20-10-20 – und was aus langen Plänen alles werden kann…

Im Jahr 2010, genauer am 25. Mai feierte ich mein 20jähriges MTB-Jubiläum. Anläßlich dieses Ereignisses und der 20 Jahre währenden Deutschen Einheit hatte ich eine Tour zu den 16 höchsten Erhebungen der Bundesländer geplant. Leider gestaltete sich der Winter länger und zäher als gedacht, viele Trainingskilometer wurden laufend und nicht radelnd verbracht. Als das Wetter dann endlich besser wurde, meinte eine Halsentzündung mich für fast den gesamten Mai aus dem Verkehr ziehen zu müssen. Meine Pläne waren dahin und neue mussten her.

Zunächst dachte ich an eine Vogesen-Fortsetzung von 2009, dann kam ich aber mit zwei Freunden auf die geniale Idee, vier Tage in der Fränkischen Schweiz bei Bike & Bier zu verbringen. So wurden Touren geplant, Übernachtungen gebucht, Zugtickets gekauft, etc.
Aber irgendwie schien auch diesmal das Pech an meinen Hacken zu kleben. Ein Kumpel sagte am Tag vor unserer Abfahrt wegen dickem Zeh ab und die Wetterprognose verschlimmerte sich von Stunde zu Stunde.

Da standen wir also nur noch zu zweit am Dienstag ein halbe Stunde vor Abfahrt unseres Zuges am Bahnhof in Ffm bei bestem Wetter und hatten so gar keine Lust auf drei Tage Regen im Süden Deutschlands. Es dauerte ungefähr 15 Sekunden bis wir uns gegenseitig überredet hatten, kurzerhand nach Kassel in die nordhessische Bergwelt umzuschwenken. Da wir nun noch ne Stunde Zeit hatten, holte ich schnell von zu Hause das entsprechende Kartenwerk. Den Abend ließen wir dann in Kassel bei Pils und Salmonellen-Peters Bohnensalat ausklingen.

Mittwoch 16.06.2010:
Der Tag begrüßt uns mit herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel, der Wind weht allerdings frisch aus Osten. Nach dem Frühstück brechen wir auf gen Hessisch-Sibirien. Unser Quartier für die nächsten Tage haben wir in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Wilhelmshöhe in Kassel. Das bedeutet, dass es nun erstmal runter an die Fulda geht. Ein erster Fotostop in der Karlsaue vor der Orangerie.


Orangerie


Fuldaromantik am Morgen

Irgendwann lassen wir Kassel hinter uns und entlang des Niestetals sammeln wir erste Höhenmeter. Durch die südlichen Ausläufer des Kaufunger Waldes steuern wir zielstrebig auf Grossalmerode zu. Leider sind wir einen Tag zu früh wie uns die hübsche Bäckerin mitteilt, morgen beginnt das nur alle 5 Jahre stattfindende Heimatfest. Na vielleicht besser für die Einheimischen, denke ich mir…


Anstieg zum Sensenstein


Empfang in Grossalmerode

Nach einer zünftigen Stärkung geht es nun an die Erklimmung unseres eigentlichen Tageszieles, der Meissner. Mit über 750m ü. NN eine der höchsten Erhebungen Nordhessens, das mächtige Basaltplateau ragt imposant in der Landschaft heraus. Für die Erbsenzähler unter uns, der „Hohe Meissner“ mit seinen Rundfunk-Sendemasten und den Gasthöfen ist nur mit 721m ü. NN ausgewiesen. Die etwas nördlicher liegende „Kasseler Kuppe“ ist mit 754m ü. NN jedoch der höchste Punkt des Basaltkegels.


Blick zurück auf Grossalmerode


Basaltabbau am Meissner

Wir schuften jedenfalls seit Uengsterode ununterbrochen, unbarmherzig geht es Meter um Meter nach oben. Die Sonne brennt uns auf den Pelz und der fehlende Fahrtwind macht sich unangenehm bemerkbar. Eine kurze Erholung bietet die Abfahrt vom Heiligenberg nach Bransrode. Kurz nach dem Basaltwerk haben wir es dann endlich geschafft und rollen von der Kasseler Kuppe zu den Sendemasten am Hohen Meissner. Die Fernsicht ist umwerfend, am Horizont ist der Kamm des Rothaargebirges zu sehen und irgendwo da unten die zwei Röhren des A44-Neubaus.


Stärkung auf dem Meissner


Blick zurück auf den Hohen Meissner

Wir genießen lecker Schinkelpils und stärken uns. Irgendwann heißt es dann aber doch Aufbruch, was ne Abfahrt!! Nachdem der Trail hinter uns liegt, geht es auf dem Lossetal-Radweg über Hessisch Lichtenau weiter gen Kassel. Bei Walburg wartet eine Welle, ebenfalls nehmen wir noch mal bei Lohfelden eine mit (völlig unnötig wie sich rausstellt). Als wir endlich in Kassel sind und die Fulda überqueren, fühlt sich mein Sattel plötzlich so komisch weich an. Ein Blick genügt, Bruch der Streben…

Nun heißt es vor der Dusche und Nahrungszufuhr noch einen Ersatz auftreiben. Zum Glück ist Kassel kein Dorf und es gibt genügend Radläden die Abhilfe leisten können. Mit neuem Sattel geht es am nächsten Tag weiter. Insgesamt hat der erste Tag 100km bei 1400 Höhenmeter zu bieten gehabt und die Erkenntnis: Meisser, steil und traumhaft schön!


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darkdesigner

4 Kommentare

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  • Ach Darki, wenn ich deine Fotos so sehe bekomme ich großes Heimweh nach meinem schönen Nordhessen. Dort, wo meine Ahnen ruhen und wo einst meine Wiege stand hat der liebe Gott wirklich ein schönes Fleckchen Erde geschaffen.

  • schöne tourbeschreibungen, danke für den bericht. in der fränkischen hättet ihr auch viel spaß gehabt, das wetter hat gehalten, wenn auch nicht so sonnig.

    wegen einer zecke nicht zum dienst angetreten? na sowas!
    hohes gras – ist das ein kifferclub?

    weitermachen …

  • Servus,

    wollte schon die ganze Zeit mal geschrieben haben! Hab gestern den Bericht bei servus tv über den Ötzi gesehen und dann mal wieder auf eurer Seite gestöbert.

    Euer Ausflug nach Kassel ist ja nun schon ne Weile her und vielleicht schaut ihr ja mal wieder hier bei uns vorbei. Falls ihr nun mal wieder hier am Herkules seit könnt ihr euch ja mal bei mir melden oder hier mal reinschauen : http://www.mtb-news.de/forum/showthread.php?t=266360&page=141
    Es lässt sich sicher ne schöne Runde mit einigen Locals organisieren.
    Ich bin auch ab und an mal in Berlin, spätestens wieder zum Velothon!
    Grüße kasimir

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