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Inversionslage

Wie allgemein durch Kachelmann und andere profilierungssüchtige Meteorologen bekannt sein dürfte, existiert in unseren Breiten ab und an eine Inversion oder auch Inversionslage genannt. Das aufregende an dieser Wetterlage ist, unten ist es kalt und grau und oben warm und schön.

Wie allgemein durch Kachelmann und andere profilierungssüchtige Meteorologen bekannt sein dürfte, existiert in unseren Breiten ab und an eine Inversion oder auch Inversionslage genannt. Das aufregende an dieser Wetterlage ist, unten ist es kalt und grau und oben warm und schön. In den 80ern gab es dann häufig, vorallem im Kohlenpott (Ruhrgebiet), bei länger anhaltender Inversion Smogalarm. Das ganze sieht dann so aus:

Heute wird dank modernster Technik, u.a. reduziertem Schadstoffeintrag in die Atmosphäre, zurückgehendem Individualverkehr und dem Umstieg auf saubere Kernenergie, das Gröbste der Bevölkerung erspart und Smog ist selten geworden. Dafür gibt es heute so häßliche Erscheinungen wie Feinstaubbelastung und Landschaftskastrierung

Nun aber zurück zur Inversion, nachdem ich bereits am vergangenen Mittwoch bei einem ausgedehnten “Spaziergang” die beeindruckende Wetterlage am eigenen Leib spüren durfte, machte ich mich gestern per Pedale auf den Hausberg der Frankfurter Bürger. Bereits am Morgen kontrollierte ich per Webcam, ob sich mein Vorhaben überhaupt lohnt.

Ich startete im grauen und kalten Wetter der Innenstadt und rollte über hartgefrorenen Boden durch das Niddatal. Ab und an bemühte sich der Untergrund mit wechselnden Schneeresten und Eisflächen meiner Konzentration, Stürze oder ähnliches konnten aber abgewendet werden. Leicht aufgewärmt durch das Bezwingen der ersten hundert Höhenmeter erreichte ich den bewaldeten Taunusrand. Von nun an sollte der Untergrund für die nächsten 200hm aus einer verdichteten Schneedecke bestehen. So lange man im Sitzen fährt kein Problem, Wiegetritt mit parallelem aus dem Sattel gehen führt unweigerlich zu Traktionsverlust.

Ab einer Höhe von etwa 400m ü. NN verlor sich die Schneeauflage zusehens, die Wege waren mit einem dicken Eispanzer überdeckt und so suchte ich nach Rat und Halt. Ich entschied mich auf die so ungeliebte L3004 auszuweichen. Diese Hauptverkehrsstraße von Oberursel (Frankfurt) zum Gipfel des Feldbergs ist besonders am Wochenende stark durch Ausflügler und anderes unroutiniertes Verkehrsteilnehmerpack frequentiert. Trotzallem hielt sich der Andrang in Grenzen und ich wurde nur 3mal fast touchiert… Zu meiner eigenen Überraschung trat ich die 500hm bis zum Gipfel ziemlich entspannt hoch, anscheinend zahlt sich das Wintertraining doch aus.

Inversion bedeutet auch das genau an der Schichtgrenze ein dickes Nebelpaket liegt, dem war auch so. Etwa bei 700m ü. NN lag die Grenze zwischen Kalt- und Warmluft. Man glaubt es kaum, dicke Suppe, Temperaturen bei -2° bis -3°C und keine 500m (Fahrstecke) weiter Sonnenschein, strahlend blauer Himmel und +4°C. Der Blick nach Frankfurt sah dann in etwa so aus:
Inversion_Plateau_FFM

