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Breslau – Zittau

Drei Jahre schon spukte das Projekt bereits in meinem Kopf herum. Zwei mal habe ich das bereits gekaufte Busticket verfallen lassen, nun waren alle Randbedingungen optimal. Der Jahrhundertsommer sorgte für trockene Verhältnisse und die dienstlichen Termine ließen ein kleines Eintagesabenteur unter der Woche zu. Doch der Reihe nach.

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Vor einiger Zeit studierte ich die Fernbus- und Zugfahrzeiten nach Breslau. Täglich verkehrt vom Berliner ZOB ab Mitternacht ein Bus, welcher im Juni und Juli zu Sonnenaufgang sein Ziel erreicht. Die Zugvariante via Poznan hat leider einen dreistündigen Aufenthalt eben dort zur Folge. Die Schwierigkeit der Bustour besteht allerdings darin, den Fahrer gnädig zu stimmen, das gut verpackte Rad mit in das hoffentlich nicht volle Gepäckabteil zu verladen. Denn Sperrgepäck, geschweige denn ein Fahrrad, kann man auf der Strecke nach Rzeszow nicht buchen. Doch wer wird mitten in der Woche in die hinterste Ecke Polens fahren? Einige! Doch die Radmitnahme war trotzdem kein Problem, ein Sitzplatz schnell gefunden und die Reise begann. Nachdem dann in Schönefeld noch die allerletzten Sitzplätze belegt wurden, konnte versucht werden in den doch recht bequemen Sitzen ein Mütze Schlaf mitzunehmen. Bus und Gepäck blieben heil und gegen 5.00Uhr waren die ersten Industriegebiete Breslaus erreicht. Während man in Berlin auf einer hinterhofähnlichen Baustelle den Bus besteigt, verlässt man ihn Breslau in einem nagelneuem, unterirdischen Busbahnhof.

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Im benachbarten Bahnhof holte ich mir zunächst in einem der vielen und vor allem geöffneten Läden ein kleines Frühstück, schraubte auf dem Vorplatz das Rad zusammen und machte mich auf zur Jahrhunderthalle. So eine Tour braucht ja einen angemessenen Startort.

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Bei noch angenehm kühlen Temperaturen ging es dann entgegen dem Strom der Pendler heraus aus der Stadt. Auf den zum Teil dreispurigen Straßen ging es flott in die Peripherie und schnell war ich in den ersten Dörfern entlang der Bystryca. Im Hintergrund lagen die Ausläufer des Eulengebirges und an günstigen Stellen konnte man schon den markanten Kegel der Schneekoppe erahnen. Der Gedanke, das ich da heute noch von hinten herum und weiter übers Isergibirge nach Zittau fahren werde, war in dem Moment noch nicht greifbar. Der Wind stand leicht bis mäßig von Westen doch ein 30er Schnitt noch locker möglich. Doch mit den steigenden Temperaturen wurde nun auch die Landschaft bergiger. Der erste Wasser- und Süßteilstopp war nötig. Die Straßen waren bisher alle in feinstem Zustand, bis auf eine schottrige Abkürzung, die ich aber bewußt eingeplant hatte. Doch nun überraschten mich einige Staßenabschnitte mit frisch aufgefräßter Fahrbahn. Doch der 30er Reifen hielt auch diesen Strapazen sicher Stand und so konnte in Kamena Gora der erste Kaffeestop erfolgen. 

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100km waren im Sack und von dort sollte es erstmal nur nach oben zum Pomezni Sedlo nach Ober- Kleinaupen gehen. Dieser Pass stellt von Osten her keine große Hürde dar. Oben musste ich mich das erste mal zusammenreißen nicht ins Brauhaus Trautenberg einzufallen. Der kleine hat noch viel vor. Ich versorgte mich an der Touristeninfo mit ein paar Kronen für weitere Eventualitäten am Wegesrand und rollte weiter Richtung Pec.

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Eine umsichtige Tourenplanung wartete dann mit Modre Sedlo, dem höchsten asphaltierten Sträßchen nördlich der Alpen, auf. Hier begannen dann bei km140 auch die ersten Leiden aufgrund üppiger Steigungsprozente und brütender Hitze. Die Abfahrt über Strazne begann zunächst unbefestigt, mauserte sich dann aber zu einem ganz passablen Asphaltband mit tückischen Entwässerungsrinnen.

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Hier zahlte sich die robuste Radwahl mit überlegenen Bremsen aus. Auch die Navigation in unbekanntem Gelände gelang mit der reduzierten Wahoographik außerordentlich gut. Mit jedem Meter nach unten stiegen auch die Temperaturen wieder über die 30° Marke. Die Getränkestops an diversen kleineren Läden wurden häufiger. Der direkte Weg ins Isergebirge war nun von weiteren kleineren Gegenanstiegen nach Benecko und Rokytnice gekennzeichnet. Vor dem Finalen Anstieg über einen der Isergebirgskämme pausierte ich an der Tanke vor Harrachov um weitere Liter Wasser und seltsam blaue Energiedrinks zu laden.

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Bei km 200 ging es letztmalig relevant nach oben. Doch die Straße entlang der Darretalsperre zur Chata Smedava kurbelte sich schon fast entspannt. Dort vorbeizufahren ohne auf ein Bier einzukehren war fast schon strafbar, doch die Aussicht auf den 18.00Uhr – Zug in Zittau war zu verlockend.

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Doch noch waren es gut 40km und die rasante Abfahrt bis Frydlant war dabei nur die halbe Wahrheit. Hinter Bogatynia, um den Tagebau wurde es dann nochmals zäh. Bei schlechter Straße und immer noch hohen Temperaturen verabschiedete sich erst der Kopf und dann die Beine. Im Touristikmodus erreichte ich dann 18.01Uhr das Ortsschild von Zittau. Geschafft – nach gut 10,5h war das nun schon drei Jahre alte Projekt niedergerungen.

Der Bahnhof von Zittau ist nach wie vor ein Totalausfall, doch zum Glück hatte ein Pizzaservice ein paar rettende Getränke und die ODEG den Tischservice.

Beim nächsten Umlauf würde ich mich über Mitfahrer freuen. Aber wahrscheinlich müssen erst einmal andere Ziele fallen.

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2019 kann kommen …..

mitstreiter

4 Kommentare

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  • Hey Kaubi, eine tolle Tour mit Punktlandung. Wieviel Kilo- und Höhenmeter waren es denn am Ende? Danke für den Bericht!
    So eine mehrtägige Rennradtour durch die Sudeten könnte ich mir auch gut vorstellen. Es gibt so viel schöne Landschaften und herrliche Sträßchen dort.

  • Coole Sache! Der Sommer hatte großes Potenzial für lange Tagestouren. Und die Smedava-Baude weckt schöne Erinnerungen….

    Danke für den schönen Bericht!

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