Frust im Schiefergebirge

Im Anbetracht zukünftiger Großereignisse machte ich mich auf, ein Stück Schiefergebirge zu erkunden. Es sollte sich mir von seiner besten Seite zeigen: modernisierte Beschildung, modernisierte Wege, bestes Wetter. Zusammen mit der genauen Kompaß-Karte konnte eigentlich gar nichts schief gehen…

Eigentlich.


Fahrt ins Nirgendwo

Start an der Talsperre Burgkhammer. Ich erinnerte mich an eine sehr schöne Gegend mit ebenfalls schönen Wegen. Genau so ist es auch auf dem Weg nach Burgk. Zumindest der erste Kilometer. Dann geht der Weg etwas in die Breite, Wurzeln und Erde erfahren eine Ablösung durch feinen Schotter. Naja, man kann nicht alles haben, denke ich so bei mir. Der Ausblick ist dafür unverändert schön.

Die Beschilderung des Hauptwegs ist frisch gemacht, nicht zu verfehlen. Allerdings möchte ich den nicht fahren, verdammt. Mein Abzweig ist anscheinend nicht mehr vorhanden. Dann eben so weiter. Der Weg führt weg vom Hang. Breiter. Über Felder. Mensch, da kann ich ja gleich nach Brandenburg…

Also mal schauen ob man nicht weiter unten, am Hang über der Saale, fahren kann.
Erster Versuch: abgesperrt, zerfahren, Waldarbeiter.
Zweiter Versuch: Sackgasse.
Dritter Versuch: erstmal vorbei am 40-Tonner, der gerade Holz auflädt. Abfahrt, steil, zerfahren…mh. Unten an der Saale Teerweg – toll. Seitenwechsel im nächsten Dorf. Ein Wanderweg soll durch ein schönenes Tälchen nach oben führen, laut Karte. Beim zweiten Versuch finde ich den richtigen Abzweig. Hier waren doch mal Wanderzeichen?! Jetzt nicht mehr. Bäume liegen quer. Reiterspuren. Oben angekommen sehe ich was die Meteorologen mit ihrer Vorhersage meinten…

Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. So bedrohlich siehts nicht aus. Mein Plan führt wieder in den Wald. Irgendwann wird der Weg sogar schön! Entlang der alten Eisenbahnlinie…


Schiefer


Ein Bild für Jockel

…bis zu seinem Ende.


Ende

Moment mal, meine Karte sagt doch, hier führe ein Weg über einen Bahntunnel hinab ins Tal? Also ich sehe hier außer Bäumen, Geröll und Schiefer mit sehr viel gutem Willen höchstens ein Tierpfad. Nagut, dann eben runter auf die Gleise.


Nochmal Schiefer

Und jetzt schön schieben. Auf Gleisen und Schwellen fahren kann ja jeder. Laut Karte kreuzt gleich dort vorn neben der Brücke ein Wanderweg, den ich nehmen kann. Ein Haus – da muss der Weg sein. Leider nur in eine Richtung. Komisch. Ich glaube, ich sehe den Wanderweg…

…da unten…


Wanderweg kreuzt Brücke

Hatte ich schonmal erwähnt, dass ich gern mit Karten von Kompaß arbeite? Immerhin führte sie mich (über ein paar große, nicht eingezeichnete Umwege) auf den richtigen Pfad. Sagte ich Pfad? Der wurde wohl zur Autobahn ausgebaut – da lacht das Herz!


Links alt, rechts neu


Links alt, rechts neu

Jetzt verlasse ich mich doch mal auf meine eigene Orientierung und nehme den direkten Weg zur Bergruine Wysburg – siehe Bild. Selbst denken bringt eben doch nur Anstrengungen mit sich.

Für den etwas blass geratenen Spendenaufruf fehlt mir das Kleingeld. Auf der verlassenen Ruine esse ich meine letzte Semmel und konsultiere die Karte zur bevorstehenden Route.


Burgen werden gebaut aus? Richtig: Schiefer


Artillerie ala 14. Jahrhundert

Durch misteriöse Zeichen versucht man hier Fremde in die Irre zu führen. Alte Wanderwege werden unkenntlich gemacht, sie wachsen immer mehr zu. Vielleicht leben die Raubritter, einst heimisch auf der Wysburg, jetzt im Wald weiter?!


Alte Wege

Ich finde meinen Weg jedoch. Durch ein komisches Nest names Friesau soll er zur Bleilochtalsperre führen. Mein Blick verharrt am Himmel. Die ersten bedrohlichen Wolken vom Vormittag zogen ohne einen Tropfen Wasser abzugeben über das Land. Jetzt kommt der Regen – ausgerechnet jetzt, wo sich schöne Wege vor mir auftun.

