Erste gelaenderadtouristisch erworbene Eindruecke vom Umland Tarija`s

Bis 11ºº habe ich es im Bett ausgehalten. Endlich mal wieder ausschlafen, was fuer eine Lust nach zwei Wochen lang durchgehendem frueh uffstehen. Doch ich hatte Hunger und musste uffs Klo. Also raus, schoen Fruehstuecken mit auf der E-Herdplatte warmgemachten Broetchen und dann die Wohnung mal Durchfegen.
Von draussen scheint die Sonne durch die vielen Fenster, also was gaebe es tolleres, als heute zum ersten Mal in Tarija fahrradzufahren. Ich kann mich an das letzte Mal kaum noch erinnern und die Bewegungsarmut macht mir langsam zu schaffen. Ích wollte man zum grossen Stausee, der liegt ca. 10km suedwestlich ausserhalb von Tarija. Dort soll es nett sein, Kanus zum Ausleihen und so und vielleit gibt es ja auch nen Weg um den See herum. Da das ganze nicht so lange dauern sollte, hab ich die Trinkflasche nur halb voll gemacht und bin ohne irgendwas einzupacken los. Ich wusste nicht, wo in der Stadt die Strasse zum weg geht, also bin ich erstmal am Flughafen vorbei und raus aus Tarija.

Das ich, da ich schon die Stadtgrenzen hinter mir hatte, schon viel zu weit war begriff ich schnell aber zu spaet. Da fasste ich den Entschluss den im Sueden von Tarija gelegenen Antennenberg zu befahren. Von oben haette man sicher einen tollen Blick und es waere mal ne richtige Steiugung; schon von weitem kann man sehen wie der Schotterweg sich den Hang hinaufschlaengelt. Ich legte also gute 10km auf der stark welligen Strasse nach Bermejo zurueck, passierte die Mautstelle und heizte weiter. Ein tolles Gefuehl nach so langer Abstinenz mal wieder kraeftig abwechseld in die Pedalen zu druecken. Die Kette quitschte maechtig. Habe schon laenger kein pflanzlichers Bratoel zum Schmieren drauff gemacht.

Der Gegenwind bliess mir eine frische Briese ins Gesicht und erst als ich nach rechts von der Strasse ab in den Schotterweg einbog und den leichten Wind nun von hinten hatte, merkte ich, wie warm es doch wirklich war. Der Weg ging gleich recht steil an und zog sich mit gleichmaessiger Steigung um den Nodhang des Berges (Sonnenhang da Suedhalbkugel). Die Sonne bretzelte mir ordentlich uffn Kopp und als haette ich es vermisst quaelte ich meinen schlappen, radentwoehnten Koerper den Weg hinauf. Ich habe es vermisst! Das Auspowern macht Spass, endlich wieder Sport, alles geben, die dicken Steine auf dem Weg umfahren, Gleichgewicht halten, keine Traktion verlieren. Ich schwitzte maechtig und die Lunge keuchte, die Kehle trocknete aus. Ich konnte mir nur kleine Schlucke aus der Flaschen goennen, denn sie war schon fast leer und es ging noch weiter bergan.

Obwohl wir erst am Beginn der Trockenzeit stehen, sind die wenigen Buesche in der Umgebung schon so doerr, dass sie aussehen, als wuerden sie augenblicklich in Flammen aufgehen. Die Graeser waren goldgelb, im Tal schimmerten die gruenen, bewaesserten Weinfelder, die sich wie ein Mosaik in der Landschaft verteilen. Dann eine Sepentine, steil und mit losem, groben Schotter. Ich gab alles. In die andere Richtung und um den Berg herum. Ich wollte auf keinen Absteigen muessen, aber das kleine Kettenblatt haette ich trotzdem nicht benutzt. Die Antenen waren nicht mehr weit, da schlaengelte sich der Weg weiter in Serpentinen hinauf. Immer schwerer war er befahrbar; lose, locker, dicke Steine, steil. Es waren nurnoch 100m bis zur Kuppe, da musste ich aufgeben. Ich hielt kurz an, stieg ab. Kaputt. Kann denn das sein? Im letzten Jahr waere ich mit Rikman sone Steigung in den Alpen mitm Singlespeeder nurso hochgeflogen. Meine Kondition war am Boden.

