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[Tourbericht] Skilanglauf-Paradies Berlin


Solange ich lebe, und das sind nun auch bald 30 Jahre, lag in nicht so viel Schnee. Das Umland zeigt sich schon seit Wochen in ein paradisch weißes Kleid gehüllt. Der Schnee lässt einem mit dem Geländerad kaum voran kommen. Aber wer auch immer sie erfunden hat – der alte Norweger oder Ötzis Urenkel – für Zeiten wie diese gibt es zum Glück zwei lange Bretter und zwei lange Stöcke, um sich in unwegsamen Terrain fortzubewegen. Für den selten von viel Schnee verwöhnten Berliner eine tolle Gelegenheit, das Umland ganz neu zu entdecken.

Bei dickem Schneefall startete ich meine Skitour am vergangenen Sonntag von der elterlichen Behausung aus. Durch den Berliner Stadtwald nahm ich eine der zahlreichen, von anderen Skiläufern schon ausgefahrenen Loipen, um von Rahnsdorf nach Wilhelmsagen zu gelangen.
Der Schnee war etwas pappig, doch zügig ging es durch die Eichberge nach Woltersdorf und dann von der Schleuse aus hinein in die Kranichsberge.

Vom Aussichtsturm aus gleitete ich weiter gen Osten, dem Auf und Ab des Hügelweges folgend quer durch die Kranichsberge. Die teilweise steilen Abfahrten verlangten schon einen sicheren Stand auf dem Ski, durch den etwas nassen Schnee konnten jedoch leider auch bergab keine allzu hohen Geschwindigkeiten erreicht werden, als das eine Backennotbremse aushelfen hätte müssen.
Ich unterquerte den Berliner Ring. Das Terrain Richtung Grünheide ist nun sehr flach. Auf langen Waldwegen folgte ich der ein oder anderen Spur. Hier konnte ich die charismatische Eigenheit des Skilaufens voll auskosten. Alleine durch den verschneiten Wald gleitend, stellte sich ein annähernd meditativer Zustand ein. Körper und Geisten flossen zusammen. Leicht irre Tagträume wechselten sich ab mit der Feststellung, die letzten zehn Minuten überhaupt keinen Gedanken im Kopf gehabt zu haben. Der Kopf wird frei, die Natur lädt zum Genießen ein.

Irgendwo in diesem Nichts aus plattem Land und Stangenacker plötzlich eine Markierung am Wegesrand, die hier fehl am Platze zu sein schien.

Immerwieder tauchten diese Langlaufmarkierungen kurz vor Grünheide auf. Ein Regionalentwickler, der sich einen Spass erlaubte? Oder ein skisportambitionierter Förster? Wer weiß es schon.

Ich durchquerte Grünheide fast ohne Abschnallen der Bretter und gelangte, den Ortsausgang von Fangschleuse tangierend, ins Löcknitzal. Nun dämmerte es schon etwas.

Die Brücke über die Löcknitz nahe des Bahnhofs Fangschleuse überquerend trat ich, das Löcknitztal flussabwärts folgend, den Heimweg an. Der schmale Pfad war tief verschneit. Die Löcknitz windete sich rechterhand durch das auenartige, flache Tal. Einsamkeit. Stille. Nun wurde es schon richtig dunkel. Fast etwas unheimlich.

Die kleine Stirnlampe sorgte für ausreichend Licht. Und es war fast besser nicht zu viel zu sehen. Die großflächigen Umgrabungen des Bodens zeugten von vielen aktiven Wildschweinen. Einer Rotte mag ich hier jetzt ungerne über den Weg laufen, dachte ich zu mir.
Unter der Froschbrücke hindurch überquerte ich kurz später wieder die Löcknitz und näherte mich Erkner.

Um nicht zu Fuß durch Erkner laufen zu müssen wählte ich den Umweg über Woltersdorf. Der schwere Schnee und die mangelnde Sklilaufkondition zollten nun schon ihren Tribut. Die Konditorei an der Schleuse hatte zum Glück noch offen, sodass ich mittels Kirsch-Quarkkuchen neue Motivation für die restlichen Kilometer tanken konnte.

Der Rest der Strecke zurück war der selbe wie hinwärts. Total kaputt aber guter Dinge und geistig bereinigt erreichte ich den elterlichen Herd. Eine großartige Runde. Man muss den Schnee vor der Haustür nutzen, solange er liegt. Wer weiß, wann sich wieder eine solche Möglichkeit bietet.

rb

(nächstes Mal Bilder mit geringerem ISO-Wert, hab ich nicht drauf geachtet, fällt schon auf)

14 Kommentare

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  • Schöne Worte, Meister Rob! Wobei ich gerade nicht wirklich weiß, ob ich mich auf heute Abend freuen soll oder eher nicht.

    PS: Laßt mal den Klappspaten mir zu Liebe zu Hause, bitte!

  • Rob mein Freund,
    auch ich möchte mich nach den Erfahrungen der letzten Tage und Wochen zum Skilanglauf bekennen. Eine Tätigkeit, ähnlich stumpfsinnig wie Rad fahren. Gerade richtig, sich auf all die Dinge zu konzentrieren, welche im alltäglichen Stress ansonsten eher zu kurz kommen. Vor sich hindämmernd, immer einen vor den anderen Ski schiebend, durchmisst man den winterlichen Forst und freut sich des Lebens.
    Mein letztes Skiabenteuer liegt nun auch schon fast 20 Jahre zurück. Entsprechend wacklig stehe ich auf den schmalen Latten, welche mir der Zufall an die Füße gespielt hat. Von mir aus könnte es jeden Winter so sein.

    Ich erlaube mir an dieser Stelle, auf mein Fotoalbum hinzuweisen, in welchem ein paar winterliche Impressionen der letzten Wochen festgehalten sind: Klick!

  • Herrliche Impressionen, Baumrob! Wenn ich mich recht entsinne, ist der Trip über die Kranichberge etc. pp. doch auch so was wie Deine Hausrunde mit dem MTB. Schön, wenn sich das auch mal aus neuem Blickwinkel und unter Einwirkkung eines etwas anderen körpereigenen Drogencocktails genießen lässt – und nach Genuß las es sich…

  • Baumrob (ich liebe diesen Namen!), hör auf mit solchen leckeren Geschichten! Ich will mir eigentlich keine “Schia” kaufen, besonders nach meinem heutigen Lauf”training”. Zum ersten Mal nach ca. 10 Jahren zog ich meine Laufschuhe an und trat die Loipen um meine drei heimatlichen Seen platt. Mir tut jetzt schon alles weh, wie soll das nur nach ungewohntem Skifahren werden… grübel…

  • ja skimützen wären super 🙂 allerdings müsste meine über den skihelm passen, da ich ja meist die etwas breiteren und schnelleren bretter nutze

  • Sehr fein, Rob!

    Hier in Thüringen hatte es in den vergangenen Tagen ziemlich getaut und jetzt wo es wieder kalt ist, ist die Mumpe knochenhart. So kann man mit dem Fahrrad einfach querfeldein fahren – auch nicht schlecht.

  • Lange habe ich mich nicht getraut, jetzt muss es raus:
    Ich war auch schon lang laufen.
    Und mit Genuss habe ich deinen Bericht gelesen, Baumrob. Es scheint fast so, als könne man dabei wirklich so etwas wie Spass haben.
    Danke für den Bericht, jetzt bin ich ein wenig traurig, dass meine geliehenen Ski wieder weg sind.

  • Danke an mete für die schönen Loipen rund um Woltersdorf ;).

    Das sind übrigens Nordic-Walking-Markierungen und ich habe sogar schon mal einen getroffen…:D

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