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Vom Radfahrer zum Randonneur oder erste Schritte auf dem Weg nach “Paris – Brest – Paris” (erster Teil)

– Ein Bericht von Staubi (Teil 1/3) –

Ich weiß nicht mehr genau wann und vor allen Dingen nicht warum ich an diesem Donnerstag im Oktober des Jahres 2006 ans Telefon ging. Am anderen Ende der Leitung stammelte der “Große Menis” irgendetwas von Radfahren am Samstag und böse Worte wie “Mannschaftszeitfahren” und “Rennen” fielen. Mein Ruhepuls schnellte sofort auf angemessene 115 Schläge pro Minute und langsam wurde mir klar, dass es sich an diesem Donnerstag im Oktober nicht um einen Aprilscherz handeln konnte.

Mein Gegenüber fragte mich allen ernstes, ob ich Ihn am Samstag bei dem legendären Mannschaftszeitfahren von Hamburg nach Berlin begleiten wolle. Ein echter Hammer-Aufschlag den er mir da über´s Netz drosch, doch sofort setzte ich den Konter mit der Frage, wer denn noch so alles dabei ist, ist ja schließlich ein Mannschaftszeitfahren usw., ich wollte halt elegant aus dieser Sache raus nach dem Motto: “Ach, dann seid Ihr ja schon `ne schlagkräftige Truppe und ich habe eh zu viel zu tun und ich will den Schnitt ja auch nicht drücken und überhaupt.”

Dann kam der unerbittliche Return: “Wir wären dann zu zweit!” Das saß und ich stammelte nur noch was von durch den Kopf gehen lassen und später melden…

Der Tag war natürlich arbeitstechnisch nicht mehr zu retten. Der Puls blieb konstant auf über 100 Schläge und mir wurde von Minute zu Minute immer klarer, dass ich Ihn nicht alleine werde fahren lassen.
Am Abend dann die Zusage und Klärung extrem wichtiger Dinge: Wir müssen irgendwie nach Hamburg kommen. Wer den “Großen Menis” und auch meine Wenigkeit ein wenig kennt, der weiß, wie sicher und routiniert wir im Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind. So wurde kurzerhand beschlossen, wir nehmen den Linienbus nach Hamburg und damit wir uns nicht gegenseitig nervöser machen als wir schon sind, beschlossen wir eine getrennte Anreise.
Menis nimmt den Bus um 17:00 und ich werde seinem Weg um 18:00 folgen.

16:45 Uhr, ich gerade in der Apotheke, klingelt das Telefon und Menis gibt die Warnung durch, dass sein Bus schon um 16:40 Uhr abgefahren sei und fragt, ob das bei den Linienbussen normal sei. Ich war auf jeden Fall gewarnt und beschloss, auch ein wenig früher am ZOB aufzuschlagen.

Zu diesem Zeitpunkt galt zumindest meine Hauptsorge dem sicheren Transport meines Zweirades der belgischen Radsportschmiede Merckx nach Hamburg und so beschloss ich kurzerhand den Freund anzurufen, der schon irgendwo zwischen Berlin und Hamburg unterwegs war. Er konnte mich zumindest ein wenig beruhigen, trotzdem kramte ich ein wenig Bestechungsgeld für den Schaffner hervor mit dem festen Vorsatz, es Ihm in die Hand zu drücken, sollte er einen dieser schweren 25 Kg Koffer auf mein Fahrrad…es tut mir leid, aber ich kann diesen Gedanken nicht zu Ende denken.

Pünktlich um 17:00 am Vorabend des Rennens brach mein Bus Richtung Hamburg auf. Die Fahrt sollte über drei Stunden dauern und so hatte ich alle Zeit der Welt, mich von Minute zu Minute schlechter zu fühlen. Der Hals schmerzte, die Nase lief und mir wurde zum ersten Mal so richtig bewusst, worauf ich mich da eingelassen habe. 275 geschmeidige Kilometer von Hamburg nach Berlin warteten auf mich, an meiner Seite eine lebende Legende….

Freitag 21:10 Uhr ZOB- Hamburg: Die Mannschaft des ESK ist durch meine Ankunft nun vollzählig. Mir wird durch Norbert, einer der besten ESK-Betreuer überhaupt, und Menis ein herzlicher Empfang bereitet und sofort wird mein “Eddy” aus der Müllpresse des Linienbusses geholt und in den Mannschaftswagen verfrachtet. So, dachte ich bei mir, das gröbste ist für heute geschafft und jetzt gehen wir zum gemütlichen Teil des Abends über. Was wir dann auch Taten:

Norbert die gute Seele sorgte für ein wenig Entspannung in angenehmer bayrischer Atmosphäre. Es wurde Bier getrunken und das Tagesziel für den morgigen Tag festgelegt.

Mit fortschreitendem Abend kam so etwas wie Optimismus auf und wir gingen dann auch nach alter Väter Sitte zufrieden und satt weit nach Mitternacht ins Bett um dann in aller herrgottsfrühe von Hamburg nach Berlin zu fahren.
Hier noch ein Schnappschuss aus dem Mannschaftsquatier am Vorabend des Rennens. Es war wie üblich das reinste Schlaraffenland. Auch die von mir mittlerweile favorisierten “polnischen Tropfen” sorgten für eine angenehme Nachtruhe….

