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Sommer in Berlin

Juli in Berlin. Endlich Sommer, die Mauern und Straßen der Großstadt werfen einem unbarmherzig die gespeicherte Kraft der Sonne noch bis in den späten Abend entgegen. Also werden die Wintersportgeräte des Kaders (nein, nicht Ski) aus dem Keller geholt und eine Oase wird in rasanter Fahrt angesteuert. Die im Winter gut fahrbaren Wege sind in einem Dschungel aus Brennesseln, Robinien und Brombeeren verborgen ansonsten führen sie durch feinsten Brandenburger Sand, in dem man bis zur Nabe versinken oder aber vortrefflich aufschwimmen kann. Die Sonne will gerade abschied von uns nehmen, als wir am tosenden Gestade eines trefflichen Sees eintreffen. Vier Körper schälen sich alabastergleich aus ihren Kunstfaserkokons, neidvolle Blicke der herumliegenden Aufstocker und HartzIV-Empfänger, schmachtende Verzückung der dazugehörenden Jungfrauen. Schon schlagen die Wellen über den die Wellen durchpflügenden Körpern zusammen, schnell entschwinden sie am Horizont, als der längste von ihnen Krämpfe in den Fußspitzen bekommt. Da Krämpfe nur überschnelle Muskelkontraktionen sind, wirbelt plötzlich eine Heckwelle auf, wie sie Schaufelraddampfer nicht größer erzeugen können. Trockentücher werden am Ufer bereit gehalten, Lotionen und duftende Öle werden dargereicht und Kräuter werden verbrannt, die den Erlebnishorizont erweitern. Doch die Recken reagieren nicht auf die Vernebelung ihrer Sinne, auch der Chor der schmachtenden Weiber und der lautstark geäußerte Wunsch nach einem sofort zu vollziehenden Zeugungsakt findet weniger Gehör als der Gesang der Sirenen bei den antiken Helden. Schnell werden die gekühlten Leiber wieder auf Höchsttemperatur gebracht und in wabernden Staubwolken ziehen die Unerschrockenen der Heimat entgegen. Zur Dorfschenke kommt auch ein weiterer fahrender Ritter, der gerade einen Kreuzzug in den glücklich überstanden hat. Den heiligen Gral fand er dort nicht, doch von zahlreichen Abenteuern konnte er berichten, die im Laufe der lauen Nacht immer haarsträubender wurden. Und so netzte kühles Nass ihre Lippen, spülten zahllose Eimer feinsten Gerstensaftes den Staub des Tages aus ihren Kehlen und es wurde beschlossen, dass solche Veranstaltungen noch öfter stattfinden sollten. Immerhin eine Verdopplung der Teilnehmerzahl zu letzter Woche schon bei der zweiten Austragung, wo soll das hinführen?

twobeers

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