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Sudeten-Cross mit Skiern – eine Tour in 11 Etappen

Montag, 06.03. – 9. Etappe: Jodlow – Paprsek Bouda

Die Königsetappe des Treks: ‘Endlich wieder Tschechien’ oder ‘Ein harter Tag, eine harte Nacht’

Das Frühstück war so umwerfend wie das Abendessen, doch noch mehr mitverantwortlich für unsere gute Laune war das Wetter: Sonnenschein pur. Und das war heute auch von Nöten, wie sich noch zeigen sollte. Direkt hinter unserer Pension (800m ü.NN) ging es auf einem breitem, verschneiten Fahrweg in den tiefen aber lichtdurchfluteten Wald.

Wir folgten dem blauen Weg, welcher hier noch gut markiert war, um einige Bergrücken leicht bergan. Auf den ersten Metern war noch eine Spur vorhanden. Diese zweigte jedoch recht bald gen Tal ab, sodass wir wiedereinmal durch tiefen frsichen Schnee schritten. Nach zwei oder drei Kilometern stießen wir auf eine verwirrende Wegkreuzung: Unser blauer Weg ging links ab, weiter geradeaus ging ein gelb markierter Wanderweg. Zudem waren an dieser Kreuzung unstimmige Wegweiser, welche sowohl in Richtung als auch in Ziel und Entfernungsangabe offensichtlich falsch waren. Obwohl uns theoretisch der Blaue zum Gipfel führen sollte, wählten wir den Gelben, weil er richtungsmäßig besser passte, breiter war und wir damit rechneten, dass er weniger steil bergauf ging. Ein dummer Fehler, Kartenlesen sollte gelernt sein. Wir gingen also den gelben einige Zeit bergan, bis wir den Kamm und damit die Grenze nach Tschechien erreichten. Um unsere geplante Richtung fortzusetzen mussten wir an dieser Stelle auf den grünen Kammweg abzweigen – und dieser ging sogleich steil bergauf.

Unter großen Anstregungen setzen wir einen Ski vor den anderen. Nur langsam kamen wir durch den tiefen Schnee bergan. Doch auch diese Hürde wurde gemeistert und auf einem kleinen Felsvorsprung…

…konnten wir den ersten, grandiosen Ausblick auf die polnischen Niederungen zwischen Glatzer Schneeberg und Adlergebirge (sich rechts im Bildhintergrund fortsetzend) werfen.

Wir folgten den Kammweg über die immer spärlicher bewaldeten Höhen. Doch es wechselten sich immer wieder freie Flächen mit Flächen mit dichtem Baumbestand ab. Nachdem wir eine weitere Anhöhe erklommen, standen wir vor einem Meer aus Tannen, der Wegverlauf war nicht mehr erkenntlich, keine Markierung weit und breit. Die vor uns liegende Bergkuppe wurde als Kleiner Schneeberg (1137m) identifiziert. Wir beschlossen, die Kuppe unterhalb auf der linken Seite zu umgehen. Querfeldein stießen wir durch den Wald, uns grob am Gelände orientierend. Wir kamen abermals nur langsam vorran. Nach einiger Zeit des Laufens kreuz und quer durch den mal offenen, mal dichteren Wald verloren wir etwas unseren Richtungssinn. Da es leicht bergab ging, dachten wir, nun bald den Sattel zwischen Kleinen und Großen Schneeberg und damit die erste Hütte zu erreichen. Aber stattdessen standen wir irgendwann an einem tiefen, steilen Taleinschnitt und konnten durch die Bäume die Sneznik-Baude auf der anderen Talseite ausmachen. Wir waren schier verzweifelt! Also wieder zurück, wieder etwas bergauf und weiter gen Osten. Nachdem wir die Karte mit dem Relief verglichen, konnten wir den gesuchten Sattel im Gelände erkennen. Und wirklich trafen wir kurz später auf den grünen Kammweg und dann auch noch auf den blauen Weg von heute morgen. Doch so schnell wie wir die beiden nun deckungsgleich bis zur Baude verlaufenden Wege gefunden hatten, waren sie auch schon wieder weg. Also schlugen wir die Richtung ein, in der wir die Baude vermuteten, ohne jedoch zuviel Höhe zu verlieren. Und siehe da: wenig später entdeckten wir die Baude sowie eine alte Spur von Skicampern, welche direkt dorthin zu führen schien. Wir waren ungemein erleichtert.

