Neu Wege in die alte Heimat – und zurück

Ich fülle mal das Sommerloch und bin so frei ….

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Letztens mußte ich mal wieder an meine Solofahrten von Berlin nach Dresden zurückdenken. Fast 8 Jahre ist es her als ich das letzte mal der B96 und ihren kleinen Schwestern einen Besuch abstattete. Nun bot der Geburtstag meines Vaters an einem Tag unter der Woche gepaart mit ganz passablen Wetterprognosen den konkreten Anlass, die Familie zu beehren und einen Tag auf dem Rad statt im Büro zu verbringen.

Viele Dinge haben sich seitdem geändert. Es wird nicht mehr einfach drauf los gefahren, sondern zunächst digital die Strecke optimiert. Ich traue meinen Augen kaum, als mir mapy.cz für die Haustürfahrt nur 168km anbietet. Komisch, ich bin immer 205km gefahren. Zum Anderen, gibt man sich mittlerweile mit 200km nicht mehr zu frieden und liebäugelt gleich noch mit der Heimfahrt. Diesen natürlich auf anderem Wege. So war flux eine Strecke zusammengeklickt und aufs Garmin geschoben. Verlockend fand ich auch die Vorstellung den Lenkeraufsatz zu montieren, um mich hinter Zossen noch mal ‚hinzulegen‘.

6:25 wurde scharf gestartet. Der Himmel war blau, die Luft noch frisch. Gemütlich ging es über den Grünstreifen der U7 bis zum Dörferblick am Stadtrand. Nun wurde langsam Tempo aufgenommen. Auf der alten 96 ging es flott Richtung Süd. Die erste Irritation erzeugten die Linden entlang des Weges, eh ich gemerkt hatte das hier die Straße dermaßen klebt, dass die Straßenreifen ein lautes Schleifgeräusch erzeugen waren einige km vergangen. Vor Zossen war dann die 96 wegen Baustelle gesperrt, für Radfahrer aber gut und ohne Verkehr passierbar. Wer die 96 zwischen Zossen und Baruth kennt, kennt den Charme dieser Strecke. Doch jene knapp 20km Gerade mit leichten Auf und Ab hat auch ihre meditativen Reize. Hier kommt der Aufsatz so richtig zum Einsatz und schnell war auch dieser Abschnitt weggetreten.

Dann kam für mich Neuland und mit dem Kreisverkehr, der Kurve und folgendem Anstieg auch schlagartig ein Charakterwechsel der Route. Mit einem Besuch des kleinen Kettenblattes ist man dann hier auf den Höhen des Flämings angekommen und wach. Dazu trägt nun auch der auffrischende Gegenwind bei. Über Groß Ziescht und Buckow ging es auf wunderschönen Straßen nach Dahme welches gegen 8:45 erreicht wurde.

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Hier ging es dann schnurstracks nach Lebusa und dort das erste mal abseits von großen Straßen in den Wald. Und tatsächlich ist hier ein Teil der Naturstraßen asphaltiert. Diese sind Touren des Elbe-Elster Radwegnetzes (hier EE7). Kilometerlang geht es durch Kiefernforst und gerade als man denkt man sei allein, kam ein Bofrostkutscher und nutzt den Weg als Abkürzung von A nach B.

10:30 schlug ich dann in Bad Liebenwerde beim Bäcker an um ein zweites Frühstück einzunehmen und die leeren Trinkflaschen aufzufüllen. Elsterwerda wird diesmal östlich liegen gelassen und erst in Wainsdorf auf die 101 eingebogen. Dies fühlt sich nun schon verdammt nach Endspurt an, denn die restlichen 35km sind wohl bekannt. Die fiesen Wellen bei Lenz und Großdobritz haben in den Jahren auch nichts von ihrer Art verloren doch spätestens ab Buschhaus rollt es dann fast nur noch bergab ins Elbtal. Pünktlich 12:05 wird mit einem 32er Schnitt der Mittagstisch erreicht und die Glückwünsche übermittelt. Daheim wundert man sich ob des gewählten Verkehrsmittels nicht mehr.

Hinweg

Nach Steak Minute, einigen Kaltgetränken einem Mittagsschläfchen im Schatten und diversen Obstkuchen und Schälchen Heeßen hieß es 15:25 die Träger der Radhose wieder hochzulegen und in die Reiseschuhe zu schlüpfen. Der Rückweg sollte mich entlang der Elbe bis Mühlberg führen um dann via Herzberg in den Fläming zu fahren.

Erstaunlich frisch fühlten sich die ersten Kilometer nach der Pause an. Über Weinböhla ging es nach Niederau wo ich ich glaube überhaupt das erste mal auf dem Rad saß, dann über Gröbern und Diera nach Nieschütz an der Elbe. Viele Rennradler drehten hier ihre Feierabendrunde. Für mich gab es den noch nicht denn es ging stramm gegen West und Wind. An Zeithain vorbei geriet ich dann ein Stück auf den Elberadweg. Wer mit dem RR zügig unterwegs ist sollte diesen meiden. Denn gleich waren ein paar Gravelkilometer angesagt. In Mühlberg verließ ich dann den Fluß und mußte zunächst ein offenes Geschäft erfragen. Das Zentrum war wie ausgestorben, so wurde an der Tankstelle die Flaschen gefüllt. Hier biegt die Strecke nun auch auf Nord und für gut eine Stunde konnte ich den Wind von achtern genießen. Wer den Radweg an der B101 zwischen Wiederau und Herzberg kennt, weiß diesen breiten ausgebauten Abschnitt zu genießen. Wenn der Wind dann aber auf Nordwest dreht lernt ihn zu hassen. In Herzberg war ich dann schon ziemlich angeschlagen und bog gegen 18:30 zum Bäcker ab. Hier zückte ich auch das erste mal das Telefon und suchte eine Zugverbindung nach B. heraus. Doch genau der nächste Zug war spontan gestrichen. Zwei Stunden warten war keine Option also weiter gegen den Wind.

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Den folgenden Abschnitt kannte ich von unserer Südbefahrung der Tour Brandenburg. Doch der Wind frischte weiter auf und blies eine Wetterfront heran. Im Norden wurde es nun schon zunehmend dunkel. 19:45 in Hohenseefeld zog ich dann nach Abwägung weiterer Bahnhofsoptionen die Jokerkarte und bestellte den Privatjet nach Luckenwalde an die Tanke. Das war für mich wie für Conny noch gut ne Stunde. Der Anstieg auf den Hohen Fläming von Wahlsdorf nach Pettkus ließ sich noch ganz gut drücken. Danach legte allerdings das linke Knie ein Veto ein und und wollte auf die Bank. Doch nix da es ging in die Verlängerung. Licht hatte ich eigentlich ausreichend dabei, war es nun an der Zeit den Wald zu beleuchten. Aber noch über zwei Stunden allein über brandenburger Alleen im Dunklen zu fahren, darauf hatte ich keine Lust.

Kurz vor 21:00 war dann nach 320 Tageskilometern Schluss. Und das war auch gut so.

Rückweg

Fazit: Sehr schöne und rel. kurze Strecke ins Elbtal. Rückweg für Anfang/Mitte August zu lang. Lenkeraufsatz für Solisten auf Langstrecke echt hilfreich. Keine tauben Finger und Hände, allerdings beansprucht er mehr die Nackenmuskulatur.

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