Rennsteig unter ESK-Verwaltung

Vorwort

Im nunmehr dritten Jahr unser gemeinsamen, radtouristischen Ausfluege sollte es uns nicht, wie in den Vorjahren, in die Alpen ziehen. Zum einen war es dazu aufgrund meiner spaeten Rueckkehr aus Suedamerika schon zu spaet und zum zweiten sollte Rikman´s karge Freizeit optimal ausgenutzt werden. Was liegt also naeher, als sich in die schnell zu erreichenden, wald- und huegelreichen, deutschen Mittelgebirge zu begeben. Noch zu meinen Zeiten in Suedamerika wurde alles durchgesprochen. Ein in drei Tagen gut zu bewaeltigendes Ziel ist der Rennsteig, der Hoehenweg des Thueringer Waldes, welcher sich auf knapp 170km von Hoerschel an der Werra nach Osten hin ueber alle Gipfel des langezogenen Hoehenrueckens bis nach Blankenstein zieht. Da zudem meine Oma in der Naehe des Startpunktes wohnt, ergab sich noch der Vorteil sie nach der Tour besuchen zu koennen.

Prolog

Am Vorabend unseres Aufbruchs gen Thueringen aenderte ich noch fix die Uebersetzung meines Rades auf bergtaugliche 34:17 und fuhr anschliessend den donnerstagabendlichen Nightride mit (und kurbelte mich natuerlich tot). Viel zu lange sass ich dann noch vorm Rechner und als am Freitagmorgen um 0600 der Wecker nach viel zu kuzem Schlaf klingelte, war mir garnicht so recht nach Aufstehen. Doch ich fand nach 5min die rechte Motivation und dann ging alles ganz schnell. Waeren da nicht noch so hinderliche Sachen gewesen wie WG-Miete ueberweisen und so. Ein paar Minuten verspaetet trudelte ich mit dem Fahrzeug meiner Eltern bei Rikman ein, wir schoben alles in den Kofferraum und schon gings los.
Wir fingen bereits beim Anlassen des Motors mit Quatschen an und erst 5 Stunden spaeter, bereits in Hoerschel angekommen, hoerten wir, nachdem wir alle Themen – angefangen von Gott und die Welt, ueber Wahlen, Photographie und Reisen bis hin zu der Doofheit des Menschenbildes – abgegrast hatten, auf. Die Fahrt verflog foermlich trotz geringer Reisegeschwindigkeit, Fresspause und fehlendem Bier.

Erste Etappe

Der Rennsteig beginnt mit Hoerschel, wo die Hoersel in die Werra muendet, an seinem tiefsten Punkt auf 196m asl. Ueber dem Tal droehnt leise der Verkehr der A4, welche die Werra in schwindelerregender Hoehe ueberquert.

Raeder raus, umziehen und los. Um 1230 bestiegen wir die Drahtesel, cruisten durch den kleinen Ort, fanden den rechten Abzweig noch und fuhren in eine Wand. Jedenfalls kam es uns so vor. Zu Beginn klettert der Rennsteig ersteinmal 200hm bergan. Und das waren fuer unsere kraftlosen, untrainierten, radentwoehnten Waden wohl ca. 195hm zuviel. Mit letzter Kraft stemmten wir uns gegen die kleinen Rampen (die wir zu besser Zeiten bestimmt hochgeflogen waeren). Und obwohl Rikman dieses Jahr nicht mitm Singlespeeder am Start war, musste er hart druecken, bestand seine groesste Uebersetzung doch nur aus 40:25.

Nach den ersten Kilometern eroeffnete sich schon ein gar herrlicher Blick auf die zertalte Landschaft des Oestlichen Thueringer Waldes und die Wartburg bei Eisenach.

New Economie, Neoliberalismus, Effizienz, Workaholics, Kerngeschaefte – who cares? Wir fahren viel zu dicke Gaenge, halten gerne mal an fuer ein Bierchen oder ’ne Bratwurst und wenn wir keinen Bock mehr haben schieben wir halt oder suchen uns ’ne Unterkunft.

