Sommer am Westwall – ein Reisebericht aus der Nordeifel

Wie in jedem Jahr, so habe ich auch 2012 wieder eine kleine mehrtägige Tour unternommen. Langsam komme ich meinem Ziel näher, alle Mittelgebirge Deutschlands befahren zu haben. Diesmal sollte es also in die Eifel gehen. Ein kleiner Reisebericht soll dem geneigten Leser einen Einblick geben, viel Spaß dabei. (3 Seiten)
Urfttalsperre

Tja, Eifel hin, Eifel her, vorallem groß ist die Eifel – das stellt sich die Frage: Wohin soll die Reise gehen?

Beginnen möchte ich mit einer groben geographischen Orientierung. Das grenzüberschreitende Gebirge (Belgien, Deutschland und Luxemburg) erstreckt sich auf heimischem Boden von Trier im Süden, Koblenz im Osten, Köln im Norden und Aachen im Westen. Mit einer Fläche von über 5.300 km² doppelt so groß wie der Harz, mit einer maximalen Höhe von 747m ü. NN (Hohe Acht). Die Eifel bildet den Nord-westlichen Abschluss des Rheinischen Schiefergebirges von variszischen Ursprungs, ist aber wohl mehr durch seinen tertiären und quartären Vulkanismus – der Vulkaneifel – bekannt. Die Eifel wird in zahlreiche Natur- und kulturhistorische Räume unterteilt, die ich an dieser Stelle nicht alle aufzählen möchte.

Ich entschied mich für die „Ureifel“ im Norden. Ein großer Teil der Nordeifel steht seit der Einrichtung des Nationalparks 2004 unter besonderem Schutz. Meine Anreise erfolgt aus Frankfurt mit dem ICE nach Köln und ab da per RE über Euskirchen nach Kall.
ICE-Radtransport

Tag 1
In Kall wird die Radtasche bei der örtlichen Postfiliale zur Aufbewahrung abgegeben und die Reise kann losgehen. Zunächst geht es flussabwärts entlang der Urft nach Gemünd. Schon komisch, dass die Urft nach Westen und nicht einfach nach Osten gen Rhein entwässert. Aber irgendwie liegt genau ein kleiner Höhenzug dazwischen, welcher als effektive Wasserscheide dient. Mir solls recht sein, rollt gut zum Auftakt.
Die Urft in Gemünd

In Gemünd verlasse ich die Urft und schraube mich stetig auf die Hochfläche. Schließlich habe ich als erstes Ziel die alte Nazi-Feste Burg Vogelsang auserkoren. Eine mächtige und finstere Anlage erwartet einen auf 489m ü. NN. Aber wie soviele Bauten aus der braunen Zeit – einfach nur Gröfatzwahnsinnig.
Burg Vogelsang

Einen schönen Ausblick hat man von hier oben, auf die Urfttalsperre und den Nationalpark. Die Abfahrt zum Stausee ist mehr als heftig, ich bin immer wieder erstaunt, wie solche Rampen als offizielle Radwanderwege für die ganze Familie ausgewiesen werden. Mehr als 150 Höhenmeter verliere ich auf weniger als 1000 Metern, das Durchschnittsgefälle kann man sich ausmalen.
Ausblick von der Vogelsang

Unten erwartet mich die 2009 erbaute Urftbrücke, auch Viktor-Neels-Brücke, ein imposantes Bauwerk, welches ausschließlich Radfahrern und Wanderern vorbehalten ist.
Spannbrücke

Die Urfttalsperre ist Teil des Rurtal-Stauseensystems, dazu gehören außerdem der Obersee und Schwammenauel. Entlang des nördlichen Ufers der Urtftalsperre fahre ich bis zur zweiten Staumauer zwischen Obersee und Schwammenauel. Am Weidenauel gehts hoch auf den Kermeter, eines der größten zusammenhängenden Buchenwaldgebiete im Nationalpark.
Blick gen Rurberg

Am Schwarzen Kreuz habe ich wieder 500m ü. NN auf der Uhr. Über die leicht tourismusverseuchte Abtei Mariawald (Trappistenkloster) finde ich einen schönen Weg ins Heimbachtal.
Trappistenkloster Mariawald

In Heimbach habe ich leichte Orientierungsschwierigkeiten, finde dann doch den Weg am nördlichen Ufer der Rurtalsperre.
Heimbach

Mein eigentliches Ziel soll ein Gasthaus in Woffelsbach sein. Leider ist mir eine Horde Belgier zuvorgekommen und der Laden ist dicht bis unters Dach. Der Rest im Dorf erscheint mir nicht sonderlich gastfreundlich und entschließe mich wieder auf die Höhe weiter nach Norden zu fahren.
Seglerromantik

Langsam schwinden die Kräfte und nach über 1000 Höhenmetern mit dem Reiserad und Gepäcktaschen erhoffe ich mir ein Quartier in Schmidt zu ergattern.
Tschö Schmidt

Das erste Gasthaus / Hotel hat Dienstag Ruhetag. Irgendwie las ich das heute schon häufiger, dass heute Dienstag war brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Im örtlichen Nahkauf bekomme ich aber einen Tipp: „Der Hamid, dat is’ene Juten“. OK, ab zu Hamid und tatsächlich finde ich ein sauberes Zimmer und gutes Essen in der Schmidter Bauernstube. Hamid dreht auch gerne mal ne Runde mit dem Mtb und ist ein echter Eifeler Jung. Danke für den schönen Abend.
Bauernstube

Profil Tag 1

darkdesigner

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