Tour de Vendsyssel – vom Winde verweht

Mein Urlaubsziel 2014 lautet Dänemark, genauer gesagt der nördlichste Zipfel von Jütland.

Ein Land platt wie eine Flunder und trotzdem haben die mal einen Tour de France-Sieger hervor gebracht. Na gut, heute weiß man aber auch warum und wieso alles so kam, wie es kam…

Die höchste Erhebung des Landes ragt gerade einmal 170,86 m über das Meer. Oder besser den Meeren, liegt das Land doch zwischen Nord- und Ostsee. Meine Reise führt mich also auf die Insel Vendsyssel-Thy und dort an die Spitze Skagen – da wo Nord- und Ostsee zusammen stoßen. Zusammen mit Himmerland und den Inseln Mors und Laeso bildet Vendsyssel-Thy die Region Nordjütland.

den tilsandede kirke
den tilsandede kirke

Die Tage im Juni sind bekanntlich auf der Nordhalbkugel am längsten und das spürt man hier besonders. Obwohl es noch viele Kilometer bis zum nördlichen Polarkreis (66,5°) sind, wird es eigentlich nicht wirklich dunkel. Da wo die Sonne gegen 23 Uhr untergeht, kommt sie gegen 3 Uhr auch wieder hoch. Schon komisch, wenn man nachts um 4 Uhr auf Toilette geht und denkt „blauer Himmel und Sonnenschein – ich muss zum Strand“.

Oder eben aufs Rad, so wie ich es am 19. Juni 2014 getan habe. Es war in 14 Tagen der einzige Tag mit Sturm, blau war der Himmel trotzdem größtenteils. Bei einem der örtlichen Radhändler flux ein MTB geborgt, schlappe 10,-€ für einen Tag. Das war mit Abstand eine der günstigsten Investitionen des Urlaubs. Zum Vergleich: ein Bier kostet im lokalen Brauhaus 8,50 €…

Start in Skagen
Blauer Himmel und Sonnenschein beim Start in Skagen

Schnell die Klickpedalen angeschraubt und los gehts. Natürlich kommt der Wind (so 5-6 Windstärken) von vorne und mangelnde Erhebungen blasen ihn direkt in mein Gesicht.

Abzweig zur versandeten Kirche
Abzweig zur versandeten Kirche

Kurz nach dem Ortsausgang und der versandeten Kirche (den tilsandede kirke) endet die Skagen Klitplantage (örtliche Aufforstungsmaßnahme – sprich Wald). Ich kämpfe mich die ersten 10km durch eine offene Heidelandschaft nach Süden, bevor ich bei Hulsig endlich wieder den schützenden Wald erreiche.

Asphalt in der Heide
Asphalt mitten in der Heide und Wind von vorne…

Jetzt knicke ich nach Westen ab und fahre nach Kandesterderne (Ausgesprochen: „Kann das der Däne?“). Wald, Wiese, Düne und Sand wechseln sich, der Wind bleibt.

Dünen wie in der Sahara
Rabjerg Mile – Dünen wie in der Sahara

An den gewaltigen Sanddünen von Rabjerg (Rabjerg Mile) vorbei, gelange ich nach Skiveren. Irgendwann erreiche ich den Strand und sehe die vom Wind aufgepeitschte Nordsee.

Wind und Wellen
Wind und Wellen an der Nordsee

Mit dem Schiff heute nach Norwegen, auf die Farör oder Island ist bestimmt auch kein Vergnügen, denke ich mir so und bin froh festen Boden unter der Füßen zu haben. Schnell ein paar Fotos gemacht und weiter in Richtung Hirtshals.

No fun
Kein Spaß am heutigen Tag mit der Fähre ;-)

Der Wald von Tversted (Tversted Plantage) bietet wieder einen guten Schutz gegen den Wind. Die Wege sind teilweise breite Forstautobahnen, teils wunderschöne Singletrails.

Tversted
Wege bei Tversted

Kurz vor Hirtshals in Asdal knicke ich nach Süden ab und fahre in Richtung der „Gebirgslandschaft“ von Nordjütland. Ich erklimme den Hellehoj, mit 89m ü. NN ein echter Riese. Vom Gipfel bietet sich ein gigantischer 360°-Rundumblick.

Blick vom Hellehoj
Blick vom Hellehoj

Weiter gehts ab jetzt westlich in die rasende Abfahrt nach Bjergby und gleich wieder hoch. Es geht hier in der Endmoränenlandschaft der letzten Eiszeiten auf und ab – und macht richtig Spaß. In Sindal erwischt mich der einzige Schauer des Tages und der gesamten vierzehn Tage. Kein Problem, ich stelle mich kurz unter beim örtlichen Spar, bevor es weiter geht.

Laubwald bei Tolne
Laubwald bei Tolne

Bis nach Tolne wird es noch einmal richtig hügelig. Der Tolne Skov ist ein wunderschöner Wald mit vielen alten Laubbäumen. Buchen und Eichen säumen die alten Hohlwege der Wikinger.

