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Schwuppen bei “Rund um das Main-Taunus-Zentrum” und “Der Flug des Schwans oder ESK stürmt durch den Taunus”

Wieder ist der 1. Mai ohne nennenswerte Randale und Ausschreitungen an der Mainmetropole vorbeigegangen. Besucher aus aller Herren Länder waren vor Ort, um sich entweder als Zuschauer oder sportlich Mitwirkende zu beteiligen. Eine kleine Selektion der ESK-Schmalspurfraktion gab sich bei Eule in Bockenheim ein Stelldichein.

Ackebuas lesenswerte Ergänzung “Der Flug des Schwans oder ESK stürmt durch den Taunus” wurde, um die Übersichtlichkeit zu wahren, hier als 2. Teil angehängt.
Neu: Auch Chubika hat eine lesenswerte Zusammenfassung der Ereignisse aus Sicht eines Siegfahrers begesteuert: Teil 3

Wieder ist der 1. Mai ohne nennenswerte Randale und Ausschreitungen an der Mainmetropole vorbeigegangen. Besucher aus aller Herren Länder waren vor Ort, um sich entweder als Zuschauer oder sportlich Mitwirkende zu beteiligen. Eine kleine Selektion der ESK-Schmalspurfraktion gab sich bei Eule in Bockenheim ein Stelldichein, OnkelW und der Landmann Acke aus Berlinsen, hinzu kam noch der im Rheingau einquartierte Chubika.

Bereits Samstag Mittag schlugen die zwei Bärliner bei mir auf, um die nötigen Vorbereitungen in Angriff zu nehmen. Der eine mehr, der andere weniger Gewissenhaft begannen wir damit. Abends mußte dann erstmal das Endspiel im DFB-Pokal zu meiner Unterhaltung angeschaut werden. Mehr oder weniger alkoholisiert gingen wir dann pennen, am Sonntag dann ausschlafen, ausgiebig frühstücken und anschließend Strecke besichtigen. Es hatte sich zum Teil etwas geändert, selbst ich fand mich nicht ganz zurecht bei der Streckensuche. Mit der Gewißheit, das die Strecke im Vergleich zum Vorjahr nicht nur länger, sondern auch schwerer gemacht wurde, konnte ich meine Zweifel mein Knie betreffend nicht ganz ausblenden. Ich gab mich jedoch nach außen mehr oder weniger gelassen, lief es doch letzte Woche in Göttingen auch nicht schlecht.

Am Nachmittag radelten wir dann zur Startnummernausgabe und trafen dort auf Chubika und den MTB-News Forumsmod Manitou (Schönen Gruß an Rikman (wer?) und die anderen Modnasen!). Kurzer Schnack über Rennen, Erfolge, Taktik, Wetter und Strecken und anschließend wieder zurück ins warme Bockenheim. Die Temperaturen und das Wetter hatten am Sonntag wirklich dramatisch nachgelassen. Schauer und Temps um 7°C zeigten ein gänzlich anderes Gesicht als im Vorjahr, als man sich eher Sorge um den Sonnenschutzfaktor machen mußte. Abends gabs dann noch die obligatorischen Nudeln und ein Gutenacht-Bier, ich fiel jedenfalls zeitig um 2200 ins Bett. Vorbelastung ist Gift für mich, einmal und nie wieder, dazu später mehr.

Naja, der Montag Morgen war gekommen und das Wetter war zumindest was die Temperaturen besser als am Vortag. Bereits mit 9° wurde ich auf dem Balkon begrüßt, na dann kurz oder?!? Ich entschied mich fürs 3/4 Beinkleid, warmes Unterhemd, Kurztrikot, Weste und Armlinge, zwei paar Socken, Überschuhe und lange Handschuhe. Gegen 830 brachen wir dann auf, um eine halbe Stunde später am heimeligen Einkaufszentrum vor den Toren der Stadt aufzuschlagen. Unser Supportteam bestehend aus Theresia, Mischifix und Cratoni war bereits vor Ort und nahm allerlei Krimskrams von uns in Verwahrung. Die Weste konnte ich mir nun doch sparen, sicherheitshalber packte ich sie mal in die Trikottasche.

Jetzt waren es auch nur noch ein paar Minuten bis zum Start, Nervostität wollte sich nicht breitmachen, im nachhinein deute ich dies als mangelnde Anspannung und werte es definitiv als negativ. Alle beisammen erwarteten wir die letzten Sekunden vor dem Start, als es endlich losging und sich das Feld von ca.2500 Leuten in Bewegung setzte. 100km und 65km Fahrer/innen waren zusammen gestarten worden, nur die Flachfahrer der 35km und 70km Distanzen starteten eine halbe Stunde später.