Aber so weit sind wir noch nicht. Nach guten fuenf Kilometern erreichten wir den Clausberg, eine kleine Siedlung. Ab hier befand ich mich auf mir gutbekannten Wegen. Denn den Rennsteig noch ein paar km folgend tangierten wir das Oertchen Wolfsburg-Unkeroda, wo meine Oma sich wohl gerade zum Mittagsschlaefchen legte. Wir aber rauschten den Rennsteig weiter, der mir auf dieser hoehe am besten gefaellt, nimmt er doch wirklich jede Kuppe mit: 30m (nicht hm) bergauf hochknallen, 30m bergab tempomitnehmen, 50m hochzischen, 40m runtersausen – und das ueber locker 7km. Die richtige Arbeit begann aber erst, als wir den Strassenpass ‚Hohe Sonne‘ (434m) passierten. Von hier an geht es auf welligen 17km 500hm (absolut) hinauf zum Großen Inselsberg, immer unterbrochen durch laengere Passagen bergab. Vorbei an Zollstock (527m), Ruhlaer Haeuschen (630m), dem Dreiherrenstein (740m) und schlussendlich ganz fies steil hoch auf den mit 916m zweithoechsten Gipfel des Thueringer Waldes. Aufgrund seiner speziellen geologischen Eigenschaften (kristalliner Haertling vulkanischen Ursprungs, widerstaendiger gegen Abtragung als das umliegende Gestein), wurde der Inselsberg so charakteristisch aus der Umgebung ‚praepariert‘.

Ich kann mich garnicht errinnern, die fiesen Rampen hinauf zum Inselsberg je geschoben zu haben, diesmal ging es nicht anders – keine Kraft. Oben angekommen, schob ich mir unter den verachtenden Blicken von Rikman erstmal ne fette Bemme rein, die ich noch zu Hause mit allen Kuehlschrankresten belegt hatte (Sonnenblumenkernbrot, Ketchup, Fleischsalat, Wallnusskaese, Eiersalat, Preiselbeeren…). Aufgrund der vorangeschrittenen Zeit und unseren schlechten Koerperzustandes zerschlugen wir den Plan, erst in Oberhof zu uebernachten, aber rikmans Ueberlegung, doch schon hier die Jugendherberge zu entern, wurde auch im Wind zerschlagen. Ich beschloss, dass wir wenigstens noch die 11km entfernte Baude an der Ebertswiese erreichen sollten.

Nachdem wir nach den ersten 200hm bergab so richtig schoen durchgefrohren waren erreichten wir die langersehnte Wurschtbude, an der wir auch bei der Transbratwurst im letzten Jahr neue Kraft getankt hatten. Wir orderten zwei Brat-wuerste und verschlangen sie genuesslich:

Wir kaempften unsere altersschwachen Koerper an diesem Tag noch ueber den Trockenberg (diese fiese Rampe!), den Spiessberg und andere kleine Hindernisse. An einer Nothuette machten wir kurz Rast, als sich ein hochbetagtes Ehepaar mit Hund naeherte. Der Hund war einer dieser Hunde Marke Kampfsport und hatte einen Brustkorbumfang der jeden Stier neidisch gemacht haette. Er zog sein sich nur schwerlich wehren koennendes Herrchen hinter sich her, immer in unsere Richtung, gepaart mit einem schnaufen, roecheln und knurren das uns Angst und Bange machte. Doch das tollste: die Hundeleine war eine von jener Sorte, mit der normalerweise die Omi aus’m ersten Stock ihren Waldi spazieren fuehrt, nachdem sie den kleinen scheintoten Fussabtreter vor der Haustuer abgesetzt hat. Dieser hier aber war gross und kraeftig wie ein ausgewachsener Bulle und hatte allen Anschein nach Hunger auf gutriechende Radfahrer. Zu unserem Glueck und unserer Ueberraschung hielt die federleichte, hauchduenne Leine stand (wahrscheinlich Raumfahrttechnik) und so konnten wir unseren Weg alsbald fortsetzen.

