Herbst im Isergebirge / Tag 2

Wie im ersten Teil geschrieben, gingen am 23.09.2014 bereits gegen 23:00 die Lichter in der „CHATA PEŠÁKOVNA“ aus. Benebelt von den bereits beschriebenen Gerüchen sowie den Erlebnissen des vorangegangenen Tages, fielen den tapferen Recken alsbald die Äuglein zu, aber nur, um am nächsten Tag bereits gegen 07:30 wieder aufzugehen. Nach dem Frühstück und der ein oder anderen Bastelei an der Technik, erfolgte gegen 09:30 der scharfe Start zur zweiten, entscheidenden Etappe. Fahrzeit und Strecke wurden durch die auf 17:02 terminierte Abfahrt des Zuges in Zittau limitiert. Kräfte schienen zumindest noch am Morgen ausreichend vorhanden.


Izerka verschwand bereits nach wenigen Minuten aus dem Blickfeld. Es ging zunächst in westlicher Richtung hinab ins Tal. Dabei gab es natürlich auch wieder Abschnitte, in denen die weniger mit Technik Gesegneten kräftig durchgeschüttelt wurden. Vollständig wurde das Tal der Černá Desná (Schwarzen Desse) erreicht, welchem man weiter talabwärts bis Tanvald (Tannwald) folgte. Hier hörte der Spaß dann auf, denn bereits am südlichen Ortsrand ging es unbarmherzig auf den Kammweg eines hier beginnenden Höhenzuges mit dem wohlklingenden Namen Černostudniční hřbet. Steigung und Untergrund waren zunächst dergestalt, dass wie bereits am Vortag längere Tragepassagen nicht zu vermeiden waren. Hier zeigte sich, dass sich allein durch beherztes Voranschreiten das Feld der Teilnehmer ordentlich auseinandergezogen werden kann. Irgendwann wurden die Wege wieder fahrbar und in flotter Fahrt wurde der Černá studnice (Schwarzbrunnenberg) erreicht. Hier sammelte sich die kleine Schar, wobei festgestellt wurde, dass doch etwas mehr Zeit als geplant vergangen war. Da ich mir den bereits erwähnten 17:02 Zug ab Zittau als Limit gesetzt hatte, traf ich die einsame Entscheidung, im Fall der Fälle mein Glück in der Flucht zu suchen und gegebenenfalls alleine weiter zu rollen.

Doch zunächst ging es geschlossen hinab nach Vrkoslavice (Seidenschwanz) und weiter über Radlo (Radl) nach Jermanice (Hermanstal). Wer aufmerksam war, konnte bereits hier hin und wieder einen Blick auf den 1.012 m hohen Ještěd (Jeschken) nehmen, welcher von einer Ikone der 60’er Jahre Architektur, dem Liberecer Fernsehturm gekrönt wird, welcher gleichzeitig als Hotel und Restaurant genutzt wird. Zumindest von der Talseite ein schauerlich schöner Anblick.

Irgendwann im Anstieg war ich dann tatsächlich allein. Der Rest der Gang sonnte sich wohl in einer der am Wegesrand befindlichen Wirtschaften. Egal, ich tobte weiter.
Der Weg wurde mir allerdings langsam sauer. Aufgrund des guten Wetters sowie eines Rollskirennens nahm die Fußgängerdichte in Anfahrt auf oben genannten Berg exponentiell zu. Zunächst hatte ich die Idee, den Jeschken nördlich zu umfahren. Nun war ich aber nun schon mal da und die Zeit schien auch noch zu reichen, so dass ich dann doch noch hochgerollt bin. Das wurde mir fast zum Verhängnis, denn kaum war ich oben, begann das Rollskispektakel. An eine Abfahrt war vorerst nicht zu denken. Irgendwann ergab sich dann aber doch eine Lücke und ich konnte abfahren.

