Hölle, Hölle, Hölle

Hölle, Hölle, Hölle,
geht es mir immer wieder durch den Kopf. Es ist 4:30 Uhr und der Wecker reißt mich unsanft aus den Träumen. Mit dem Sachsen und Ampel geht es heut auf die Piste nach Halle. Das Rad ist vorbereitet.

Es soll Aua geben. Die Profis werden sich heute in Frankreich die Kante geben, wir machen das im wilden Osten.
Auf die Gefahr hin, elendiglich zu scheitern, habe ich mich nach 6 Wochen Krankheit und Wiedergenesen doch aufgerafft, um meine Glaubensbrüder nicht im Stich zu lassen und somit stehe ich um 5:45 am Treffpunkt.

Nach kurzweiliger Autofahrt sind wir 5 Minuten vorm Start da und platzen fröstelnd in ein geschäftiges Treiben von Carboncrossern, Randonneurstourern und Singelspeedgefährten.
Puff, Peng und es geht los, meine Gefährten ohne Handschuhe bei gefühlten 0°C. Ich hab alles an, was ich dabei habe und der Pulk rollt, begleitet von 3 Motocrossmaschinen, Richtung Brachwitz zur Fähre.
Hier kurze Pause und Mauritzius, der Herr und Meister, referiert das erste Mal zu Geschichte und Boden, hier die Brachwitzer Porphyrlandschaft.

Im Gegensatz zur Schilderbeschriftung waren die Lichter hier noch nicht aus.

Die Meute, ca. 80 Starter waren zugelassen, rollt nun Richtung Wettin. Unterwegs erfährt man „Burg Wettin, zu DDR Zeiten Schäferschule, heute Gymnasium….“ weitere Worte verhallen durch das Schütteln der Knochen auf dem elendigen Pflaster, welches gleich 2 x bewältigt werden muss. Wieder unten im Saaletal angekommen werden die Flaschen kontrolliert und man bereitet sich auf die nächste Steigung vor. Rohtenburg, nun ist keinem mehr kalt. Danach Richtung Könnern und die Steinhaufen bei Strenznaundorf und Ihlewitz. Der Kaffeeduft lauert in Trebnitz auf uns. Es ist ein herrliches Wuseln und Mampfen am feinen Kuchenbuffet.

Die Sonne hat sich endgültig entschieden, unser heutiger Begleiter zu sein. Gut gestärkt geht es wieder zurück auf die Alleen der Depression. Leider ist es dann nach 70km soweit und einem wird wieder gezeigt, wie klein der Abstand zwischen Spaß und Ernst ist. Ein Menschenknäuel liegt auf dem Pflaster. Leider nicht „nur“ Materialschaden.

Es wird sich gekümmert, ich warte noch bis alle aufgesattelt sind und mit den letzten Versprengten kämpfe ich mich ans Hauptfeld zurück. Wir kringeln uns nach Löbejün, der Wind nimmt zu, aber da wir ja Kringel fahren schiebt er auch manchmal. Den Petersberg langsam im Blick, die km-Anzeige wandert Richtung 100 und es nähert sich die Mittagspause. Mittlerweile hat die Thermoskanne meinen Flaschenhalter zerstört, aber nun klapperts wenigstens nicht mehr. Am Schlosspark von Ostrau vorbei noch mal 1000m Parkinson und die Mittagspause ist da. Auf Grund der Verspätung brauchen wir dieses Jahr nicht hinauf sondern können direkt zum Futtern. Uff! Lecker Nudelsuppe, Orangenstückchen und Getränke warten, wieder liebevoll von den Damen und Jungs kredenzt. Für unsere beiden Teilzeitvegetarierer sogar Tofuwopper!