Mit den letzten Kraeften erreichten wir die huebsche Baude an der Ebertswiese, liessen uns ein Hochbett im Mehrbettzimmer zuweisen (faire 20 Taler / Person), duschten und genossen fix das erste Bierchen. Dann das zweite, dann was zu Essen, dann das dritte und das vierte, immer gepaart mit peniblem Kartenstudium oder lachhaften Geschichten. Irgendwann sind wir dann laut furzend in das Zimmer, krampfhaft versuchend die anderen beiden Wanderer nicht allzusehr zu stoeren.
Und wir fieberten dem kommenden Sonnabend zu. Wollten wir doch wissen, ob der Wetterbericht diesmal fehlerhaft sein wuerde und das Dreckswetter uns verpassen koenne.

1. Etappe: Hoerschel – Ebertswiese; 45km und ca. 1600hm.

Zweite Etappe

Zur zweiten Etappe gibt es eigentlich nicht viel zu sehen und zu sagen. Ausser vielleicht: ********, kalt, nass, neblich, dreckig, asslig, saugeil.
Aber ich hole mal doch ein wenig weiter aus.

Rikman weckte mich zaertlich mit irgendwelchen Worten ála „Rob, steh auf du alte Zecke!“. Mir brummte etwas der Schaedel und auf der Zunge lag ein schaler Pelz. Doch das nahende Freuhstueck liess mich munter werden. Im Gegensatz zum Blick aus dem Fenster, welches Rikman, begleitet von einem Schwall eiskalter Luft geoeffnet hatte.

Wir traten vor die Tuere des Hotels an der Ebertswiese und ein leiser Spruehregen legte sich auf unserem Gesicht nieder. Es war kalt. Der Wind kroch in Kragen der Refgenjacke. Doch die Eigenart des Wetters, der Nebel und die Stille, liessen uns frohen Mutes aufbrechen. Als Tagesziel wurde von mir Masserberg ausgerufen und damit verhallten Rikmans Quengeleien, doch lieber nach Oberhof in die Therme zu radeln im Nichts.
Zum Warmwerden erklommen wir die ersten Hoehenmeter hinauf auf den Glasberg. Doch der Sperrhuegel folgte sogleich. Dieser eher unauffaellige Huegel hat es maechtig in sich. Nachdem man die Strasse an der Alten Ausspanne ueberquert, geht es sofort rein in die Steigung. Doch der wirkliche Anstieg wartete erst einen Kilometer danach auf die matten Waden. Ich versuchte nochmal alles, doch nach wenigen zehner Metern musste auch ich schieben.
Die naechsten Kilometer bis nach Oberhof waeren nicht der Rede wert, haette uns das Wetter nicht so uebel mitgespielt. Schon vor einem Jahr bei der Transbratwurst erlebten wir hier einen Tiefpunkt – und auch heute setzte uns der Gegenwind auf den offenen und windgepeitschten Teilstuecken um den Donnershauk maechtig zu. Nachdem uns die Kaelte bei der folgenden Abfahrt runter zum Rondell bei Oberhof die restlichen Kraefte aus den Gliedern saugte, sorgte der angenehme Anstieg hinauf zum Grossen Bergberg fuer eine ungeahnt wohlige Koerperwaerme. Oben auf den hoechsten Berg Thueringens angekommmen liess uns das kalte Wasser des nun unaufhoerlich niedergehenden Regens jedoch abermals die Fuesse und Haende gefrieren. Jeder kurze Gegenanstieg war eine willkommene Abwechslung. Doch irgendwann waren auch die letzten Kraefte aus den Knochen entwichen und so half nichteinmal mehr das Fahren an der Belastungsgrenze, um den Koerper zu erhitzen. Wir hatten die Schnauze gestriche voll!

