Kuchentour II – Die Eierschecke

wie wikipedia.org sie kennt

So wie der Weißwurstäquator im Süden, gibt es zwischen Brandenburg und Sachsen eine unsichtbare Grenze, hinter der Backwaren wieder zu schmecken beginnen. Doch eigentlich versuche ich alle Jahre wieder, den Kader mit meiner Vorliebe für im Gefälle verlegten Asphalt mit diversen Kuchentests ins Gebirge zu locken. Im Besonderen stand diesmal die Eierschecke im Zentrum des Interresses.

 

Da dem ein oder anderem Kader schon zwischen den Domen der Mund wässrig gemacht wurde standen sage und schreibe 9 (in Worten neun) Kader an einem Mittwoch früh um 9.30 im Schatten der Dresdener Yenidze und schmierten Sonnencrem in dicken Schichten auf die Alabaster. Nach zehn Stadtkilometern und der Sozialstudie in ‚Frei’tal wurde der erste Scheckentest rechts liegengelassen. Zu groß war die morgentliche Aufregung ob der anstehenden Prüfungen.

Sanft nahm das Peleton zwischen Tharandt und Edle Krone Fahrt auf. Das Maglia Rosa noch im Feld versteckt. Schon hinter Dorfhain gab es dann den ersten Tritt ins Kreuz. Steil, doch nicht zu lang erklimmt man die erste Treppenstufe auf dem Weg zum Erzgebirgskamm. Das Rosa Trikot nun vorneweg protegiert von den Bergziegen die sich endlich mal wieder in ihrem Element wähnen.

Sobald es wieder in die Ebene geht formiert sich das Feld und fliegt auf den Bergrücken Frauenstein entgegen. Da den Kader weder Wegverlust noch Umleitungen stoppen, werden auch die Baustellen angefahren. Es kommen uns nun immer mehr Tieflader mit abgefräßtem Straßenbelag entgegen. Und in der Tat, die gesamte Bergwertung nach Frauenstein war fein säuberlich bis auf die Tragschicht zurückgebaut. Aber fahrbar! Rifli fand die freigesetzten Dämpfe so unangenehm, dass er vornwegstrahlte und die Bergwertung ungefährdet einfuhr. Nun aber wurde die erste Bäckerei gestürmt und von diversen Schecken erleichtert. Doch auch die beste Backware kann in Frauenstein nicht darüber hinwegtäuschen, dass man noch ein paar Höhenmeter bis Nove Mesto vor sich hat. Und dort werden dann die gerade erkämpften Meter in schwungvollen Kurven wieder hergeschenkt. Doch bevor mit vollen Händen geschenkt werden konnte, musste noch an so manchem Bremsklotz gehobelt werden.

Die Temperaturen im Böhmischen Becken nähern sich nun der 30Grad Marke. Für den Transfer nach entscheiden wir uns für die Europastraße mit Radstreifen. So sind wir auch kurz darauf im 8 Kilometer Langen Anstieg zum Mückentürmchen. Zunächst recht steil, dann etwas gemächlicher aber für uns Rolleure aus dem Flachland nicht enden wollend zieht sich das Asphaltband in einigen Kehren zum Graupener Paß und dann noch ein paar Meter zum Turm hinauf.

Die meisten haben natürlich 39/25 gekettet.

Innerhalb von 6Minuten sind aber alle oben und ringen nach Sauerstoff in den hinteren Hirnzellen. Für die Bestellungen diverser Elektrolytgetränke und leichter Trennkost reicht es bereits.

Als sich dann ein Harleyfahrer nach pda’s Klarnamen erkundigt und sich als Nalinivertriebler der unsere Trikots verantwortet outet glauben wir an Halluzination. Doch es gibt Zufälle, die kann man sich nicht ausdenken.

Bald darauf stürzen wir uns wieder über Adolfov und Krasny Les und Petrovice in Richtung Sächsische Schweiz. Doch wer nun glaubte wir lullern nun der Elbe entgegen sah sich spätestens hinter Markersbach enttäuscht. Die nächste Eierschecke in Cunnersdorf wollen noch erarbeitet werden und so geht es zunächst auf und ab durch schattige Tälern. Da Bäcker wie Ortsschilder eine magische Anziehung entwickeln können war es nur zu logisch, dass die letzten Meter zur Theke dezent forciert gefahren wurden. Im Anschluss konnte dann bei diversen weiteren Schecken die weitere Strecke diskutiert werden. Aufkommende Exitstrategien über den Elberadweg konnten mit erhöhtem Touristenaufkommen und ohnehin nicht viel weniger Kilometern entzaubert werden. So schickte sich das komplette Feld an nur noch kurz durchs Elbtal die Sense nach Hohnstein hoch und dann immer in den Talsenken durchs Dresdener Hochland. Zum Glück war die Sauerstoffschuld des Peletons in Hohnstein schon so groß, dass die Kombination aus Senke und Hochland keinem wirklich auffiel. Irgendwie ging es nach den Serpentinen ins Polenztal immer bergauf.

Wirklich langsamer wurde es aber auch nicht und so knallten die neun mit gut 40 durch Stürza, Dürrröhrsdorf-Dittersbach, Eschdorf und Schönbach dem verdienten Biergarten entgegen.

Und fast schon ein bisschen kitschig konnte der herrliche Tag unter dem Blauen Wunder bei goldenem Sonnenlicht mit diversen Hopfenschorlen begossen werden.

 

Nachtrag Backwaren:

Dresdner Eierschecke – keine signifikanten Abweichungen in den Testorten feststellbar, geht immer, schmeckt vormittag am besten

Freiberger Eierschecke – lohnenswerte Alternative, selten zu kriegen, schafft es ohne den Massebildner (Quark) durch die Zugabe von nicht minder Butter und Rosinen zu überzeugen.

Einback – klein Schwester der Buchtel, üblicherweise mit Vanillesoße, unser Sachse ist ihn so. Da im sächsischen mittwochs der ’süße Tag‘ ist gibt es den Einback meist nur noch mittwochs. Glück gehabt.

6 Antworten auf “Kuchentour II – Die Eierschecke”


  • Hab übrigens heute die letzte ESK Hose entsorgt und bin gespannt ob der Harley Fahrer sich an seine Worte am Mückentürmchen erinnern kann. Schön wars.
    Vielleicht ja im August mal mit dem Breitschwert?

  • Noch eine Bemerkung zu den Ausfällen unterwegs:
    nach wenigen Kilometern eine speiche am Vorderrad von Twobeers. Die Fahrt wurde mit schleifender Bremse fortgestezt.
    Frö zentrierte unterwegs das Hinterrad so nach, dass kurz vor Schluss auch bei ihm eine Speiche brach.
    DerSachse haderte in der längsten und schönsten Abfahrt mit dem Freilauf, der nicht mehr frei läuft. Er musste dann ständig mittreten.
    Zuletzt sorgten Hitze und Mineralverlust bei Peter für Krämpfe in den Beinen, doch mit vereinten Kräften erreichte auch er das Ziel.

    Schön war es auf jeden Fall!

  • 9 Mann am Mittwoch um 9.00? Wohl alle arbeitslos…?

  • Klasse Bericht. Des Teufels Gesicht auf dem 15% Stück hinauf zum Mückentürmchen hat euch zugegrinst?

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