In der Baude trafen wir auch auf einige Fußgänger, die den direkten Weg aus Miezygorze hier herauf kamen. In der einfach, ursprünglichen Hütte kauften wir uns von unseren letzten Sloty zunächst eine Borscht-Suppe und aßen unsere mitgebrachten Stullen. Wir konnten uns Glück, doch noch die Hütte erreicht zu haben, kaum glauben. Bei schlechtem Wetter oder gar Nebel hätten wir uns hilflos verlaufen, hätten wir nicht den Mü einer Chance gehabt. Aber trotzdem überlegten wir, wie weiter zu verfahren sei. Bis zur Paprsek, unserem Tagesziel, wären es noch deutlich über 20km, über den Großen Schneeberg wohlgemerkt – und es war bereits halb zwei! Doch wir verwarfen die Idee in dieser Baude zu bleiben und machten uns mutig in den Anstieg hinauf auf den Berg.
Von der Baude auf gut 1200m Höhe ging es nocheinmal steile 200hm bergauf. Doch die letzten Meter der eher flachen, komplett baumlosen Kuppe (1423m) waren fast eben. Das 360°-Panorama über den flachen Berg in alle Richtungen war einmalig. In unserem Rücken lag der Kamm des Schneegebirges, den wir zuvor mehr oder weniger entlanggelaufen waren. Weiter gen Westen sah man auf die Talebene von Glatz (Klodzka) und das dahinterliegende Adlergebirge, das wir einige Tage zuvor abgelaufen waren. Gen Norden schlossen sich weitere Bergketten und Hügelländer an, die unsere Aufmerksam weckten, da wir sie kaum kannten. Und gen Osten zeichnete sich am Horizont der Altvater ab. Diesen Gebirgszug wollten wir ja am kommenden Tag ablaufen. Doch zunächst freuten wir uns endlich wieder tschechischen Boden unter den Füßen zu haben, denn von nun an gab es wieder vernünftig ausgeschilderte Wege.


Im Hintergrund das Altvatergebirge

Direkt von der Anhöhung der Kuppe ging es einige hundert Meter hinab zu einer Stelle, wo einstmals eine große Baude uns ein Ausflugsturm standen. Zu diesen Zeiten, Anfangs des 20. Jh’s., muss hier oben touristentechnisch die Hölle losgewesen sein – unvorstellbar, wo diese Ecke doch sehr abgelegen ist. Heute steht dort nurnoch die Skulptur eines kleinen Elefanten.

Von hier an sollte es zunächst knapp 500hm bergab gehen. Die Abfahrt war stellen weise ungemein steil und sehr schnell. Entweder ging es kurvig durch den Wald oder auf langen Zickzacklinien den Hang hinunter. Oftmals wurde ich so schnell, dass ich mich notgedrungen auf den Arsch warf, mich aber nach dem Abbremsen sofort wieder aufrichtete und so ohne Anhalten weiter runter rauschen konnte. An einer Stelle hätten wir uns doch fast wieder verfranst, da wir den falschen Abzweig nahmen. Doch wir bemerkten den Fehler zum Glück (dank Vadders Eingabe) und konnten den richtigen Weg weiter verfolgen. Außerdem wäre beinahe der Stock von meiner Vater gebrochen, als der große Bernhardiner von zwei anderen Skitouristen auf der Suche nach ihren vornweglaufenden Herrchen von hinten in der Skispur angerannt kam, meinen Vater nur knapp verpasste, dafür aber voll gegen seinen Skistock demmelte. Provisorisches gradebiegen war angesagt.

Die folgenden Kilometer nach der langen Abfahrt gingen fast auf gleicher Höhe immer am Hang entlang. Dabei machte der Weg einen großen Bogen gen Norden. Dieser Weg schien kein Ende zu nehmen. Kilometer um Kilometer wurde unter den Skiern zurückgelassen. Immer parallel zur polnischen Grenze schlug der Weg einen Haken nach dem anderen. Bald fing es an zu dämmern. Kein Ort, kein Dorf, kein Haus, kein Gastwirtschaft kreuzte unseren einsamen Weg, nichtmal andere Skiläufer begegneten uns. Dafür war die Landschaft in ein weiches, rotes Licht der untergehenden Sonne getaucht.