Wenige Kilometer nordwestlich in Novina (Neuland) musste ich dem vorhergehende Auf und Ab Respekt zollen und etwas rausnehmen. Das Profil des verdammten Kammweges kennt aber auch keine Gnade. Höhenlinien werden stets orthogonal gekreuzt. Wobei die Höhenlinien dicht gestaffelt liegen. Die Kunst des Gebirgswegebaus ist in diesen Breiten unbekannt. Hinzu kommt, dass wirklich keine noch so kleines Zwischengipfelchen ausgelassen wird. Gefühlt wie eine Schnecke kroch ich Hügel um Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinab. Das Rauschen im Ohr wurde vom Ticken der Uhr überlagert. Die Zeit verstrich unbarmherzig, ohne dass ernsthafte Geländegewinne erzielt wurden. Am Jítravské Sedlo (Pankratzer Sattel) entschied ich, dass es dabei bewenden lassen wollte und steuerte mein Rädchen nach Nordwesten ins Tal der Neiße.
Der Rest ist schnell erzählt. Nunmehr im Tal wurde Zittau zügig erreicht. Zeit war auf einmal auch noch ausreichend vorhanden, so dass ich am Dreiländereck die Fluten der Neiße auch noch für ein reinigendes Bad nutzen konnte.

Gegen 16:15 erreichte ich den Zittauer Bahnhof, erwarb Bockwurst, Bier und ein WE-Ticket und setzte mich gemütlich in die Sonne und harrte der Dinge (Züge), die da kommen sollten. Ich hatte noch Hoffnung, dass weitere ESK-Schergen den Bahnhof erreichen und sich so an den Kosten des Tickets beteiligen konnten. Also setzte ich mich so, dass ich Bahnhofstür und Fahrkartenautomaten im Blick hatte. Meine Geduld wurde belohnt. 16:45 schwenkte die Tür auf. Gerade noch rechtzeitig konnte ich Mitstreiter und Rifli davon abhalten, sich am Automaten zu schaffen zu machen. Fünf Minuten später war das Glück perfekt, konnte doch auch Ampel noch pünktlich den Zug erreichen. 44,- EUR durch vier, sind elf und somit ein akzeptabler Fahrpreis. Die Rückfahrt verlief zügig und unspektakulär, so dass wir pünktlich wieder an den heimischen Herden eintrafen. Ein großartiges Wochenende! Danke an Rob und alle Mitfahrer.

Dickes Ende/ Heute entdeckt:

…nichts ist für die Ewigkeit.

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9 Antworten auf “Herbst im Isergebirge / Tag 2”


  • Schön, aber Scheisse! (Rahmentod)

  • Du hast also am Zittauer Bahnhof nur auf Nachzügler gehofft,damit du das Ticket nicht alleine zahlen musst??Das sagt viel aus…:-)
    Trotzdem ein toller Bericht zu nem tollen WE!!

    • Naja nicht nur. Zum Bierholen brauchte ich die Typen auch noch. Ansonsten nur Ärger. Gestunken haben die und dann auch noch Plätze belegt. ;-)

  • ich bedauere immernoch , dass ich nicht mitkommen konnte. Obwohl, technische Abfahrten und Tragepassagen mag ich nicht so gern….

    Ich bin gespannt auf Jockels neues Rad!

  • ...olle Kemper, der Knochen

    Ein schöner Bericht! Aus Reue nicht dabei gewesen zu sein, kann ich den erst jetzt lesen und verarbeiten. Mann, was für ein Mist! Ich wäre zu gern mit euch Bockwürsten über die Steine gestolpert! Coole Fotos auch! Klasse Aktion, hoffentlich bald wieder und dann will ich och mit!

    Jockel, hoffe die Metallschei**e hat jetzt mal nen Ende! Schade übrigens, dass RiFlis Karre nicht gebrochen ist. Das Ding erzeugt Augenbluten. Tolle Tour und danke für den Bericht!

  • Es ist schon ungerecht, dass Jockels Rahmen bricht und nicht meiner. Wie lange soll ich denn noch mit diesem Kinderfahrrad fahren?

  • RiFli – stelle die Karre einfach für Wotan ins Regal. Er kann die dann mit acht, neuen Jahren zur Fahrt in die Schule nehmen und du besorgst dir ein normales Rad…!

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