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Kuchenrunde oder auf ein Bier nach Fojtovice

Legendär sind mittlerweile die Kuchenrunden von Acke. Kurz auf dem Rad sitzen, nicht transpirieren und dann gemütlich im oder noch besser vor dem Café in der Sonne sitzen und Kuchen essen. Das will ich auch mal, einzig die Handwerkskunst der Berliner Bäcker wirkt abschreckend.

Da kommt eine Einladung vom Mitstreiter, er wolle uns mal seine sächsische Heimat zeigen. Morgens Männer und Räder ins Auto, nach Dresden, ausladen und los. Abends zurück. An einem Mittwoch. Und so trafen wir uns gestern um 6:30 am Treptower Park und verpackten die Räder. 3 passten in den Kofferraum, mit viel quetschen hätte vielleicht auch das vierte noch reingepasst, doch so kam meins (weil am größten) an die Heckklappe. Wir fuhren in die Sonne und um 9:00 saßen wir in Dresden auf den Rädern. Grandios, Sonne satt, angenehm warm. Noch auf dem Elberadweg Richtung Meißen äußere ich das dringende Bedürfnis nach einer originalen sächsischen Eierschecke. An der Elbe gehts bis Cossebaude und dann hoch zum Staubecken Oberwartha. Es sollen nur die ersten von noch vielen Höhenmetern sein, doch oben angekommen gehts auf einem Höhenniveau durch den Wald von Tharandt über den Gebrutsort der Silbermann-Orgeln nach Fraunstein. Und dort gehts -weil das Marktcafé zu hat- zum Bäcker. Herrlich!
Eierschecke klassisch oder mit Mohn oder mit Rhabarber. Das Stück für 75Cent, einfache Streuselkuchen oder Zuckerkuchen kosten 51Cent. Offensichtlich wurden die Preise irgendwann in Euro umgerechnet und seitdem nichtmehr geändert.

Wir erreichen gestärkt den Kamm des Erzgebirges und lassen uns hinter Hermsdorf auf tchechischer Seite ins Tal fallen. Alles, was ich an mehr den Berg hochschleppen muß, drückt mich umso rasanter ins Tal. Natürlich birgt so eine Abfahrt Überraschungen wie Schlaglöcher oder Splitt -gerne auch in einer Kurve- doch wir kommen alle heile im südlich warmen Tal an. Die Mitreisenden werden langsam aufgeregt, steht doch schon das verheißungsvolle Wörtchen auf den Straßenschildern. Und schwupps einmal links um die Ecke und schon türmt sich die Straße des Ortes geradewegs in den Himmel. Boom vergißt vor Schreck den Umwerfer zu betätigen und drückt die 10% auf dem großen Blatt.
Ich kann nicht mehr sprechen, alles schmerzt, als uns Boverhannes von oben entgegenkommt. Er ist schon am Vortag ins Erzgebirge gefahren, wir sind für 13:00 am Mückentürmchen verabredet und wir sind 20min überfällig. Für eine Begrüßung fehlt mir die Kraft, ich habe Angst nicht mehr anfahren zu können, sollte ich jetzt stehenbleiben. Wir kommen quasi gleichzeitig am Ausschank an, genießen den herrlichen Blick übers Böhmische Becken und kaltes Budweiser. 100km haben wir schon weg, mein Vorschlag ist der direkte Talweg über Glashütte Richtung Dresden. Doch Mitstreiter hat sich was besseres ausgedacht, wir sollen ein wenig auf dem Kamm und dann nach BadSchandau fahren.
In Erwartung der folgenden Höhenmeter bleiben Gulasch und Knödel auf dem Mückentürmchen ungegessen und erst in Cunnersdorf gibts erneut phantastischen Kuchen. Von Kleingießhübel nach Krippen führt eine wunderschöne Straße, die leider derzeit keine Straße ist. Nichtmal der Unterbau ist fertig. Teilweise Sand, grober Schotter, gewalzter Bodern, Bagger, eben Baustelle. Doch umdrehen und wieder hoch? Nein!
Und plötzlich kommt man aus dem idyllischen Seitental und steht an der Elbe, ein Güterzug rattert durchs Tal und auch plötzlich viele Autos. Ich schlage vor, wir könnten doch jetzt wunderbar den Elberadweg bis Dresden nehmen. Doch Mitstreiter versichert glaubhaft, daß es hier überhaupt keinen befahrbaren Radweg gäbe und außerdem sei es viel schöner wenn wir nur kurz die Sense hoch. Also fügen wir uns dem Schicksal empfehlen uns den Göttern und fahren in den nächsten Anstieg. Diesmal im feinsten Elbsandsteinpanorama. Keiner hat die Zeit für einen Blick oder gar ein Photo, weshalb dieser Bericht sich auch nur auf Worte beschränkt, Bilder von beladenen Tischen und pausierenden Radfahrern gibts genug. Schloß oder Burg Hohnstein. Herrlich, doch leider felht die Zeit und die Muße für einen ausgiebigen Blick.
Was folgt nach einem Anstieg? Richtig eine Abfahrt, doch nur um danach direkt wieder hochzufahren. Boverhannes verabschiedet sich Richtung Pension in Porschdorf, wir fahren nach Pirna und endlich gehts flach an der Elbe lang. am Blauen Wunder lernen wir die sächsische Gemütlichkeit von ihrer finstersten Seite kennen, im schönen Biergarten (bekannt aus den ersten Tatortfolgen aus Dresden) will man uns mit aller macht verdursten lassen. Zudem stürzt ein stark übergewichtiger Mann, bewaffnet mit einem neuen Rennrad und Systempedalen beim Anhalten neben Booms Rad auf eben jenes. Er rappelt sich auf und ruft fröhlich, daß ihm nichts passiert sei. Da Schäden an Booms Rad nicht sofort zu erkennen sind, rate ich zum Adressentausch.

20:00, die Räder sind verpackt, die Tankstelle muß noch ein paar Getränke rausrücken, um 23:00 bin ich erschöpft im Bett. Eine schöne Runde, die ich bestimmt nicht zu letzten Mal gefahren bin.

 

 

twobeers

5 Kommentare

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  • Danke für die schönen Zeilen. Du hast mir trotz Schmerzen in den Beinen und Büroalltag ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Bin stolz auf Euch das wir trotz der Strassenverhältnisse mit nur einem Pffffft und ohne Sturz die Runde vollbracht haben. Dank vorallem auch an Mitstreiter für den Aufruf und fürs Fahren!!!!

    Gruß Toni mit der Sehnsucht zurück zu Flieder- und Rapsduft, mediteranen Temperaturen und säcksischer Backwerkskunst

  • Herrlich wars. Ich bin stolz auf euch, den Spaß bis zum Schluß mit
    durchgezogen zu haben.

    @Toni, ich hab die Pulle Schloßbitter noch im Rucksack.

    grüße
    mitstreiter

  • Eine der schönsten Gegenden zum Rad fahren und das Ganze in unserer Nähe. War letztes Jahr auch zum RR fahren dort . Einfach nur : SCHÖN. Mir hat die tsch. Seite besonders gut gefallen und ich fand den Straßenbelag wesentlich besser, wie auf der West-seite.

    Auf bald Herr Twobeers und liebe Grüße
    S.

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