Nach 35 Minuten gehts wieder los, bisschen rollen lassen und schon wird wieder am Horn gezogen. Die Pause war nötig. Ich merke meine schlechte Verfassung, sobald ein Stück Pflaster kommt falle ich zurück. Es geht jetzt in den nächsten großen Kringel Richtung Zörbig. Immer wieder Fahrer mit Reifenpannen, diesmal ist Ampel dran. Ich warte, einen weiteren Fahrer hat es erwischt, das Hauptfeld ist lange weg. Ampel pumpt mit der kleinsten Pumpe, die es am Markt gibt und zu viert versuchen wir wieder Anschluss zu gewinnen. Auch wenn Ortsnamen wie „Kneipe“ meine Motivation oben halten, zieht mich das Kackkopfsteinpflaster wieder in die Realität zurück. Für mich motivierend – das Rad und die Reifen halten. Kaum noch ein Blick für die Landschaft, ziehe ich Kraft aus dem Gedanken, dass ja bald das Kuchenbuffet wartet und da gabs letztes Jahr ne Kanne Bier.

Nach 151 km in Niemberg an der alten Brennerei sind wir wieder alle beisammen. Das Kuchenbuffet schon gut leer, aber zum Energietanken reicht es alle Male. Lecker wie bei Mutti. Diesmal kein Bier, vielleicht ganz gut so, denn bei mir ist die Luft langsam raus. 10 Minuten Beine und Hände ausschütteln, weiter.

Am Anfang noch im Schutz der großen Gruppe falle ich immer weiter zurück, doch wer steht da wieder am Wegesrand? Die Jungburschen Ampel und Sachse – Ampel wechselt zum x-mal den Hinterreifen bzw. den Schlauch. Diesmal warte ich nicht, wer will schon Letzter werden. Das letzte große Scheißstück Kopfsteinpflaster wartet am Küttener Busch, wenn das geschafft ist, ist das Ziel nicht mehr weit. Ein Einheimischer „Markus“ schließt sich mir an und so rollen wir gemeinsam Richtung Halle. Nach Sennewitz die letzte Steigung. Nun nur noch abwärts Richtung Bootshaus 5!
Mauritzius ist schon bei der Siegerehrung, der Großteil der Leute ist schon im Ziel. Ich bin froh, dass der Maximalpuls von 181 nicht zum frühen Herztod geführt hat und genieße Bier und Bratwurst.
Ampel und der Sachse rollen ein. War also ESK Sieger! Yes.
Heute sag ich: „Nie wieder“!
Ein sehr geiles Event. Danke den Organisatoren!
Mal sehen wie ich nächstes Jahr zu dem Thema denke! ;-)

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8 Antworten auf “Hölle, Hölle, Hölle”


  • Die Nummer mit dem Flaschenhalter habe ich dort auch mal vollzogen. Während ich das Ding noch abschraubte, meinte einer im Vorbeifahren nur „einfach abtreten!“, dann war das Feld ein paar Minuten weg. Und ich durfte bis zum ersten Zwischenstopp hinterherhecheln. Gut, dass ich mittlerweile Hüfte und damit eine Ausrede haben, dort nicht mehr starten zu müssen…

  • Das Selfie klagte noch: „Ich fühl mich so leer, ich fühl mich Brandenburg.“, doch mittlerweile sind die Strapazen offenbar fast vergessen. Die Säfte steigen auf und bringen so wundervolle Bonmots zu Tage wie:

    „…noch mal 1000m Parkinson und die Mittagspause ist da.“

    schon schön,
    schosse

  • Fein gemacht! Und all das Böse abgeschüttelt.

  • Das letzte Bild spricht Bände.
    Dennoch oder vielmehr gerade deshalb: famos.

  • Ich wäre nach 50km schon vom Rad gefallen, meine Form ist echt im Untergeschoss und so hab ich meine 4. Hölle ausgelassen (die 110km Alternativ-RTF hat mir schon gereicht)
    Schön aber das ihr den Weg wieder in meine Heimatstadt gefunden habt.

    Bis bald mal. (Mal wieder Huschke….?)

  • Feine Zeilen. Die Vorher-Nachher-Fotos illustrieren die geschilderten Leiden eindrücklich.

  • Macht richtig Lust auf die Kopfsteinpflasterscheisse… Flandern oder Roubaix, egal – Hauptsache es rüttelt!
    Danke für die Zeilen!

  • Das war eine super Veranstaltung! Dank den Organisationen. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei. Hatte die TSC Klamotten an, komme aber von der weltpolitischen Grenze. Beiderseits der Grenze haben wir noch extremere Strecken. Leider fehlt ein fehiger Organisator!

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