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Vatten-Rein-Fall Cyclassics 2007

Ort: “An der Alster”, Zeit So. 19.06.2007 07:54Uhr
Der Frosch schaut genervt auf den kleinen Stadtplan, weil er mal wieder keine Ahnung hat, wie er sich in die Startaufstellung finden soll.
Aaaaja, Steintorwall da lang…
… und OOOOOhhhNEINNNNN! Start ab 0804. Stand in meinen Unterlagen nicht 0830? Kann ich gleich umdrehen und heimfahren.
Kurzer Sprint zur Vorbelastung und Startblock erreicht. Hintenanstellen, feststellen, das ist noch Block B, wieder raus, ein Block nach vorn, der Starter zaehlt den Countdown, schnell noch alle Zaehler nullen und dann das lange Warten bis sich die 500 Mann vor mir in Bewegung gesetzt haben.

Wie bin ich bloss hier her gekommen. Nachdem gestern in Hannover eigentlich alles recht gut gelaufen ist. Zwar auch ein Kurs flach wie ein Billardtisch,bis auf den kleinen Huegel zum Marienburger Schloss, den ich hochgeschnurrt bin wie ein Moped. Zum Schluss bin ich gegen meine Gewohnheit richtig weit nach vorn gefahren, man will sich schliesslich nicht von den beiden Maedels* ueberholen lassen, die dort vorn immer mitrollen, und auch beim Zielspurt habe ich zugesehen, das ich nicht durchgereicht werde. Das bracht am Ende einen schoenen 23** Platz in der Gesamtwertung und Platz 7 in der AK ein. Allzusehr weh getan habe ich mir bei der Aktion auch nicht. Teilweise sind wir mit Kompensationspuls rumgerollt. Die beiden Damen haben derweilen munter miteinander geschnattert, Gott koennen die nicht wenigstens hier mal…

Nach dem Rennen ins Auto, mit dem Auto in den Stau und mit dem Stau nach Hamburg.
Am Freitag hatte mich FrenkHenk anger ufen, wg. gemeinsamer Abholung der Startunterlagen. Leider hatte ich gerade dieses Handy zuhause vergessen. Der geuebte Neurotiker hat zwar noch zwei Reservegeraete am Mann, aber die Nummer musste Mutter erst aus der Anrufliste raussuchen: “Aus welchem Telefon?” “Da liegt doch nur eins, Mutti.” “Hier liegen zwei. Eins mit einem Gummi drum und eins was unten so rund ist.” “Das runde Mutti, das andere ist ein Fahrradtacho (Edge).” 😉

Bei der Akkreditierung dann der naechste Hieb: Startblock M. ??? Gluecklicherweise war der Doc gerade vor Ort – Beste Gruesse an den Kader darf ich uebermitteln – und ich kriegte ein A auf die Nummer geklebt.
Nachtquartier in der besenreinen Wohnung meines Cousins bezogen. Muttis Nudeln verspachtelt. Notebook kann DVD nicht wiedergeben – also ohne Film, nur mit etwas Mugge sanft entschlummert.

Und nun hetzte ich hier hinter dem Feld her, um irgendwann mal in Sichtweite der Spitze zu kommen. Raus aus HH kenn man ja die Spiele. Alles eiert und kreischt bei den verfuellten Bahnschienen statt den Lenker festzuhalten wie ein Mann und da drueber zu holpern… Mit halbem Ohr hoere ich die ersten Abgaenge. Doch vorn ist das Licht.
Und rechts vor mir taucht ein ESK-Trikot auf. Ich gruesse kurz den Mitstreiter, dann habe ich wieder mit der Situation zu tun.
Ploetzlich reisst es direkt vor mir zwei Fahrer zu Boden. Vollbremsung, links ausweichen, kurzer Antritt, vergessen. Ortdurchfahrt, Sturz-Sturz-Gerufe, Stau, Ausweichen aufs Trottoir, und mit schoenem Platzgewinn ueber die Bordsteinkante wieder ins Feld.
Bei km 50 dann die angekuendigte Fahrbahneinengung. Hier gehen geordnet nur zwei Fahrer parallel durch. Das Feld ziiieeehhhht sich sowas von in die Laenge… Aber nach etwas Aufholarbeit ist doch wieder alles beisammen.
Weiter geht es mit den Zwischenspielchen von Bremsen und Antreten – man glaubt garnicht, wie zig RR-Reifen bei Vollbremsung stinken koennen.
Der Schnitt liegt wie immer irgendwo jenseits der 40er Marke und es wird auch ein wenig huegeliger, allerdings nichts bedenkliches. Trotzdem habe ich nach ca. 1:30h das Gefuehl das die Beine etwas knetig gehen. Doch der Tribut an das Samstagsrennen? Ich schiebe mir einen halben Riegel rein, hilft aber nur wenig. Also die zweite Haelfte hinterher. Nach 5min dann das boese Erwachen. Nicht die Kraft in den Beinen fehlt, sondern die Luft im Pneu. Mit einigem Geschaukel vermeldet das Hinterrad den Druckverlust. Ein Blick nach unten verschafft letzte Gewissheit. Aus die Maus. Ich hebe den Arm und entwirre mich, einen letzte Blick auf die enteilende Spitze werfend aus dem Peloton.
Erste Diagnose: Schleichender Plattfuss. Das ESK-Mobil ist gerade nicht zur Stelle und der letzte Service liegt schon seit 20 km hinter uns.
Die naechsten 5 Minuten verbringe ich redlich gefrustet auf einem Findling sitzend am Rande der Strasse und schaue den vorbeiziehenden Gruppen zu.
Da sich keine Hilfe findet (Ersatzschlauch und Pumpe habe ich selbsverstaendlich nicht dabei) und der Reifen nun doch noch nicht alle Luft verloren hat, beschliesse ich meine Fahrt in Richtung Hamburg vorsichtig fortzusetzen, in der Hoffnung vielleicht doch irgendwo Hilfe zu finden.
Lange Rede kurzer Sinn nach 30km rumgeeiere erreiche ich das 100km Ziel und gehe einen sehenswerten Sprint hinlegend aus dem Rennen.
Ich entledige mich des Transponders und empfange “voller Stolz” den Orden fuer heldenhafte Teilnahme an den VC2007.
Im Servicepunkt pumpe ich Luft nach (inzwischen irgendwo bei ca. 1,5bar angekommen), ich muss ja schliesslich auch noch mein Auto erreichen. Meinen ersten Frust darf ich einem Bekannten vom Team Eldorado Nordhausen klagen, der mir zufaellig unter den 1000en Leuten ueber den Weg laeuft.

