten, wenn wir die diversen Piktogramme hätten deuten können:

Hier haben die österreichischen Schildermaler ihren Meister gefunden
Eine kleine Auswahl (unser Favorit war der Hinweis an die Inlinerfraktion)

Die Karten weisen in der Heide einige „Berge“ aus, und diesen galt selbstverständlich unsere Aufmerksamkeit. Und so kam es zur Entdeckung des Eyjafjallajökull in der brandenburgischen Steppe. Ein unzweifelhaftes Indiz, dass es sich bei einem der Vorgipfel des Krampnitzer Berges um den in letzter Zeit zu einiger Berühmtheit gelangten Eyjafjallajökull handeln muss ist die tonnenweise vorhandene Vulkanasche. Bis zu den Knöcheln wateten wir in ihr umher. Die Suche nach dem eigentlichen Krater gestaltete sich schwieriger als erwartet. Letztendlich brachen wir sie ergebnislos ab, ist doch zu vermuten, dass dieser von seiner eigenen Asche verschüttet wurde.


Asche soweit das Auge reicht

Als weiteres Indiz für die Richtigkeit unserer Behauptung möchte ich noch auf die kärglichen Hütten der Vulkanologen verweisen, welche von hier aus ihre jahrzehntelangen Forschungen betrieben. Letztendlich ebenfalls erfolglos, konnte sie der entfesselten Naturgewalt doch nichts entgegensetzen als ihr lausiges Leben.


Was die Asche übrig ließ

Irgendwie verwirrt irrten wir noch eine Zeit lang in der Dallgow-Döberitzer Steppe umher und fühlten uns an des Schicksal des fliegenden Holländers erinnert, welcher ja dazu verdammt war, auf immer und ewig die Weltmeere zu befahren. Kurz bevor wir verdammt waren, den Rest unserer Tage Rad fahrend in der Heide zu verbringen, fanden wir aber wieder auf den rechten Weg zurück. Gerettet!

Im Märchenwald
Schnurstracks durch den Märchenwald

Weiter ging die Fahrt über Priort, Karpzow, Etzin, an Neugarten vorbei, durch die Ribbecker Heide in jenen Ort, in welchem – schenkt man den Aussagen Fontanes Glauben – einst ein gewisser Ribbeck von Ribbeck Minderjährigen vermittels der Zuteilung von Kernobstes nahe zu kommen suchte. Nun, da sich die Aufregung gelegt hat, ehren seine Nachkommen sein Andenken, indem sie die noch vorhandenen Hinterlassenschaften auf eine penetrant barbyhafte Weise aufhübschen und so einiges an Schaulustigen in den ansonsten verschlafenen Weiler locken. Da wir zwei inzwischen etwas Appetit hatten, uns aber die Preisgestaltung des in den Erlebnisbereich integrierten Restaurantbetriebes sauer aufstieß, kehrten wir stattdessen bei den ausgewiesenermaßen netten Leuten von Ribbeck ein. Gutes Essen zum fairen Preis ohne Wenn und Aber. Sehr verlockend war zudem, dass das Essen einem guten Zweck dienen sollte. Und das nahmen wir natürlich gerne an, ist es doch inzwischen eher so, dass man fast nur noch mit schlechtem Gewissen isst. Sind es nicht die Armen der Welt, ist es der Cholesterin-Spiegel oder ganz allgemein die drohende Fettleibigkeit. Dank Euch ihr netten Leute von Ribbeck..


Essen für einen guten Zweck

Auch die schönste Pause geht einmal vorbei und so schwangen wir uns irgendwann wieder auf die Drahtesel, setzten Kurs Süd und flogen noch einige Kilometer durch die Heide in Richtung Beetzsee, welchen wir bei Ketzür erreichten. Wunderbar brach sich das reichlich vorhandene Sonnenlicht im Wasser des Sees. Sehr schön. Entlang des Beetzsees ging es zügig voran ins schöne Brandenburg an der Havel. Dort am Bahnhof zeigte ein gleichfalls an diesem Wochenende stattfindendes Großereignis seine hässliche Fratze. Das „Baumblütenfest Werder“ zieht Jahr für Jahr die Jugend des Landes in seinen Bann. Offeriert es doch etwas Abwechslung im tristen Einerlei der ländlichen Wochenenden. Statt im aufgemotzten Golf zur Tanke am Ortsausgang geht es per Bahntransport nach Werder, um dort mal richtig die Sau rauszulassen.

 

Was kurz vor Priort am Elektrozaun geschah, warum ich in Brandenburg nicht ins Heck eines blauen PKW’s geknallt biin, wie es der ersten Schicht der Baumblütenfestler auf der Fahrt von Werder nach Erkner erging und vieles mehr werdet ihr nie erfahren, da ich jetzt Schluss mache.