Die naechste Moeglichkeit direkt am Rennsteig zu uebernachten, d.h. ohne links- oder rechtsseitig ins Tal fahren zu muessen, eroeffnete sich erst in Neustadt am Rennsteig – vergiss Masserberg, wenigstens bis dahin mussten wir noch durchziehen! Irgendwann hinter Schmuecke trafen wir auf drei andere Biker die ebenfalls dem Regen ihre kalte Schulter zeigten. Was fuer eine vortreffliche Moeglichkeit am naechstbesten Anstieg unsere Coolness unter Beweis zu stellen und ordentlich vorneweg zu druecken. Nachdem wir sie nur unseren Schlamm schlucken liessen setzten wir die normale Fahrt fort, tangierten wir Stuetzerbach und passierten Alzunah. Der Boden des Weges bestand hier oftmals aus aufgeweichtem Kiefernstreu oder Rindenmulch, was beim Ueberfahren aehnliche Eigenschaften wie Sekundenkleber aufwies. Die letzten fuenf Kilometer nach Neustadt zogen sich endlos dahin. Kurz vor dem Ort ging es noch zwei Kilometer uebers offene Feld. Der Wind schlug uns entgegen, das kalte Wasser in den Schuhen wurde bei jedem Tritt gegen frisches, noch kaelteres Wasser ausgetauscht. Wir frohren am ganzen Koerper. Mit Muehe und Not erreichten wir gegen halb eins mittags den Ort.

Die Suche nach einer Unterkunft gestalltete sich schwierig. Hier wegen Todesfall geschlossen, dort ausgebucht. Nun, es war langes Wochenende. Oder lag es doch nur an unserem extrem versueften auftreten?
Nachdem wir alle Moeglichkeiten im Ort abgeklappert hatten, unsere Lippen blau, die Fuesse gefuehlslos, die Finger zittrig waren, fuhren wir doch wieder zum groessten Hotel im Dorf. Ein Neubau mit dem passenden Namen „Sonnenhotel Am Kammweg“. Ja ********! Die drei Sterne liessen sich einiges Kosten, aber dafuer gab es ein schickes Zimmer.
Das Bad sah nach anderthalb Minuten aus wie der Boden eines rumaenischen Klaerschlammabsetzbeckens. Ueberall lagen total verdreckte, von Wasser und Matsch triefende Trikots und Socken rum. Von dem Wasser, das ich aus meinen Handschuhen ausgewring, haette eine somalische Familie vier heisse Sommermonate ueberdauern koennen. Aber nachdem wir uns geduscht uns umgezogen hatten, war der innere Frieden wieder herrgestellt.

Vom unablaessigen Surren des Foehns begleitet, chillten wir etwas auf den breitem Bett. Warum der Foehn droehnte? Im von Rikman bereits saubergebohnerten Bad liessen wir unterm festgetauten Foehn unsere Schuhe trocknen:

Da der Foehn nach fuenf Minuten ueberhitze, muessten wir ihn immer fuer kurze Zeit ausstellen. Das Klima im Bad glich einer Finnischen Dampfsauna – nur mit ganz speziellen Geruchsextrakten…
Zu Mittag assen und tranken wir im Hotelrestaurant. Den Nachmittag verbrachten wir fernsehkuckend aufm Zimmer. Und puenktlich zum Abendbort fanden wir uns wieder im Restaurant ein – zusammen mit etlichen Busladungen Feriengaesten und Rentnergedoens. Warum, fragten wir uns da, warum nur muss dieser gebrechliche, altersschwache Teil unserer Bevoelkerung eigentlich genau an dem Wochenende eine Pauschalreise in den Thueringer Wald buchen, wenn das ehrlich und hart arbeitenden Erwerbsvolk (wie z.B. Rikman) ausnahmsweise einen Tag frei hat. 350 Tage im Jahr koennen die sorgenfrei Urlaub machen. Aber nein, man muss schon das Wochenende des Einheitstages waehlen, damit sich der Streit und das Gezanke um die besten Plaetze oder am Abendbuffett auch so richtig lohnt. Nun, wir liessen den senilen Rochen hinter uns und verkriechten uns auf unser Zimmer. Ich schaute mi noch irgendeinen Film an, waehrend Rikman schon genuesslich in Traeumen versank. Aber der naechste Tag sollte wieder die ein oder andere Beschwerlichkeit bereithalten, mussten wir doch die verlorenen Kilometer des getrigen und heutigen Tages auf der letzten Etappe gutmachen, weswegen ich mich auch bald vollends unter die Bettdecke verkroch…