btw: Der Reifen hat bis heute die 8bar gehalten, die ich am Service draufgepumpt habe. Vermutlich hat das Ventil eine Macke und war den Belastungen des tw. heftigen Rumgeholper nicht gewachsen.

Schade, dass durch diesen etwas betrueblichen Sonntag das gute Ergebnis von Hannover eigentlich etwas in den Hintegrund tritt. Aber ein oder auch zwei Hefe (mit) werden die Relationen schon richten. Die Zeit sowieso.

Ciao
Der Frosch – irgendwie reicht das ewige Renngefahre langsam*
C.

*hier klicken zu Online-Anmeldung…
**Wenn die die Listen noch weiter korrigieren, wird das auch nicht besser.

7 Kommentare

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  • Super Chubi, auch wenn es diesmal nicht ganz nach Plan lief. Aber Dein Ergebnis vom Samstag ist aller Ehren wert, wie stehst Du eigentlich in der Gesamtwertung da?!?

  • Chubi, es hat eben nicht sollen sein. Wer weiß, vielleicht hätte Dich im späteren Verlauf des Gemetzels einer der Tausend Stürze ereilt. So ist es allemal besser.

    Da ich für die kommenden Jahre auf Dich als ein verläßliches Zugpferd während all dieser Radtourren mit Zeitmessung nicht verzichten möchte, verbiete ich Dir hier offiziell die Teilnahme an solchen Massen-Flachland-Suizidveranstaltungen. Ich – und nicht zuletzt der ESK – brauche Dich noch!

    Sport frei!

  • Ach herrlich. Danke chubi, dass ich, wie nannte Ackebua die Cyclassics doch so schön, die “Massen-Flachland-Suizidveranstaltung” nochmal durchleben durfte. Ich habe auch zum ersten Mal das Phänomen erleben dürfen, wie nach der Vollbremsung einer Bergamont-Fahrerin (die hatte Haare auf den Zähnen), eine kleine Rauchwolke aufstieg und es bestialisch nach Gummi stank…

  • Noch ein kleines Detail:
    Den Reifensatz Conti GP4000 habe ich dieses Jahr frisch aufgezogen und bin damit nur die drei Flachetappen NSC, Edeka und Cyclassics gefahren, nebst ca. 100km WarmUp/CoolDown. Also alles in allem ca. 450km.
    Mit dem Hinterrad kann ich jetzt vor lauter Bremsplatten locker ne Treppe rauf fahren. Fuehlt sich selbst auf feinstem Asphalt an wie Paris-Roubaix.

    Ciao
    Der Frosch
    C.

  • Chubi,

    ich kann es dir nachfühlen, dass Deine Stimmung erstmal am Boden war. Ich kabnn Dir aber nicht ersparen, Dich zu rügen. Ein Schlauch und ein Gasdrucklader sind bei derartigen Rennen kein überflüssiger Luxus- Du hättest 3 Minuten verloren und noch ein Topresultat eingefahren.

    Nun ja, beim nächsten Rennen wirst Du wieder erbarmungslos reinhalten und ohne Schleicher in die Top 10 fahren!

  • Danke für diese getreue Schilderung des Rennverlaufs! Mir zog förmlich der Gummigestank in die Nase und ich konnte mich wieder gut an die drei, vier unmittelbar miterlebten Stürze der letztjährigen Cyclassics erinnern. Den vierten nahm ich nur als intensives Geschepper wahr, wußte ich doch zunächst nicht, das sich Acke mit seinem Instrument an dem Klangwunder eifrig beteiligte. Schön dass du verschont wurdest und es schliesslich “nur” das verpatzte Ergebnis zu beklagen gibt. Trotzdem und nochmals – vielen Dank für den tollen Bericht! Bis bald… menis

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