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II. ESK-Einzelzeitfahren: Enger Kampf um Platz 1

Werte Leserschaft,

ich bin so frei die von Menis verfasste Beschreibung der Ereignisse des samstäglichen Einzelzeitfahren des ESK an dieser Stelle zu veröffentlichen:

Huch?! Verschlafen!

Müsli rein, Kaffee rein, Balast raus und schnell den dicken blauen Kahn vollgepackt. Erst um 0900Uhr war ich auf der Bahn – Ziel Bernau. Am Vorabend war DHL bei mir zuhause und brachte ein heiß ersehntes Packet: Der Eddy Merckx Leader MX war endlich da. Also mußte er auch abends noch zusammen gebaut werden und – zack – war es 0230 Uhr geworden. Es ist wie ein Wahn; das Rad ist längst fertig, aber trotzdem konnte ich mich nicht lösen. Es wurde immer wieder umgedreht, aus allen Blickwinkeln betrachtet, Kopf schräg, Kopf gerade, Sattel hoch, nein – wieder etwas runter, naja – jedenfalls verstrich die liebe Zeit und jetzt hing der Eddy hinten im Bus und sollte zur Jungfernfahrt gleich beim Zeitfahren bestehen! Etwas Aufregung machte sich breit.

Auch noch Stau! Kurz vor dem Dreieck Weißensee. Irgendeiner GSX 1100 R war wohl der Motor geplatzt. Überall Öl und die Feuerwehr streute eifrig Katzenstreu aus. Die Uhr lief. Endlich – kurz vor Tempelfelde überhole ich mit Vollgas eine bunte Schar Radfahrer und hupe sie nach allen Regeln der Kunst in den verdammten Straßengraben. Können die Deppen nicht hintereinander fahren? Außerdem war da ein Radweg – glaube ich.

Kaum war der dicke Blaue geparkt, ich umgezogen und der Eddy ausgeladen, da waren die bunten Vögel auch schon weg. Warten? Nee. Also radel ich flott hinter der Meute her und versuche mich, da ortunkundig und Meiser in der Wahl des falschen Weges, nicht zu verfransen. Schon bald kommt mir Zwock entgegen, dort ist Staubi. Alles klar. Die Runde ist zum kotzen. Der Wind bläßt auf dem ersten Stück nach Grüntal von vorne rechts, ab Grüntal dann von vorn links und erst auf dem dritten Bein gibt es Wind von hinten. Nirgends geht es gerade aus, überall kleine Hügel auf deren Kuppe Gevatter Wind einem das Trikot von den Schultern reissen möchte. Nun, der Eddy liegt ganz gut in der Hand, der Griff zu den Rahmenschalthebeln darf noch geübt werden aber ansonsten stimmt Sattel- und Lenkerhöhe schon ganz gut. Bin gespannt, wie er sich unter Volllast anfühlen wird.

Aus der ersten Runde zurück, zwingt mich Eddy und vor allem mein alter Körper zu einer zweiten Warmlaufrunde und so gondel ich ein weiteres Mal um den Kurs. In meinem Alter kann man sterben, wenn man sich nicht gründlich warmfährt, habe ich in der Tour neulich gelesen. Als ich aus der zweiten Runde zurück kam, waren bereits fast alle auf der Strecke und ich disqualifiziert. Nach langem Bitten, Beben und Winseln wurde ich doch noch als letzter auf die Strecke gelassen. Eigentlich war mir am Ortsausgangsschild “Tempelfelde” schon klar das nix zu beschicken war. Teufel – was war denn da schweres in meinen Beinen? Wer hat das Gummiband an meinem Sattel befestigt? Auaauaauaaaah – ich will ein Eis wie lange noch wann sind wir da? Mieser Dreck! Warum mache ich das? Zehn Kilometer – Drecksdistanz! Ich stelle mir vor, wie Jcoop gerade, doppelt so schnell wie ich, mit siebzig Stuckies die Ziellinie überquert.

Ohgottohgottohgott. Ich finde keinen Rhythmus, greife ständig hier und da an den Lenker und trete rein wie blöd. Endlich kommt Grüntal. Im Ort läuft es besser. Rechts ab und wieder der Wind voll inne Fresse rein. Das gibt es doch nicht. Ich WILL nach Hause. Mich hält nur die Vorstellung am Leben, dass es gleich Wind von hinten gibt, noch das Stück Kopfsteinpflaster und – ja – da entwickelt mein Belgier seine Stärken! Wie auf einer Sänfte trägt mich der Eddy über die Steine; jeder einzelne erhält eine Grußkarte mit Lippenstiftkuß und schon, leider schon, ist die Passage vorbei. Rechts ab und Zielspurt. Spurt? Nein, ich lasse die Beine hängen und schreie. Das ist einfach nicht mein Ding. Was soll`s – weiter im Text. Hinter zwei, drei Wellen erscheint wieder Tempelfelde. Nach ein wenig, noch ein wenig, noch ein wenig, noch ein wenig und – eeeeeeendlich! Ziel. Feierabend. Schluß. Das wars.