2. Etappe: Ebertswiese – Neustadt a.R.; 50km Dauerregen mit 1050hm

Dritte Etappe

256 Graustufen. Der Blick aus dem grossen Fenster unseres Zimmers im Sonnenhotel brachte eine feine Abstufung verschiedenster Graustufen. Der mausgraue Schleier am Himmel, der michlige Nebel auf der Wiese, hellweisse Wolkenfetzen steigen aus den Baumwipfeln des Nadelwaldes auf. Aber es regnete nicht! Und unsere Sachen sowie die Schuhe waren restlos getrocknet.
Nach einem ausladenden Fruehstueck, nach dem Beobachten des schnoeden Poebels beim Zank am Joghurtbuffet oder des Gegeifers an den Wurstplatten, nachdem wir uns ordentlich vollgestopft hatten, checkte Rikman professionell aus und wir konnten los. Aber halt! Erst noch Bremsbelaege wechseln. Leider hatte ich im Gegensatz zu Rikman keine zum Ersatz mit, weswegen ich die dritte Etappe ohne Verzoegerung am Hinterrad auskommen musste. Unsere Trinkflaschen hatten wir auch nicht neu aufgefuellt – ach was, egal, los, los jetzt.

Bei leichtem Auf und Ab rollten wir strassenparallel an Teufelsbuche und Hohem Stock vorbei zum Triniusstein. Am Hohen Stock zweigten wir vor einem Jahr bei der Transbratwurst ab Richtung Schwarzatal ab. Diesmal blieben wir dem Rennsteig treu – und das hiess erstmal bergauf fahren, hoch nach Masserberg. Ueber mehrere kleine Anstiege zieht sich der Rennsteig hier als schmaler, wurzliger und steiniger Pfad im dichten Wald bergauf. Hin und wieder konnte man mit viel Muehe durchtreten…

…doch Schieben mussten wir das ein oder andere Mal auch.
Wir erreichten Masserberg, querten den Ort und standen direkt vor der naechsten Rampe. Der Weg zum Turm auf dem Eselsberg ging gerade den Hang hoch, da war beissen angesagt. Die Spaziergaenger am Wegesrand machten einem die Muehe etwas ertraeglicher.
Und schon befanden wir uns auf mir altbekannten Wegen. Es rollte jetzt gut, der Weg war eben, die Luft klar, Einsamkeit pur und die Ruhe wurde nur vom leisen Knirschen der ueber den Schotter rollenden Reifen unwesentlich gestoert.

Ueber die Eichsfelder Ausspanne erreichten wir das Oertchen Friedrichshoehe, die kleinste Gemeinde der ehemaligen DDR, wo ich dereinst vor vielen Jahren mit der Familie meine ersten Rutschversuche auf schmalen Brettern im Schnee unternahm. Ich laberte Rikman voll wie schoen das hier war, frueher, als man noch klein war und es noch richtige Winter gab und ueberhaupt und so. Zwischen Friedichshoehe und dem folgenden Ort Limbach ergaben sich erste Orientierungsschwierigkeiten aufgrund der unsauberen Beschilderung. Doch wir trotzdem den Schikanen, fuhren hinab in den Ort und auf der anderen Seite steil wieder bergauf – unfahrbar steil fuer uns. Dieser fast einhundert Hoehenmeter ueberwindende Anstieg kam fuer uns vollkommen ueberraschend. Das vorabendliche Kartenstudium muss also noch optimiert werden – und ausserdem wollen wir den Bau einer Bruecke ueber den Ort anregen…