Ich höre Gewitter. Verfahre mich (dank Karte). Muss schieben. Zum Glück weiß ich danach wieder wo es langgeht. Die Waldmenschen haben es offensichtlich nicht nur auf Wege abgesehen.


Forstarbeiter sorgen für die richtige Orientierung

Es beginnt zu Schütten. Aus Eimern. Blitze zucken direkt über mir. Muss runter vom Hügel. Unterstellen. Weiche trotzdem durch…

Der Regen lässt irgendwann nach, die Sonne blinzelt durch die Wolkendecke. Ich fahre weiter. Die Wege sind durchnässt.

Die Staumauer ist in Sicht. Da muss ich noch hin, dann ein Stück bergab und das wars. Leider beherbergt so eine Talsperre deutlich mehr Buchten als man vermuten möchte. Der Weg zieht sich. Es ist kühl. Der nächste Regen naht.


Staumauer

Bei einsetzendem Regen schliddere ich die letzte Abfahrt hinunter. Warum konnte die nicht am Anfang kommen?

Die letzten Kilometer rolle ich wieder am Burgkhammer Stausee entlang. Es dämmert. Erschöpft erreiche ich meinen motorsierten Untersatz – Zeit zum heimfahren…

Mehr Bilder.

bigfoot

9 Kommentare

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  • Mhm. Irgendwie fehlt mir ein, wie auch immer geartetes, Ende. So wirkt es doch etwas – sagen wir mal – offen

    Empfehlenswertes Kartenmaterial kommt von Fritzsch oder dem Thüringer Landesvermessungsamt. Und der Weg, die Bahnlinie entlang geht noch bis Lückenmühle an der Bahn entlang. Sehr schön übrigens.

  • Ist dies die Gegend, die im nächsten Jahr erobert werden soll? Denke, das könnte ein Spaß werden!

    Danke für den interessanten Bericht, ich freue mich auch auf die Erkundung der einen oder anderen Talsperre oder verlassenen Bahnlinie nebts An- und Abfahrten.

    stw

  • edit: hast recht. so besser?

    Ja, viel besser.

    Und nochmal ja, Du warst ja schon auf der Brücke. Einfach weiter bis zum Ende. Dort links übers Gleis, ca. 20m halb links hoch und schon stehst Du auf der Fortsetzung des Weges, welcher nun auch wieder durchgehend befahrbar ist. Nach dem Sturm Anfang letzten Jahres war es nämlich für geraume Zeit nicht.

  • So schlecht sieht es doch gar nicht aus. Bestimmt lassen sich auch urwüchsigere Pfade finden.

    Klasse fand ich übrigens die beiden schwindelerregenden Bilder. Das eine von der Brücke und das andere an deinen Beinen hinab– Bist du mit dem rechten Fuß auf ein Haus getreten?

  • Das hört sich doch nach anständigem Harzsturm-Terrain an: Schietwetter, Wege ins Nirgendwo und die Fotos lassen den einen oder anderen schönen Pfad erahnen. Freudig wie der Frosch- und Hasenweg hüpft mein Herz…

  • Nun macht Euch mal keine Gedanken mehr. Es gibt genug Wege und Pfade im schönen Schiefergebirge. Kann ja keiner was dafür, dass der Lange mit der falschen Karte und übler Laune unterwegs war. Wer es nicht glaubt, kommt einfach mit und überzeugt sich selbst.

    PS: Garantien für das Wetter kann ich leider nicht übernehmen. Aber wie schon so oft gesagt: Es gibt kein schlechtes Wetter. Nicht war Carl?

  • jaja, genug wege sollte es schon geben. gegen ende habe ich ja bei der bleilochtalsperre auch schöne gefunden. die gegend im süden sollte auch ganz schön sein (blankenstein, rennsteigbeginn usw.)

    Dort links übers Gleis, ca. 20m halb links hoch und schon stehst Du auf der Fortsetzung des Weges, welcher nun auch wieder durchgehend befahrbar ist.

    genau auf den weg kam ich dann auch. nur fuhr ich ihn bergab, da ich noch auf die burg wollte. in meiner karte war er (glaube ich) nicht verzeichnet.

  • Es gibt kein schlechtes Wetter. Nicht war Carl?

    Ich weiss gar nicht was Du meinst. Die einzige Sorge die ich hatte, war dass Du es rechtzeitig zum Grillen schaffst und ob meine Bremsen noch lauter quietschen können.

    @bigfoot: Schöner Bericht ich werde jetzt mal ganz arg mit mir ins Gericht gehen, was den nächsten Harzsturm angeht.

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