Morgens um 5:00 am Tag des Rennens klingelte dann gnadenlos der Wecker. Die Zeit war knapp bemessen und wir mussten uns mit allem sehr beeilen, hatten wir doch von jetzt an genau eine Stunde bis zur Abfahrt mit dem Mannschaftswagen. Die offizielle Startzeit von Team Eisenschweinkader I ist 7:04 Uhr. Hier eine morgendliche Impression:

Schnell wurde gewaschen, gecremt, angezogen, bisschen Müsli reingewürgt, Kaffe getrunken, noch mal 15 “polnische Tropfen” eingenommen , die Trinkflaschen gefüllt (ich ergänze noch mit einer Prise Salz) und das ganze Geraffel in den Trikot-Taschen zum 25x sortiert. Jetzt noch auf Toilette und alles wird gut….wie sooft: nix wird gut! Punkt 6:00 schmeißt Norbert den Diesel an und wir brechen zum Startort Geesthacht auf. Die Straßen sind wie leergefegt und wir kommen gut voran. Die Luft im Teambus ist zum schneiden, die professionelle Anspannung wächst von Minute zu Minute. Der Zeiger der Uhr steht schon auf 6:30 Uhr und wir sind immer noch nicht im Zielgebiet. Dann ein Schild Geesthacht 10 Km. Jetzt nur nicht nervös werden, denke ich so bei mir und schaue mich um.

Menis kämpft genauso wie ich mit seinem Margen-Darmtrakt. Das Gemisch ist mittlerweile so “explosiv” das Norbert, unser treuer Betreuer, mehrmals fluchtartig das fahrende Fahrzeug verlassen will. Nur mit großer Mühe können wir ihn überreden weiter seine Pflicht zu tun.

Dann endlich befinden wir uns auf einer Landstrasse und die ersten Teams kommen uns entgegen. Leuchtende Perlenketten in der Dunkelheit. Ein wirklich toller Anblick. Sofort bin ich hellwach und will endlich am Start stehen und losfahren. Da, die nächste Perlenkette kommt….wieder 4 oder 5 Fahrer. Ich denke noch so, was wir für eine armselige Perlenkette sind und dann sind wir endlich da. Wir haben noch so 15 Minuten für unsere Anmeldung und den ganzen Orga-Kram. Die Zeit vergeht im Flug und als das folgende Foto von Nobby_Nob entstand, war es genau 7:03 Uhr!

Zum vorletzten Teil: KLICK

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13 Kommentare

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  • Ich fordere die ESK-interne Vergesellschaftung der “Polnischen Tropfen” und des “Fiesen Pulvers”! Schöner Bericht – jetzt aber nicht wieder 14 Tage Pause…, bitte, bitte, bitte!

    Boerge

  • Da fängt nen Sonntag Morgen doch klasse an.
    Das motiviert gleich auch mal auf den Bock zu steigen, um mental dieselbe Strecke zu fahren und dann glücklich nach 35 km wieder zu Hause zu sein, weil die Form nicht mehr hergibt.

  • Na, dann werde ich wohl mal heute die Strecke von Hamburg nach Geesthacht an der Elbe abradeln, und so Eure Tour aus ESK-Sicht auf eine dem Namen entsprechende Strecke vervollständigen… 😉

  • Staubi, Du weißt was die Schwuckenfraktion lesen will. Im Tourenforum habe ich schon die ersten Beiträge gelesen in denen Bezugsquellen für die “Polnischen Tropfen” gesucht werden. Neben der Sitzcreme wird das wahrscheinlich der 2. große Verkaufsschlager im ESK Shop.
    Bin schon auf Teil 2. gespannt – Ganz großes Kino!

  • Mein lieber Staubi,
    ich durfte ja bereits Euer gesamtes Abenteuer wahrheitsgetreu von Menis erlauschen, und ich muß sagen, daß Ihr beide meine vollste Hochachtung verdient. Ein sauberer Schnitt bei schlechten Windverhältnissen gepaart mit forscher Fahrweise eines wahren Roulleus Staubi! Ehrlich gesagt hätte ich das nicht für möglich gehalten, nicht so! Staubi, Du überraschst mich ja nun nicht erst zum ertsen Mal, und so darf ich gespannt auf die noch folgenden Ausfahrten mit Dir sein, und hoffentlich wird das nicht erst in Malle sein.
    Nun aber weiter mit der Fortsetzung!

  • Staubi, sei so nett und schicke mir gleich mal die Fortsetzung, ok? Ich war zwar dabei, aber wenn ich deinen Bericht lese, dann erlebe ich diese wunderbare Veranstaltung noch einmal! Mir ist allerdings dein roter Maikäferhelm (siehe letztes Bild) während der Fahrt garnicht so aufgefallen… menis

  • Tut mir Leid, Leute!
    Ich bemühe mich und tue mein Bestes (trotz super viel Arbeit und schwerster Erkältung).
    Ihr könnt ja wenigstens einmal in Euren Leben nicht so ein ungeduldiger Haufen sein, nur ein einziges Mal…..

    Gruß Staubi

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