Limbach drunt‘ im Tal

Teilweise auf Teer, teilweise von losem Grobschotter gefuellten, schmalen Rinnen erreichten wir nach nunmehr 25 gefahrenen Kilometern das Staedtchen Neuhaus am Rennweg. 25 bedeuete, dass noch ca. 60km vor uns liegen sollten. Wir schnauften durch und steuerten die erstbeste Tanke an. Die notwendige Motivation fuer die kommenden Kilometer bestand, wie koennte es anders sein, aus Schokoriegelware und Bier. Unsere durch den aufgeweichten Boden mittlerweile komplett vollgesauten Bikes zogen die Aufmerksamkeit einer Motorradgang auf uns. Das sind diese haesslichen Typen auf haesslichen Maschienen die haessliche und viel zu laute Graeusche machten. Na gut, jedem das Seine, aber sowas muss doch nicht sein. Kann man das nicht einfach verbieten? Aber wir fuehlten uns gut, schliesslich konnten wir noch ueber eine andere dreikoepfige Radtruppe herziehen, die ebenfalls an der Tanke rasteten, wir hatten unsere Pilsetten die uns neue Kraft und Elan gaben und ein Ziel vor den Augen: Blankenstein, heute noch.


Bauarbeiterhangranaten – Super verbleit fuer richtige Maenner

Nachdem wir Neuhaus am Rennweg und Ernstthal passiert hatten tauchten wir wieder in den dichten Wald ein. Bis vor 15 Jahren endete der Rennsteig, so nahe der Westdeutschen Besatzungszone, bereits kurz hinter Neuhaus. Und natürlich hatte man es nicht unterlassen, wo man doch den Weg jetzt neu machen musste, das schon auf der Voretappe erwähnte und so schön wanderfreundliche Rindenmulch großzügig zu verteilen. Damit das Laufen für die Wanderer auch schön komfortabel ist. Das dieser Untergrund für beräderte Waldbenutzer die reinste Qual ist, kommt da keinem in den Sinn. Nunja, ehrlich gesagt kann ich mich an den Abschnitt bis Spechtsbrunn und Kalte Küche sowie an die bayrische Staatsgrenze ran nicht mehr recht erinnern.
Irgendwo auf diesem Abschnitt muss wohl auch folgendes Bild entstanden sein:

Da gibt es doch glatt ein paar Kasper die behaupten, die Mountainbiker würden mit ihren Stollenreifen den Waldboden schädigen. Und dann sieht man im vergleich solche Ungetümer des Forstamtes im Wald. Entsprechend den Querschnitten der Räder und der Mächtigkeiten der Ketten sahen die Wege auch aus.

Der Weg führte uns also nun für 15km ins Ausland. Im ersten Teil bis Waidmannsthal verlief der Weg im Wald, dann bis Steinbach am Wald für einige Kilometer an der Strasse entlang. In Steinbach waren wir endlich soweit, uns warme Köstlichkeiten hinter den Gaumen schieben zu wollen und müssen. Aber die vorhandenen, gastronomischen Einrichtungen entsprachen nicht unseren Vorstellungen und außerdem war unsere Prämisse ja möglichst schnell vorwärts zu kommen und keine Zeit zu verlieren, schliesslich waren es noch ueber 35km bis Blankenstein. Also kehrten wir nur auf Kaffee und Kuchen in der örtlichen Konditorei ein. Die fetten Backwaren füllten unsere Mägen reichlich und so konnten wir gut gestärkt aufbrechen.

Zum Warmwerden ging es nach anderthalb Kilometern erstmal bergan zur ostdeutsch-bayrischen Friedensgrenze. Irgendwo unterwegs zogen oberkuhle Punkkühe Rikmans Aufmerksamkeit vollkommen auf sich.