Wir standen im zweiten Block und sofort ging es zur Sache. Kaum war ich über die Transpondermatte gerollt, knallten Acke, OnkelW und Chubika los was das Zeug hält. Ich versuchte irgendwie in den Windschatten ihrer Gruppe zu kommen, doch bereits nach 1km war der Zug abgefahren, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hängte mich an die nächste Gruppe und so gings die ersten Kilometer bis Hattersheim. An der Sprintwertung war ich noch in dem Zug, aber bereits kurz nach Hofheim platzte ich auch da ab. Verdammte Kacke, was ist nur los, fragte ich mich mehrfach. Mir ging es echt bescheiden, ich hatte Magenprobleme, mein Puls war viel zu hoch und Luft bekam ich auch schlecht. Das Tempo lag bis Eppstein ständig jenseits der 40km/h und ich mußte immer wieder kleine Gruppen an mir vorbeiziehen lassen, unfähig ihnen zu folgen. Klar hätte ich zwei Schippen drauflegen können, aber ich mußte auch haushalten mit meinen Kräften bis zu den Bergen. Irgendwie schien sich das gleiche Problem wie eine Woche zuvor in Göttingen abzuzeichnen, im flachen konnte ich einfach das Tempo der anderen nicht mitgehen, am Berg dagegen überholte mich kaum einer.

Endlich waren wir in Eppstein am Fuße des sagenumwobenen Schulbergs angelangt. Kurz über die Kopfsteinpflaster Sektion drübergebimmelt und schlag rechts ging es in den Anstieg. Zunächst relativ moderat über die 5 Wellen (Let Op, drempels!) und dann in die Mauer von Eppstein. Angeblich 19% hat der etwa 200m lange Anstieg, ich hatte keine Zeit auf meinen Tacho zu schauen. Zunächst mit 39-23, dann 21 und im steilsten Stück dann 39-23 drückte ich das Ding hoch. Tja da waren sie wieder, die ganzen Leute aus den Gruppen, welche mich im Lorsbach zuvor hatten stehen lassen. Ich bahnte mir meinen Weg im Zickzack durch die teilweise schiebenden Leute, teilweise eierten sie von links nach rechts und wieder zurück. Aber auch ich war froh als die Kuppe erreicht war und es auf die nicht minder steile und gefährliche Abfahrt ging. Am Ende derer eine scharfe Linkskurve wartet und ein rechtzeitiges Abbremsen erfordert. In der Luft lag ein Duft von verbranntem Gummi und am linken Straßenrand rappelte sich gerade ein Fahrer wieder auf – sein Rad lag bereits einige Meter weiter am Fuße der Abfahrt…

Ich kam heil über die diesen Abschnitt und hatte wieder einige Plätze gutmachen können. Die nächsten Kilometer sind etwas welliger als zuvor und jeder Anstieg half mir keine Plätze und Zeit zu verlieren. Trotzdem sollte mich, die sich nach dem Schulberg wieder zusammenfindende Gruppe erneut im ebenen Stück überholen. Wann kommt endlich der nächste Anstieg? In Heftrich war es dann soweit, es ging hoch zur ersten Bergwertung nach Kröftel, bzw. Glashütten. Nun war ich in meinem Element, lange Anstiege, schnelle Abfahrten, genau das richtige. Spätestens hoch zur zweiten Bergwertung nach Ruppertshain merkte ich aber auch das bereits verschossene Pulver. Trotzdem ließ ich nicht locker und versuchte einen nach dem anderen zu überholen und nach Möglichkeit niemanden vorbei zu lassen. Auf der Abfahrt nach Schloßborn hatte ich ca. 77km/h drauf und meine Bierrollen halfen mir wenigstens einmal 😉

Bilder vom Anstieg in Ruppertshain:

In Ruppertshain hatte ich mein Motivationstief überwunden und mit Eisengeschmack im Mund knallte ich runter nach Kelkheim. Am kurzen Gegenanstieg in Fischbach rollte tatsächlich eine kleinere Gruppe zu mir auf, gemeinsam ging es weiter nach Kelkheim. Dort wartete der kleine Kopfsteinpflasteranstieg, viele der Mitfaherer/innen waren sichtlich überrascht und mußten erstmal das kleine Blatt aktivieren. Ich kannte diesen Teil und entsprechend gabs erneut einen Angriff. Die lästige Gruppe wurde zurückgelassen und ich setzte meine Aufholjagd fort. Nach Kelkheim gab es im Vergleich zum Vorjahr eine Streckenänderung. Es geht endlos lange, leicht abfallend zurück nach Frankfurt, meist über zweispurige Schnellstraßen.

