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Deutsches Geländerad in Polen mit rechtmäßigem Besitzer

Das Interesse am vorletzten Samstag den neuen EU-Nachbar Polen zu besuchen, war so groß wie das Interessen der Froschfresser und Tulpenpflücker an einer europäischen Verfassung. So begab ich mich mutterseelenallein in ein Land in der ich die Sprache nicht verstehe und ich nicht weiß, ob der gemeine Geländeradsportler dort zum Abschuss freigegeben ist….

Deutsches Geländerad in Polen mit rechtmäßigem Besitzer

Das Interesse am vorletzten Samstag den neuen EU-Nachbar Polen zu besuchen, war so groß wie das Interessen der Froschfresser und Tulpenpflücker an einer europäischen Verfassung. So begab ich mich mutterseelenallein in ein Land in der ich die Sprache nicht verstehe und ich nicht weiß, ob der gemeine Geländeradsportler dort zum Abschuss freigegeben ist.

Mittels vollklimatisiertem und mit Lektüre ausgestatteten Connex-Reisezug wurde ich komfortabel bis nach Eberswalde gebracht. Die zu erwartenden Temperaturen von über 30°C schlugen mir unvermittelt beim Aussteigen entgegen. Am Treidelweg der sich am Finowkanal entlang schlängelt nahm ich meine Fahrt Richtung Osten auf. In Niederfinow versuchte ich mich an der schon mehrfach gescheiterten Überquerung des Niederoderbruchs. Viele Wege führen den Bruch, aber nur wenige hindurch. In praller Sonne und nach wenigen Kilometern völlig orientierungslos sah ich mich inmitten von Wiesen und Felder, umschwirrt von Mücken und Aasgeiern. Immer wieder stieß ich auf Kanäle dich ich nicht überwinden konnte und mir den Weg Richtung Osten versperrten. Nach etlichen wirren Kilometern und Stunden in der Mittagsglut hatte ich es endlich geschafft die Strecke Niederfinow – Bralitz, die in der Luftlinie gerade mal 5km beträgt, zu überwinden.

Endlich im Wald der gleißenden Sonne entkommen fuhr ich vorbei an Neuenhagen, ließ den kleinen Krebssee links und großen Krebssee rechts liegen und erreichte Hohenwutzen mit seinem Grenzübergang. Wenige Meter vor dem Kontrollhäuschen fiel mir mit Schrecken ein, das mein Ausweis noch wohlbehütet zu Hause auf meinem Schreibtisch liegt. Wie ich aber sehen konnte, waren die Kontrollen in Anbetracht der Hitze eingestellt worden. Der BGS hing völlig müde in den Seilen und lies sich nur herab ab und zu mit einer trägen Handbewegung die Ausreisewilligen, die obrigkeitshörig ihren Perso schon gezückt hatten, weiter zu winken. Ha – da hatten sie aber nicht die Rechnung mit Ritzelflitzer gemacht, todesmutig ging ich auf die Beamten zu und konfrontierte sie mit meiner Absicht Polen ohne gültiges Personaldokument zu bereisen und mich mittels eines aktuellen EU-Führerscheins bis zur Grenzkontrollstelle Schwedt durchzuschlagen. Die völlig verwirrten Staatsbüttel fragten mich nur ob mir beim die Hitze nicht zu Kopf steigt und ließen mir die freie Wahl des Weges mit den Worten “Muss ich mich erst umdrehen, damit ich sie nicht sehe!”

Die ersten Meter in Polen waren gespickt von Verkaufsständen, billigen Tankstellen und einem riesigem Einkaufszentrum mit den schönem Namen “Oder Center Berlin” En wahrlich architektonisches Kleinod.

Im ersten Dorf nach der Grenze wollte ich mich Richtung Norden an die Oder durchschlagen. Ich landete in einer Sackgasse, wenige Meter zuvor bin ich an einem Gehöft mit einem schlafenden Köter vorbeigefahren, dieser war natürlich der Meinung alles was in seinem Revier ist, gehört ihm und darf das Gelände nicht verlassen und schon gar nicht Fahrräder. Um diesen keifenden und bissfreudigen Artgenossen aus dem Weg zu gehen, bevorzugte ich eine für Mountainbiker untypischen Fortbewegungsart – das Rad zwischen mir und dem gestörtem Tier bringend, lief ich rückwärts Richtung Freiheit. Sämtliche Versuche auf Deutsch das Tier zu beruhigen schlugen wahrscheinlich wegen der Sprachbarriere fehl. Nach einigen Metern, in der dieses Prachtexemplar eines Dokös immer wieder versuchte an meine Waden zu kommen, wurde das Tier langsam heiser und ließ ab von mir.

Nach diesem Erlebnis fand ich mich bald auf einem wunderschönem Plattenweg, der parallel zu Oder verlief, Richtung Norden wieder. Die Berge, die sich aber in Richtung Südosten abzeichneten, begehrte ich mehr und versuchte sie zu erreichen. Mehrere Versuch sie zu erklimmen scheiterte mangels Wege und querstehenden Zäunen. Irgendwann fand ich endlich mal ein paar Pfade die der örtlichen Motocroosgemeinde zum Training dient. Mühselig und immer wieder durch Zuckersand gestoppt versuchte ich in Richtung Cedynia zu gelangen. Von dort schlängelt sich ein schöner Weg über die Hügel Richtung Lubiechów-Gorny. Hier machte ich Rast und durchstreifte dann im Zickzack den Landschaftsschutzpark “Cedynski Park Krasnobrazowy”.
Auf der Suche nach einem riesen Findling der laut der Ampelkarte sich dort befindet neigten sich meine Wasservorräte de Ende entgegen. Richtung Radun versuchte ich die Oder zu erreichen um an ihr in Richtung Schwedt Olen zu verlassen. Nur gab es leider keinen Weg ab Radun der parallel zu Oder verlief und so musste ich mich mühselig gefühlte 500Hm wieder von der Oder hoch zu nächsten Straße quälen. Von hier aus erreichte ich Zaton Dolny. Bei der Abfahrt zu diesem Ort überquerte ich noch einen Hügel mit Ausblick auf das Odertal und die Industrieschlote von Schwedt.

