Der längste Tag – InVeloVeritas 2016

the hateful 5

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Zum vierten Mal fand in diesem Jahr die InVeloVeritas im Weinviertel nördlich von Wien statt. Von Anfang an stellt der ESK Teilnehmer auf der Langstrecke, auch dieses Jahr waren wir dabei. Zur Berliner Fahrradschau im März kam unser Freund und Veranstalter der InVeloVeritas, der Watzl Horst mit einigen Begleitern nach Berlin, per Rad. Das ermutigte Toni zu einem waghalsigen Plan: die Anreise nach Wien per Rad. Nun waren wir vor drei Jahren schon mal nach der IVV per Rad nach Prag gefahren, doch dafür nahmen wir uns zwei Tage und eine Übernachtung Zeit. Toni dagegen wollte die ganze Strecke nonstop abfahren.

Mit dieser Idee ging Toni also hausieren, Twobeers sagte sofort ab, Mitstreiter sagte erst zu und verlegte dann seinen Familienurlaub, einzig Opi fand sich als Begleiter. Am letzten Donnerstag machten sich die beiden morgens um 6:00 auf den Weg, der Tour Wien-Berlin 1892 entgegen. Start also in Tempelhof. Der lautstarke Abschied der Brandenburger Autofahrer mit versuchtem Abdrängen fiel glimpflich aus, der GPS-Tracker schickte regelmäßige Positionsmeldungen. Leichter Wind aus NordOst schob die beiden Richtung Lausitz. Gegen 22:00 schaltete ich mich aus der Liveübertragung, wünschte eine gute Nacht und 4:30 waren die beiden 150km weiter und hockten in einer Autobahnraststätte mitten in Tschechien.

Kurze Zeit später (Opi winselte in einer Bushaltestelle um 10 Minuten Powernap) mussten die beiden die Entscheidung treffen, ob sie den einzigen Bismarck-Turm Österreichs noch mitnehmen würden. Schließlich sind beide Teilnehmer der Unendlichen Rundfahrt. Und sie entschieden sich für den kleinen Umweg, aus 650 wurden damit 740km. Zwischendurch gab es Straßen, die nicht da waren, fehlende Brücken über Schnellstraßen, tiefes Gelände und Gestrüpp. Alles in allem also genug Abenteuer für eine Woche.

Da der Plan in Wien bekannt war, kam eine Abordnung um den Watzl Horst den beiden entgegen. Und weil die Zeitpläne nicht so 100%ig passten, kamen dann noch Umwege und Verfahrer dazu, plötzlich standen die beiden auf einer Kraftfahrstraße, dann kam wieder eine Geländeeinlage obwohl sie eigentlich die letzten 80km nur noch ruhig an der donau langfahren wollten.

Als sich die Wiener und Berliner endlich trafen, gaben die Wiener alles. Tempo 35 und noch ein paar Höhenmeter extra, damit auch eine schöne Aussicht genossen werden kann. Und ein besonders schönes Wiener Ortsschild. Und überhaupt.

18:30, Wolkersdorf. Nach einer ereignislosen Anreise mit Flixbus biegt Twobeers mit dem Rad um die Ecke und entdeckt die beiden. Sonnenverbrannt an Armen, Beinen und Nacken stehen sie da auf der Suche nach unserem Hotel. Wir fahren zusammen die letzten Meter. Toni und Opi wollen nur noch duschen, raus aus den Radklamotten, Flipflops. Als ich ihnen das erste Bier bringe, sind die beiden zu erschöpft. Sie brauchen fast eine halbe Stunde.

Wenig später treffen wir im Heurigengarten auf Boom und Frö, die per Wohnmobil angereist sind. Dazu noch ein paar bekannte Nicknames mit unbekannten Gesichtern aus Rennrad-Foren. Und als Überraschungsgast Thomas Huschke mit Frau, ein wirklicher ExWeltmeister auf dem Rad. Wir essen, trinken Wein und Wasser und kommen langsam runter.