Ab Fischbach waren jetzt auch die anderen Strecken mit von der Partie und es war mehr als undurchsichtig wer welche Strecke mit welchen Ambitionen fuhr. Trekkingräder, die Bonanza-Clique, Opis mit Tourenrad, alles kreuz und quer, dazwischen schnelle 65er oder 70er, Chaos. Ich führte mit zwei drei anderen einen ganzen Rattenschwanz bis nach Rödelheim. Dort wurde ich aus der Gruppe eliminiert, vielleicht eliminierte ich mich auch selbst. Zulange fuhr ich aus Sicherheitsaspekten am rechten Rand der Gruppe im Wind. Irgendwann ging dann links die Post ab und aus einem Meter wurden zwei und drei…fünf…zehn…zwanzig…fünfzig…hundert…und weg!!!

Ich kämpfte verzweifelt, ich schimpfte, ich wollte aufgeben, ich fuhr weiter, immer wieder überholte ich rote Nummern der anderen Strecke. Keiner hatte mein Tempo und von hinten kam nichts und niemand nach. So ging es dann durch meine Straße an meiner Haustür vorbei durch die Stadt. Da hatte ich was ich (nicht) wollte – mein ganz persönliches Einzelzeitfahren. Am Main entlang, rüber nach Sachsenhausen, rauf zum Zieleinlauf der Profis, durchs Wohnviertel wieder runter zum Main. Eine kruselige Streckenführung über Radwege, Kopfsteinpflaster und durch Spaziergänger-zickzack ließen mich an die Frühjahrsklassiker im flämischen denken. Dann wieder eine endlose zweispurige Schnellstraße westwärts, für einen Kilometer gab mir ein netter Fahrer der 70er Strecke Windschatten, dann platzt er jedoch ab. Mit konstant 35km/h gab ich alles, was noch da war, als neben mir ein Polizeimotorrad auftauchte. Die Polizei – Dein Freund und Helfer dachte ich mir und klemmte ich mich in den Schatten des Krads.

Bild vom Henninger Turm, mein Kumpel Nic reicht mir gerade ne Trinkflasche:

Der grüne/blaue Helfer hatte ein Einsehen und mit 38km/h zog er mich die nächsten zwei Kilometer bis endlich von hinten ein Zug angerauscht kam. Diesen wollte ich unter gar keinen Umständen verlieren und hielt mich stets unter den ersten 10. In Höchst wurde es nochmal richtig lustig, die Gruppe hatte ca. 30-40 Fahrer und jeder gab alles. Die Strecke ging über Straßenbahnschienen, ständig 90°-Rechts-links Kurven. Und sofort danach wieder Vollgas Beschleunigung auf über 40 Stukis. Hier und da ein lautes Fluchen über die Fahrweise des Vorder- oder Nebenmannes, nach und nach dezimierte sich die Gruppe dann auf etwa 20 Leute und bereits in der Anfahrt auf die letzten 500m gab es erneut ein Scharmützel hinter mir. “Du Ar$chloch!” “Ich hol Dich gleich vom Rad!” belustigt nahm ich die mangelnde Sprintkonkurenz zur Kenntnis und rollte über die letzten Meter, so ca. als 10 der Gruppe.

Im Ziel fiel ich erstmal vom Rad und mußte mich hinlegen, völlig ausgepowert kniete ich nieder und rang nach Luft. Doch die Fans waren schnell zur Stelle und halfen mir auf. Dann ging ich zu den anderen Teamkadern, welche natürlich schon im Ziel waren. Meiner Meinung nach bestimmt schon seit einer halben Stunde, geduscht beim 2. Bier. Ganz so schlimm war es dann doch nicht für mich, zum Glück wurden nur die ersten drei Fahrer eines jeden Teams gewertet! Meine Zeit hätte uns im Vergleich zu den anderen Teams auf Platz 22 zurückfallen lassen und trotzdem: ohne die Motivation fürs Team zu fahren wäre ich deutlich langsamer gewesen!

Wir rollten nach dem Erhalt der Medaille (Finisher-Präsent) zurück nach Bockenheim, verköstigten uns mit frischem Speis und Trank und sahen wie Sinkewitz und Vochte dem Feld vorauseilten. Ganz viele geile Bilder kommen bestimmt noch, Theresia hat einige von uns geschossen am Start und Ziel, mein Vater hat mich an der zweiten Bergwertung abgelichtet und Nico hat Bilder von den Profis gamacht. Nachdem wir uns dann noch den Zieleinlauf der Pros am TV angeschaut hatten, brachen die zwei Berliner zur Rückreise auf. Ein langes Wochenende im Zeichen des Radsports neigt sich dem Ende entgegen.

