Kleine Übung in märkischem Sand

Von Jockel

Entsprechend der neuen ESK-Doktrin, welche es u.A. beinhaltet, das Kaderinterna unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit kommen dürfen, wurde für den zurückliegenden Sonnabend eine Übung anberaumt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wurden gezielt einzelne, als vertrauenswürdig einzustufende Kader per Meldekette informiert, wann sie sich wo einzufinden hätten. Die Zustiegsstellen zum ÖPNV der Hauptstadt wurden hierbei bewusst dezentral vorgegeben, um eventuellen Attentatsplänen nur kleine Ziele zu geben. Erst am vereinbarten Startort wurde die volle Truppenstärke erreicht. Folgende Mitglieder waren anwesend:

    Herr R aus B
    Herr P aus B
    Herr J aus L
    Herr J aus B

Weitere, in die genannte Meldekette einbezogene Elemente, zogen es vor, entweder mit blutjungen Dingern, auf einsam gelegenen Gehöften wer weiß was anzustellen, oder in trauter Zweisamkeit Dinge zu testen, auf welche es in weiterer (bei erfolgreichem Verlauf: gemeinsamer) Zukunft eventuell noch ankommen wird.

Startort der Übung war, wie schon des Öfteren das Städtchen F an der H. Es sollte am gestrigen Tag nicht darum gehen, Neuland zu betreten, sondern eher, schon Bekanntes neu zu kombinieren und dabei das effektive Zusammenspiel der einzelnen Teilverbände unter realistischen Bedingungen zu erproben. An dieser Stelle sei bereits erwähnt, dass dies, entsprechend den hohen Erwartungen, hervorragend klappte:

Bereits nach rund fünfminütiger Reparaturzeit war die gesamte Technik insoweit einsatzbereit, dass sie im nahegelegenen Forst untergezogen werden konnte.
Herr R aus B hatte im Vorfeld von den neuesten technischen Entwicklungen Gebrauch gemacht und sein ohnehin schon ultramodernes, vollsuspensioniertes Zweirad mit einem aus der Modellbahnbranche bekannten Geräuschgenerator ausgerüstet. So ausgestattet, war es ihm ein Leichtes, sich unbemerkt anzunähern, glaubte doch der Vorausfahrende, sich in trügerischer Sicherheit wiegend, ihm folge ein in die Jahre gekommenes Damenrad aus volkseigener Produktion.
Dessen ungeachtet, wurden fleißig Kilometer gemacht und die erste Pause erst anberaumt, nachdem bei Herrn J aus L ein bereits seit längerem schwelendes Kriegsleiden aufgebrochen war. Einer ersten Auswertung zufolge waren zu diesem Zeitpunkt bereits rund 45km unter unseren Reifen verbrannt und das bei einer gefühlten Einsatzzeit von 50-60 Minuten. Eine genaue Beschreibung der Strecke erspare ich mir an dieser Stelle, da außer dem bereits genannten Startort (F an der H) nur die Ortschaften Z und B direkt durchfahren wurden, alle weiteren Weiler, wie bespielsweise das malerisch gelegene L oder die Dörfchen T und M wurden mehr oder weniger weiträumig umfahren.

Nach kurzer Reaktivierungszeit ging es weiter, erst mal kurz Fuß. Doch bereits nach wenigen gerollten Metern, offenbarten sich erste materielle Defizite. Nach Behebung derselben ging es in gewohnter Manier weiter. Ortschaften mit Namen wie T, H, W oder G wurden maximal tangiert, ansonsten umgab uns stets der schützende Forst, einer der treuesten Weggefährten des ESK.
Unter Auslassung einer kleinen, im Vorfeld angedrohten Nordschleife wurde direkt nach Süden geschwenkt und in F diverse Getränke sowie Kuchen requiriert. Die Bevölkerung nahm es gelassen, konnte sich das ESK doch ein weiteres Mal auf die tief in der örtlichen Bevölkerung verankerten Sympatie verlassen.
So gestärkt ging es ohne zu zögern an die weiteren Tagesabschnitte, welche fortan in südlicher Richtung zu finden sein sollten. G wurde durchfahren, in D die Gleise der Bahn überwunden. Um bereit nach wenigen Kilometern in K festzustellen, was die neue Zeit aus einstmals schmucken Bauernhäusern zu machen vermag. Es schien, als wäre es einem örtlichen Baumarkt gestattet gewesen, sein gesamtes Sortiment zu präsentieren. Angefangen bei Dachkippfenstern, bis hin zur üblichen, blassrosanen Beton-Hofpflasterung. Unangenehm berührt wurde S erreicht, um einem Befehl der Tourleitung zu entsprechen und noch eine klitzekleine Runde Entdeckungsrunde in weiterhin südlicher Richtung anzuhängen. Die Stimmung der Truppe wurde durch in Aussichtstellung von allerlei Labsal am Zielort ausreichend gehoben, so das die Weiterfahrt fast ohne Murren und mit nur ganz vereinzelt schräg gestellten Köpfen vonstatten ging. Nachdem am südlichen Umkehrpunkt festgestellt wurde, dass man in eine Sackgasse eingefahren war, sank die Stimmungauf einen gewissen Tiefpunkt. Die Führung konnte durch forsches Auftreten das Heft des Handelns in der Hand behalten und die Truppe bereits nach wenigen rückwärts gewandten Metern auf den rechten Weg führen. Dies erkennend, hob sich die Stimmung wieder und die wenigen verbleibenden Kilometer vergingen unter Absingen diverser Hymnen wie von selbst.

Die Auswertung der Tagesereignisse erfolgte anschließenden in einer als vertrauenswürdig einzustufenden gastronomischen Einrichtung am Marktplatz der Stadt F an der H.
Die Rückfahrt verlief problemlos, alle Einsatzkräfte erreichten planmäßig ihre Ruhestellungen und sind derzeit offensichtlich mit intensiver Nachbereitung beschäftigt.

Alles in Allem, kann das gesetzte Ziel als erreicht gelten. Einzelne zutage getretene Schwachpunkte sind erkannt und werden bei den weiter anstehenden Übungen gezielt trainiert.

2 Antworten auf “Kleine Übung in märkischem Sand”


  • Sehe schön, die Herren Kader im Wald beim Manöver.

    War auch nicht untätig, wie immer krank und hart, schaut hier http://www.mtb-news.de/forum/showthread.php?p=2116872#post2116872

    dd „eule“

  • Die Stimmung der Truppe wurde durch in Aussichtstellung von allerlei Labsal am Zielort ausreichend gehoben

    allbewaehrte taktik der kaderleitung, ich sage nur: „nurnoch 25km!“

    ansonsten eine vortreffliche beschreibung der einsatzuebung unter reellen bedinungen.
    und ich denke im vertrauenswuerdigen lokal in f an der h wurdet ihr wieder vortrefflich bewirtet und mit neuesten, regionalen informationen zu den aktivitaeten des feindes und moeglicher konspirativer aktionen gefuettert.

    rb

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