Weitere Bilder gibt es hier: Hier und Hier

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9 Antworten auf “Ribbeck zu Ribbeck im Havelland”


  • So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
    Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
    Der neue freilich, der knausert und spart,
    Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
    Aber der alte, vorahnend schon
    Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
    Der wußte genau, was damals er tat,
    Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
    Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
    Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

    Die weiteren Nachkommen knausern und sparen nicht nur, sondern nehmen auch von den Lebenden (7€ für eine Suppe) nur um sich silberne Vasen vors Schloss zu stellen.
    Der Geist des alten von Ribbeck scheint seinen Fortbestand aber nicht nur im Birnenbaum auf seinem Grab, sondern auch in den „netten Leuten von Ribbeck“ gefunden zu haben.
    Vom Schnitzel mit Letscho wurde uns abgeraten, weil das Letscho eh bloß aus dem Glas käme. Das Schnitzel mit frische Pilze wäre besser, weil die wirklich gerade frisch rein wären.

    Aber mit Jockel fahre ich nie wieder! Erst macht er einen kaputt, dann die Tour zu seiner eigenen und zum Schluss grinst er einen an und sagt, „war schön, deine Tour, mein Freund“

  • Ich danke für diesen trefflichen Bericht aus preußisch Sibirien!

    Twobeers

  • >>Aber mit Jockel fahre ich nie wieder! Erst macht er einen kaputt, dann die Tour zu seiner eigenen und zum Schluss grinst er einen an und sagt, “war schön, deine Tour, mein Freund”<<

    erinnert mich irgendwie an eine Tour nach Osten, die ich mit ihm unternahm.

    Ansonsten schöner Tourbericht und wohl auch schöne Tour.

    Gruß stw

  • J-Coop heul nicht rum, bist selber Schuld, wenn du ein Gerät zur Selbstfindung ans Streitross schraubst. Du hast Jockel damit geradezu gezwungen , die Tour zu übernehmen. Rein aus der Erfahrung mit anderen GPS-Nutzern, hätte ich es auch so gemacht. Sei froh das du überlebt hast und Jockel dich nach Hause geführt hat. Es hätte schlimm enden können. Und nur so konnten wir an Bildern und Prosa zu dieser Tour teilhaben.

  • Ein Bier für denjenigen, der das Tier identifiziert, das nicht mit Brotkrumen gefüttert werden soll. Ein Wisent? Ein Kragenbär? Essen diese Viecher überhaupt Brotkrumen?

  • Ich schreibe ein Bier für den Inlineskater aus, der sich geschmeidig durch die Vulkanasche kämpft. Aber vielleicht geht es dem Schildermaler auch gar nicht um den Straftatbestand des Inlineskatens an sich, sondern er ist ein Rassist, der alle, welche jemals auf solchen Dingern standen mit Verfolgung droht. Guter Mann.

    J-Coop, ich bin traurig.

  • Endlich. Endlich mal wieder ein richtig schöner Heimatbericht! Super Fotos und viel schlimme Schmerzen zwischen den Zeilen. Vielen Dank!

    Ribbeck ist echt ein gottverlassenes Mistnest. Mühsam versucht man dort den viel zu hohen Erwartungen der Touristen zu entsprechen. In der Döberitzer Rollschuhheide habe ich übrigens mal, zusammen mit dem nicht ESK-Mitglied Lutze, die Linie meines Maximalpulses getestet. Es war anlässlich eines Laufes zur Berliner Offroadmeisterschaft und ich musste diesen mit durchschnittlich 172 Schlägen pro Minute und irgendwas kurz vor 190 max als für Herren in meinem Alter hochgradig lebensgefährlich einstufen. Seitdem trage ich jedenfalls konsequent keine Pulsuhr mehr.

    Nun, in Eurem Windschatten hätte bei mir wohl die 200 angeklopft und so bin ich froh über den Nachmittag vorm Fernseher. Liebe Grüße… v.d.m.

  • Verzückt nahm ich Zeilen geschriebener Buchstabenkolonnen und Pixelgulasch wahr, Danke an Jockelson und Jakobson aus der Asche

  • >>Aber mit Jockel fahre ich nie wieder! Erst macht er einen kaputt, dann die Tour zu seiner eigenen und zum Schluss grinst er einen an und sagt, “war schön, deine Tour, mein Freund”<<

    erinnert mich irgendwie an eine Tour nach Osten, die ich mit ihm unternahm.

    Ansonsten schöner Tourbericht und wohl auch schöne Tour.

    Gruß stw

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