24 Sekunden hinter Acke, Rifli und Jcoop. Verdammte Schaiße! Hätte die Mistsäue ja gern geputzt, aber was nicht geht, geht nicht. Die waren einfach superschnell – Hut ab und Glückwünsche!

Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass ich noch Beine hatte, die Siegerehrung abgeschlossen war und Onkelw sogar noch ein Bierchen springen ließ, brachen Schmadde, Onkelw (warten? Nee.), Pda, Zwocki, Jcoop und ich noch für eine kleine Tour auf. Bei schönem Wetter rollten wir durch diese wunderbare Landschaft. Klasse. Zwocki musste dann wohl nach Hause und verabschiedete sich bald. Zu fünft ging es bis Hohenfinow.

Dort drehten die Kollegen ab und ich fuhr noch eine traumhafte Runde vorbei am Schiffshebewerk, durch Oderberg, den Bogen für den Oderblick, hinten rum nach Bad Freienwalde und dort vor der Mur rechts durch den Ort und über Falkenberg wieder nach Hohenfinow. Recht platt kam ich dann wieder beim dicken Blauen an. Da ich mein Geld vergessen und nix zu essen hatte (aus einer Tube), klopfte bereits der kleine Hunger an. Doch erst wurde der Eddy mit weichem Lappen abgewischt, liebevoll verstaut und als ich eben wieder am Steuer saß, öffnete Petrus die Schleusen. Die Tanke in Bernau wurde um Käsebrötchen, Snickers, Kuchen, Fanta und andere minderwertige Lebensmittel erleichtert und so nahm ich, langsam wieder Herr meiner Sinne, die Fahrt nach Berlin auf.

Tja, dass war schön! Den Eddy habe ich schon jetzt lieb. Ja, es war ein rundum gelungener Tag – nur leider sind mir irgendwo 24 verdammte Sekunden abhanden gekommen. Die werde ich jetzt erst einmal in Ruhe suchen und vielleicht finde ich sie ja bis zum nächsten mal. Beste Grüße, vielen Dank Onkelw und bis bald… menis

Und hier noch die amtliche Ergebnisliste:

9 Kommentare

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  • Herzlichen Glueckwunsch Acke. Wurde ja auch Zeit, dass du mal was gewinnst.

    Und auch wenn man sich vorher abgesprochen hat, fuer dich ist es bestimmt trotzdem so toll wie ein erster Platz bei Paris-Roubaix.

  • Ich habe extra langsam gemacht, damit auch mal ein (zwei) anderer gewinnt und ich mich am Ende nicht noch unbeliebt mache.

    Der Blutgeschmack im Mund nach dem Rennen war deshalb auch garnicht so doll.

  • Meinen Glueckwunsch an die beiden Sieger!

    Wehmuetig musste ich lesen, dass ich (mal wieder) ein grosses Radsportereigniss verpasst habe :-(. Aber der mitreissende Text von van der Menjis konnte mich ein wenig darueber hinwegtroesten.

    Vielleicht gibt es noch in diesem Jahr das 3. ESK-Einzelzeitfahren am Ende der Saison???

    Carl

  • [Posmichelmodus] Da ich ja die Zeitfahren zu dominieren scheine wie kein anderer, und dies nun schon mein zweiter Coup in Folge ist, sollte es also selbstverständlich sein, daß ich im Herbst den Hattrick schaffe. [/Posmichelmodus]

    Nee, mal im Ernst, es war ultrahart, und wer den Acke kennt, der weiß, das der zarte Kerl Schmerzen nicht abkann. RiFli sei Dank habe ich nicht allein gewonnen, aber immerhin war keiner schneller 🙂

    @J-CooP:
    Ich habe nach ca 4Km in Grüntal am Gartentor bei Ilse Rathnow angehalten und auf Dich warten wollen, während ich ein ein paar ihrer eingelegten Senfgurken probieren durfte. Aber irgendwie schienst Du dermaßen zu bummeln, daß ich nach 20min beschloß, weiterzufahren.

    OnkelW hatte die Veranstaltung wieder einmal perfekt unter Kontrolle, und auch die Zeitfahrspezialisten der Höllentouristen vermochten nicht in den Siegesreigen des ESK eingreifen.

    Menissens Bericht ist dermaßen geil, daß ich beim Lesen schon wieder dieses flattrige Gefühl in den Beinen hatte, daß einem unter Vollast bei Gegenwind und unendlich vielen Wellen überkommt. ich probiere mich später auch noch einmal…

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