Na ich kenn das ja schon aus den Alpen und rolle entspannt ein paar Meter vorraus.

Der Rennsteig führte uns über ein paar knackige Auf und Ab´s an Brennersgün vorbei Richtung Grumbach. Brennersgrün ist ein wunderbar abgeschiedenes Nestchen, ganz geruhsam und voll traditioneller, schiefergeeckter Häuser. Gut zu wissen, dass es im neudeutschen Einerlei aus Fertighäusern und Backsteinimmitatfassaden noch solche Ortschaften gibt.
Nun, was wäre eine Rennsteigtour ohne sich auch mal nett zu verfahren. Bei Grumbach war es dann der Fall. Leicht abschüssig rauschten wir in Sichtweite zum Ort am Feldrand entlang. Nach einigen Metern gelangten wir zu einer Stelle mit einem sehr schönen Blick ins Tal und einem durch Schotteraufschüttung kaschierten Müllplatz. Wir rasteten kurz, machten ein Foto und knallten den steiler werdenden Weg weiter bergab:

Nach einem schnellen Kilometer endete der Weg an einer T-Kreuzung. Ich hielt an, schauchte mich um und konnte nirgends ein weisses „R“ am Baum oder andere Wegweiser entdecken. Der Kartenabgleich ergab, dass wir die anderthalb Kilometer wieder bergan strampeln durften. Was gibt´s schöneres.
Doch wir schafften es noch Grumbach hinter uns zu lassen und die folgenden Kilometer vergingen wie im Flug. Als breiter Schotterweg zieht sich der Rennsteig über seichte Kuppen, aber tendenziell bergab knapp 10km bis Schlegel hin – rauschhaft. Ab Schlegel war Zielspurt angesagt. Nurnoch 6 Kilometer, 5, 3, 1,5…

…und dann lag es uns zu Füßen, tief im Tal der Saale – Blankenstein. Die rauchenden Schornsteige des Papierwerkes begrüßten uns. Jetzt mussten wir uns nurnoch ein Unterkunft in diesem gute 1000 Seelen zählendem Ort suchen. Pension 1 – voll. Pension 2 – voll. Pension 3 links runter, über die Saale rüber, hoch nach Blankenberg, rechts, links, geradeaus – och nö. Doch der Himmel sandte uns Oma Langheinrich. In Sichtweite zum Bahnhof von Blankenstein (August-Bebel-Str. 3) hatte sie ein paar schöne Zimmer im Privathaus. Und jetzt hatte sie auch jemandem zum Quatschen: Schuhe aus wegen der Eisendinger da, die machen die Treppe kaputt; Handtücher hier, Bier da; Heizung so; wenn man den Wasserhahn nach links kippt, kommt warmes Wasser raus, nach rechts kaltes; die Lichtschlater funktionieren so und so; der Fernseher geht so, so aber nicht, und dann aber doch wieder; die jungen Leute; Frühstück; und überhaupt. Wir ertrugen das alles standhaft und mit einem Lächeln.
Derweil gerieten draußen die von Rikman passend Pufferküsser genannten Gestalten in Fotoextase:

Am Abend gab es nocheinmal lecker Rostbätl in der Kneipe gegenüber und das billigste Bier der ganzen Fahrt (ich glaube 1,80 für den halben Liter). Und beim Gernsehabend aufm Zimmer dann noch nen Köstrizer im Bett. Was für ein Ausklang dieser drei abwechlsungsreichen drei Tage!
Trotz unserer konsequenten Unfitness und des eher nicht so guten Wetters hat es wieder superviel Spass gemacht mit dir Rik. Und jetzt haben wir ihn auch mal abgerissen, den schei* Rennsteig. Einnahme im Namen des ESK geglückt.

3. Etappe: Neustadt am Rennsteig – Blankenstein: 80km

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Insgesamt: Hörschel – Blankenstein: 175km und …hm

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