Ich sattelte wieder auf, fuhr ein Stueck, musste aber 10m vor dem Gipfel nochmal absetzen. Dann war ich oben. Noch bevor ich den Ausblick geniessen konnte, kam ein scharfer dt. Schaeferhund auf mich zu und machte mir bewusst, dass das hier Privatgelaende war. Mich mit meinem Fahrrad schuetzend ging ich langsam rueckwaerta.
Meine Trinkflasche war alle. Ich hatte Hunger auf ein Haeppchen und mir war etwas dieselig von der Anstrengung. Aber der Blick gen Osten und Sueden ueber die weite Talebene war grandios. Und in meinem Ruecken lag Tarija unter einer leichten Dunstglocke. Nach vorne hin druecken an der entfernten Bergkette aus 3-4000m hohen Bergen an einer tieferen Stelle weisse, dicke Wolken aus dem Tiefland herueber, loessten sich aber sofort auf, als sie sie Bergflanken ins Tal hinunter zu fallen drohten (Fachbegriff: Foehnwand; Grund: trockenadiabatischer Luftmassenabstieg verbunden mit Wolkenaufloesung und Strahlungswetter).

Dann machte ich mich auf den Rueckweg. Das Rad rollte gut bergab, aber auf den grobschottrigen Weg wurden alle Schlaege direkt durch den harten Stahlrahmen an meine Haende weitergeleitet und von diesen unter Schmerzen absorbiert. Auf den unteren, etwas ebenerem Teil liess ich es ordentlich krachen. Was fuer ein tolles Gefuehl! Die offene Landschaft sauste an mir vorbei, das Vorderrad sprang kontrolliert hin und her, der Fahrtwind fegte durchs nasse T-Shirt. Aus Mangel an Alternativen fuhr ich den selben Weg zurueck, runter zur Strasse, auf Tarija zu, auf und ab. An der Einfallstrasse, welche gerade verbreitert wird, wuchern die Haeuser und Geschaefte Stadtauswaerts. Ziegeleien, Buswaschanlagen, Autowerkstaetten. Dann der Flughafen, die breite und aufwendig begruente Avenida hinein ins Zentrum und ueber die belebte Avd. La Paz zu mir nach Hause. Da hab ich erstmal Musik angemacht und mir es buchlesenderweise mit einem Mate im Garten bequem gemacht.

Toll war es, berauschend sogar. Endlich mal wieder Radfahren. Nur die Fitness, ei…. Bald wieder, wenn ich die Zeit finde.
km: 30; hm ca. 400

Und nachher zu einer Party von ein paar kaputten Oestereichern. Und dann kommt der Chris aus Mendoza/ Arg irgendwann heute Nacht in Tarija an, nur wann…

rb

3 Antworten auf “Erste gelaenderadtouristisch erworbene Eindruecke vom Umland Tarija`s”


  • Wieder ein rundum gelungener Tag in Bolovia!!! Endlich auch mal ein Radspochtereignis von Dir, mach weiter so. Bei der nächsten Gelegenheit geht es dann zu der Wasserstelle, die Du diesmal nicht erreicht hast. Und bitte Fotos posten!!!
    dd

  • Rob, was muß ich da lesen – „… der Fahrtwind fegte durchs nasse T-Shirt.“ Wo war die vorgeschriebene ESK-Trikotage, kein Wunder das ein DEUTSCHER Schäferhund dich vom Berg verbellen wollte. Und was soll dieses „…und dann die Wohnung mal Durchfegen.“ – sind wir etwa Mädchen? Anscheinend ja – 30km und 400Hm, das reißt meine Gro0mutter jeden Morgen ab im Rollstuhl und nur mit einem Arm! PRAKTIKANT ROB, RUNTER und 50 Liegestütze aber ZACK ZACK!

  • ich darf doch sehr bitten, rifli :)
    da dies, wie erwaehnt, nur ein kleiner ausflug werden sollte, hatte ich auch nicht daran gedacht, meine uniform anzuziehen. ich bitte dies zu verzeihen.
    und gut, wohnung durchfegen muss ich halt, wenn ich keinen drachen zu hause habe der mir das macht ;) und da ich gestern beusch aus argentinien bekam (chris samt freundin), war das halt mal angebracht.

    sodenn, bilder gibt es naechste woche, wenn sie der chris in argentinien auf foto-cd entwickelt und mir zugemailt hat!

    rb

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