Der Sonnabend vergeht im Flug mit langem Frühstück, Mittagsschlaf, Einschreiben, Teileflohmarkt, Einführungsrunde, Wiener Schnitzel, Blunzngröstl. Auf NAchfrage bietet uns das Hotel Klaus ein frühstück schon um 6:00 an, allerdings startet die epische 210km Runde schon um 6:00. nach kurzem Überlegen werfen wir unsere Erfahrung (manche nennen es Berliner Arroganz, manche sagen dazu ESK) in die Waagschale und entscheiden uns für das Frühstück. Boom und Frö stehen um 6:00 am Start, Toni, Opi und Twobeers fahren eine Stunde später gut gelaunt dem Feld hinterher.

Die Straßen sind leer, der Himmel freundlich grau. Nach wenigen Kilometern die ersten Fahrer am Straßenrand. Sie fragen nach einem 15er Maulschlüssel, das verschraubte Hinterrad hält nicht im Hinterbau. Wir haben keinen passenden Maulschlüssel dabei. Nach 35km die erste Labe, wir nehmen den ersten Schluck Wein des Tages, einige vor uns gestartete sind noch an der Labe.

Wir freuen uns über die Einsamkeit auf den Straßen, besonders im tiefen Schotter und auf steilem Pavé. Toni möchte lieber etwas langsamer fahren, Opi ist noch jung und hat die Anstrengung der letzten Tage besser weggesteckt, er fährt mit Twobeers etwas flotter. Immermal wieder werden einzelne Starter überholt, schnell ist Poysdorf erreicht, wo die nächste Labe wartet. Unserer Bitte nach einem Schluck Wein kommen die Wirtsleute nach, nicht ohne mahnende Worte, dass in Tschechien absolutes Alkoholverbot für Radfahrer gelte. Ein lockiger Mann aus Thüringen bekräftigt das und will sich vordrängeln….

Am Schloß Mikolov gibt es Strudel, Saft und alkoholfreies Bier, der Himmel ringsum ist schwarz, wir stehen in der Sonne und haben das Gros der Starter um uns. Boom und Frö verpassen wir um wenige Sekunden. Die weitere Strecke führt durch die Kulturlandschaft Lednice-Valtice zu der Kolonnade Reistna. Mehr dazu hier.

Wieder zurück in Poysdorf sind wir 155km unterwegs, treffen auf Boom und Frö, die Spitze des Feldes ist nur kurz vor uns. Die epische Runde hat am Ende 222km und damit 12 mehr als angekündigt. Nicht weiter schlimm, doch die kürzeste Runde, angekündigt als die „genussreiche“ wird zum Härtetest für Mensch, Material und Moral. Tiefer grober Schotter, steile Auf- und Abfahrten. Wir sind froh ob unserer funktionierenden Bremsen, als wir mal wieder mit Tempo 70 in eine 120° Kurve müssen, wo die Straße durch eine Absperrung zusätzlich geschmälert wird. Hätten wir unsere Frauen mit auf die Genussrunde genommen, wir hätten wohl (zurecht) richtig Ärger bekommen. Über solche Streckenabschnitte sollten die Veranstalter für die nächsten Jahre nachdenken, schmalste Reifen, alte Bremsen und eine Baumwollmütze sind nicht die besten Voraussetzungen für solche Strecken.

16:00, wir sind im Ziel. Nicht als erste wie vor zwei Jahren, aber auch nicht als letzte. Ein (oder für Twobeers zwei) Radler gibt es sofort mit unserem Bekannten Helmut Kendler. Das Wetter hat gehalten, auf dem Schlossplatz Wolkersdorf scheint die Sonne, die Verpflegungstände rechnen nicht mit unserem Durst, Bier und Radler sind bald alle. Dank an Boom für die beiden Schultheiss aus seinem Kühlschrank!

Wir beschließen den Tag in der Schloßtaverne Wolkersdorf, die Spareribs sind reichlich und gut, das Weizenbier kurz Zeit nach unserem Eintreffen zu Ende. Wir beratschlagen über den Aufbau eines aktiven ESK-Außenpostens in Wien, mal sehen, was geht.

Vielen Dank an den Watzl Horst und alle seine Helfer für die wieder sehr gelungene Veranstaltung!

Toni hat ein paar Bilder hochgeladen.

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