Ortsdurchfahrt Tolne
Ortsdurchfahrt Tolne mit der Eisenbahnbrücke

Das nächste Dorf heißt Vogn, wobei Dorf wirklich übertrieben ist. Es handelt sich um eine Ansammlung von Häusern und Gehöften. Oft befinden sich völlig verstreut in den Wäldern noch irgendwelche temporär bewohnten Ferienhäuser. Mehr gibts nicht. Von Vogn durch den Eskaer Skov, wieder ein kleines Laub-Wäldchen. Mittlerweile fahre ich seit Tolne nach Norden und tatsächlich hat der Wind wie angekündigt von Südwest auf Nordwest gedreht. Das bedeutet er kommt nun von schräg vorne – wie heute morgen…

Laubwaldtrail
Noch mal ein schöner Weg durch den sommerlichen Laubwald

Next station is Rodebro und Blaesbjerg, bei Blaesbjerg treffe ich auf diese entzückenden Pferde. Sie fordern mich zum Anhalten und streicheln auf, ein für mich völlig neues Verhalten bei Pferden. Dann stellen sich alle noch einmal zum Gruppenfoto auf, echt verrückt bei diesen doch sonst so scheuen Tieren.

Aufstellung zum Gruppenfoto
Aufstellung zum Gruppenfoto

Ich tauche wieder in den Wald ein, diesmal ein eher nadeliges Beispiel in Form eines typischen Kiefernwaldes auf Sandboden. Die Albaek Klit Plantage ist einer der größeren Baumansammlungen hier oben, kilometerlang nichts als Kiefernwald.

Schotter Ende - Asphalt Anfang oder umgekehrt
Schotter Ende – Asphalt Anfang oder umgekehrt

Irgendwann komme ich nach Albaek, ab hier führt der Weg mehr oder weniger parallel zur Straße und Schiene gen Norden. Bis Skagen sind es aber noch gut 20km, heißt eine Stunde Gegenwind. Rechts neben mir die Ostsee und Briese von vorne.

Langsam schwinden die Kräfte, man glaubt es kaum. Auch ohne viele Höhenmeter zieht einem der Wind die letzten Körner aus der Tasche. Als nach Hulsig wieder die offene Heidelandschaft auftaucht, fahre ich mich vollends in den Tunnel. „Weiter, Weiter, immer Weiter“ höre ich Olli Kahn in meinem Kopf. War wohl zuviel Fußball gestern im TV…

Als endlich wieder Wald und dann kurz darauf das Ortseingangsschild von Skagen auftaucht, bin ich heilfroh.

Ortseingang Skagen
Ortseingang Skagen im Tunnel…

Am Ende des Tages stehen so um die 115km und 330 Höhenmeter auf der Uhr, mit Pausen war ich ca. 6,5h unterwegs. Meine erste Fahrt mit einem 29er übrigens. Der Umstieg auf den größeren Radumfang ist mir zunächst gar nicht aufgefallen. Aber als ich zu Hause wieder aufs 26er bin, war das wie auf nem Kinderrad…

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7 Antworten auf “Tour de Vendsyssel – vom Winde verweht”


  • Du warst im Urlaub ohne Rad!?
    Dänemark ist ne Gute Vorbereitung für den Erbeskopf,auf jeden Fall!!!
    Sachse

  • 1. Schöner Bericht, danke für die Zeilen.
    2. Was hast Du die restlichen Tage gemacht?
    3. Steigst Du jetzt dauerhaft auf 29er um?

    • „3. Steigst Du jetzt dauerhaft auf 29er um?“

      > es ist langsam mal wieder an der zeit, dass sein stumpy kaputt geht und da specialized ja nurnoch überzöllige räder baut, würde es dann wohl zwangsläufig auf einen 29er hinauslaufen… äh zwangsfahrig auf einen 29er hinausfahren.

      danke tobias, schöne fotos! und 1000m mit ordentlich gegenwind sind wie 1000m mit ordentlich steigungsprozente, wa.

  • Was für ein herrlicher Sandkasten dort oben. War schön öfter dort zum Zwischenhalt auf dem Weg nach Norge. Blockhus, Lökken, Hirtshals. Wald hab ich da aber noch nie gesehen, muss ich beim nächsten mal drauf auchten… ;-)
    Wonkel

  • Training für den Erbeskopf ist völlig überbewertet, da fährt man auf Erfahrung!

    29er? Keine Ahnung, ich fahr eh nur noch Straße ;-)

    Die restlichen Tage habe ich Fisch gegessen und am Strand gelegen, ab und an auch 8,50 € investiert.

  • „…Es war in 14 Tagen der einzige Tag mit Sturm…“ Wenn ich mal in Dänemark bin ist es immer genau umgekehrt – 1 Tag Sonne und der Rest Regen:(

    Sehr schöner Bericht – Dankeschön!

    Ampel

  • Coole Bilda mein Freund. Sieht aus, als könnte das was für mich sein.

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