Dieser Berg erinnerte einen sehr an den in amerikanischen Filmen oft gezeigten Blick auf Los Angeles, an dem ein mit “50-ziger Jahre-Tolle” eingeschmalzter männlicher Us-Bürger in einem Cadillac versucht seiner weiblichen Begleiterin die Zunge in den Hals zu stecken. Das man an diesem Berg in Polen sogar weiter gegangen ist, war deutlich an den Latex-Tütchen die hier rumlagen zu erkennen.

Endlich an der Oder angekommen sah ich auch schon die Brücke auf der ich mich wieder in den deutsches Territorium zurück begab.

Am Ende dieser Brücke erwartete ich die gleichen transusigen Beamten die mir freundlicherweise den Rücken kehren. Aber da habe ich nicht mit dem auf Zack bereiten polnischen Grenzer gerechnet. Im leicht erhöhten Schritttempo versuchte ich mich an der Abfertigungsluke vorbeizumogeln. Als ein deutliche “HALT!” im polnischen Akzent nicht zu überhören – nein es wurde so scharf herausgebrüllt, das ich vermutete, wenn ich auch nur einen Zentimeter weiterfahre von AK 48 niedergestreckt zu werden. Der heransprintende polnische Grenzer brüllte mich an, das ich froh war auch wirklich sofort angehalten zu haben, zu meinem Glück war er unbewaffnet. Unschuldig versuchte ich ihn meinen EU-Führerschein unterzujubeln. Ebenso unschuldig und ohne mit der Wimper zu zucken, machte er mir klar, dass ich jetzt nach Warschau zur deutschen Botschaft fahren und mir ein Ersatzdokument besorgen muss. Meine Antwort: “OK, wenn ich mein Camelback mal kurz bei ihnen auffüllen dürfte, dann fahr ich gleich los” hat ihn anscheinend doch beeindruckt oder er hat mich schlichtweg nicht verstanden, schließlich holte er eine deutsche BGS-Tante dazu, die mich noch mal ins Gebet nahm, meine Daten überprüfte und mich ziehen ließ.

In Schwedt hatte ich von der Hitze die Schnauze voll und wollte mit der Eisenbahn Richtung fahren. Hier in der Einöde der vormals blühenden Petrolchemischen Industrie der DDR fuhren die Züge nur alle 2 Stunden, so dass ich noch genügend Zeit hatte mir das ehemalige glorreiche petrolchemische Proletariat anzusehen, wie es seine wenigen HartzIV-Moneten versoff. Ich zog mir hier ordentlich 3 große Radler hinter die Binde und einen Schwedeneisbecher mit ordentlich Eierlikör, denn schließlich gab es hier nichts zu sehen außer den vermutlichen Versuch eines Albert Speers, diese kleine Stadt mit einer überbreiten Straßen zu teilen, an dessen Ende ein riesiges Betonmonster stand.

Die eigentlich versprechende langweilige 1 1/2 stündige Rückfahrt konnte ich mir durch 4 Euro fünfzig zu einer lustigen und unterhaltsamen Fahrt aufwerten. Ein Zeitsoldat der Bundeswehr libanesischer Abstammung fehlte genau dieser Betrag, um zu einer gültigen Fahrkarte zu kommen. Der dienstbeflissene Schaffner sah sich nicht dazu in der Lage diesen arm besoldeten Menschen die Fahrt zwischen Schwedt und Angermünde zu gewähren, obwohl dieser einen gültige Fahrschein, leider erst ab Angermünde Richtung Berlin, sein Eigen nennen durfte. Für schlappe 40 Euro natürlich auf Rechnung hätte er diese Fahrt antreten dürfen. In einem Anflug von Großzügigkeit, die mir ja auch an der Grenze zu Teil wurde, schenkte ich den ohne Bargeld Reisenden die fehlenden Kröten und nahm ihm Gegenzug das Versprechen ab keine Drogen zu nehmen oder zu verkaufen, die ihm untergegebenen Soldatenknechte bis zu Erschöpfung zu schinden und mich auf dieser Reise zu unterhalten und zu amüsieren. So verging die Zeit Wie im Fluge und hatte mich wieder.

Ritzelflitzer

geschätzte Reisezeit: 5-6h
geschätzte Kilometer: 90-100km
geschätzte Höhenmeter: wenn nicht sogar noch mehr…

ritzelflitzer

2 Kommentare

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  • hi rifli,

    tolle sache! die polnischen gefilde. welche auf den ampel karten gerade noch eingezeichnet sind, haben mich auch schoen oefter interessiert. klasse, dass du da mal hin bist, war es doch bisher ein schwarzer fleck auf der imaginaeren karte des eisen-sk. ich denke, da koennen wir oefter hin. und wenn man noch ein paar sloty mitnimmt, kann man sich vor der rueckfahrt mitm zug nach berlin auf polnischer seite nochmal richtig zuloeten! 😀
    das mit den ausweis ist aber die haerte – typisch rifli! warschau, pah!

    tolltoll, rob

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