Vielen Dank allen Fans unterwegs an der Strecke, DANKE, es hat mir wirklich geholfen!!!
dd”eule”

39. Huettl Carsten, Allstedt 1962 Eisenschweinkader 2:36.30,2 Rückstand: 1.55,6 (1192) AK: 100/M2M 3. Schnitt: 39,104 ¦
119. Lemcke Volker, Berlin, 1971 Eisenschweinkader 2:43.26,9 Rückstand: 8.52,3 (1154) AK: 100/M1M 60. Schnitt: 37,443 ¦
160. Wittenberg Nico, Berlin, 1970 Eisenschweinkader 2:46.31,8 Rückstand: 11.57,2 (1152) AK: 100/M1M 84. Schnitt: 36,750 ¦
446. Springer Tobias, F’dorf, 1976 Eisenschweinkader 2:56.49,0 Rückstand: 22.14,4 (1153) AK: 100/M1M 219. Schnitt: 34,612 ¦

Teamwertung:
13. Eisenschweinkader 8:06.28,9
1192 Huettl Carsten Allstedt 100/M2M 2:36.30,2 3.
1154 Lemcke Volker Berlin 100/M1M 2:43.26,9 60.
1152 Wittenberg Nico Berlin 100/M1M 2:46.31,8 84.
1153 Springer Tobias Friedrichsdorf 100/M1M 2:56.49,0 219.

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darkdesigner

9 Kommentare

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  • Eule – ein großer Tag. Beim Lesen deiner Zeilen, wurde mir regelrecht “blümerant”, leichtes Vibrieren der Nerven setzte ein, ein kurzes Zucken des Augenlids durchlief mich, die Oberschenkelmuskulatur krampfte leicht – scheinbar befand sich mein Körper im Alarmzustand, bereit alles für den ESK zu geben, sich für die Mannschaftswertung zu verausgaben. Ich danke für deinen tollen Bericht und fiebere den nächsten entgegen. Bis bald… menis

  • Eule , ich glaube, die Regenerationszeit seit Göttingen war zu kurz für Dich. Ging mir im letzten Jahr ähnlich!

    Insgesamt eine hervorragende Teamleistung!!!

  • Na Ihr Säcke, wieder schön ne ruhige Kugel auf Asphalt geschoben? Naja, trotzdem herzlichen Glückwunsch, vor allem natürlich chubika, der seine grelle Hose an allen Fronten wehen läßt. Danke auch an Darki, dem alten Hinkefuß für seine dramatische Schilderung einer entspannten Radtour durch Frankfurts Problemkieze. Wir sehen uns in der Rhön, diesem Hort berghessischer Mountainbikeromantik.

  • Ja das war mal wieder eine schöne Lullerrunde durch die Hügellandschaften des niederen Taunus. Die Idylle wurde nur ab und an durch einen kurzen Stich gestört, bei dem der Puls dann mal knapp über 100 geklettert ist. Aber länger als 150 m waren die ja selten, was soll ich da sagen… Eine “Jockeltour” war ja leider nicht im Programm an diesem Wochenende, die sind viel länger, schneller und gehen direkt durch den Wald. Im Vergleich zum Rennrad kann man da die km noch mal mit 1,5 multiplizieren.
    Aber egal, so durften wir wenigstens mal mit dem Fahrrad über Frankfurts Schnellstraßen lullern. Das war zwar nicht ganz so schön wie im Taunus, vor mir fuhr da aber immer eine Blondine, die hatte einen süßen Hintern. Das ist ja schließlich auch was.
    Frankfurt hat übrigens auch sehr hübsche Radwege am Main entlang. Die sind nur ab und zu mal durch kopfsteingepflasterte Brückenunterführungen oder Löcher so groß wie das Vorderrad von Herrn Kules seinem Dirtbike gestört.
    Alles in allem eine gelungene RTF, ich habe aber leider nicht mitbekommen wer den Pokal für den ältesten Teilnehmer, die weiteste Anreise und die größte Mannschaftsbeteiligung bekommen hat.

    OnkelW

  • Ach Jungens! Was für schöne Berichte! Da tropft ja regelrecht Adrenalin aus dem Rechner. Allerdings scheint das Rennen schon einige organisatorische Lücken aufzuweisen, besonders wenn es um die Streckenführung geht. Nichtsdestotrotz – vielen Dank für eure super Berichte und auf bald… menis

  • Chubi, Du bist echt ne Granate!!!

    Auflösungen:
    – Es gab keinen Block A, bzw. waren dort die Promis. Der letztjährige Ironmansieger aus Hawaii (Farik Al-Sultan was weiß ich denn) hatte übrigens in etwa Deine Zeit.
    – Die roten Nummern nach der Streckenzusammenführung waren in der Regel die Flachstreckenfahrer der 75km langen Runde
    – Es heißt Schwalbach 😉

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