NACHTRAG: La Doyenne 2018

So genau weiß ich gar nicht warum, aber vielleicht war es die ausgelassene Heimat light die nach einem adäquaten Frühlingsersatz schrie.

Darki hatte ja bereits Jahre zuvor im Rahmen der Radsportmonumente ‚Die Älteste‘ unter die Reifen genommen und an gleicher Stelle von jener hervorragenden Veranstaltung geschwärmt. Also meldeten sich Toni und ich mich kurzerhand an und buchten ein ICE Ticket nach Lüttich. 

Die normalerweise komfortable 5h Anreise wurde genau an unserem Reisetag mit der Entschärfung einer Weltkriegsfliegerbombe am Berliner Hauptbahnhof gekrönt. Nervenaufreibender waren jedoch die Aufnahme eines evakuierten Zuges und der gnadenlos überfüllte Umstiegsbahnhof Köln. So wurde uns nie wirklich langweilig und bereits nach knapp 7h konnten wir bei herrlichstem Frühsommerwetter in Lüttich den wohl schönsten und ambitioniertesten Kleinbahnhof Europas betreten.

Da es mittlerweile zu spät für das Meldeprozedere war, checkten wir gleich direkt am Bahnhof in unser Hotel ein und machten uns auf den Weg um die bekanntesten belgischen Kulturgüter, Fritten und Bier, zu degustieren. Nach einer zünftigen Eckkneipe, einem Burger- und Frittenrestaurant, einer kleinen Zentrumsschau mit Partyviertel beschlossen wir den Abend in einer Bar am Hotel.

5.30 klingelte der Wecker. Die Klamottenauswahl war recht einfach da der Himmel wolkenlos, die Temperaturen evtl. noch etwas frisch schienen. Mit Regen war nicht zu rechnen. Wir würgten uns noch flugs die abends zuvor gekauften belgischen Waffeln mit unterschiedlich grausamen Joghurtdrinks herunter. Energiereich waren sie. Dann rollten wir auch schon zur alten Blumenmarkthalle die dieses Jahr den Start- und Zielbereich der Tourist Trophy markierte. Entlang der Maas fuhren wir der aufgehenden Sonne entgegen. Mit jedem Meter gesellten sich mehr Radfahrer zu uns. Wir waren gespannt wie man hier ein Veranstaltung mit 8000 Startern organisiert. Doch alles lief wohl sortiert und mit professioneller Routine. An 5-6 Check-in- Schaltern bekam man mit Onlineanmeldung seine Nummer, fummelte alles selbst an Rad und Trikot und konnte sich dann selbst in Gruppen von ca.100 Fahrern durch Transponderzeitnahme auf die Strecke machen. Ich verzichtete auf das Laden des Tracks, zum einen hatte ich Toni zum anderen stets genügend Radfahrer im Blick. Obendrein war die Strecke hervorragend ausgeschildert. Nur im Stadtgebiet hatten wohl jeder eine eigene Idee von optimierter Routenführung. Hier hieß es schnell wach werden und sicher aus der Stadt herauszufahren. Am ersten Hügel zog sich dann das Feld weit auseinander. Toni und ich wählten die Überholspur und fuhren aus den ersten Gruppen heraus. Doch lange war man nicht allein. Schon fuhr man von hinten in weitere, vor uns gestartete Groß- und Kleingruppen hinein. Neben den Belgiern waren viele Engländer, ein paar Franzosen und wenige Deutsche waren auszumachen.

Die erste Verpflegung nutzen wir nur kurz um uns einen Überblick über das Speisenangebot zu machen und Wasser nachzutanken. Da die belgischen Waffeln des Morgens noch den Magen verklebten mussten keine weiteren eingeworfen werden. Die weitere Landschaft war leicht hügelig, der Asphalt bisweilen recht rau. Doch im Handumdrehen hatten wir die ersten 100km abgespult. Da wir beiden keine so richtige Vorstellung von der belgischen Landschaft hatten, waren wir doch recht verzückt von der Mischung aus fast englischen Landschaften mit pittoresken Dörfchen und den sanften Hügeln und Tälern. Nach der dritten Verpflegung und ca. 150km ging es dann mit den Anstiegen erst richtig los. Wir hatten bis dahin einen guten 35er Schnitt und konnten mit guten Gruppen auch ordentlich mitziehen. Doch da nun Cote an Col folgte zerfielen alle Allianzen und neue bildeten sich. Trotz des Größen- und Gewichtsunterschieds zwischen Toni und mir fuhren wir die meisten fiesen Stiche immer in Sichtweite aber jeder in seiner Frequenz. Allein am Cote de La Redoute wollte ich mir mal die Lichter ausschiessen. Zu motivierend war das Spalier aus den Fans mit ihren Wohnwagen, die hier bereits lautstark die Hobbyfahrer feiern, um am nächsten Tag den besten Platz für das Profirennen schon inne zu haben.

Eigentlich gab es auf den letzen 100km dann auch keine besonderen Vorkommnisse. Die Isoplörre hing einem langsam zum Hals heraus und die finale Stadtrunde in Lüttich will im recht lebhaften Nachmittagsverkehr auch keinen Spaß machen. Doch bald ist auch die letzten Pflasterabfahrt pannenfrei überstanden. Die letzten Stadtkilometer kosten uns den 25er Schnitt und so rollen wir nach knapp über 10h glücklich und geschafft, aber nicht zerstört, bei den Halles des Foire wieder ein.

Der hohe Zuckergehalt unseres Blutes musste schnell mit belgischem Gerstensaft verdünnt werden. Gut geschafft, doch nicht zerstört rollten wir ins Hotel zurück und beschlossen den langen Tag bei weiteren Proben teils wagemutiger Biermischgetränke.

Am nächsten Morgen, unser Rückzug war erst gegen Mittag geplant, schlenderten wir noch zum Rathausplatz um den Tross der Profis bei ihren Rennvorbereitungen zu beobachten. 

Mir hat diese äußerst entspannt und professionell organisierte Veranstaltung viel Spaß gemacht. Das überträgt sich auch auf die Fahrer. Wir haben keine fiesen Stürze gesehen und keiner fiel aus der Rolle. Gerne wieder.

mitstreiter

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