Westalpen: von Bern ans Mittelmeer

Das Frühstück in der Herbrge ließ keine Wünsche offen. Sehr nette Leute. Alsbald ging es wieder auf die Piste und hinab nach Briancon. Im Ort eine Apotheke gefunden um endlich Sonnencreme kaufen zu können, obwohl die Haut auf Oberschenkeln, Armen und am Hals schon brannte. Jesses war die teuer, da verdienen sich die Pharmaunternehmen ja eine goldene Nase mit. Sogleich nach dem Eincremen ging es in den ersten Anstieg des Tages, den Col d‘ Izoard. Der Anfang war steil, aber die weiteren Kilometer kurbelten sich mit frischen Beinen gut weg. Abwechselnd sitzend oder im Wiegetritt ging es wunderbar bergan. Jede Menge Radler unterwegs. Ich traf einen Deutschen aus der Ecke Nürnberg auf einem Kocmo, er war unterwegs von Chamonix nach Nizza. Mittagessen kurz vor der Passhöhe. Die Abfahrt vom Izoard war unglaublich.


Col d’Izoard

Unten angekommen ging es aber fast nahtlos in den nächsten Anstieg. Der zweite Pass des Tages war der Col d’Agnel und zugleich Grenzübertritt nach Italien. Ein französischer Radfahrer der sehr gut deutsch konnte schloss auf mich auf und wir unterhielten uns einige hundert Höhenmeter gut. Er war schon 67, hatte aber jede Menge Kondition und erzählte von verwegenen französischen Radevents wie dem Tour-de-France-Brevet und einem weiteren Vorhaben, das er fast abgeschlossen hatte. Dabei ging es darum, in allen Deprtements Frankreich (außer Übersee) jeweils(!) sechs Stempelstationen abzuradeln. Er kehrte später um, ich fuhr weiter Richtung Passhöhe. Perfektes Wetter, Steigung mit Mittelteil moderat, nach hinten raus aber kam das dicke Ende und dicke Beine. Kräftezehrend. Gegenwind. Gaaanz laaaangsame Kurbelumdrehungen. Oben am Pass Wind und Wolken.
Die Abfahrt auf italiensicher Seite war wirklich steil. Und wieder, wie seit Stunden, so gut wie überhaupt kein Autoverkehr. Eine tolle Abfahrt, aber definitiv die schwerere Variante um hoch zu kommen. In der zweiten Ortschaft nach dem Pass, ich war schon anständig durchgeforen, fand ich nach einigen Umständen, die Berghütte des Italienischen Alpenvereins, die ich mir vorher schon im Tourplan vermerkt hatte. Nochmal 100hm raus aus’m Ort, dafür aber mit schönem Blick, großartigem, reichhaltigem Essen und grandioser Klavirkonzerteinlage des 15-Jährigen Sohns der Herbergsleiter. 35 Euro mit Halbpension und Wein auf’s Haus, da kann man über Schimmeldusche und Kratzdecke schonmal hinwegsehen.


Auffahrt auf französischer Seite


Colle dello Agnello


Abfahrt auf italienischen Seite


Blick auf Pontechianale

Tag 5: Le Lauzet – Pontechianale: ~100km / 2700hm

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13 Antworten auf “Westalpen: von Bern ans Mittelmeer”


  • Robsen, du bist schon ein grandioser Spinner! Haste fein gemacht Großer.

  • Rob, du coole Sau! Gern wäre ich an deiner Seite gewesen, hätte Ausblicke, Abfahrten, Gewitter, Sonnenbrand und Wein mit dir geteilt! Ein tolle Tour und ein toller Bericht! Wirklich Rob, vielen Dank für die Eindrücke, die Motivation und die Inspiration! Ja, da ist er wieder – der Herr Stelzenacker, der einsame Held staubiger Landstraßen!

    Hut ab, ergebens, dein Herr Kemper

  • Toll Rob! Heldenhaft, cool, wunderbar :)
    Vielen Dank für die grandiosen Fotos und den schönen Bericht.

  • Jojojo, echt großen Respekt vor der Leistung und Deiner zähen Beharrlichkeit unbedingt draußen schlafen zu wollen. Bett und Dusche am Abend sind das absolute Muss für mich bei einer solchen Tour. Und bei der nächtlichen Aktion in Verona wäre ich wahrscheinlich schon nach 10 Minuten ins Hilton für 250,-€… ;-)))

  • Rob, ich bin einfach nur sprachlos! Nach 2 Tagen im Sattel und ein paar Höhenmetern ohne Gepäck ist mein Körper schon ziemlich am Ende. Grandioser Bericht, jetzt muß ich mir erstmal in Ruhe die Bilder ansehen.

  • Rob, danke für diesen grandiosen Bericht und Respekt für dieses Unterfangen!

    Ampel

  • Rob, haste fein gemacht. Falls du mal einen nicht murrenden Partner für solch ein Abenteuer brauchst und die Familie mir frei gibt bin ich zu allen Schandtaten. bereit. Bei dem Bericht verblassen natürlich unsere mini Schotterpassagen der letzten 2 Tage in Harz und Kyffhäusergebirge.

  • Wow! Ich gehöre ja auch zu denen, die abends ein Kopfkissen unter dem Haupt wünschen und fließend Warmwasser. Das erhöht meinen Respekt vor Deiner Erlebnistour. Nur nachmachen möchte ich es nicht, solange der Kreditkarte noch etwas abzupressen ist… ;-) Besten Dank für die schönen Impressionen.

  • Geiler Ritt Rob! Und Mümmeltüte war die richtige Entscheidung für die Nacht, oder?
    Wenn die Partner noch einigermaßen auf hartem Boden nächtigen können findet sich der Rest dann auch.

  • Sprachlos!
    Ich wünschte, ich würde mich auch mal so was trauen.
    Großen Respekt, Rob!

  • Stefan (Team Erbeskopfmarathon)

    Hey Rob, absoluten Respekt. Würde mir selbst die Zeit, die Kondition und den Mut für ein solches Unterfangen wünschen. Auf die Annehmlichkeiten der modernen Welt (wie z.B. Matratzen, Kissen, Seife :-) …) könnte ich für ein solches Erlebnis locker verzichten. Bin selbst ab und zu der Typ für solche „Alleine-Touren“, bei denen man alle Eindrücke ungestört in sich aufsaugen kann. Manchmal (nicht immer) sind Ruhe und überwältigende Gefühle wichtiger als immer alles zu „teilen“. Deswegen ist Deine Leistung nicht weniger „wert“. Dein Bericht ist alles andere als langweilig. Ich hoffe, Du fühlst Dich großartig !!

  • Habe mir erlaubt, einige dieser für Sterbliche unerreichbaren Pässe abzuspeichern, damit ich sie, immer wenn ich mich für einen guten Radfahrer halte, als Hintergrundbild aufleuchten lassen kann. 5 Sterne!

  • Toller Bericht, tolle Fahrt, und viel Respekt für die Alleinfahrt

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