Für die ersten 200 Höhenmeter Abfahrt genehmigte ich mir die asphaltierte Straße, bei 3-4°C Plus war das recht angenehm. Nachdem eintauchen ins Nebelbad änderte sich dies schlagartig, auch verließ ich das Asphaltierte und kehrte zurück in den finsteren Wald. Die ersten Meter auf festem Schnee waren recht angenehm und flüssig zu fahren, aber ab einer Höhe von etwa 600m ü. NN begann das Eisdrama erneut. Die Wege waren nahezu unfahrbar, immer wieder tauchte das blanke Eis unter Schneeresten auf. Dann hieß es immer, “Finger weg von den Bremsen” und kontrolliert ausbalanciert drüberrollen. Nicht nur einmal hörte man meine Klagelaute. Bei etwa 400m ü. NN spürte ich mal wieder meine oberen Extremitäten nicht mehr und ein kurzer Stop zum Auftauen war von Nöten, um auf den nächsten Metern wenigstens etwas an Kraftübertragung an die Bremsen bringen zu können.
“Wege” sehen im Taunus manchmal auch so oder so aus.

Irgendwann erreichte ich dann die rettende Zivilisation in Oberursel und begab ich zum Bahnhof. Eigentlich sind die letzten 12km bis zu meiner Haustür ein stetiges Bergab-Rollen, aber heute war genau das ein Problem. Zum Glück kam gerade eine Sbahn und fröstelnd transportierte mich diese zurück in die Mainmetropole. Langsam taute ich wieder auf und bin froh die Tour unternommen zu haben, zeigt doch ein Blick heute auf das Feldbergplateau eisige -7,2°C. Im Klartext hat sich im Verlauf des gestrigen Nachmittags die Inversion aufgelöst und ein Luftmassenaustausch fand statt. Die Stadtmenschen atmen endlich wieder auf und “normale” Verhältnisse mit ‘unten warm’ und ‘oben kalt’ haben ihren Platz zurück.

Zum Schluß noch das Profil der Tour:
Tourenprofil

darkdesigner

11 Kommentare

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  • Knackig, knackig. Schade, dass wir nicht auch einen so hübschen Feldberg vor der Tür haben. Mit steinharter Eisschicht auf den Wegen können wir hingegen auch glänzen. Da diese Schicht zwischenzeitlich aufgetaut und matschig war, dann die Spaziergänger ihre tiefen Fußstapfen darin hinterliessen, bevor sie wieder steinhart zugefror, würde ich große Teile des Berliner Wegesystems als nahezu unfahrbar einstufen. Hoffentlich wird uns das nicht zum Verhängniss, wenn der letzte Störtebeker sich auf den Weg macht. Wir werden sehen… menis

  • Auf jeden Fall ein beeindruckender Blick hinab auf den Frankfurter Mief!
    Eine etwas höhere Sanddüne bei uns wäre da natürlcih schon was feines.

  • tolle sache, fachlich fundiert, gut erzählt, bildlich untermalt!
    der temperatursprung an der inversionsschicht ist schon enorm, 7°c ist schon sehr viel. und ein tolller blick von oben.

    mit den von menis beschriebenen, inhomogenen eisplatten-wegen konnte ich am letzten donnerstag auch kontakt aufnehmen. das knie ist aber wieder in ordnung. bier scheint dem heilungsprozess sehr förderlich zu sein… leider nicht der kondition.

  • das mit den vereisten wegen kann ich heute nicht bestätigen den dort wo ich pflege zu fahren waren heute reibwerte zwischen trehl und reifen die an die öffnung eines klettverschlusses erinnern. oder auch an den vom oberst einst erläuterten pattex auf den wegen.

    die invasionslage gibt es natürlich auch im schwarzwald… aber wer fährt schon im schwarzwald.

  • Eine glatte Eins. Rest der Woche Schulfrei, Herr Eule, jr.
    Ich war als Melder am Wochenende in Osthessen und Thüringen leider nur kurz zu Fuß unterwegs. Auf hartgefrorenem Boden liegen wenige Zentimeter Pulverschnee und selbst die Wege an der “Hohen Sonne” waren griffig.

  • mensch, peter, hohe sonne: da warst du ja “bei mir um die ecke unterwegs”!
    seid ihr wenigstens durch die drachenschlucht gestiefelt? im winter ist das immer was ganz besonderes!

    rb

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