Bald, wir hatten unsere letzten Riegelreserven schon längst aufgebraucht, versank die Sonne hinter den Bergen und es begann zu dunkeln. Doch noch immer waren merh als fünf Kilometer zu laufen. Der breite Weg war zu einem Pfad geworden und schlängelte sich am Hang durchs Unterholz. Immerwieder mussten wir die Skier abschallen, um über umgestürzte Bäume zu klettern. Und so langsam wurde es richtig finster. Als wir schon kaum mehr etwas sahen, erreichten wir ein kleines Haus und einen Fahrweg. Wir identifizerten den Fahrweg als jenen, der auch zu der abgelegenen Paprsek-Baude führt. Nun war es nciht mehr weit. Mit letzten Kräften kämpften uns den leicht ansteigenden Weg entlang. Mittlerweile stand der Vollmond hoch am Sternenhimmel, wodurch ein minimales Licht durch die Bäume drang. Die zwei letzten Kilometer zur Hütte gingen insgesamt nocheinmal 150hm bergauf und wollten kaum enden. Wir schleppten uns mühsam vorran. Doch dann schimmerte schon das Licht der Baude durch den Wald, wir waren da!

Aber was für ein Ärger: der Parkplatz stand voller Autos! Wir wollten garkeinen Gedanken daran verschwenden, was denn sein würde, wenn die Hütte voll belegt wäre. Wir ließen die Skier draußen und gingen in den Gastraum. Überraschte Augen musterten uns. Wir waren total kaputt und hungrig, was man uns wohl auch ansah. Doch erst nach einigen Minuten schenkte uns der Wirt seine Aufmerksamkeit. Wir fragten nach einem Zimmer. Antwort: Augendrehen. Der Wirt verschwand mit einer nichtssagenden Handbewegung. Einige Minuten später, wir standen noch immer wie dumm im Gastraum rum, kam die Cheffin daher und meinte freundlich, es wäre kein Zimmer mehr frei. Innerlich sackte ich zusammen. Unmöglich! Kann nicht sein. Ich ärgerte mich: Warum verdammt, warum haben diese abgelegenen Hütten in Tschechien keine Notunterkünfte wie die Hütten in den Alpen? Kann doch nicht sein.
Die Frau bot uns an, im Billiardraum im Keller schlafen zu können. Wir stimmtem zu, etwas anderes blieb ja nicht übrig. Sie fragte uns noch, ob wir Schlafsäcke hätten. Obwohl wir keine hatten, sagten wir ja, da wir dachten, bei einer Verneinung nicht dort unten schlafen zu können und rausgeschmissen zu werden. Nachdem wir in der Sauna duschen konnten aßen wir zu abend (lecker!) und tranken nicht wenig Bier und einen Becherovka auf das Überstandene. Dann begaben wir uns in den Keller. In Ermangelung an Matrazen, Decken u.ä. legte ich mich auf den nackten Boden. Vater machte es sich in einem ostigen Holzsessel “bequem”. Auf dem Boden schlafen geht ja noch, aber Schlafen ohne Bettdecke geht irgendwie sogut wie garnicht. Irgendwann nickte ich weg, doch nicht sehr tief, immerwieder wachte ich auf. Auch Vadder machte sogut wie kein Auge zu. Es war unbequem und kalt. Was für eine Strecke hatten wir hinter uns gelassen, mit was für Schwierigkeiten gekämpft, was für Glück gehabt (Wetter). Wir waren fertig.

Daten: gute 30km, 1070hm bergauf, 860hm bergab, ca. 8,5h Laufzeit
Route: Jodlow – blauer Weg – gelber Weg – grüner Weg – Schronisko Sneznik (Baude) – Kralicky Sneznik (Großer Schneeberg) – roter Weg über U Kaplicky – Kuncicka Hora – Rozova zur Paprsek Bouda

6 Kommentare

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  • Endlich hast Du es geschafft, Deine Reiseabenteuer hier zu veröffentlichen. Ich musste mir gestern schon anhören, hier würden nur noch Rennberichte gepostet. Danke Rob.

  • Robsen, alter Schneehase, mich würde die Sache doch eher im Winter und dann auf Skiern locken. Wirklich klasse!

    @Jockel: Buxe wieder ganz… 😉

  • danke danke.
    wenn wir nächsten winter eine tour unternehmen, dann wird es sicher nicht eine so lange werden, da ich dann mit meiner siplomarbeit beschäftigt sein werde.

    was ich aber viel interessanter fände, wäre eine skihüttentour im kreise des esk über ein langes wochenende im kommenden januar/februar. das würde sich aber aufgrund der unsicheren schneeverhältnisse eher spontan ergeben. ich weiß aber, dass einige kader auch langlaufskier ihr eigen nennen.

    rob

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