Übernacht im Dezember

Wann wird’s mal wieder richtig Winter |
Ein Winter wie er früher einmal war |
Mit Schneefall von November bis April |
Und nicht so nass und so subtropisch wie im letzten Jahr.

So ging es mir heute Vormittag auf dem Mountainbike sitzend durch den Kopf. Nungut, wenn es nach den obigen Textzeilen ginge, könnte ich nicht noch im Dezember mit dem Mountainbike durch die Mark Brandenburg fahren. Gegen Skilaufen hätte ich jedoch auch nix einzuwenden.
Aber moment mal, könnte der aufmerksame Leser fragen, warum sitzt rob eigentlich an einem Montagvormittag auf dem Mountainbike? Na weil ich auch schon am Sonntag auf dem MTB unterwegs war und die Nacht dazwischen in einer Schutzhütte in den Bergen bei Bad Freienwalde verbracht habe.


Raus auf’s Land: kurz hinterm Berliner Stadtrand.


Trailverwüstungen nördlich vom Ihlandsee

Overnighter heißt das heute auf Neudeutsch. Das bedeuted in unserem Fall, man fährt mit dem Rad raus in die Natur, übernachtet da irgendwie irgendwo und fährt am nächsten Tag wieder in die Stadt.
Mir war es ein Bedürfnis mal raus zu kommen. Und da aus unserem Dresdenwochenende leider nix wurde, schwebte mir irgendeine andere Betätigung in der Natur für dieses Wochenende vor. Am Freitagabend packte mich die akute Unlust, am nächsten Tag aktiv zu werden. Lieber lange Schlafen und ausgiebig Frühstücken. Außerdem brauchte ich noch etwas Vorbereitung, um meine Ausrüstung und deren Transportmöglichkeit zu sondieren. Das MTB war gesetzt. Und da sich so spontan auch schlecht Mitfahrer finden ließen, fuhr ich dieses erste Mal alleine.


Kleines Tal unbekannten Namens vom Rothsee zum Sternebecker See


Uferpfad am Harnekoper Schlosssee.

Ohne große Eile startete ich an meiner Haustür in Weißensee um halb 12. Marzahn durchquerend ließ ich hinter Ahrensfelde Berlin hinter mir liegen. Der Feldweg Richtung Blumberg (Bild weiter oben), mit der großen Stadt im Rücken, vermittelt mir immer das gute Gefühl, endlich draußen zu sein.
Auf bekannten Wegen ging es über Krummensee, Wesendahl und den Gamengrund querend zum Ihlandsee. Kräftiger Rückenwind machte die Fahrt über Felder sehr angenehm. Ich folgte der Talung vom Ihlandsee aus gen Norden, sehr reizvolle Gegend. Über Blumenthal ging es nach Sternebeck-Harnekop und kurz später erreichte ich den Beginn des Brunnentals, welches sich bis nach Bad Freienwalde hinzieht.


Schöne Feldallee hinter Harnekop.


Wegkreuzung „Am Teller“ auf dem Höhenzug zwischen Brunnental und Baasee.

Ein paar Kilometer folgte ich dem Brunnental, dann ging es hinauf zum Teller. Dort steht eine Schutzhütte inklusive Lagerfeuerplatz. Ich blieb auf der Höhe und gelangte so zum Siebenhügelweg. Der erinnert mich immer etwas an den Rennsteig im Thüringer Wald. Am Siebenhügelweg gibt es auch eine nette Schutzhütte. Wenig später stürzte ich mich wieder in das Brunnental hinab. Der 600m lange Trail schräg am Hang runter darf man, die brandenburger Verhältnisse im Sinn, gerne als Downhill bezeichnen.


Downhill ins Brunnental


Ist das schon ein Hochstand, noch ein Hochstand oder garkein Hochstand?

Nun ging es bei ständigem auf und ab zum Teufelssee und einmal quer durch das Freienwalder Massiv zu den Tobbenbergen. Es fing schon an zu dämmern. Der kurze Kammweg auf den Tobbenbergen ist immerwieder ein Highlight, besonders seine Abfahrten. Es ging bis runter nach Falkenberg (an die 150m Höhendifferenz!) und im Restlicht des Tages hinauf zur Carlsburg. Hier wollte ich etwas ordentliches Essen, ein Kocher passte nämlich nicht mehr mit in den Rucksack. Zu dem immerwährend präsentierten Kitsch in den Gasträumen der Carlsburg gesellte sich jetzt noch nicht weniger kitschiger Weihnachtkitsch. Doch Lage und Blick des Restaurant hoch über Falkenberg tronend entschädigen dafür. Brandenburgisches Pils und Königsberger Klopse schmeckten sehr gut.


Tobbenberge

Die Schutzhütte auf den Tobbenbergen erwies sich als zu exponiert und zugig bei dem starken Wind, so entschied ich zurück zu der Hütte am Siebenhügelweg zu fahren. Über Dannenwalde und das Brunnental benötigte ich noch eine knappe Stunde bis zu der Hütte, ausreichend Beleuchtung für einen Nightride hatte ich ja dabei. In der Hütte war es halbwegs sauber und der Boden war mit Holz ausgelegt. Schnell machte ich es mir etwas gemütlich. Als Betthupferl gab es den kleinen Haselnussbrand, den mir meine Eltern mal vor längerem geschenkt hatten. Und schon war ich um acht Uhr am Abend müde genug für den Schlafsack.


Das Nachtlager am nächsten Morgen


Wollenberg am Morgen

Die Nacht war lang und ereignisarm. Lediglich das Rauschen in den Bäumen war ob des starken Windes recht laut, erweckte aber oft den Eindruck als schliefe man in Meeresnähe. Um achte stand ich auf und halb neun sattelte ich das Fahrrad. Wieder ging es runter in das Brunnental zurück gen Süden. Wenig später schwenkte ich nach Westen und durchquerte die Orte Wollenberg und Wöllsickendorf der Gemeinde Wöllsickendorf-Wollendorf. In Leuenberg, ein Ort weiter, gab es bei dem vortrefflichen Bäcker zum Frühstück Kaffee, ein französisches Milchhörnchen und ein Stück gefüllten Streuselkuchen.


Dorfsupermarkt in Wöllsickendorf


Mittelsee im Gamengrund


Berlin im Blick. Im Hintergrund die „Skyline“ von Marzahn.

Bei leichtem Gegenwind drückte ich etwas auf die Tube, da ich ja noch nach Hause wollte und um 14 Uhr auf Arbeit im Laden. Ich folgte der Seenkette im Gamengrund – wunderschön. Auf schnellstem Wege erreichte ich über die selben Dörfer (Wesendahl, Wegendorf, Krummensee, Blumberg, Ahrensfelde) wie auf der Hinfahrt, nur im umgekehrter Reihenfolge, Berlin und schlug mich noch bis zu meiner Haustür durch. Pünktlich um kurz vor eins am Mittag stand ich schon unter Dusche.
Eine wunderbare Rundfahrt bei bestem Wetter und unproblematischer Übernachtung. Gerne wieder so oder so ähnlich.

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