„Unsere Knochen sollen vor Berlin bleichen und nicht rückwärts“

Erster Sonntag im Februar. Toni hat Geburtstag und das soll standesgemäß gefeiert werden, Bike&Bier ist ein gutes Motto. Da am gleichen Tag die Jungs und Mädels der HFS in Hamburg einen ersten Lauf nach Vorbild unseres Störtebeker-Cups veranstalten wollen, könnten wir ja einige Stunden gemeinsam im Zug sitzen und quatschen. Und in Hamburg Freunde treffen und uns das Spektakel ansehen. Doch leider muß diese Unternehmung für uns ausfallen, die Gesundheit der Kinder ist wackelig und ich will mich nicht so weit von der Heimstatt entfernen.

Alternative

Als Alternative beschließen wir den Fontaneweg F5 abzufahren. Treff in Teltow um 10:00, wir sind zu dritt. Schade, aber nicht weiter schlimm. Wir fahren auf gefrorenen Wegen über das Schlachtfeld von Großbeeren. Vor genau 200 Jahren -am 23. August 1813- wurden hier die Franzosen unter Napoleon Bonaparte geschlagen. Uns wundert, daß der 300ste Geburtstag des Alten Fritz solche Beachtung auslöste, dieser Sieg in den Befreiungskriegen dagegen bisher medial unerwähnt geblieben ist. Jedenfalls finden wir einige Pyramiden unterschiedlicher Größe mit Hinweisen auf diese Schlacht. Und auf einer ist diese ganz wunderbare Tafel angebracht:

Von Bülow setzte sich über die Befehle des schwedischen Oberbefehlshabers hinweg und griff an statt sich zurückzuziehen. Wir fahren jedenfalls auf gefrorenen Wegen -das bemerkte ich schon weiter oben- durch und um den Genshagener Busch, einen Erlenbruchwald. Dieser ist das natürliche Endstadium des Verlandungsprozesses von Seen. Er kennzeichnet nasse Niedermoorstandorte mit hohen Grundwasserständen. Deswegen geht der Weg nicht gerade durch, sondern im Zickzack, wahrscheinlich wollte Fontane keine nassen Füße bekommen. Die Wege sind von Harvestern zerwühlt, bei Temperaturen von ein paar Graden mehr wäre hier keine Durchkommen gewesen. Der Winter hat also auch ein paar gute Seiten.

Weiter gehts nach Thyrow, dem südlichsten Punkt unserer Fahrt, wo wir die Gleise queren müssen. Da die Brückenbenutzung uns zu anstrengend erscheint, hoffen wir darauf, daß kein Schnellzug in der Nähe ist und springen ins Gleisbett. Der Übergang gelingt uns besser als dem Sowjetsoldaten Ochapow mit seinen T-72 im Jahr 1988….

Ole ist vielleicht in der Nähe, wir sehen ihn aber nicht, statt dessen haben wir die erste von mehreren Begegnungen mit einem Randonneur. Mittlerweile taut es, der Untergrund ist schmierig und nass, wir warnen Toni, als wir längere Zeit am abschüssigen Ufer der Nuthe fahren. Doch Taucher-Toni meistert diese Passagen blendend.

Kurz vor dem Güterfelder Haussee werden wir von einem Herren angesprochen, ob wir einen Teckel gesehen hätten. Tut uns leid, haben wir nicht. Doch ich nutze die Gelegenheit, um Menis in kenntnis zu setzen, daß wir quasi vor seiner Tür stünden und durstig seien. Empfänger dieser Nachricht ist ein Anrufbeantworter, ich bitte um Rückruf in den nächsten Minuten. Und siehe da, wir sind gerade am Südwest Kirchhof, als mein Telefon sich meldet. menis ist dran, er wäre jetzt daheim, doch leider hätte er nur 2 Bier im Hause. Gibt es in Stahnsdorf keinen Späti, keine Tankstelle, keine Nachbarn? Er wünscht uns noch eine schöne Tour, an der Kleinmachnower Schleuse sehen wir noch einen Fahrer im blauen Dress und mal wieder unseren Randonneur.

Entlang des Teltowkanals, gehts zu Toni nach Hause, die Wege sind mittlerweile schlammig und wir froh, ob des nahen Ziels. Der steife Jagertee wird kurz vor dem Ziel noch geleert, wenig später gibts Bier und Suppe und Sauna und noch mehr Essen und noch mehr Bier. Der Sachse kommt gebräunt aus dem Urlaub dazu, wir haben einen schönen Abend und nach meiner Heimfahrt habe ich dann auch über 100km auf der Uhr.

Der 23.August 2013 ist ein Freitag, ich finde, wir sollten an dem Tag nochmal in der Gegend fahren…

Auf bleibet treu und haltet fest
so wird euch mehr gelingen
wer sich von Gott nicht scheiden läßt
der kann die Hölle zwingen
Der alte Gott, der deutsche Gott
läßt sich noch immer schauen
und macht des Teufels List zu Spott
und seinen Stolz zu Grauen

Auf , bleibet treu und haltet aus
wie Lug und Trug auch schnauben
der Alte droben hält noch Haus
und schirmt den rechten Glauben
Den Glauben, daß die Welt vergeht
wenn Männertreue wanket
den Glauben, daß wie Sand verweht
was um die Lüge ranket

Denn Treu steht zuerst , zuletzt
im Himmel und auf Erden
wer ganz die Seele drein gesetzt
dem wird die Krone werden
Drum mutig drein und nimmer bleich
denn Gott ist allenthalben
die Freiheit und das Himmelreich
gewinnen keine Halben

twobeers

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